Ex Machina


Ex Machina (GB, 2015)

Blu-ray, Universal
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 108 Minuten

Extras:
- Die Handlung (2:17 Min.)
- Die Besetzung (3:08 Min.)
- Das Design (2:48 Min.)
- Die Entstehung von Ava (3:17 Min.)
- Der Turing-Test (1:51 Min.)

Regie:
Alex Garland

Hauptdarsteller:
Domhnall Gleeson (Caleb Smith)
Oscar Isaac (Nathan Bateman)
Alicia Vikander (Ava)
Sonoya Mizuno (Kyoko)




Story

Caleb Smith, ein junger Programmierer beim Internet-Riesen BlueBook, gewinnt den ersten Preis einer firmeninternen Verlosung. Er darf eine Woche im abgelegenen und strengstens gesicherten Luxusanwesen des Firmengründers Nathan Bateman verbringen. Dort hat Smith seinen zwar märchenhaft reichen, sich aber betont kumpelhaft und jovial gebenden Chef fast ganz für sich. Nur eine stumme Bedienstete namens Kyoko hält sich außer den beiden Männern in dem unterirdischen Komplex auf. Smith erhält eine Zugangskarte, doch manche Türen bleiben ihm verschlossen. Es dauert nicht allzu lange, bis Smith begreift, dass er keineswegs der zufällige Gewinner eines Preisausschreibens ist. Vielmehr wurde er von Bateman gezielt für ein phantastisches Projekt ausgewählt. Bateman hat einen humanoiden Roboter namens Ava mit dem Gesicht einer schönen Frau und dem Intellekt eines Menschen erschaffen. Letzteres ist noch fraglich. Smith soll nun einen Turingtest durchführen, das heißt, er soll durch eine Befragung des Roboters herausfinden, ob Ava wirklich Intelligenz und Bewusstsein besitzt oder dies nur simuliert. Bei einem Turingtest ist die Maschine normalerweise vor dem Fragesteller verborgen; er weiß zunächst nicht, ob er mit einem Menschen oder einer Maschine spricht. Bateman hat diese Regel durchbrochen, denn ihm geht es vor allem um die Frage, welche Gefühle Smith für Ava entwickelt - und umgekehrt. Bei ihren Gesprächen sind Smith und Ava durch Wände aus Sicherheitsglas voneinander getrennt. Bateman beobachtet die Interviews mit allgegenwärtigen Kameras.

Smith fühlt sich mehr und mehr zu Ava hingezogen. Sie dreht den Spieß um, macht den Menschen zum Studienobjekt und flirtet sogar offen mit ihm. Irgendwann ist Smith davon überzeugt, dass Ava keine programmierte Maschine ist, sondern ein zwar künstliches, aber mit echter Individualität und Intelligenz ausgestattetes Wesen. In Nathans Anwesen kommt es immer wieder zu unerklärlichen Stromausfällen, bei denen alle Türen automatisch verschlossen werden. Auch die Kameras funktionieren dann nicht. Während einer solchen Störung warnt Ava Smith vor Bateman. Angeblich lügt der Firmenchef und ist nicht vertrauenswürdig. Ava hat ihren Wohnbereich noch niemals verlassen und sehnt sich nach Freiheit. Smith ist entschlossen, ihr dazu zu verhelfen - erst recht, als er erfährt, dass Ava nicht der erste von Bateman erschaffene Roboter ist und auch nicht der letzte sein wird. Selbst wenn sie den Turingtest bestehen sollte, würde Bateman ihr Gehirn reprogrammieren, um es weiter zu perfektionieren. Dabei würden alle Erinnerungsspeicher gelöscht werden. Mit anderen Worten: Ava würde "sterben". Eines Tages bringt Smith unbemerkt Batemans Zugangskarte an sich und hackt den Zentralcomputer. Er findet heraus, dass Bateman ältere Robotermodelle auf unmenschliche Weise getestet und missbraucht hat. Ihre Überreste werden immer noch in der Anlage aufbewahrt. Auch Kyoko ist ein Roboter.

