Am Anfang war das Feuer


Am Anfang war das Feuer (Kanada / F / USA, 1981)
- La guerre du feu -

BluRay, Concorde Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 100 Minuten

Extras
- Audiokommentar von Jean-Jacques Annaud
- Making of (25:45 Min.)
- Interview mit Jean-Jacques Annaud (35:16 Min.)
- Originaltrailer

Regie:
Jean-Jacques Annaud

Hauptdarsteller:
Everett McGill (Naoh)
Rae Dawn Chong (Ika)
Ron Perlman (Amoukar)
Nameer El-Kadi (Gaw)
Franck-Olivier Bonnet (Aghoo)




Inhalt:

Vor 80.000 Jahren konnten sich die Neandertaler das Feuer zwar bereits zu Nutze machen, aber sie konnten es nicht selbst entzünden. Sie mussten es von Bränden nehmen, etwa nach Blitzeinschlägen. Es musste dann sorgfältig gehütet werden, denn der Besitz von Feuer war überlebenswichtig.

Die Neandertaler vom Stamm der Ulam leben in einer geräumigen Höhle, gewärmt und vor wilden Tieren geschützt durch das Feuer. Eines Tages werden sie von den noch nicht ganz so weit entwickelten, fast affenähnlichen Wagabu aus ihrem Wohnsitz vertrieben. Einige fallen im Kampf. Sie fliehen in einen Sumpf, wobei weitere Ulam von Wölfen getötet werden. Es gelingt ihnen zwar, etwas Glut zu retten, doch die erlischt wenig später. Den Ulam droht nun der Hunger- und Kältetod. Der Älteste entsendet die jungen Jäger Naoh, Amoukar und Gaw zur Suche nach einer neuen Feuerquelle. Nach einem gefahrvollen Marsch sehen die Männer eine Rauchfahne. So entdecken sie die Kzamm - Kannibalen, die gerade zwei Menschen vom Stamm der Ivaka gefangen haben. Einen haben sie bereits angenagt, aber die junge Ika ist noch unverletzt. Während Amoukar und Gaw die Kzamm ablenken, holt Naoh brennende Äste aus der Feuerstelle. Den Rest wirft er ins Wasser. Er wird angegriffen und bleibt zwar siegreich, wird aber verwundet. Er flieht, gefolgt von der Schutz suchenden Ika. Die drei Gefährten dulden die junge Frau in ihrer Gruppe, als sie ihre Nützlichkeit unter Beweis stellt, indem sie Naohs Wunde mit einer Paste aus Heilpflanzen behandelt. Die Kzamm lassen jedoch nicht locker und bedrohen die Gefährten. Es gelingt Naoh, eine sich nähernde Mammutherde mit etwas Futter zu besänftigen. So können die Gefährten zwischen den gewaltigen Tieren Schutz suchen, die die Kzamm vertreiben.

Während der Rückreise verliebt sich Naoh in Ika. Er ist zwar nicht bereit, sie zu ihrem Stamm zu geleiten, aber als sie eines Morgens insgeheim allein aufbricht, vermisst er sie so sehr, dass er ihr folgt. So erreichen die Ulam das Dorf der Ivaka. Diese Menschen sind weiter entwickelt als die Neandertaler. Sie stellen Hütten, kunstvolle Werkzeuge, Waffen und Schmuck her - alles für Naoh unbegreifliche Dinge. Naoh wird gefangen genommen und traut seinen Augen nicht, als er sieht, wie ein Ivaka Feuer macht. Einige Zeit später fallen auch Amoukar und Gaw den Ivaka in die Hände. Im Gegensatz zu Naoh wollen sie nicht in deren Dorf bleiben und verschwinden eines Nachts. Den widerstrebenden Naoh schlagen sie kurzerhand bewusstlos und nehmen ihn mit. Die Flucht droht zu scheitern, denn das Dorf liegt mitten in einem Sumpf, der es vor Angreifern schützt. Doch Ika hat alles beobachtet und schließt sich den Ulam erneut an. Sie zeigt ihnen einen sicheren Weg durch den Sumpf. Kurz bevor die Gefährten ihren Stamm erreichen, wird Gaw von einem Bären schwer verwundet. Die anderen werden von Aghoo und dessen beiden Handlangern angegriffen. Aghoo ist Naohs schärfster Konkurrent im Stamm und will ihm das Feuer rauben, um selbst den Ruhm einzuheimsen. Doch der überlegenen Ivaka-Waffentechnik haben die Angreifer nichts entgegenzusetzen; Naoh und Amoukar töten ihre Gegner mit Speerschleudern, die sie aus dem Dorf mitgenommen haben.

