Geburt der Hexe


Eurydike oder das Mädchen von Nirgendwo (BRD, 1978)

DVD Regionalcode 2, Ostalgica
Altersfreigabe: FSK 16 (für die DVD-Box)
Laufzeit: ca. 90 Minuten

Extras:
Keine

Regie:
Jochen Richter

Hauptdarsteller:
Heinz Trixner (Dr. Thomas Leonhard / Bob Leonhard)
Celi Barbier (Celi Langelaan)
Wolfgang Büttner (Dr. Büchner)




Inhalt

In einem Kernforschungszentrum ereignet sich eine Atomexplosion. Die gesamte Anlage wird vernichtet, tausend Menschen kommen ums Leben. Im Explosionskrater wird eine nur leicht verletzte Frau gefunden, die keinerlei Anzeichen einer Verstrahlung aufweist. Bob Leonhard, der Sicherheitsverantwortliche des Kernforschungszentrums, wird von der Regierung mit der Untersuchung der Angelegenheit beauftragt. Er befragt die Überlebende, doch sie hat ihr Gedächtnis verloren und kann sich nicht einmal an den eigenen Namen erinnern. Bob nimmt die Sache persönlich, denn sein Bruder, Dr. Thomas Leonhard, war einer der im Kernforschungszentrum tätigen Wissenschaftler.

Einige Zeit vorher: Dr. Thomas Leonhard empfängt über mehrere Tage hinweg nach Sendeschluss merkwürdige Bilder mit seinem Fernseher. Einige Männer, anscheinend Japaner, werden gezeigt. Sie verhalten sich, als ob sie Tom sehen könnten. Eine junge Frau kommt hinzu. Sie spricht Tom direkt an und erzählt eine phantastische Geschichte. Ihr Name ist Celi und sie war im Jahre 1945 in Nagasaki, als dort eine Atombombe explodiert ist. Celi und einige Wissenschaftler waren im Zentrum des molekularen und atomaren Zerfalls, deshalb wurden sie nicht getötet, sondern in eine andere Zustandsform transformiert. Raum und Zeit sind für sie bedeutungslos geworden, sie können aber nicht mit der materiellen Welt interagieren oder von Lebewesen wahrgenommen werden. Die japanischen Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sie sich in den Elektronenstrom der Kathodenstrahlröhre eines Fernsehgerätes einfädeln und auf diese Weise Kontakt mit den Menschen herstellen können. Diese Prozedur ist für sie allerdings nicht ungefährlich. Sie können dabei sogar vernichtet werden.


Eurydike

Tom nimmt Kontakt mit den Jenseitigen auf


Nachdem sich Tom durch entsprechende Recherchen davon überzeugt hat, dass Celi die Wahrheit sagt, kommuniziert er regelmäßig mit ihr. Die beiden verlieben sich ineinander. Tom setzt alles daran, Celi in die reale Welt zurückzuholen, denn das Wissen, dass sie immer bei ihm ist, auch wenn er sie nicht sehen kann, genügt ihm nicht. Celi selbst legt Tom Steine in den Weg, indem sie verlangt, dass er mit niemandem über die Sache spricht. Obendrein zeigt sie sich ihm immer seltener auf dem Bildschirm, weil ihre immaterielle Substanz darunter zu leiden beginnt. Toms einzige Alternative besteht darin, seinerseits in Celis Existenzebene überzuwechseln. Durch Zufall hat er vor kurzem erfahren, dass in seinem Institut an miniaturisierten Atomwaffen geforscht wird. Mit Billigung seines Vorgesetzten Dr. Büchner beteiligt er sich an dem Projekt und treibt die Arbeiten voran, so dass schon bald eine kontrollierte Zündung in Angriff genommen werden kann. Tom begibt sich ins Zentrum der Explosion, doch diese fällt viel stärker als geplant aus. So kommt es zu dem GAU, den Bob zu untersuchen hat - und die im Krater aufgetauchte Unbekannte ist niemand anderer als Celi.