Für den Fluchtplan will Smith Batemans exorbitanten Alkoholkonsum sowie die Tatsache nutzen, dass die Stromausfälle von Ava verursacht werden, indem sie die zur Aufladung ihres Energiespeichers gedachten Induktionsplatten überlädt. Doch Bateman ist bereits im Bilde. Er hat eine batteriebetriebene Kamera installiert und Smiths konspirative Gespräche mit Ava belauscht. Smith muss erkennen, dass er Ava gar nicht testen sollte, sondern selbst nur ein Werkzeug für Batemans übergeordnete Versuchsanordnung war. Ava, so erklärt Bateman, hat Smith nur benutzt, um mit seiner Hilfe fliehen zu können. Wie Smith glaubt auch Bateman, dass Ava echte Intelligenz besitzt. Das hat sie durch die geschickte Manipulation ihres Gesprächspartners bewiesen. Wie von Ava geplant hat sich Smith in sie verliebt und wollte Bateman hintergehen, um sie zu retten. Aber Smiths Plan ist nicht gescheitert. Er hat das Sicherheitssystem schon beim ersten Computerhack so umprogrammiert, dass sich alle Türen beim nächsten Stromausfall öffnen. Wie verabredet verursacht Ava jetzt einen solchen Zwischenfall und kann ihr Gefängnis verlassen. Bateman schlägt Smith bewusstlos und will Ava aufhalten, doch sie hat bereits Kyoko auf ihre Seite gebracht. Kyoko sticht Bateman ein Messer in den Rücken, als er gegen Ava kämpft. Kyoko wird daraufhin zwar von Bateman zerstört, aber Ava hat Zeit gewonnen, um Bateman einen zweiten, tödlichen Stich zu versetzen.

Smith kommt wieder zu sich und hofft, nun endlich mit Ava entkommen zu können, doch Bateman hatte Recht. Ava empfindet nichts für Smith. Sie schließt ihren Retter in Batemans Räumlichkeiten ein. Sie verwendet die Überreste der älteren Roboter, um ihren Körper so zu modifizieren, dass sie nicht mehr von einem Menschen unterschieden werden kann. Anschließend verursacht sie einen weiteren Stromausfall und verlässt die Anlage, in der Smith ohne Hoffnung auf Rettung zurückbleibt.


Kringels Meinung

Science Fiction im Kino, das sind heutzutage hauptsächlich massentauglicher Effektbombast oder Comicverfilmungen. Gegen beides habe ich wohlgemerkt überhaupt nichts einzuwenden! Ich liebe Filme wie Guardians of the Galaxy, Marvel's The Avengers und ähnliche Blockbuster. Es gibt aber auch noch eine andere, ruhigere, intelligentere SF. Die mag im Überangebot des Popcornkinos so ziemlich untergehen, aber zu meiner großen Freude kommen immer noch Filme ins Kino, die ganz ohne gewaltige Raumschlachten, farbenprächtiges CGI-Gewitter, muskelbepackte Superhelden, Martial-Arts-Kampfszenen und dergleichen auskommen. "Ex Machina" ist so ein Film. Man könnte ihn fast schon als Kammerspiel bezeichnen, denn die Handlung findet größtenteils im hochtechnisierten, teils klinisch reinen und teils zwar ganz wohnlichen, aber doch ziemlich beengten unterirdischen Gebäudekomplex statt. Umso eindrucksvoller ist es, wenn vorübergehend mal ins Freie gewechselt wird. Dann sind herrliche Landschaftsaufnahmen von dichten Wäldern und einem Gebirge mit Gletscher zu sehen, denn Batemans Anwesen liegt mitten in der Wildnis Norwegens. Im Gesprächsraum gibt es nur klare Linien und fast keine Einrichtungsgegenstände, so dass man sich völlig auf das faszinierende, von Hauptdarstellerin Alicia Vikander genial verkörperte Mensch-Maschine-Mischwesen Ava konzentrieren kann. Das Roboterdesign ist ebenfalls sehr gut gelungen. Avas humanoider Körper ist nur im Gesicht sowie an Händen und Füßen mit Kunsthaut bedeckt. Rumpf und Gliedmaßen sind teilweise transparent, so dass man das fragile mechanische Innenleben erkennen kann. So wird schon auf den ersten Blick klar, dass Ava kein Mensch ist. Im Gegensatz dazu stehen ihre ausdrucksvolle Mimik und ihre Körpersprache. Alicia Vikander und der zweifellos computeranimierte Robotkörper harmonieren so perfekt, dass ich immer nur Ava gesehen habe und nicht nur einen Spezialeffekt.