Nun kehren die Gefährten im Triumph zurück zu den Ihren - doch die Begrüßung gerät allzu überschwänglich. Das Feuer fällt dabei ins Wasser und erlischt. Naoh möchte nun anwenden, was er bei den Ivaka gesehen hat. Er beherrscht die Kunst des Feuermachens jedoch noch nicht. Da greift Ika ein und entzündet vor den staunenden Augen der Ulam ein kleines Feuer mit Hilfe eines Stocks und eines Brettchens. Ika, die ein Kind von Naoh erwartet, darf bei den Ulam bleiben. Der Stamm lebt nun wieder friedlich in der alten Höhle.

Der Film:

Ganz im Gegensatz zu bunter Beinahe-Fantasy im Stil von 10.000 BC hat sich Jean-Jacques Annaud bemüht, ein möglichst realistisches Bild der Jungsteinzeit zu zeichnen. Jedenfalls nach dem Kenntnisstand der Achtzigerjahre, und soweit man überhaupt von "Realismus" sprechen kann. Schließlich weiß man nur wenig über die im Zentrum des Films stehenden Neandertaler, und so stützt sich der Film an manchen Stellen auf Hypothesen, die inzwischen bereits überholt sind. Wahrscheinlich waren die Neandertaler nicht so schwerfällig, primitiv und irgendwie affenartig, wie sie in diesem Film dargestellt werden. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sie derart humorlos waren, dass Gelächter ihnen fremd gewesen sein soll. Ziemlich sicher ist aber, dass Neandertaler (die ja bekanntlich ebenso wenig unsere Vorfahren sind wie Affen) und Homo sapiens wirklich nebeneinander gelebt haben. Es könnte also durchaus sein, dass es zur Vermischung von Neandertalern und "modernen" Menschen gekommen ist. Ob aber noch primitivere Zweibeiner zur selben Zeit gelebt haben (die bepelzten Typen, die die Höhle der Ulam überfallen)? Keine Ahnung. Jedenfalls wirkt die Darstellung des Films insgesamt recht glaubwürdig. Besonders interessant sind die Unterschiede und Gegensätze von Neandertalern und weiter entwickelten Menschen. Was außerdem sehr gut vermittelt wird, ist das Gefühl der allgegenwärtigen Angst, das die frühen Menschen empfunden haben müssen, als sie noch permanent gefährdeter Bestandteil der Nahrungskette waren.

In "Am Anfang war das Feuer" wird zwar ziemlich viel gesprochen, aber fast nur von Ika und ihren Stammesbrüdern, die wahre Plappermäuler sind. Das ist allerdings keine unserer europäischen Sprachen, und Untertitel sind nicht vorhanden. Im Fall der Ulam wird eine fiktive, vom SF-Autor und Linguisten Anthony Burgess erfundene Sprache verwendet. Sie besteht aus wenigen einfachen Worten und wird natürlich ebenfalls nicht übersetzt. Der Zuschauer versteht also zunächst einmal kein Wort; er muss sich auf Mimik und Körpersprache konzentrieren. Natürlich ergibt sich vieles, z.B. das von den Ulam verwendete Wort für Feuer, problemlos aus dem Zusammenhang. Desmond Morris, ein Verhaltensforscher, der mit seinem Buch "Der nackte Affe" Ende der Sechziger Weltruhm erlangt hat, ist als Berater für den Film hinzugezogen worden. Deshalb haben die Ulam eine zwar einfache und für meinen Geschmack wie gesagt teils zu "äffische", insgesamt aber glaubwürdige Körpersprache. Außerdem sprechen die Bilder stets für sich. Dass im ganzen Film kein einziger für den Zuschauer verständlicher Dialog vorkommt, ist also kein Problem. Im Gegenteil: Würden Ulam und Ivaka plötzlich deutsch sprechen, dann würde ein großer Teil der ansonsten sehr überzeugenden Atmosphäre verloren gehen.

