Exodus


Exodus: Götter und Könige (USA/GB/Spanien, 2014)
- Exodus: Gods and Kings -

Blu-ray, Fox Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 150 Minuten

Extras:
- Audiokommentar
- Trivia-Track
- Entfallene und erweiterte Szenen (14:57 Min.)

Regie:
Ridley Scott

Hauptdarsteller:
Christian Bale (Moses)
Joel Edgerton (Ramses II.)
Maria Valverde (Zippora)
Ben Kingsley (Nun)
John Turturro (Sethos I.)
Sigourney Weaver (Tuja)
Aaron Paul (Josua)
Andrew Tarbet (Aaron)




Story

1300 Jahre vor Christi Geburt. Das Volk Israel befindet sich seit 400 Jahren in ägyptischer Gefangenschaft und leistet Sklavenarbeit bei der Errichtung der Pyramiden sowie anderer Kolossalbauten der Pharaonen. Die Hebräer haben ihren Glauben in all der Zeit nicht verloren und hoffen auf die Ankunft eines prophezeiten Erlösers, der sie ins gelobte Land Kanaan führen soll.

Moses lebt am Hofe des Pharao Sethos I. in Memphis. Moses und Ramses, der leibliche Sohn des Pharao, sind wie Brüder zusammen aufgewachsen. Moses ist ein kluger, tapferer und allseits beliebter ägyptischer General. Tatsächlich hält Sethos ihn für geeigneter als Ramses, seine Nachfolge anzutreten. In einer Schlacht gegen die Hethiter rettet Moses seinem Ziehbruder das Leben, womit er den ersten Teil einer Weissagung erfüllt, der zufolge er einst zu einem großen Führer werden soll. Ramses und dessen Mutter Tuja glauben deshalb, Moses werde Ramses den Thron streitig machen. Moses reist nach Pithom, wo er einen Statthalter namens Hegep der Verschwendung und der unnötig grausamen Behandlung der hebräischen Sklaven überführt. Um einem Aufstand entgegenzuarbeiten, spricht Moses mit den Ältesten der Israeliten. Diese werden hellhörig, als sie den Namen des Generals hören. Der alte Sklave Nun bittet Moses zu einem Geheimtreffen. Die beiden bemerken nicht, dass ihr Gespräch von Hegeps Spionen belauscht wird. Nun behauptet, Moses sei selbst Hebräer. Sethos' Dienerin Miriam sei in Wahrheit Moses' Schwester und habe ihn als Baby in Sicherheit gebracht, als alle hebräischen Kinder auf Befehl des Pharao getötet worden seien. Bithia, die Tochter des Pharao, habe Moses seinerzeit an Sohnes statt angenommen. Moses glaubt dies nicht. Kurz nach Moses' Rückkehr aus Pithom stirbt Sethos. Ramses wird Pharao. Hegep erscheint in Memphis, um Ramses gegen Moses aufzuwiegeln, indem er dessen wahre Herkunft enthüllt. Auf Drängen Tujas befragt Ramses Miriam und droht ihren Arm abzuschlagen, weil sie standhaft leugnet, Moses' Schwester zu sein. Um Miriam zu retten, beantwortet Moses die Frage des Pharao selbst mit "Ja", obwohl er immer noch davon überzeugt ist, dass Nuns Geschichte nicht stimmt. Tuja will seinen Tod, doch Ramses verbannt Moses lediglich in die Wüste. Auch Miriam und Bithia werden ins Exil geschickt. Moses erfährt von ihnen, dass Nun die Wahrheit gesagt hat.

Nachdem er einen von Tuja initiierten Mordanschlag überlebt (Ramses hat seinem Ziehbruder ein Schwert zugespielt) und eine beschwerliche Reise hinter sich gebracht hat, erreicht Moses das von einfachen Hirten bewohnte Land Midian. Er irrt sich, als er sagt, dass es dort nichts für ihn gibt, denn er verliebt sich in eine junge Frau namens Zippora, die er heiratet. Die beiden verbringen neun glückliche Jahre miteinander und bekommen einen Sohn. Eines Tages erklimmt Moses einen heiligen Berg. Einige seiner Ziegen haben sich im Sturm dort verlaufen. Moses gerät in einen Felssturz, bricht sich ein Bein und erleidet eine Kopfverletzung. Danach hat er eine Vision, in der ihm der Gott der Israeliten in Gestalt eines kleinen Jungen erscheint und ihm befiehlt, sein Volk aus der Sklaverei zu befreien. Moses lässt seine Familie zurück, reist nach Memphis und nimmt Kontakt mit einer von Nun und Josua angeführten Untergrundorganisation auf. Jetzt lernt Moses auch seinen leiblichen Bruder Aaron kennen. Die Verhältnisse in Memphis haben sich in den letzten Jahren für die Hebräer verschlechtert, denn Ramses hat ehrgeizige Bauprojekte in Angriff genommen, bei deren Verwirklichung immer mehr Sklaven ihr Leben lassen müssen. Moses passt Ramses, der inzwischen ebenfalls Frau und Kind hat, bei einer günstigen Gelegenheit ab, um seine Forderungen vorzutragen. Der Pharao soll die Hebräer für ihre Arbeit entlohnen oder aber ziehen lassen. Das ist natürlich schon aus ökonomischer Sicht ein kaum durchführbares Ansinnen, daher lehnt Ramses ab. Daraufhin beginnt Moses die Hebräer zu Kämpfern auszubilden. Ramses befiehlt die Hinrichtung einer Sklavenfamilie für jeden Tag, an dem die Hebräer Moses vor ihm versteckt halten. Jetzt wünscht auch Ramses den Tod seines einstigen Freundes. Unter der Leitung von Moses, Josua und Aaron führen die Hebräer einen Guerillakrieg gegen ihre Unterdrücker. Sie stören die Nahrungsmittelversorgung des ägyptischen Volkes, um Druck auf den Pharao auszuüben. Doch Ramses bleibt hart und verdoppelt das Arbeitspensum der Sklaven. Außerdem werden mehrere Häuser der Hebräer mitsamt ihren Bewohnern niedergebrannt.

