Equilibrium


Equilibrium (USA 2003)

DVD - Regionalcode 2, highlight dvd
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 102 Minuten

Extras
- Audiokommentare
- Blick hinter die Kulissen
- Darsteller- und Crewinformationen (Text)
- Trailer

Regie:
Kurt Wimmer

Hauptdarsteller:
Christian Bale (John Preston)
Dominic Purcell (Seamus)
Sean Bean (Partridge)
Taye Diggs (Brandt)
Emily Watson (Mary O'Brien)




Story

Nach dem dritten Weltkrieg hat sich die Gesellschaft grundlegend gewandelt. Man glaubt erkannt zu haben, dass die Wurzel allen Übels in der Fähigkeit des Menschen, Gefühle zu empfinden, zu suchen ist. Emotionen müssen deshalb unterdrückt werden, denn unkontrollierte Gefühle würden unweigerlich zu einem vierten Weltkrieg führen, und den würde die Menschheit nicht überstehen. Jeder Mensch der Mega-Stadt Libria muss täglich eine Dosis der Droge Prozium zu sich nehmen. Man injiziert sich diese Substanz selbst und wird dadurch zu einem gefühlskalten Automaten ohne Sehnsüchte und Träume, der mit seinem tristen Dasein ganz zufrieden ist und kein Problem damit hat, seinen besten Freund ans Messer zu liefern, falls dieser Gefühle zeigt. Zusätzlich werden die ameisengleichen Bürger Librias durch pausenlose Propaganda indoktriniert. Allgegenwärtig tönt die Stimme einer charismatischen Gestalt, "Vater" genannt, aus Lautsprechern und sein sorgenvolles Gesicht blickt von überdimensionierten Bildschirmen herab. Alles, was an die vergangene Welt erinnern könnte, ist verboten: Bücher, Gemälde, Musik - all das wird für gefährlich gehalten. Selbst ganz alltägliche Gebrauchsgegenstände (sofern sie irgendwie das Gefühl oder die Sinne ansprechen wie z.B. Parfüm) werden eingezogen oder vernichtet. Da es immer wieder Leute gibt, die ihr Prozium nicht nehmen und gegen all diese Gebote verstoßen, wurde eine neue Klasse von Ordnungshütern ins Leben gerufen: Die Grammaton-Kleriker. Die Kleriker verkörpern die kämpferische Elite des neuen Systems. Sie sind nahezu unbesiegbar - mit der Kampftechnik des Gun-Kata können sie sogar Geschossen ausweichen und im Alleingang eine mit Schusswaffen ausgerüstete Gegnergruppe ausschalten. Kleriker verfolgen und töten gnadenlos jeden, der in den Verdacht gerät, ein "Sinnes-Verbrecher" zu sein. Sie spüren immer wieder Verstecke einer Rebellenorganisation auf, die im Untergrund lebt. Die Vernichtung von verbotenen Kulturgütern gehört ebenfalls zu ihren Aufgaben.

John Preston ist die Nummer eins aller Kleriker. Niemand kann ihm im Kampf das Wasser reichen und in seiner Überzeugung, das Richtige zu tun, macht er auch vor der eigenen Familie und den engsten Kollegen nicht halt. Preston hat vor Jahren schon seine Ehefrau ans Messer geliefert, weil diese die Droge abgesetzt hatte, und er tötet eigenhändig seinen langjährigen Partner Partridge, als er diesen bei der Lektüre eines Buchs erwischt, welches Partridge zu Tränen rührt. Doch eines Tages zerbricht zufällig die kleine Ampulle mit der täglichen Prozium-Dosis, bevor Preston sich die Substanz injizieren kann. Warum er sich keinen Ersatz besorgt, bleibt unklar. Vielleicht war der "Verrat" von Partridge ja der Auslöser oder die Festnahme der jungen "Sinnes-Verbrecherin" Mary, die mit Partridge liiert war. Vielleicht fragt sich Preston auch einfach, warum so viele Leute bereit sind, für etwas zu sterben, das in seiner Welt verfemt ist. Preston vermeidet ab sofort die Einnahme von Prozium und versteckt die Ampullen jeden Tag hinter dem Badezimmerspiegel. Mehr und mehr wird ihm bewusst, dass das ganze System Librias keinem anderen Zweck dient, als die Bevölkerung zu unterdrücken und die Macht des "Vaters" zu erhalten. Als Preston eine Polizeistreife umbringt, um zu verhindern, dass man einen Hund in seinem Kofferraum entdeckt (er hatte das verbotene Tier vor einem Vernichtungstrupp gerettet), überschreitet er damit die letzte Grenze, die ihn noch mit dem System verbunden hat. Er versucht deshalb, Kontakt mit dem Untergrund aufzunehmen. Dass mit Preston etwas nicht stimmt, bleibt seinem neuen Partner Brandt nicht verborgen. Brandt schwärzt ihn bei Seamus an - dies ist "Vaters" Stellvertreter und damit zweitmächtigster Mann Librias. Doch Preston dreht den Spieß um: Er hat Brandt die Waffe zugespielt, mit der er die Polizisten getötet hat - und damit ist Brandt als wirklicher Täter "überführt". Dennoch wird Prestons Wohnung durchsucht. Dass man die hinter dem Spiegel deponierten Ampullen nicht findet, hat Preston seinem Sohn zu verdanken. Preston hatte den Jungen immer für einen besonders eifrigen Verfechter der neuen Ordnung gehalten, aber das Kind hat schon seit dem Tod seiner Mutter auf die Einnahme von Prozium verzichtet.

