Es


Es (USA/Kanada, 2017)
- It -

Blu-ray, Warner Bros Entertainment
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 135 Minuten

Extras:
- Pennywise lebt! (16:26 Min.)
- Club der Verlierer (15:42 Min.)
- König der Angst (13:50 Min.)
- Nicht verwendete Szenen (15:16)

Regie:
Andres Muschietti

Hauptdarsteller:
Bill Skarsgard (Pennywise)
Jaeden Lieberher (Bill Denbrough)
Sophia Lillis (Beverly Marsh)
Jeremy Ray Taylor (Ben Hanscom)
Jack Dylan Grazer (Eddie Kaspbrak)
Finn Wolfhard (Richie Tozier)
Chosen Jacobs (Mike Hanlon)
Wyatt Oleff (Stanley Uris)
Nicholas Hamilton (Henry Bowers)
Jackson Robert Scott (Georgie Denbrough)




Inhalt

In der Stadt Derry hat sich vor langer Zeit das Böse eingenistet. Es versteckt sich in der Kanalisation und erwacht nur alle 27 Jahre, um sich Opfer zu holen, vor allem Kinder. Es kann jede beliebige Form annehmen, wobei es sich der schlimmsten Ängste der Menschen bedient. Seine bevorzugte Erscheinungsform ist die des unheimlichen Clowns Pennywise. In den Sommerferien 1989 kreuzen sich die Lebenswege von sieben Kindern, die alle von Pennywise oder einer anderen Inkarnation des Bösen attackiert werden und knapp entkommen. Bill Denbrough, Richie Tozier, Eddie Kaspbrak und Stanley Uris sind schon länger befreundet. Beverly Marsh, Ben Hanscom und Mike Hanlon werden später Mitglied der verschworenen Gemeinschaft. Sie nennen sich selbst "Club der Verlierer". Im vergangenen Oktober hat Bill seinen jüngeren Bruder Georgie verloren. Bisher konnte niemand ahnen, dass der kleine Junge wie unzählige Kinder vor ihm von Pennywise in die Kanalisation gezerrt worden ist. Bill hat die Hoffnung nie aufgegeben, seinen Bruder wiederzufinden, versteht jetzt jedoch allmählich, was in Derry wirklich vorgeht. Ben kann entscheidende Hinweise liefern, die er in Büchern über Derrys Stadtgeschichte gefunden hat. In Derry verschwinden durchschnittlich sechsmal mehr Menschen als irgendwo sonst in den USA. Bei Kindern ist die Quote noch höher. Seit der Stadtgründung hat es stets im Abstand von 27 Jahren besonders schlimme Vorfälle gegeben.

Die sieben Kinder sehen sich historisches und aktuelles Kartenmaterial per Diaprojektor an. Sie stellen fest, dass alle Orte, an denen Verschwundene zuletzt gesehen wurden oder die Schauplatz von Katastrophen waren, über die Kanalisation mit einem Ort verbunden sind, an dem jetzt ein verlassenes, halb verfallenes Haus steht. Der Projektor entwickelt ein Eigenleben und zeigt Bilder von Pennywise, die buchstäblich zum Leben erwachen. Spätestens jetzt ist allen klar, womit sie es zu tun haben. Da ihnen niemand glauben würde, beschließen sie, das Böse auf eigene Faust zu bekämpfen. Sie dringen in das verlassene Haus ein, wo sie prompt von Pennywise bedroht werden. Eddie stürzt durch ein Loch im Obergeschoss und bricht sich den Arm. Die Kinder erkennen, dass sie Pennywise verletzen können, wenn sie zusammenstehen und ihre Ängste überwinden. Sie entkommen aus dem Haus, gehen in den nächsten Tagen aber getrennte Wege. Eddie wird wegen des Armbruchs von seiner überprotektiven Mutter nicht mehr aus dem Haus gelassen. Ben, Richie, Stanley und Mike fürchten sich zu sehr vor Pennywise. Allein können Bill und Beverly nichts gegen das Böse ausrichten.

