Flesh and Blood


Flesh & Blood - Limited Collector's Edition (USA/Spanien/Niederlande, 1985)

Blu-ray/DVD, Koch Media
Altersfreigabe: FSK 18
Laufzeit: ca. 128 Minuten

Extras:
- Audiokommentar des Regisseurs
- Paul Verhoeven: In the Flesh (21:48 Min.)
- Audioninterview mit Rutger Hauer (24:09 Min.)
- Interview mit Drehbuchautor Gerard Soeteman (17:42 Min.)
- Interview mit Second Unit Manager Walter Saxer (26:32 Min.)
- Die Filmmusik (12:38 Min.)
- Bildergalerie
- Trailer

Regie:
Paul Verhoeven

Hauptdarsteller:
Rutger Hauer (Martin)
Jennifer Jason Leigh (Agnes)
Tom Burlinson (Steven)
Jack Thompson (Hawkwood)
Fernando Hilbeck (Arnolfini)




Story

Europa im Jahre 1501. Zur Rückeroberung einer Stadt, die in seiner Abwesenheit von Feinden besetzt wurde, heuert Lord Arnolfini einen Söldnertrupp unter dem Kommando des Hauptmanns Hawkwood an. Sollten sie siegreich sein, so wird den Söldnern versprochen, dürfen sie einen Tag lang plündern. Gesagt, getan: Söldnerleutnant Martin und seine Kameraden nehmen die Stadt im Handstreich ein und raffen anschließend zusammen, was sie nur tragen können. Die Situation gerät völlig außer Kontrolle. Arnolfini möchte die Söldner deshalb so schnell wie möglich loswerden und erteilt Hawkwood einen entsprechenden Befehl. Zur Belohnung erhält Hawkwood viel Geld und ein Landgut. Der Hauptmann lockt die Söldner in einen Hinterhalt. In einer Sackgasse sehen sie sich Kanonen und berittenen regulären Soldaten gegenüber. Sie müssen ihre Waffen niederlegen, die gesamte Beute zurückgeben und die Stadt verlassen. Martins Leute errichten ein Lager in einer Ruine. Dort bringt Martins Geliebte ein totes Kind zur Welt. Als das Neugeborene verscharrt wird, finden die Söldner eine vergrabene Statue von St. Martin, die sie mitnehmen.

Steven, Arnolfinis Sohn, soll die Fürstentochter Agnes heiraten. Der gebildete junge Mann möchte zwar lieber weiter studieren, findet aber Gefallen an der schönen jungen Frau. Ein Stück Alraunenwurzel, das Agnes und er sich teilen, soll als Liebeszauber wirken. Aus dem Eheglück wird zunächst nichts, denn Martins Leute überfallen Agnes' Tross, töten die Wachsoldaten, verwunden Arnolfini und stehlen die Kutschen. Dabei fällt ihnen Agnes in die Hände, die sich in einer Kutsche versteckt hat und erst im Nachtlager entdeckt wird. Martin vergewaltigt sie. Agnes bemerkt, dass er sich in sie zu verlieben beginnt. Es gelingt ihr, ihn an sich zu binden und sich unter seinen Schutz zu stellen. Martin verhindert, dass die anderen Söldner über Agnes herfallen. Zu Martins Gefolgschaft gehört ein verrückter Prediger im Aufzug eines Kardinals, der in der Auffindung der Heiligenstatue ein Wunder sieht. Die Söldner überlassen sich der vermeintlichen Führung durch die Statue und erobern - mit tatkräftiger Hilfe durch Agnes - eine Burg, in der sie sich häuslich niederlassen, um nach Herzenslust zu prassen. Einem Kind gelingt die Flucht.

Steven hat einen Rettungstrupp für Agnes zusammengestellt und Hawkwood zwangsrekrutiert, der ein ruhiges Leben auf seinem Landsitz führen wollte. Sie finden das geflohene Kind und stellen fest, dass es an der Pest leidet. Hawkwood steckt sich an, doch durch Stevens moderne medizinische Kenntnisse kann er geheilt werden. Nachdem das Versteck der Söldner gefunden wurde, konstruiert Steven eine Belagerungsmaschine. So gelingt es ihm, in die Burg einzudringen, doch Martin sprengt die Belagerungsmaschine in die Luft, so dass fast alle Soldaten getötet werden. Ironischerweise ist Martin durch Stevens Erfindungen auf diese Idee gebracht worden. Steven fällt den Söldnern in die Hände, wird schwer misshandelt und angekettet. Agnes soll ihn erschießen. Doch dazu kommt es nicht, denn Hawkwood schleudert mit dem Pesterreger verseuchtes Hundefleisch in die Burg. Die Söldner verbrennen das Aas und ihre Kleider, aber ein Fleischstück bleibt übrig. Nur Agnes sieht, wie Steven das Stück in den Brunnen wirft. Sie behält dies für sich.

