Ender's Game


Ender's Game - Das große Spiel (USA, 2013)
- Ender's Game -

Blu-ray, Constantin Film
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 114 Minuten

Extras:
- Ender's Game Special (44:31 Min.)
- Blick hinter die Kulissen (6:28 Min.)
- Interviews (33:09 Min.)
- Trailer

Regie:
Gavin Hood

Hauptdarsteller:
Asa Butterfield (Andrew Ender Wiggin)
Harrison Ford (Hyrum Graff)
Hailee Steinfeld (Petra Arkanian)
Moises Arias (Bonzo Madrid)
Ben Kingsley (Mazer Rackham)
Viola Davis (Gwen Anderson)




Story

Fünfzig Jahre nach einem Angriff der außerirdischen Formics auf die Erde, bei dem Millionen Menschen gestorben sind und der nur durch das Eingreifen eines Helden namens Mazer Rackham abgewehrt werden konnte, bereitet sich die Menschheit auf einen Feldzug vor. Man geht davon aus, dass ein zweiter Angriff unmittelbar bevorsteht, denn die Formics vermehren sich rapide, so dass ihre Heimatwelt bald nicht mehr ausreichend sein wird, außerdem rüsten sie massiv auf. Diesmal sollen die Formics ein für alle Mal geschlagen werden. Besonders begabte junge Menschen - vor allem minderjährige Kinder - werden einem harten Auswahlverfahren unterzogen und solange gedrillt, bis Colonel Hyrum Graff und Major Gwen Anderson glauben, dass sie bereit sind, in die Entscheidungsschlacht zu ziehen, die den Krieg beenden soll. Graffs größte Hoffnung ist Ender Wiggin. Der Junge hat nicht zuletzt durch das Zusammenleben mit seinem brutalen älteren Bruder die Erfahrung verinnerlicht, dass man einen Feind gnadenlos vernichten muss, um jedes Risiko auszuschließen. Andererseits besitzt er ähnlich wie seine Schwester Valentine so viel Empathie, dass er in der Lage ist, seine Gegner wirklich zu verstehen. Darüber hinaus ist er ein genialer Stratege und ein geborener Anführer.

Nach längerer Beobachtung durch Graff und Anderson wird Ender zusammen mit weiteren Rekruten zu einer Trainingseinrichtung im Erdorbit gebracht. Dort treten Teams unterschiedlicher Jahrgänge in Kampfspielen gegeneinander an, werden körperlich fit gemacht und erhalten militärischen Unterricht. Die Kinder sind auf sich allein gestellt, sie haben keinerlei Kontakt nach außen. Obwohl Graff alles daransetzt, es Ender so schwer wie möglich zu machen und ihn von den anderen Kadetten zu isolieren, gewinnt der Junge schnell Respekt und Sympathie seiner Kameraden. Nachdem Enders Team unter seiner Anleitung einen großen Erfolg erzielt hat, wird Ender zu einem erfahreneren Team versetzt. Dessen Anführer Bonzo Madrid sieht es nicht gern, dass sich das Teammitglied Petra Arkanian mit Ender anfreundet und ihm einige Tricks beibringt. In seiner Freizeit taucht Ender immer tiefer in ein von Major Anderson entwickeltes Computerspiel ein, das per Gedankenkontrolle gesteuert wird. In der virtuellen Welt des "Mind Game" begegnet Ender unter anderem einem Formic. Bonzo verbietet Ender die Teilnahme am nächsten Kampf. Ender setzt sich darüber hinweg und verhilft dem Team mit Petras Hilfe zum Sieg. Daraufhin wird Ender zum Kommandanten seines eigenen Teams befördert. Seine Untergebenen sind all jene, deren Vertrauen er während der Ausbildung gewonnen hat. Durch eine völlig neuartige Strategie gewinnt Enders Team sogar einen Kampf gegen Bonzo, der sich mit einem dritten Team verbündet hat. Das kann Bonzo nicht hinnehmen. Er greift Ender an, der sich geschickt wehrt. Bonzo stürzt unglücklich und erleidet lebensgefährliche Verletzungen.