Als Beverly von Pennywise entführt wird, trommelt Bill seine Freunde zusammen. Sie steigen in einen tiefen Brunnenschacht hinab, der sich im Inneren des verlassenen Hauses befindet. Nachdem sie den Schulschläger Henry Bowers unschädlich gemacht haben, der von Pennywise in den Wahninn getrieben worden ist, bereits seinen Vater ermordet hat und dieses Schicksal nun auch dem Club der Verlierer angedeihen lassen wollte, entdecken sie das Versteck des Bösen. Die entführten Kinder, an deren Fleisch und Furcht sich das Böse seit Jahrhunderten labt, schweben über einem riesigen Müll- und Schutthaufen - auch Beverly, die von ihren Freunden (genauer gesagt: durch einen Kuss von Ben) ins Leben zurückgeholt werden kann. Im Kampf gegen das nun ständig seine Gestalt wechselnde Böse gelingt es Bill endlich, innerlich Abschied von Georgie zu nehmen. Pennywise schnappt sich Bill und bietet den anderen einen Handel an. Sie sollen ihm dieses Opfer überlassen, dann wird er sie verschonen und sich wieder zur Ruhe begeben. Darauf lassen sich Bills Freunde nicht ein. Gemeinsam setzen sie Pennywise derart zu, dass sich das Böse selbst zu fürchten beginnt und in einen noch tieferen Abgrund flieht.

Die Kinder, allen voran Beverly, ahnen allerdings, dass das Böse nicht endgültig besiegt ist. Sie leisten einen Blutschwur und versprechen einander, dass sie alle den Kampf erneut aufnehmen werden, sollte sich das Böse je wieder zeigen.


Kringels Meinung

Ich halte "Es" für einen der besten Romane Stephen Kings und nach meiner bescheidenen Meinung ist Andres Muschiettis gleichnamiger Film eine der besten Stephen-King-Verfilmungen, wenn nicht gar die beste überhaupt. Cineasten werden jetzt vielleicht aufschreien. Was ist mit Stanley Kubricks "The Shining"? Klar, das ist ein Meisterwerk, aber ich finde, dass Kubricks Film in mancherlei Hinsicht zu sehr von Kings Roman abweicht. Abweichungen gibt es auch bei "Es". Um die auffälligste gleich zu nennen: Die Geschichte des Romans ist in zwei Zeitebenen angesiedelt. Der Kampf des "Clubs der Verlierer" gegen Pennywise findet in den Jahren 1957 und 1958 statt. Im Jahre 1985 kehren die dann noch lebenden Clubmitglieder als Erwachsene nach Derry zurück, weil das Böse dort erneut sein Unwesen treibt. Vergangenheit und Gegenwart gehen im Roman teils nahtlos ineinander über, zum Beispiel wenn sich die Clubmitglieder angesichts einer bestimmten Situation an ähnliche Erlebnisse in der Vergangenheit erinnern. Der Film enthält nur die Kinder-Handlungsebene, und diese spielt nicht in den Fünfzigerjahren, sondern 1989. Die ausgeklammerte Gegenwarts-Handlungsebene soll Inhalt einer Fortsetzung sein, die (hoffentlich) im Jahre 2019 in die Kinos kommen wird. Die Fortsetzung soll dann auch den diesmal noch nicht stattfindenden Dialog zwischen den beiden Zeitlinien enthalten. Im Roman funktioniert das bestens und vielleicht hätte man es mit filmischen Mitteln umsetzen können, aber ich finde es gar nicht schlecht, dass sich der Film ganz auf eine Storyline konzentriert. So wird man nicht aus dem Sog herausgerissen, den die Geschichte entfaltet.

Ganz abgesehen davon, dass eine komplette Handlungsebene fehlt, ist der Film natürlich zu kurz, um alles wiedergeben zu können, was der "Club der Verlierer" in Kings Roman erlebt. Die Handlung ist verkürzt und vereinfacht, aber das schadet dem Film nicht. Vor allem bleibt der "Geist" des Romans erhalten. Damit meine ich auch den Horror, aber nicht nur diesen. Charakteristisch für Kings Romane und insbesondere für "Es" ist die ausführliche (von manchen Kritikern als ausufernd bezeichnete) Beschreibung von Personen, Situationen, Orten und Stimmungen. Tatsächlich könnte man behaupten, dass Kings Romane zum größten Teil aus Exposition bestehen. Ich schätze das sehr und kann mit den von King so meisterlich entwickelten Figuren herrlich mitfiebern, ebenso wie ich seine psychopathischen Schurken wunderbar hassen kann, wenn sie den lieb gewonnenen Protagonisten in die Quere kommen. Tja, und dieser Aspekt prägt den Film viel, viel mehr, als es meine knappe Inhaltsangabe vermuten lässt. Darin habe ich fast nichts über die Mitglieder des Clubs der Verlierer geschrieben, obwohl wir sehr viel über sie und ihre Lebensumstände erfahren. Jedem einzelnen sowie dem Zusammenwachsen der Gruppe wird das angemessene Maß an Aufmerksamkeit gewidmet, wozu auch gehört, dass deutlich gemacht wird, wovor sich die Kids am meisten fürchten und wie Pennywise das ausnutzt. Ausgerechnet bei einem Bösewicht leistet sich der Film eine kleine Schwäche. Die Rolle von Henry Bowers als Peiniger des Clubs der Verlierer ist durchaus in Ordnung, aber seine Mutation zum zweiten Superfiesling neben Pennywise ist überflüssig und wird nicht gut vorbereitet. Henry wird zudem sehr schnell abserviert, bevor er zu einer echten Bedrohung für den Club werden kann.