Eurydike

Celi ist leicht lädiert in der realen Welt angekommen


Nach einer längeren Beobachtungsphase wird Celi aus dem Krankenhaus entlassen. Da sie sich nach wie vor an nichts erinnern kann, sich aber zu Bob hingezogen fühlt, nimmt sie sein Angebot an, als er ihr anbietet, sie bei sich aufzunehmen. Celi und Bob werden ein Paar und heiraten. Als Bob das luxuriöse Haus seines Bruders übernimmt, löst er unwissentlich eine Krise aus. Sobald Celi das Wohnzimmer betritt, in dem der Fernseher steht, kehren ihre Erinnerungen zurück, denn dieser Anblick hat sich ihr eingeprägt. Sie bleibt bei Bob, doch die Beziehung ist nicht mehr wie vorher. Bob hat jetzt einen unsichtbaren Rivalen, den er auch nicht dadurch vertreiben kann, dass er den Fernseher in einem See versenkt ...


Kringels Meinung

Dieser Fernsehfilm aus den späten Siebzigern war mir bis dato völlig unbekannt und ich hätte ihn sicher nicht gekauft, wenn Geburt der Hexe (den wollte ich unbedingt haben) zurzeit nicht ausschließlich auf einer DVD erhältlich wäre, die eben diesen Film sowie "Nullpunkt - Ich bin dein Killer" enthält. Es ist ein typisches Fernsehspiel der damaligen Zeit, mit einem Hauptdarsteller, der sich manchmal nicht so recht natürlich verhält, sondern irgendwie zu theatralisch, als würde er auf einer Bühne vor Publikum stehen. Im Grunde handelt es sich um eine ganz banale und nicht sonderlich spannende Geister-/Liebesgeschichte, die im Mäntelchen der Science Fiction daherkommt. Es wird nicht klar, was die Japaner eigentlich von Tom wollen und warum sie plötzlich aufgeben. Das Ende ist vorhersehbar, auch wenn Celis Kopf nach ihrer Auffindung im Krater (da sieht man das Gesicht noch nicht) vollständig von Bandagen verhüllt ist. Interessant finde ich aber einerseits, wie gut die Geschichte mit sehr einfachen Mitteln in Szene gesetzt wurde. Auch der Blick in die Siebziger (die Klamotten! Die Technik!) ist recht nett.

Der Film enthält ziemlich viel Dialog, und zu Beginn können die "Geister" Tom nicht hören. Er konstruiert erst später eine Apparatur, die das möglich macht. Vorher kann er sich ihnen nur verständlich machen, indem er etwas auf ein Blatt Papier schreibt, das er dann vor den Fernsehbildschirm hält. Und so sehen wir dem Hauptdarsteller geraume Zeit beim Schreiben zu ... Lustig: Die Übertragung der "Geister" via TV kann nur stattfinden, wenn das Gerät nach Sendeschluss noch eingeschaltet ist. "Sendeschluss?" werden sich jüngere Leser jetzt vielleicht fragen, "was soll das denn bitteschön sein?" Nun, liebe Kinder, in der guten alten Zeit von Kringels Kindheit wurde noch nicht rund um die Uhr gesendet - siehe hier! Heute wäre das völlig unmöglich. Die Geister könnten sich uns nicht bemerkbar machen. Die Japaner erklären: Durch die Überlagerung mit anderen Sendungen werden sie vollständig ausgelöscht.

Die von mir verwendeten Namen der Filmfiguren sind übrigens mit Vorsicht zu genießen. Sie sind im Film nie schriftlich zu sehen und in den Credits werden sie nicht genannt. Bei Tom und Bob bin ich mir ziemlich sicher. Celis Namen musste ich mir herleiten; vor allem der Familienname ist wegen der an vielen Stellen ziemlich schlechten Tonqualität fast nicht zu verstehen, zumal er unterschiedlich ausgesprochen wird. Ich nehme an, dass es sich um eine Anspielung auf George Langelaan handelt, einen Schriftsteller, von dem die dem Film zugrunde liegende Story "La Dame d'outre-nulle part" aus dem Jahre 1962 stammt. Von Langelaan stammt nebenbei bemerkt auch eine Erzählung, die mehrmals verfilmt wurde, zuletzt von David Cronenberg mit dem Titel Die Fliege.


J. Kreis, 21.04.2019




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