Am nächsten Tag trinken fast alle Gefolgsleute Martins vom verseuchten Wasser, nur Martin nicht, denn Agnes schlägt ihm den Becher aus der Hand. Als die Krankheit ausbricht und das Fleischstück gefunden wird, wenden sich die Söldner gegen Martin. Sie werfen ihn in den Brunnen. Agnes fürchtet um ihr Leben und beteiligt sich daran. Steven hilft Martin, aus dem Brunnen zu entkommen, aber Martin bricht sein Versprechen und löst Stevens Ketten nicht. Inzwischen ist Arnolfini mit Verstärkung angekommen und greift die Burg an, wobei einige Söldner getötet werden. Feuer bricht aus. Steven befreit sich selbst und öffnet das Tor. Er tötet den Prediger und kämpft mit Martin, der Agnes ermorden wollte, um sie nicht an Steven zu verlieren. Als Martin die Oberhand zu gewinnen beginnt, schlägt Agnes ihn nieder. Hawkwood holt Steven und Agnes aus den Flammen, doch Martin bleibt zurück. Wenig später sieht Agnes, wie Martin, einen Sack voll Gold über der Schulter, aus dem Schornstein gestiegen kommt. Sie verrät ihn nicht.


Kringels Meinung

"Flesh & Blood" ist ein gutes Beispiel dafür, welch großen Anteil nostalgische Verklärung bei der Bewertung eines alten Films hat. Dieser Pluspunkt fällt bei mir nämlich weg. Ich habe diesen Film jetzt zum ersten Mal gesehen, denn er war bis zum Jahre 2013 indiziert. Ich wusste natürlich, dass es ihn gibt, habe auch schon einiges darüber gelesen, dementsprechend hoch waren meine Erwartungen. Leider wurden sie nur zum Teil erfüllt.

Ich weiß nicht, ob das in diesem Film gezeichnete Bild des späten Mittelalters historisch korrekt ist, aber es wird wohl realistischer sein als die keimfreie Welt älterer Ritterfilme mit strahlenden Helden und holden Damen - von Monty Pythons Ritter der Kokosnuss (1974) und Terry Gilliams Jabberwocky (1977) mal abgesehen. Einen edlen Ritter gibt es hier jedenfalls nicht, tatsächlich ist praktisch keine einzige positive Identifikationsfigur vorhanden. Martin ist ein grober Klotz, er mordet, vergewaltigt und raubt, denkt nur an sich selbst und würde Agnes lieber töten, als sie einem anderen zu überlassen. Agnes ist eine Opportunistin, der man nicht trauen kann. Um sich selbst zu schützen, wendet sie sich sofort von jedem ab, der ihr nichts mehr nützt. Steven verroht mehr und mehr, so dass er seinem skrupellosen Vater immer ähnlicher wird. Ein typischer Bösewicht existiert ebenso wenig. Hawkwoods Motivation ist verständlich, er möchte einfach nur in Ruhe gelassen werden. Arnolfini ist sicherlich kein Sympathieträger, aber dass er die brandschatzenden Söldner loswerden und eine lukrative Ehe arrangieren möchte, ist ja nun auch nicht verwerflich. Gut und Böse können nicht klar voneinander getrennt werden. Und obwohl es eine Art Happy End gibt, gewinnt am Schluss im Grunde keiner. Wahrscheinlich war genau das der Grund dafür, dass der Film seinerzeit keinen Erfolg hatte.

