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erleuchtung_garantiert

Erleuchtung garantiert (D 2000)
DVD - Regionalcode 2, VCL
FSK: keine Altersbeschränkung
Laufzeit: ca. 106 Minuten

Extras:
Texttafeln (Cast und Crew, Produktionsnotizen). Interviews. Behind the Scenes

Regie:

Doris Dörrie

Hauptdarsteller:

Uwe Ochsenknecht (Uwe)
Gustav-Peter Wöhrler (Gustav)
Petra Zieser (Petra)
Ulrike Kriener (Ulrike)
Anica Dobra (Anica)




Inhalt:

Uwe und Gustav sind ungleiche Brüder. Uwe verkauft Kücheneinrichtungen, ist ein selbstsicherer (oder eher selbstherrlicher) Typ, unsensibel und arrogant. Gustav ist Feng-shui-Berater, dicklich, unsicher und steckt voller Komplexe. Als Uwes Frau eines schönen Tages mit den vier unerträglich lärmenden Kindern das Weite sucht, ist Gustav Uwes letzte Rettung aus tiefster Sinnkrise. Gustav nämlich ist praktisch schon auf den Weg nach Japan, genauer gesagt in ein Zen-Kloster, wo er das Leben buddhistischer Mönche hautnah erleben will. Uwe läßt solange nicht locker, bis sein Bruder ihn mitnimmt.

Zunächst einmal quartieren die beiden sich in einem Tokyoter Hotel ein und gehen am ersten Abend auf Erkundung. Anhand der auffälligen Leuchtreklamen wollen sie sich den Weg merken, um zurück zum Hotel finden zu können. Pech für sie, daß die Neonreklamen später abgeschaltet werden! Jetzt sind die beiden irgendwo in der völlig fremden Großstadt gestrandet, wo wuselnde Menschenmengen unverständlichen Beschäftigungen nachgehen und wo man sich nicht einmal an Hinweisschildern orientieren kann, denn wer kann schon japanische Schriftzeichen lesen? Uwe jedenfalls nicht, und auch Gustav bezieht seine Weisheit nur aus einem kleinen Zen-Buch, das er immer mitschleppt, das aber in einer solchen Situation auch nicht mit konkreten Ratschlägen weiterhilft. Orientierungslos irren die beiden umher, aber ihr Hotel finden sie nicht mehr wieder.

Völlig pleite (die Kredtikarten wurden von einem Geldautomaten eingezogen) müssen die Brüder, nachdem sie sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe geschoben haben, in Pappkartons auf einem Friedhof übernachten. Am nächsten Tag klauen sie ein Zelt in einem Einkaufszentum, verlieren sich dann aber im Gewimmel der Fußgängermassen. Wähernd Uwe irgendwo das Zelt aufschlägt, begegnet Gustav Anica, einer Belgraderin, die seit Jahren mit einem Japaner in Tokyo zusammenlebt und in einer Kneipe für "typisch deutsche" Unterhaltung sorgt. Mit ihrer Hilfe finden die Brüder wieder zusammen, bei ihr dürfen sie übernachten und als Aushilfen an ihrem Arbeitsplatz verdienen sie genug Geld, um sich Fahrkarten zu ihrem Ziel, dem Kloster Monzen, leisten zu können. Jetzt haben sie wirklich "alles zurückgelassen", wie man es sich beim Eintritt in ein Zen-Kloster so vorstellt.

Dort angekommen, werden sie ohne weiteres ins tägliche Leben der Mönche integriert und müssen alles mitmachen: Aufstehen um halb fünf, waschen mit eiskaltem Wasser, stundenlanges meditieren und beten, putzen, Fußboden schrubben, den Wald fegen (!), dann wieder beten und meditieren... Dabei stellt sich schnell heraus, daß der in fernöstlichen Lebensweisheiten nach eigenem Bekunden so sehr bewanderte Gustav sein bisheriges bequemes Leben gar nicht so einfach "loslassen" kann, wie er gedacht hat und daß er mit dem Leben im Kloster kaum zurechtkommt. Ausgerechnet Uwe, der mit solchem Schnickschnack bisher überhaupt nichts am Hut hatte, begreift die Grundgedanken des Zen-Buddhismus dagegen intuitiv und fühlt sich ganz wohl im Kloster.

Als ihre Zeit bei den Mönchen zuende ist, haben beide etwas begriffen: Uwe findet einen Weg aus seiner Lebenskriste und Gustav ist in Wirklichkeit schwul...

Der Film:

Eigentlich mag ich Uwe Ochsenknecht als Schauspieler nicht besonders, aber in diesem Film, in dem er sich wohl hauptsächlich selbst spielt, ist er unübertrefflich. Bei der Szene, in der der Rotz und Wasser heulende, betrunkene Uwe seine Kippen im Zen-Garten seines Bruders ausdrückt, weil er das Teil für einen Ascher hält, habe ich Tränen gelacht. Auch die Seitenhiebe auf das Gefasel selbsternannter Zen-Experten sind einfach nur köstlich.

Der Film wurde mit minimalem technischem Aufwand und mit einer kleinen Kamera gedreht, was den Vorteil hat, daß man ganz alltägliche Situationen miterleben kann, denn es mußten nicht erst irgendwelche Sets vorbereitet werden, bevor man eine Szene drehen konnte - die Kamera war immer einsatzbereit. Handlung und Dialoge wurden nur grob vorgegeben, die meisten Dialoge sind frei improvisiert - und gerade deshalb so amüsant. Nichts von dem, was die beiden Hauptdarsteller in Tokio und im Kloster erleben, ist gestellt oder inszeniert. Die Szenen, in denen die beiden Deutschen durch Tokio irren wie auf einem fremden Planeten, könnten von mir aus doppelt so lang sein, und das nicht nur deshalb, weil Japan mich schon immer fasziniert hat.

Wieder mal eine deutsche Komödie - oder eher eine Art Road-movie - die keine Minute langweilig ist und völlig ohne schenkelklopfenden Slapstick auskommt.

Die DVD:

Einige Texttafeln mit Biografien usw., Interviews mit der Regisseurin und den beiden Hauptdarstellern, ein viel zu kurzer Blick hinter die (nicht vorhandenen) Kulissen - mehr haben die Extras leider nicht zu bieten. Gerade bei diesem Film hätte mich ein längerer Bericht über die Dreharbeiten interessiert.

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