Escape from Tomorrow


Escape from Tomorrow (USA, 2013)

Blu-ray (s/w), Koch Media
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 90 Minuten

Extras:
- Audiokommentare
- Making of (15:06 Min.)
- Trailer

Regie:
Randy Moore

Hauptdarsteller:
Roy Abramsohn (Jim White)
Elena Schuber (Emily White)
Katelynn Rodriguez (Sara White)
Jack Dalton (Elliott White)




Story

Disneyworld, Orlando - der perfekte Ort für einen unbeschwerten Urlaub mit der ganzen Familie. Oder doch nicht? Für Jim White beginnt der letzte Tag im Vergnügungspark jedenfalls unschön. Ihm wird telefonisch gekündigt, was er zunächst verheimlicht, denn es kriselt ohnehin schon in der Ehe mit Emily. Jim gibt sich alle Mühe, Spaß im Park zu haben, doch das Toben der Kinder sägt am Nervenkostüm. Jim wird durch beunruhigende Visionen aus dem Konzept gebracht. Außerdem interessiert er sich mehr für zwei Französinnen als für die Attraktionen von Disneyworld, was Emily nicht verborgen bleibt. Als Jim seinen Sohn Elliott in die für Kinder nicht geeigente Space Mountain-Achterbahn mitnimmt, um den hübschen jungen Frauen weiter folgen zu können, woraufhin sich der Junge übergeben muss, hat Emily genug. Sie geht mit Elliott ins Hotel zurück. Sara möchte nicht gehen und natürlich "opfert" sich Jim, um mit der Kleinen im Park zu bleiben. Sara wird von einem Jungen angerempelt und schürft sich beim Sturz das Knie auf. Eine Krankenschwester, die das Kind verarztet, warnt Jim vor der im Park grassierenden Katzengrippe. Jim begegnet einer Frau, die ihn mit einem Amulett hypnotisiert. Er findet sich im Hotelzimmer der Fremden wieder - ans Bett gefesselt und als Lustsklave missbraucht.

Nach einer unschönen Episode mit den Französinnen im Hotelpool bereitet sich Familie White auf das abendliche Feuerwerk vor. Jim betrinkt sich, verletzt sich am Fuß und kauft Wundsalbe. Es kommt zum Streit. Als die Kinder wieder einmal nerven, fängt sich Sara eine Ohrfeige von ihrer Mutter. Emily verschwindet mit Elliott im Hotel. Jim und Sara probieren noch einige Attraktionen aus. Erneut hat Jim unerklärliche Visionen, wieder sieht er die Französinnen. Eine lädt ihn zum Mitkommen ein. Jim lehnt ab und wird von ihr angespuckt. Jim verliert Sara und sucht verzweifelt im ganzen Park nach seiner Tochter. Er wird von zwei Sicherheitskräften mit einem Elektroschock außer Gefecht gesetzt und in eine Geheimzentrale unterhalb von Spaceship Earth gebracht. Ein Wissenschaftler behauptet, Jim sei Teil eines Experiments. Er habe von seinem Chef, der ebenfalls zu der Verschwörung gehört, gebrieft werden sollen und seine Aufgabe sei es, Elliott zu den Wissenschaftlern zu bringen - so wie Jims Vater es vor vielen Jahren mit ihm getan habe. Jims Phantasien werden gescannt. Dazu gehört eine alternative Version von Jims Familie. Mit Hilfe der Wundsalbe gelingt es Jim, sich von seinen Fesseln zu befreien. Er köpft den Wissenschaftler, der sich als Roboter erweist.

Jim vermutet zu Recht, dass die Unbekannte, von der er verführt wurde, hinter Saras Verschwinden steckt. Er dringt ins Hotelzimmer der Frau ein. Die hat sich als Hexe verkleidet, erzählt von ihrer traumatischen Vergangenheit als Parkangestellte und gesteht, dass sie immer wieder Kinder entführt. Sara ist aufgebahrt wie Schneewittchen, doch es geht ihr gut. Sie zerstört das Amulett, in dessen Bann Jim erneut zu geraten droht. Jim und Sara kehren in ihr eigenes Hotelzimmer zurück. Jim fühlt sich schlecht. Er hat schreckliche Krämpfe und Durchfall. Als er zwei Haarknäuel auswürgt, wird ihm klar, dass er sich die Katzengrippe eingefangen hat. Elliott findet seinen blutüberströmten Vater im Badezimmer vor, hilft ihm aber nicht, sondern schließt nur die Tür. Am nächsten Morgen ist Jim tot. Seine Augen sind Katzenaugen, das Gesicht ist in einem grausigen Grinsen erstarrt. Sicherheitspersonal marschiert auf, versetzt das Badezimmer in den gewohnt tadellosen Zustand und bringt die Leiche weg - offensichtlich ist Jim keineswegs das erste Opfer der Katzengrippe. Elliotts Erinnerungen werden manipuliert. Während der Leichenwagen wegfährt, kommt ein neuer Gast an. Es ist der alternative Jim mit Frau und Tochter.