(Horror-)Filme mit jugendlichen Hauptdarstellern sind oft problematisch. Nicht selten werden aus den Hauptfiguren Nervensägen, denen man einen möglichst unangenehmen Tod wünscht. Hier ist das zum Glück ganz und gar nicht der Fall. Im Gegenteil! Selten wurde das Lebensgefühl von Kindern, die an der Schwelle zu einem neuen Lebensabschnitt stehen, so wunderbar eingefangen. Ich will nicht behaupten, dass die Romanfiguren von den jungen Schauspieler genau so verkörpert werden, wie ich sie mir bei der Lektüre vorgestellt habe. Ich hatte von einigen ganz andere Bilder im Kopf. Dennoch sind alle Rollen hervorragend besetzt, vor allem werden die Kids ernst genommen. Am besten hat mir Sophia Lillis gefallen. Ihre Beverly ist schlicht und einfach perfekt, sie hat einige der besten, eindrucksvollsten Szenen in diesem Film. Ich sage nur: Badezimmer! Wenn "Es" nichts anderes enthalten würde als Beverlys Geschichte, bei der es um ein sehr heikles Thema geht (Missbrauch durch den Vater, gegen den sich Bev zu guter Letzt schlagkräftig auflehnt), dann wäre er schon sehenswert! "Es" ist also ein Film, bei dem Kinder im Mittelpunkt stehen - aber es ist definitiv kein Kinderfilm. Der Horror kommt auf keinen Fall zu kurz! Schon der Auftakt mit dem kleinen Georgie, der Pennywise zum Opfer fällt, hat es in sich. Bill Skarsgard spielt den Horrorclown in dieser Szene so, dass er fast sympathisch wirkt. Das ändert sich schnell! Skarsgards Performance ist äußerst gelungen, exzellente Spezialeffekte sind das Sahnehäubchen. Ich gebe zu: Ich habe mich manchmal wirklich gegruselt! Und ich habe richtig Lust bekommen, den Roman noch einmal zu lesen.


Extras

Die Featurettes "Pennywise lebt!" und "Club der Verlierer" befassen sich mit den Hauptfiguren des Films. Sie bestehen aus Interviews, Hinter-den-Kulissen-Material und Filmausschnitten. Bill Skarsgard zeigt, dass Pennywises Auswärtsschielen und das seltsame Vorstülpen der Unterlippe keine Spezialeffekte sind - der Schauspieler kann sein Gesicht wirklich auf diese Weise verformen! Außerdem kann man gut sehen, dass die sieben jungen Hauptdarsteller wirklich zu Freunden geworden sind. In "König der Angst" erläutert Stephen King seine Gedanken zum Roman und erklärt, welche Inspirationsquellen er genutzt hat. Vorbild für Derry war seinen Angaben zufolge Bangor in Maine, oder vielmehr die dort kursierenden Legenden. Zum Beispiel weiß angeblich niemand mehr so ganz genau, wie die Kanalisation verläuft ...

Zum Bonusmaterial gehört ein gutes Dutzend nicht verwendeter bzw. verlängerter Szenen. Die meisten sind nicht besonders interessant, das heißt, sie wurden wirklich nicht für den Film gebraucht. Durch andere dagegen wäre die Gleichgültigkeit der Erwachsenen gegenüber den unheimlichen Vorgängen in Derry deutlicher herausgestellt worden, außerdem wäre Henrys Hintergrund etwas genauer beleuchtet worden: Er wird von seinem Vater misshandelt. Die beste Szene ist ein Gag, nämlich ein alternativer Auftakt. Darin schnappt Georgie dem im Gully lauernden Horrorclown geschickt das Schiffchen weg und läuft davon. Pennywise ist konsterniert. Film zu Ende. Köstlich!


J. Kreis, 12.12.2018




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