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frailty

Dämonisch (USA 2001)
DVD - Regionalcode 2, Kinowelt
FSK: 18
Laufzeit: ca. 95 Minuten

Extras:
3 Audiokommentare, Interviews, Geschnittene Szenen mit optionalem Audiokommentar, "Anatomy of a Scene", Behind the Scenes, Making of FRAILTY, TV-Spots

Regie:
Bill Paxton

Hauptdarsteller:
Bill Paxton (Vater Meiks)
Matthew McConaughey (Adam Meiks)
Powers Boothe (Agent Wesley Doyle)
Matthew O`Leary (Fenton Meiks)
Jeremy Sumpter (junger Adam Meiks)




Inhalt:

Seit Jahren bereitet der "Hand Gottes" - Killer dem FBI Kopfzerbrechen. Dieser Serienmörder, von dessen Opfern man bisher nur ein einziges wiedergefunden hat, kann einfach nicht gefaßt werden. In einer regnerischen Nacht erscheint nun plötzlich ein junger Mann im Büro von FBI-Agent Wesley Doyle und behauptet, ihm sei die Identität des Mörders bekannt. Er gibt sich als Fenton Meiks aus - der Mörder ist angeblich sein Bruder Adam. Adam habe ihn am Vortag angerufen und sich anschließend das Leben genommen. Die Leiche habe Fenton in einem Rettungswagen gleich mitgebracht. Doyle glaubt dem Fremden zunächst nicht, aber vor der Tür steht tatsächlich ein Krankenwagen und ein Anruf im Büro des (gerade nicht anwesenden) Sherriffs von Adams Heimatort bringt die Bestätigung: Dort wurde tatsächlich eine Leiche "entführt". Doyle ist dennoch weiterhin skeptisch. Meiks beginnt deshalb, die Geschichte seiner (und Adams) Jugend zu erzählen. Außerdem glaubt er zu wissen, wo der "Hand Gottes" - Killer die Leichen seiner Opfer versteckt hat. Doyle und Meiks machen sich deshalb auf den Weg dorthin.

Rückblende ins Jahr 1979. Fenton und sein kleiner Bruder Adam leben zusammen mit ihrem verwitweten Vater in relativ einfachen Verhältnissen. Dennoch sind sie eine glückliche kleine Familie. Vater Meiks kümmert sich liebevoll um seine beiden Jungen, Fenton und Adam sind mehr als Brüder: Sie sind die besten Freunde. Das Haus der Meiks liegt hinter einem großen Park, der in dieser Zeit den städtischen Rosengarten beherbergt. Eines Nachts zerbricht die familiäre Idylle. Vater Meiks weckt die verstörten Kinder auf und erzählt ihnen von einer Vision, in der ihm ein Engel Gottes den Auftrag erteilt habe, Dämonen zu vernichten. Satan habe diese Dämonen in der Gestalt normaler, unauffälliger Menschen auf die Erde geschickt, um das Letzte Gefecht vorzubereiten. Nur Meiks und seine Söhne seien fortan in der Lage, die Dämonen zu erkennen. Demnächst würde Meiks sowohl eine Liste mit den Namen der ersten zu vernichtenden Dämonen als auch drei besondere Waffen erhalten. Bei ihrer Pflichterfüllung würde Gott sie beschützen. Die Jungs verstehen kein Wort, und als ihr Vater sich am nächsten Morgen wieder völlig normal verhält, halten sie das nächtliche Erlebnis für einen bösen Traum.

Der Alptraum geht aber bald darauf weiter. Vater Meiks hat weitere Visionen, die ihn unter anderem zu seinen "Waffen" führen: Eine Doppelaxt, ein Paar Arbeitshandschuhe und ein Stahlrohr. Dann folgt die Liste der Dämonen, auf ihr stehen die Namen ganz normaler Bürger der Stadt. Es kommt, wie es kommen muß: Meiks überfällt die arglosen Leute, schlägt sie mit dem Stahlrohr bewußtlos und schleppt sie in seine Gartenhütte, wobei er die Handschuhe trägt. Dort nimmt er die Handschuhe ab und berührt die Leute - wenn es sich um einen Dämon handelt, werden bei dieser Berührung Bilder der Schandtaten, die die Dämonen verübt haben, in sein Bewußtsein übertragen. In solchen Fällen zögert er nicht, seine "Pflicht" zu erfüllen, und erschlägt die Dämonen mit der Axt. Die zerstückelten Leichen werden im Rosengarten vergraben. So "vernichtet" Meiks einen vermeintlichen Dämon nach dem anderen. Gottes Schutz scheint zu funktionieren, denn obwohl er die Leute teils bei hellichtem Tag entführt, kommt man ihm nie auf die Spur. Fenton und Adam müssen bei all diesen Bluttaten nicht nur zusehen, sie müssen auch helfen, die Leichenteile zu verscharren.

Doch dabei bleibt es nicht. Während Adam nämlich jedes Wort glaubt, was sein Vater sagt (und davon überzeugt ist, selbst Visionen zu haben), erkennt Fenton in der "Dämonenvernichtung" die Realität: Für ihn sind es die Morde eines Wahnsinnigen. Doch was soll er tun? Er liebt seinen Vater immer noch und will ihn nicht verraten. Erst als er gezwungen werden soll, selbst einen Dämonen zu töten, flieht er zum örtlichen Sherriff und läßt nicht locker, bis dieser mit ihm kommt, um Vater Meiks auf frischer Tat zu ertappen. Pech für den Sherriff, daß er nicht vorsichtiger war: Vater Meiks erschlägt ihn mit der Axt - für ihn war das der erste Mord an einem Menschen, den er bis jetzt verübt hat! Da Fenton im Gegensatz zu Adam weiterhin nicht an den "göttlichen Auftrag" seines Vaters glaubt, steckt dieser ihn kurzerhand solange ohne Nahrung in ein dunkles Kellerloch, bis Fenton selbst eine Vision hat. Auch er hat jetzt eine Mission, aber eine andere als die von seinem Vater erhoffte. Zwar hilft Fenton bei der Entführung des nächsten "Dämons", aber als er diesen erschlagen soll, tötet er stattdessen den eigenen Vater. Adam kümmert sich dann allerdings doch noch um den "Dämon".