Die wunderbaren Drehorte tragen entscheidend zur Atmosphäre bei. Es wurde ausschließlich an unberührten Originalschauplätzen in Kanada, Kenia und Schottland gedreht, und zwar unter Bedingungen, die den Schauspielern einiges abverlangt haben müssen. Dazu gehört auch, dass alle entweder bis auf die Körperbemalung fast völlig nackt oder nur notdürftig mit Fellen bekleidet agieren mussten. Auf Spezialeffekte wurde fast völlig verzichtet. Heute würde man Säbelzahntiger und Mammuts per CGI einfügen, damals wurden echte Tiere eingesetzt, die man erst einmal an künstliche Zähne, Fell und dergleichen gewöhnen musste. Kunstblut wird dagegen recht oft verwendet, und warum auch nicht? Zimperlich werden die Neandertaler eher nicht miteinander umgegangen sein - heutige Moralvorstellungen wird man jedenfalls kaum auf die damalige Zeit anwenden können. Deshalb muss man sich auch nicht darüber wundern, dass Naoh sich vor den Augen seiner beiden Kumpels über Ika hermacht, um seinen Besitzanspruch zu verdeutlichen... Allerdings wird manchmal die Grenze zur (unfreiwilligen) Komik überschritten. So lernt Naoh von Ika zwar nicht das Feuermachen, aber die Missionarsstellung. Das mag für ihn vielleicht sogar wichtiger gewesen sein. Und manchmal kann man die grunzend/kreischend herumhüpfenden oder betont dumpf unter ihren Brauenwülsten hervorlinsenden Neandertaler wirklich nicht mehr ernst nehmen.

BluRay-Features:

Im Falt-Inlay findet man ein kleines Glossar mit einzelnen Begriffen aus der Ulam-Sprache. Ein richtiges Wendecover ist zwar nicht vorhanden, aber die Cover-Rückseite zeigt ein Szenenbild.

Ich habe gelesen, dass der Film vor einigen Jahren aufwändig restauriert worden sein soll. Wunder darf man bei so altem Material aber nicht erwarten, und so bewegt sich die Bildqualität dieser BluRay "nur" auf DVD-Niveau - aber das ist immer noch besser als jede andere Version des Films, die ich je gesehen habe.

In dem aus dem Jahre 2002 stammenden Interview erzählt Annaud, wie er auf die Idee zu diesem Film gekommen ist und mit welchen Schwierigkeiten die Entstehung verbunden war. Er gibt einige Anekdoten zum Besten und legt sich mächtig ins Zeug, um zu demonstrieren, wie man als Neandertaler spricht und sich bewegt. Er ist ein guter, humorvoller Erzähler, dem man gern zuhört - und das kann man während des gesamten Films tun, denn es ist ein Audiokommentar des Regisseurs vorhanden, der besser nicht sein könnte: Annaud hat zu jeder einzelnen Szene interessannte Details zu sagen, so dass keine Fragen offen bleiben.

Das "Making of" aus dem Jahre 1981 von Michel Parbot ist nicht minder interessant. Ich erinnere mich noch genau daran, diesen Beitrag seinerzeit im Fernsehen gesehen zu haben. Schon damals ist mir aufgefallen, dass für Ron Perlman, der in diesem Film debütiert, gar nicht so viel maskenbildnerischer Aufwand betrieben werden musste wie für die anderen Schauspieler... Man sieht hauptsächlich Aufnahmen von den Dreharbeiten und einiges Hinter-den-Szenen-Material, also z.B. die Entstehung der Masken oder nackte Ivaka mit Ganzkörper-Bemalung, die friedlich Seite an Seite mit Neandertalern eine rauchen, im Catering-Zelt am Buffet stehen und so weiter. Ein wesentlich jüngerer Annaud als im Interview erklärt, wie schwer es war, die Drehorte zu finden. Außerdem sieht man, wie Anthony Burgess und Desmond Morris zusammen mit einigen Schauspielern verschiedene Neandertaler-Verhaltensweisen durchprobieren.


J. Kreis, 26.12.2010




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