Bis auf Batemans kurzen Kampf gegen Kyoko und Ava ganz am Ende gibt es keinerlei Action, nur Dialoge und die wunderbar designte High-Tech-Welt, die sich der unfassbar reiche Superprogrammierer erschaffen hat. Diese Reduzierung aufs Wesentliche hätte furchtbar schief gehen können, doch hier funktioniert sie prächtig. Ich war von Beginn an vollkommen gefesselt von der sich stetig steigernden beunruhigenden, klaustrophobischen Atmosphäre und der Interaktion der Hauptfiguren. Vikanders grandioses Spiel kann ich gar nicht genug loben, aber auch Domhnall Gleeson und vor allem Oscar Isaac sind brillant. Isaac, den ich wegen des Bartes gar nicht als Poe Dameron aus "Star Wars VII" wiedererkannt habe, ist ein moderner Frankenstein. Ein Technokrat, der seine Schöpfung nur als Ding betrachtet, als Mittel zum Zweck, der darin besteht, das technisch Mögliche zu realisieren. In einer köstlichen Szene sagt er nebenbei, er könne wegen der Stromausfälle keinen der mit dem Bau seines Anwesens befasst gewesenen Techniker kommen lassen, weil er alle nach Abschluss der Bauarbeiten habe liquidieren lassen. Zu diesem Zeitpunkt hat Isaac es schon geschafft, Bateman zu einer so zwielichtigen Figur werden zu lassen, dass man nicht weiß, ob das ein Scherz ist oder nicht! Bateman erkennt entweder nicht, dass ein intelligenter, empfindungsfähiger Roboter das Recht auf Freiheit hat, oder es ist ihm egal. Hier hat "Ex Machina" so manche Parallele mit Splice (2009), einem weiteren sehr empfehlenswerten Film mit ganz ähnlicher Thematik. In "Splice" wird ebenfalls thematisiert, was eine entfesselte Wissenschaft und falscher Ehrgeiz anrichten können. Mit der Frage, ob es überhaupt möglich ist, echte und simulierte Intelligenz voneinander zu unterscheiden, haben sich schon die Filme Automata (2014) und The Machine (2013) beschäftigt. In letzterem Film heißt die weibliche Hauptperson sogar Ava!

"Ex Machina" ist einer jener Filme, die ich mir sofort ein zweites Mal anschauen muss - in diesem Fall um in Kenntnis des Plot-Twists darauf zu achten, ob man erkennen kann, welche Ziele Ava wirklich verfolgt. Vikander sei Dank ist das gar nicht so leicht! Obwohl ich Happy Ends bevorzuge, finde ich es lobenswert, das uns ein solches hier verweigert wird. Zumindest hätte ich es sehr kitschig gefunden, wären Smith und Ava Hand in Hand in die Freiheit spaziert. Ich kann nicht umhin, Ava die Freiheit zu gönnen, auch wenn es nicht nett von ihr ist, Smith dem Hungertod anheimzugeben ... Es gibt aber auch einige Kritikpunkte bezüglich der Story. Die scheint mir nicht ganz logisch zu sein. Zumindest hätten ein paar Erklärungen nicht geschadet. So frage ich mich, wie Bateman die Roboter hergestellt haben soll. Allein schon die hochkomplexen Körper inklusive völlig realistisch wirkender Kunsthaut sind Wunderwerke der Technik, vom Gehirn ganz zu schweigen. Ohne größere Produktionsanlagen dürfte es unmöglich sein, so etwas zustande zu bringen. Man bekommt aber keine Werkstätten bis auf eine Art Hobbykeller zu sehen und Bateman ist auch in den Rückblicken (d.h. in den Dateien, die sich Smith an Batemans PC anschaut) immer allein in der Einrichtung. Gut, er könnte Outsourcing betrieben haben - aber bei einem so supergeheimen Projekt wäre das nicht praktikabel. Zudem frage ich mich, warum Kyoko unbeaufsichtigt frei in der Einrichtung herumlaufen darf. Bateman missbraucht den Roboter als Sexsklavin, aber ist nicht einzusehen, warum er ein solches Risiko eingeht.


Blu-ray-Features

Das Bonusmaterial kann man getrost vergessen. Die Clips haben schon allein aufgrund der kurzen Laufzeit fast nichts von Interesse zu bieten. Hauptsächlich Filmausschnitte, dazu Interviews, in denen Schauspieler und der Regisseur ein bisschen war zur Handlung sagen, sowie sehr kurze Blicke hinter die Kulissen. Also typische Werbe-Featurettes, mit denen man seine Zeit nicht verschwenden muss.


J. Kreis, 02.02.2016




Gastkommentare


Neueste Kommentare stehen oben.


Gastkommentare werden nicht von J. Kreis verfasst und dürfen nicht auf anderen Homepages oder in Printmedien weiterverwendet werden.


Noch keine Gastkommentare vorhanden!


Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)


Seitenanfang


Startseite

Filme