Damit endet die Rückblenden-Geschichte. Niemand hat je herausgefunden, was mit Vater Meiks geschehen ist. Als Doyle und Meiks ihr Ziel erreichen (es ist natürlich der Rosengarten) rückt Meiks mit der Wahrheit heraus. Er ist in Wirklichkeit nicht Fenton, sondern Adam - und er hält Doyle für einen "Dämonen"! Er tötet den FBI-Agenten, genau so wie er es mit seinem Bruder Fenton gemacht hat, denn dieser ist vor wenigen Tagen ebenfalls auf seiner Liste erschienen. Als Doyles Kollegen dessen Verschwinden bemerken und sich die Überwachungsbänder des fraglichen Abends ansehen, müssen sie feststellen, daß das Gesicht des abendlichen Besuchers unkenntlich ist. Selbst die, die ihm persönlich begegnet sind, können sich nicht genau an sein Aussehen erinnern. Offenbar wirkt "Gottes Schutz" immer noch, denn ein Kollege Doyles befragt sogar den Sheriff, bei dem Doyle kurz vor seinem Verschwinden angerufen hat. Und dieser ist niemand anderer als Adam Meiks...

Der Film:

Eins vorab: Dies ist eigentlich kein Horrorfilm, schon gar kein Splatterfilm. Im Film herrscht die meiste Zeit eine ziemlich gemächliche Erzählweise vor, wodurch die plötzlichen psychopathischen Ausbrüche von Vater Meiks umso erschreckender wirken. Trotz der FSK 18-Einstufung enthält der Film auch fast keine Gewaltszenen. Die hat er auch gar nicht nötig, denn der Horror - wenn man dieses Wort denn benutzen will - spielt sich hauptsächlich im Kopf des Zuschauers ab. Immer dann, wenn Vater Meiks z.B. mit der Axt zuschlägt, wird im letzten Moment ausgeblendet. Was dann noch vor sich geht, spiegelt sich nur noch in den Gesichtern der beiden Kinder wieder, die ja alles mit ansehen müssen. So stehen denn auch nicht die Gewalttaten des Vaters im Vordergrund, sondern die Reaktionen der Kinder darauf. Thema des Films ist nicht die beliebte Frage "Wer ist als nächster dran und auf welche Weise wird es ihn erwischen?", die in allzu vielen Horrorfilmen natürlich in aller Ausführlichkeit beantwortet wird. Es geht vielmehr um das allmähliche Abgleiten der heilen Familienwelt in den religiös verbrämten Wahnsinn des Vaters. Sozusagen ein Psychothriller aus der Perspektive der Täter. Respekt in diesem Zusammenhang vor der schauspielerischen Leistung der jungen Darsteller. Normalerweise mag ich Filme nicht, in denen Kinder die Hauptrolle spielen, aber in diesem Fall muß ich eine Ausnahme machen! Auch Bill Paxton spielt den anfangs noch hin- und hergerissenen, dann aber zunehmend verrückter werdenden Vater so überzeugend, daß er wirklich furchteinflößend und dennoch bis zu einem gewissen Punkt irgendwie sympathisch wirkt. Obwohl es kaum Action-Elemente, Verfolgungsjagden oder spektakuläre Effekte gibt, bleibt der Film spannend bis zum Schluß.

Womit wir bei einem Kritikpunkt wären. Das überraschende Ende läßt nämlich Raum für bedenkliche Spekulationen. Hält etwa tatsächlich eine höhere Macht ihre Hand schützend über den bzw. die Mörder? Wie sollte man es sich anders erklären, daß auf allen Überwachungsvideos ein Störstreifen genau über Adams Gesicht läuft und daß selbst ein FBI-Agent, der ihm von Angesicht zu Angesicht gegenübergestanden hat, ihn später nicht wiedererkennt? Und weiter: Als Adam den FBI-Agenten Doyle berührt, hat er eine Vision, in der er sieht, wie Doyle die eigene Mutter ersticht - eine Tat, die Doyle wirklich begangen hat (er gesteht den Mord). Läßt das den Rückschluß zu, daß auch die Visionen von Vater Meiks echt waren und daß die Leute, deren Namen auf der "Dämonen"-Liste stehen, allesamt zu Recht dort aufgelistet sind? Haben wir es also mit der göttlichen Rechtfertigung für Selbstjustiz zu tun? Ich weiß nicht, ob diese Interpretation richtig ist, aber fest steht, daß der Film ohne dieses Ende besser gewesen wäre.

Die DVD:

Die Extras enthalten neben ein paar geschnittenen und für die Story unbedeutenden Szenen vor allem Interviews und mäßig interessante Dokumentationen zu den Dreharbeiten. "Anatomy of a Scene" ist nichts anderes als eine lange Einstellung zu der Entstehung einer einzigen Szene im Film. Ich hätte mir in den Interviews ein paar andere Fragen gewünscht - insbesondere hätte mich die Meinung des Regisseurs zum Ende der Geschichte und zu der Botschaft des Films interessiert.

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