Kringels Meinung

Dass es diesen merkwürdigen Film überhaupt gibt, ist kaum zu glauben. Er wurde im Walt Disney World Resort (Orlando) sowie in Disneyland (Anaheim) gedreht, und zwar ohne Erlaubnis der Walt Disney Company. Die Betreiber der Parks wurden nicht einmal über das Vorhaben in Kenntnis gesetzt. Filmteam und Schauspieler haben sich als Gäste in den Parks aufgehalten und heimlich gedreht! Dabei wurde eine digitale Spiegelreflexkamera mit Videofunktion benutzt, eine Kamera also, wie sie in Disneyworld vermutlich von hunderten Touristen täglich auf Menschen und Attraktionen gerichtet wird. Alles ganz unauffällig! Wenn Dreharbeiten mit den Schauspielern vor Ort unmöglich waren, wurden nur die Hintergründe abgefilmt, die Darsteller wurden nachträglich eingefügt, was sehr deutlich erkennbar ist. So weit so gut - gegen das Anfertigen von Heimvideos hat schließlich niemand etwas einzuwenden. Aber dies ist ein Kinofilm, der jetzt auch auf DVD und Blu-ray käuflich erworben werden kann. Ist das denn zulässig? Würde die Walt Disney Company nicht alle Hebel in Bewegung setzen, um die Veröffentlichung zu verhindern? Wurde darauf etwa verzichtet - oder wurde es versucht, war aber nicht erfolgreich? Wenn euch das Thema interessiert, empfehle ich den englischsprachigen Wikipedia-Artikel zu diesem Film.

Allein die Idee, einen derartigen Film an diesen Orten zu drehen, klingt für mich völlig verrückt. Aber wenn man die verblüffende Idee mal beiseite lässt - und wenn man noch nie in Disneyworld gewesen ist - was bleibt dann übrig? Was die Story und ihre Umsetzung angeht, sollte man nicht zu viel erwarten. Trotzdem entfaltet der Film eine nicht zu verachtende Sogwirkung, da man nie weiß, was als nächstes geschehen wird. Wir erleben alles aus Jims Perspektive und sehen deshalb ein Disneyworld, das sich drastisch von dem Ort unterscheidet, den man als Tourist kennenlernen möchte. Der auffälligste Kunstgriff, mit dem dieser Effekt erzielt wird, ist die Farbe beziehungsweise die Abwesenheit derselben. Der komplette Film ist in schwarzweiß gehalten, das heißt, die zuckersüße Buntheit, mit der in Disneyworld Fröhlichkeit suggeriert werden soll, fällt vollständig weg. Umso deutlicher wird, dass die vermeintliche Fröhlichkeit nur Fassade ist. Was sich in der realen Welt dahinter versteckt, überlasse ich eurer Phantasie. In Jims Welt lauert jedenfalls direkt hinter der blankpolierten Oberfläche das nackte Grauen. Lächelnde Disneyfiguren haben plötzlich bösartige Fratzen, das Lachen mancher Besucher klingt wie irres Gekreisch, Forscher betreiben undurchsichtige Experimente mit den Gästen, bei Achterbahnfahrten kann man buchstäblich den Kopf verlieren und die Prinzessinnen sind in Wahrheit Prostituierte, die an reiche asiatische Geschäftsleute verschachert werden!

Ich will nicht behaupten, dass ich alle Symbole, Andeutungen und Seitenhiebe verstanden habe. Ist Jim wirklich an der "Katzengrippe" gestorben oder hat er sich in das Alter Ego seiner Phantasie verwandelt? Welches Ziel verfolgen die Wissenschaftler? Warum wird Jim von der Französin angespuckt und sind die beiden Schönen in Wahrheit Feen, wie das Schlussbild nahelegt? Nun, "Escape from Tomorrow" ist ein surrealer Alptraum, da spielen Logik, Folgerichtigkeit und geradlinige Erzählweise keine Rolle. Auch das Overacting vor allem jener Dame, von der Jim verführt wird, ist in diesem Zusammenhang akzeptabel. Und sollte ich jemals auf die Idee kommen, Disneyworld einen Besuch abzustatten, dann werde ich den Park mit anderen Augen sehen. Und ich werde sicher keinen Truthahnschenkel essen. Warum nicht? Schaut euch den Film an! Wenn möglich im englischen Original, denn die deutsche Synchronisation kann nicht wirklich überzeugen...


Blu-ray-Features

Im kurzen "Making of" (ebenfalls schwarzweiß) sind einzelne Szenen zu sehen, die es nicht in die finale Version des Films geschafft haben. Mitglieder des Produktionsteams und Schauspieler berichten von den Schwierigkeiten beim Dreh. Sie mussten einige Anstrengungen unternehmen, um der allgegenwärtigen Überwachung in den Parks zu entgehen, bei der x-fachen Wiederholung von Szenen nicht aufzufallen und das Misstrauen des Personals zu zerstreuen. Manchmal muss es ziemlich knapp gewesen sein! Der beratende Anwalt kommt auch zu Wort. Er erklärt, warum Disney seiner Ansicht nach keine Handhabe hätte, um gegen den Film vorzugehen. Unter anderem wurde eigene Musik für den Film komponiert.


J. Kreis, 09.06.2015




Gastkommentare


Neueste Kommentare stehen oben.


Gastkommentare werden nicht von J. Kreis verfasst und dürfen nicht auf anderen Homepages oder in Printmedien weiterverwendet werden.


Noch keine Gastkommentare vorhanden!


Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)


Seitenanfang


Startseite

Filme