Preston tarnt seine Kontaktaufnahme mit dem Untergrund als Undercover-Aktion. In Wahrheit plant er mit den Rebellen einen großen Schlag gegen das System. Preston soll den "Vater" töten. Wenn diese übermächtige Identifikationsfigur erst einmal ausgeschaltet ist, wollen die Rebellen alle Prozium-Produktionsstätten sprengen. Preston ist auch zu diesem letzten Schritt bereit, als Mary liquidiert wird. Doch als er ins Hauptquartier seiner Organisation vorgedrungen ist, muss er feststellen, dass Seamus nur mit ihm gespielt hat. Er hat Preston sehr genau beobachtet und wusste die ganze Zeit, was wirklich vorgeht. Brandt wurde nicht verhaftet, im Gegenteil: Er ist bereits so etwas wie die rechte Hand von Seamus. Der "Vater" existiert nicht. Der Mann, der diesen Namen einmal getragen hat, ist schon vor langer Zeit gestorben. Seitdem teilen sich einige Unbekannte mit Seamus an der Spitze die Macht. Preston muss sein ganzes Können aufbieten, um bis ins Innerste von Seamus' Machtzentrum vorzudringen und seine Feinde der Strafe zuzuführen, die er für gerecht hält. Dann zerstört er die Übertragungsgeräte, die das Abbild des "Vaters" in ganz Libria ausstrahlen. Als die Übertragungen abbrechen, ist dies das Zeichen für die Rebellen. Die Fabriken gehen in Flammen auf. Das ist das Ende des Unterdrückungsstaates. Preston hat zwar alles verloren, aber er konnte Rache für die Untaten nehmen, zu denen das System ihn getrieben hat.


Kringels Meinung

Der Film zitiert einige Genreklassiker. Man fühlt sich oft an Matrix erinnert, insbesondere wegen des Designs der Kleriker-Kleidung, wegen der Kampfszenen und wegen des vorwiegend stoischen Gesichtsausdrucks, den Christian Bale in der ersten Hälfte meistens zeigt. Parallelen zu George Orwells "1984", Huxleys "Brave new world" und "Fahrenheit 451" von Ray Bradbury sind ebenso unübersehbar wie Anleihen bei Blade Runner und Metropolis. Aber wenn schon geklaut, dann gut geklaut - "Equilibrium" ist kein uninspiriertes Plagiat irgend eines der genannten Werke, sondern darf als durchaus eigenständiger Film gelten. Keine der Ideen, die hier verarbeitet werden, mag neu sein (wenn man mal vom Gun-Kata absieht), aber sie werden zu einem Gemisch verbacken, das absolut überzeugen kann und die Story über die sonst in Actionfilmen üblichen Belanglosigkeiten hinaushebt. Und während die Helden in "Matrix" nur deshalb meistens mit solch unbewegten Mienen durch die Gegend wirbeln, weil das eben cool aussehen soll, so wird in "Equilibrium" ein ganz anderer Effekt damit erzielt, nämlich dann, wenn Prestons Gefühle immer wieder unkontrolliert hervorbrechen.