Die sehr düstere, bitter ernste Grundstimmung des Films hat sicherlich ihren Teil zum Misserfolg beigetragen. Auf Humor und Romantik wurde fast vollständig verzichtet. Brutalität, Aberglaube und Wahnsinn regieren, entsprechend explizit ist die Gewaltdarstellung. Seinerzeit mögen die Gewaltszenen, die Nacktheit, die Religionskritik und so weiter Tabubrüche gewesen sein, aber seit einigen Jahren ist der realistische Ansatz bei Historienfilmen Standard, deshalb ist "Flesh & Blood" heute insoweit nichts Besonderes mehr. Auch in Sachen Action ist der Film nicht sehr gut gealtert. Drehorte, Kulissen, Ausstattung, Kostüme usw. - daran gibt's nichts auszusetzen. Die Kampfszenen wirken jedoch geradezu rührend unbeholfen. Die Schauspieler scheinen nicht so recht zu wissen, wie sie sich in den Rüstungen bewegen sollen, und mehr als einmal hatte ich den Eindruck, dass sie Angst hatten, mit den Schwertern aufeinander einzuschlagen. Leider fallen einige Schauspieler durch störendes Over-acting auf, vor allem Susan Tyrrell, die Martins Geliebte Celine spielt. Auch andere "schauspielern" zu sehr. Das wirkt nicht natürlich.

"Flesh & Blood" mag in den vergangenen Jahrzehnten Kultstatus erlangt haben, aber mich hat er nicht wirklich vom Hocker gerissen.


Blu-ray/DVD-Features

Nach Streichung von der Liste indizierter Filme wurde "Flesh & Blood" in einer liebevoll aufgemachten Collector's Edition neu herausgebracht - in ungeschnittener Fassung. Im nett gestalteten Mediabook mit umfangreichem Booklet befinden sich eine Blu-ray mit dem Hauptfilm incl. Audiokommentar sowie zwei DVDs. Eine enthält ebenfalls den Hauptfilm, die andere das Bonusmaterial.

Die Extras sind zwar durchweg interessant, befassen sich teilweise aber gar nicht mit dem Film. So berichtet Rutger Hauer in dem englischsprachigen, per Telefon geführten Audiointerview (auf dem Bildschirm sind dann nur ein Bild sowie ggf. Untertitel zu sehen) über einige seiner Filme und anderen Projekte sowie über die von ihm gegründete Starfish Association, die sich dem Kampf gegen AIDS verschrieben hat, wird aber nicht zu "Flesh & Blood" befragt. Auch in dem von einem gewissen Alexander Gottwald im Jahre 2012 in der Casa Fitzcarraldo/Peru geführten Interview mit Walter Saxer, der zum Produktionsteam von "Flesh & Blood" gehört hat und die Casa Fitzcarraldo heute als Hotel betreibt, wird dieser Film mit keinem Wort erwähnt. Stattdessen geht es um Werner Herzog, Klaus Kinski und die Arbeit am Film "Fitzcarraldo".

Weitere Interviews wurden im Jahre 2013 mit dem Regisseur und dem Drehbuchautor Gerard Soeteman geführt. Mir scheint, Koch Media hat beide selbst produziert. Bei ersterem sind zusätzlich Filmszenen und Setfotos zu sehen. Verhoeven erklärt unter anderem, dass die Story ursprünglich ganz anders geschrieben war. Im Zentrum hätte die Beziehung zwischen Martin und Hawkwood stehen sollen. Die Liebesgeschichte wurde angeblich auf Anweisung der Studiobosse in den Mittelpunkt gerückt. Verhoeven räumt selbstkritisch einige Fehler ein. So hätte er Rutger Hauer, der damals daran gearbeitet hat, in die Topliga der Hollywood-Schauspieler aufzusteigen, nicht an den schon lange vorher geschlossenen Vertrag erinnern sollen. Hauer war nicht bei der Sache und hielt seine Rolle für imageschädigend. Daraus ist wohl eine echte Feindschaft zwischen Verhoeven und Hauer entstanden. Auch sonst müssen die Produktionsbedingungen Verhoevens Bericht zufolge ziemlich mies gewesen sein. Im zweiten Interview stellt Soeteman einige Vergleiche an, auf die ich im Leben nicht gekommen wäre. Zum Beispiel: Martin = Hitler, Kardinal = Goebbels...

Hinzu kommt noch ein leider nicht sehr aussagekräftiges Interview aus dem Jahre 2004 mit Basil Poledouris, dem zwei Jahre später verstorbenen Komponisten der Filmmusik, dem wir den genialen Score von Conan der Barbar zu verdanken haben. Genau diese Musik war auch der Grund dafür, dass er damals von Verhoeven angesprochen wurde. Poledouris geht nur kurz auf seine Herangehensweise beim Komponieren ein.


J. Kreis, 18.09.2014




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