Moses hat weitere Visionen von Gott, in denen dieser ankündigt, er werde die Dinge nun selbst in die Hand nehmen. In der folgenden Zeit kommen zahlreiche Plagen über Ägypten. Die Ernte wird vernichtet, das Vieh stirbt, Krankheiten brechen aus, Finsternis zieht über das Land. Ramses bleibt unbeeindruckt und fordert den Gott der Hebräer heraus, denn er hält sich selbst für einen lebenden Gott. Daraufhin sterben in einer einzigen Nacht alle ägyptischen erstgeborenen Kinder, auch Ramses' Sohn. Die Nachkommen der Israeliten werden verschont. Damit ist für Ramses das Maß voll. Er lässt alle Sklaven ziehen. Moses führt das Volk Israel durch die Wüste. Er will eine bestimmte Meerenge überqueren, findet aber nicht den richtigen Weg. Ramses denkt nicht daran, den Hebräern die Freiheit zu schenken. Er setzt sich persönlich an die Spitze eines 4000 Mann starken Heeres und verfolgt Moses, um dessen Volk zu vernichten. Die Hebräer sind zwischen der Küste des Roten Meeres und ihren Verfolgern gefangen. Moses ist verzweifelt. In der Nacht sieht er eine Sternschnuppe, die ins Meer fällt. Am nächsten Morgen sinkt der Meeresspiegel, so dass das Volk die andere Seite trockenen Fußes erreichen kann. Die Ägypter setzen zur Verfolgung an, doch da kehren die Fluten zurück und verschlingen das gesamte Heer. Ramses überlebt, hat nun aber all seine Macht verloren. Das Volk Israel setzt die Wanderung nach Kanaan fort. Unterwegs wird in Midian Halt gemacht. Moses kann Frau und Sohn in die Arme schließen.

Auf Anweisung Gottes meißelt Moses zehn Gebote in Steintafeln, denn das Volk Israel braucht Führung und Orientierung - Moses allein kann so viele Menschen nicht kontrollieren. Viele Jahre später haben die Hebräer das gelobte Land noch immer nicht erreicht ...


Kringels Meinung

...und Moses wird Kanaan, wie ihr sicher wisst, nie betreten. Aber das nur nebenbei.

"Exodus: Götter und Könige" ist nicht Ridley Scotts erster Historienfilm - man denke nur an den grandiosen Gladiator oder an den selbst im Director's Cut nicht ganz so guten Königreich der Himmel - aber seine erste Verfilmung einer biblischen Geschichte. "Exodus" reicht nicht an "Gladiator" heran, und zwar aus demselben Grund, den ich schon im Kommentar zu "Königreich der Himmel" genannt habe. Es fehlt dem Film an Identifikationsfiguren. Christian Bale, der meist hinter seinem struppigen Bart verschwindet und mich in mehr als nur einer Szene frappierend an verschiedene von John Cleese verkörperte Figuren in Das Leben des Brian erinnert (das war bestimmt nicht beabsichtigt!), zeigt durchaus Charisma, das will ich gar nicht leugnen. Es gelingt ihm aber nicht, dem Film ein "Herz" zu verleihen. Zumindest hat er mich bei weitem nicht so mitgerissen wie Russel Crowe als leidgeprüfter Römer Maximus. So richtig übel wird Moses ja nicht mitgespielt, im Grunde geht's ihm doch ganz gut. Die Hebräer sind natürlich viel schlechter dran, doch auch ihr Schicksal ist mir seltsam gleichgültig geblieben.