Geradezu erfrischend im Vergleich zu den Matrix-Sequels wirken die Kampfszenen. Sie sind mindestens ebenso dynamisch, aber viel kürzer, viel mehr "auf den Punkt" als dort. Wenn Preston beim letzten Showdown ein halbes Dutzend Schwertschwinger mit wenigen exakt geführten, genau berechneten Hieben innerhalb einer halben Minute zu Boden schickt, dann wirkt das bei aller Kürze viel effektvoller als beispielsweise das endlose Geprügel zwischen Neo und Agent Smith in Matrix Reloaded. Der Film fängt allerdings ziemlich bleihaltig an. Mancher wird von diesen Szenen, in denen einige "Sinnes-Verbrecher" niedergemäht werden, schon abgeschreckt sein. Vielleicht hätte man sich diese Szenen für einen späteren Zeitpunkt aufsparen sollen - andererseits wird auf diese Weise schon gleich klar, wie rücksichtslos in Libria gegen "Abweichler" vorgegangen wird.

Manchmal kann man froh sein, wenn ein Film mit einem etwas geringeren Budget gedreht werden muss. So kann sich der Regisseur bei "Equilibrium" nicht auf zwar schön anzuschauenden, aber inhaltslosen Effekthaschereien ausruhen, sondern muss zu anderen Mitteln greifen. Gerade der Gegensatz zwischen der quasi gleichgeschalteten Kargheit, die in Libria vorherrscht (man muss sich nur mal die steril wirkenden Wohnungen der Leute ansehen) und den in irgendwelchen Nischen oder Kellerverstecken aufgestapelten Kunstwerken und banal-sentimentalen Gegenständen aus der "alten Welt" ist ein gutes Beispiel dafür, dass man auch ohne teure Special Effects etwas aussagen kann.

Natürlich gibt es auch vieles, was unlogisch oder nicht richtig durchdacht ist. So ist einerseits die Kontrolle der Bürger viel zu lasch. Was hindert den Einzelnen, seine Droge einfach nicht zu nehmen? Er wird schließlich nicht dazu gezwungen. Eigentlich müsste es viel mehr "Sinnes-Verbrecher" und demzufolge eine viel größere Kleriker-Armee geben. Andererseits scheinen sowohl die Machthaber als auch die Rebellen über ungeahnte Mittel der Observation zu verfügen. Dass Seamus über Prestons Verrat Bescheid weiß, verwundert nicht, denn der gute Ober-Kleriker gibt sich die ganze Zeit alle Mühe, sich möglichst auffällig zu benehmen. Woher kennt aber der Rebellen-Anführer solch intime Details wie z.B. Prestons Vorliebe für ein Stoffbändchen, das mit Marys Parfüm getränkt ist? Ich muss auch gestehen, dass ich die Idee des Gun-Kata für völlig unrealistisch halte. Jedenfalls dann, wenn man es mit einem halben Dutzend Leuten zu tun hat, die mit Schnellfeuergewehren bewaffnet sind - aber egal. Wenn es dazu dient, einen kleinen Hund zu retten, soll es mir recht sein, und sehenswert sind die entsprechenden Szenen allemal.

Der Film hat sogar eine Moral. Wenn man sich mit seinen Emotionen/Aggressionen nicht auseinandersetzt, sondern sie nur unterdrückt, dann sind die Folgen noch schlimmer. Am Ende kann man sich auch fragen, was Preston eigentlich gewonnen hat. Seine Freiheit, okay... Aber alles, woran er geglaubt hat, liegt in Trümmern und ohne den betäubenden Einfluss der Droge muss er sich jetzt auch seinen eigenen Untaten stellen. Vor allem wird er wohl den Verrat an seiner Frau und den Mord an Partridge nicht so schnell vergessen können.


DVD-Features

Schade, dass es zu diesem interessanten Film kaum Zusatzinformationen gibt. Der so genannte "Blick hinter die Kulissen" ist ein wirklich nur sehr kurzer Blick: In knapp vier Minuten sieht man ein paar kurze Ausschnitte aus dem Film und ein paar Szenen von den Dreharbeiten sowie wenige Interviewfetzen des Regisseurs und der Darsteller. Informativer wäre da schon der Audiokommentar, aber für den gibt es keine Untertitel.






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