Für Graff belegt dieser Zwischenfall nur, wie begabt Ender wirklich ist, aber der Junge macht sich Vorwürfe und will die Akademie verlassen. Graff gewährt Ender einige Freiheiten, unter anderem einen Besuch auf der Erde bei Valentine. Sie bringt ihren Bruder dazu, doch weiterzumachen. Ender wird allerdings nicht zur Raumstation zurückgebracht. Die Reise geht viel weiter. Vor einigen Jahren haben die Menschen einen von den Formics kolonisierten Planeten erobert und dort eine vorgeschobene Basis eingerichtet, von der aus die Heimatwelt des Feindes beobachtet werden kann. Von hier aus sollen die Raumschiffe der Internationalen Flotte (IF) von Ender und seinen Teammitgliedern ferngesteuert werden. Doch noch ist es nicht soweit. Zunächst tritt Enders Ausbildung in eine neue Phase ein. Mazer Rackham persönlich trainiert ihn. Rackham nimmt die Rolle des Feindes ein und treibt die Kinder an ihre Grenzen, indem er immer komplexere und schwierigere virtuelle Spielszenarien entwickelt, bei denen selbst Ender nicht immer gewinnt. Ender erfährt, wie es Rackham seinerzeit gelungen ist, die Formics zu vertreiben. Rackham hat erkannt, dass die Formics - genau wie irdische Ameisen - eine Königin haben. Wird sie getötet, werden alle Soldaten kampfunfähig und sterben. Danach musste Rackham nur noch das Hauptschiff der Königin identifizieren und in einer selbstmörderischen Attacke vernichten. Er selbst hat damals nur knapp überlebt. Rackhams Entdeckung soll jetzt zur Ausrottung der Formics genutzt werden.

Der finale Test der Kadetten wird angekündigt. Wenn sie bestehen, beginnt für sie der echte Krieg. Ender hat das Kommando über ein Geschwader riesiger Trägerschiffe, von denen jedes unzählige unbemannte Kampfdrohnen mitführt. Petra kontrolliert eine gigantische Kanone, genannt "kleiner Doktor", deren Energiestrahl alle molekularen Bindungskräfte des getroffenen Ziels in einer Kettenreaktion zusammenbrechen lässt, was zur vollständigen Vernichtung führt. Die Flotte steht einer erdrückenden Übermacht in der Nähe der Formic-Heimatwelt gegenüber. Da die Formics sich abwartend verhalten, führt Ender den ersten Schlag. Er nimmt den Untergang der gesamten Flotte in Kauf, um Petra einen einzigen Schuss auf den Planeten zu ermöglichen. Dessen Zerstörung ist gleichbedeutend mit dem Ende der Königin und somit aller Fornics. Enders Jubel währt nur solange, bis er begreift, dass er getäuscht wurde. Die Schlacht war nicht simuliert, sondern real. Ender ist verantwortlich für einen Genozid und für den Tod tausender Besatzungsmitglieder in den geopferten IS-Schiffen. Die Erkenntnis trifft ihn besonders hart, da er glaubt, er hätte möglicherweise mit den Formics kommunizieren können. Ihm wird klar, dass eine Formic-Königin versucht hat, über das Mind Game mit ihm Kontakt aufzunehmen. Ender spürt das Wesen in einem Höhlensystem des IF-Basisplaneten auf. Es sinnt nicht auf Rache, außerdem wird es bald sterben. Es zeigt Ender ein Formic-Ei, in dem eine neue Königin heranwächst. Ender, jetzt im Rang eines Admirals, kann tun und lassen was er will. Mit einem Raumschiff macht er sich auf den Weg, um eine neue Heimat für die Formics zu finden.


Kringels Meinung

Dieser Film basiert auf dem Roman Das große Spiel von Orson Scott Card. Es sind sieben Jahre vergangen, seit ich das Buch gelesen habe, aber ich glaube doch sagen zu können, dass sich die Verfilmung recht eng an die Romanvorlage hält. Deshalb habe ich mit dem Film dasselbe Problem wie mit dem Roman: Es erschließt sich mir einfach nicht, warum Kinder so viel besser für den Kampf gegen die Formics geeignet sein sollen als Erwachsene. Angeblich sind Kinder eher als Erwachsene zu unkonventionellen Taktiken und überraschenden Entscheidungen fähig. Diese Behauptung muss man einfach mal stehen lassen. Aber kann das wirklich das entscheidende Argument sein? Für den Krieg gegen die zahlenmäßig weit überlegenen Formics braucht man einen besonders guten Taktiker und Strategen, der einerseits die Fähigkeit besitzt, den bedingungslosen Gehorsam seiner Untergebenen zu gewinnen, andererseits aber skrupellos genug ist, alles und jeden zu opfern. Außerdem sollte er die nächsten Schritte seiner Feinde erahnen können und einen ausgeprägten Spieltrieb haben, damit das ganze Täuschungsmanöver überhaupt funktionierten kann. Enders selbstmörderische Vorgehensweise ist die einzige logische Möglichkeit, den Krieg zu gewinnen. Warum ein Erwachsener nicht auf dieselbe Idee kommen sollte, erschließt sich mir nicht. Jeder begeisterte Spieler von Echtzeitstrategie-Computerspielen dürfte dieselben Voraussetzungen wie Ender mitbringen, egal ob er 15 oder 50 Jahre alt ist.