Zudem nehme ich diesem Moses die Wandlung vom ägyptischen General zu Rebellenführer nicht ab. Zumindest geht sie mir zu schnell. Moses wird ja zunächst als Zweifler dargestellt, der sich weder als Hebräer sieht noch etwas mit deren Glauben anfangen kann. Eine Vision von Gott, bei der es sich um eine Folge des Wundfiebers handeln kann, an dem Moses darniederliegt, soll schon reichen, damit sich das ändert, so dass er sogar seine Familie verlässt (was in der Bibel übrigens nicht geschieht - da nimmt er Frau und Kinder mit nach Ägypten)? Mir ist nicht klar geworden, wie und warum sich Moses' Einstellung wandelt, wann er anfängt, sich mit dem Volk Israel zu identifizieren. Immerhin ist Moses im Umgang mit Gott recht eigenwillig. Die beiden schenken sich nichts ... Joel Edgerton als Ramses hat ironischerweise stärkere Szenen als Moses. Ihn kann man verstehen. Warum sollte der Gottkönig die Sklaven laufen lassen, die sein Wirtschaftssystem am laufen halten und prächtige Tempel für ihn errichten? Ramses stellt gegen Ende des Films, nachdem der rachsüchtige Gott alle ägyptischen Erstgeborenen gemeuchelt hat, eine Frage, die sich die Hebräer selbst hätten stellen sollen: Wie könnt ihr einem solchen Gott folgen? Aus der Riege namhafter Darsteller sticht ansonsten niemand wirklich heraus. Sigourney Weaver, Ben Kingsley und so weiter bekommen kaum etwas zu tun, auf Figuren wie Josua und Aaron hätte man sogar problemlos komplett verzichten können.

Das soll nicht heißen, dass "Exodus" ein schlechter Film wäre. Als Negativpunkt wird in manchen Kritiken angeführt, dass Ridley Scott der biblischen Geschichte keine religions- oder sozialkritischen Töne abgewinnt, dass er den Stoff nicht neu interpretiert und keine zeitgenössischen Bezugnahmen einfließen lässt. Das alles erwarte ich gar nicht, da ich "Exodus" eher in der Tradition der Monumentalfilme frührer Jahrzehnte sehe. Als Genrefilm funktioniert er durchaus. Das gilt auf jeden Fall für die Schauwerte! Das alte Ägypten wird zwar nicht historisch korrekt (in der Wikipedia werden einige Punkte aufgelistet, das spare ich mir hier), aber doch bildgewaltig und äußerst eindrucksvoll zum Leben erweckt. Nicht alle insbesondere bei den Plagen zum Einsatz kommenden computergenerierten Effekte sind perfekt, aber die Massenszenen, die gigantischen Tableaus mit Pyramiden, prachtvollen Tempeln und vor Menschen wimmelnden Steinbrüchen sowie die prächtige Ausstattung haben mir sehr gut gefallen.

Was die Frage angeht, ob Moses wirklich in göttlichem Auftrag handelt oder lediglich an den Folgen eines Schädelhirntraumas leidet und sich alles nur einbildet, wird nicht eindeutig beantwortet. Zum Beispiel sieht Josua nur Moses, wenn dieser mit Gott spricht. Für die Plagen könnte es natürliche Ursachen geben. Fast dieselben Theorien, die man in der Wikipedia zu diesem Thema findet, stellt ein Berater am Hof von Ramses auf: Das Wasser des Nils wurde nicht durch Blut rot gefärbt und ungenießbar, sondern durch aufgewühlten Schlamm. In dem verseuchten Wasser sterben die Fische, aber die Frösche können fliehen. In den Straßen von Memphis gehen sie aus Wassermangel schnell ein. Fliegenmaden tun sich an den Kadavern gütlich, so dass sich die Insekten massenhaft vermehren, zumal sie nicht mehr von den Fröschen gefressen werden. Die Fliegen übertragen Krankheiten auf Mensch und Tier. Bei der Teilung des Roten Meeres könnte es sich um die Auswirkungen eines Meteoriteneinschlags handeln. Zugegeben, das wären sehr viele Zufälle auf einmal ...


Blu-ray-Features

Aktiviert man den "Trivia-Track", so werden während des Films Textinformationen zum geschichtlichen (und biblischen) Hintergrund der Geschehnisse eingeblendet.

In den nicht verwendeten Szenen (mit zum Teil unfertigen CGI-Effekten) wird deutlich, dass die von Sigourney Weaver gespielte Pharaonenmutter Tuja ursprünglich etwas mehr ins Zentrum des Geschehens hätte gestellt werden sollen. So fordert sie schon früh, dass Ramses Moses tötet. Außerdem wäre sie gern oberste Beraterin des neuen Pharao geworden. Weitere Szenen zeigen den Versuch der Hebräer, Ramses während der Schlangenjagd zu entführen. Ramses wirft eine Schlange auf Moses, doch die wird von einem Adler in der Luft ergriffen. Und schließlich ist der Tanz um das Goldene Kalb zu sehen. Da rocken die Hebräer so richtig ab!


J. Kreis, 31.10.2016




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