Wahrscheinlich geht es sowieso um etwas ganz anderes, nämlich um den Verlust der Unschuld. Am Beispiel von Ender und seinen minderjährigen Kameraden lässt sich besonders gut zeigen, was es bedeutet, folgende Fragen beantworten zu müssen: Ist das Wohl eines Einzelnen weniger wert als das Wohl von Vielen? Rechtfertigt der Sieg jedes Mittel und jedes Opfer? Für Graff ist die Antwort auf beide Fragen "Ja". Ender dagegen geht zwar äußerst konsequent vor, um sich gegen brutale Mitschüler zu schützen, sagt aber am Schluss, dass es nicht wichtig ist zu gewinnen, sondern wie man gewinnt. Was ich beim Film für besser gelungen halte als beim Roman, das ist die Art und Weise, wie sich die Kinder verhalten und wie sie ausgebildet werden, wenn ich auch sagen muss, dass diese Phase etwas zu hastig abgehandelt wird. Ender und seine Kameraden sind zwar nicht "kindisch", wirken im Film aber nicht gar so erwachsen wie im Roman. Bei der Lektüre des Romans hatte ich das Gefühl, es wirklich mit Erwachsenen zu tun zu haben, und fand das nicht glaubwürdig. Außerdem hatte ich mich gefragt, welchen Nutzen eine Art 3D-Football bei Nullschwerkraft für die Ausbildung angehender Raumflotten-Kommandeure haben soll. Im Film wird klarer, dass die Kinder auf diese Weise lernen sollen, ungewöhnliche Strategien zu entwickeln, während ihnen gleichzeitig alle kindlichen Regungen wie z.B. Disziplinlosigkeit ausgetrieben werden. Allerdings habe ich beim Film (trotz der grandiosen schauspielerischen Leistungen) mehr als beim Buch das Problem, dass ich mich mit den Kids nicht so recht identifizieren kann - ich bin halt nicht mehr so jung...

"Ender's Game" bietet aber nicht nur Stoff zum Nachdenken, sondern auch wunderbares Augenfutter. Schon der Nullschwerkraft-Trainingsraum hat's in sich, denn die Schwerelosigkeit wird absolut glaubwürdig dargestellt. Und dann erst die gewaltigen (simulierten und echten) Raumschlachten! So schön hat's im Kino-Weltraum schon lange nicht mehr gekracht. Sehr gut umgesetzt ist die Idee, dass Ender die Flotte wie ein Dirigent lenkt. Er steht inmitten einer holografischen Darstellung des Weltraums und kann diese genauso via Gestensteuerung drehen, kippen, zoomen usw. wie unsereins ein Bild auf einem Smartphone-Display. Ab und zu geht der Überblick im Gewimmel der Drohnen und Großkampfschiffe ein wenig verloren, aber das ist wohl beabsichtigt. Das Design der Formics (incl. Raumschiffe und Heimatwelt) kann sich ebenfalls sehen lassen. Tatsächlich stellt man am Ende überrascht fest, dass die Insektoiden eigentlich wunderschöne Wesen sind, was ihren Untergang umso trauriger macht.


Blu-ray-Features

Hätte man sich die Mühe gegeben, die vielen kurzen Einzelteile des Bonusmaterials sinnvoll zu einer einzigen Dokumentation zu vereinigen, dann wäre dabei ein zwar etwas kürzeres (die Beiträge sind teilweise redundant), aber einheitliches Making of herausgekommen. So stehen die sieben Einzel-Featurettes (engl. ohne Untertitel) mit der üblichen wenig aussagekräftigen Mischung aus Hinter-den-Szenen-Material, Filmausschnitten und Interviews recht isoliert neben sechs Interviews, in denen die Story nacherzählt, die Figuren vorgestellt, gegenseitiges Lob verteilt und ansonsten nur in Allgemeinplätzen geredet wird. Hinzu kommt noch eine Zusammenstellung kurzer, nicht kommentierter Aufnahmen von den Dreharbeiten. Immerhin kann man ganz gut sehen, welch großer Aufwand betrieben wurde, um die Schwerelosigkeit im War Room zu simulieren. Die Schauspieler wurden mit diversen Drähten und kardanischen Aufhängungen bestückt, damit sie in alle Richtungen gedreht werden konnten. Außerdem sieht man, dass sich die jugendlichen Schauspieler einer milden militärischen Ausbildung unterwerfen mussten, um das entsprechende Verhalten im Film glaubwürdig rüberbringen zu können.


J. Kreis, 29.10.2014




Gastkommentare


Neueste Kommentare stehen oben.


Gastkommentare werden nicht von J. Kreis verfasst und dürfen nicht auf anderen Homepages oder in Printmedien weiterverwendet werden.


Noch keine Gastkommentare vorhanden!


Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)


Seitenanfang


Startseite

Filme