Elysium


Elysium (USA, 2013)

Blu-ray, Sony Pictures Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 109 Minuten

Extras:
- Visionen von 2154
- Erweiterte Szene: Kruger wacht auf (1:45 Min.)
- Die Reise nach Elysium (45:49 Min.)
- Zusammenarbeit: Die Rolle in Elysium wird erarbeitet (13:18 Min.)
- Die Technologie in 2154 (10:13 Min.)
- Handlungshilfen: Visuelle Effekte in Elysium (10:34 Min.)
- Planung einer Utopie: Eine Gesellschaft im Himmel wird erschaffen (11:43 Min.)
- Trailer

Regie:
Neill Blomkamp

Hauptdarsteller:
Matt Damon (Max Da Costa)
Alice Braga (Frey Santiago)
Jodie Foster (Delacourt)
Sharlto Copley (C.M. Kruger)
Wagner Moura (Spider)




Story

Im 22. Jahrhundert ist die Erde hoffnungslos überbevölkert, ausgebeutet und verschmutzt. Die Reichen und Schönen wandern zur gigantischen Raumstation Elysium im Erdorbit aus, wo sie ihr luxuriöses Leben ungestört fortführen können. Krankheiten, tödliche Verletzungen und selbst das Altern stellen für die Bürger Elysiums kein Problem dar. Man muss sich nur auf die Liege einer in jedem Privathaushalt vorhandenen Med-Bay legen und ist innerhalb von Sekunden völlig wiederhergestellt. Die unterprivilegierten, unterernährten und an den verschiedensten Krankheiten leidenden Massen bleiben auf der Erde zurück, wo sie in den zerfallenden Überresten der Städte hausen und sich glücklich schätzen müssen, wenn sie einen Job in einer der vielen Fabriken finden, die Güter für Elysium herstellen - unter anderem Roboter, die zur Überwachung der Erdbewohner eingesetzt werden. Wer verzweifelt genug ist, all seine Habe einem Schleuser in den Rachen zu werfen, der illegale Shuttle-Transfers nach Elysium organisiert, hat den Tod zu gewärtigen, denn jedes nicht autorisierte Raumschiff wird beim Anflug auf die Station abgeschossen. Verteidigungsministerin Delacourt setzt für diese Drecksarbeit auf der Erde ansässige Schläfer-Agenten wie den skrupellosen C.M. Krueger ein, damit sich die Bürger Elysiums nicht die Hände schmutzig machen müssen. Sollte einem Shuttle trotzdem die Landung auf Elysium gelingen, werden alle Passagiere sofort zur Erde deportiert oder bei der Festnahme getötet. Dennoch versuchen immer wieder todkranke Erdenbewohner ihr Glück. Mit gefälschten DNS-Identifikationssiegeln ausgestattet gelingt es Einzelnen manchmal, in die Villen der Menschen von Elysium einzudringen und die Med-Bays zu nutzen. Als Präsident Patel die Außerdienststellung aller Agenten anordnet, ist für Delacourt das Maß voll. Sie sieht die Sicherheit Elysiums in Gefahr und bereitet einen Putsch vor. John Carlyle, Besitzer der Armadyne Corporation und Schöpfer des Zentralcomputers von Elysium, soll ihr dabei helfen. Er schreibt ein Programm, das einen Neustart aller Systeme der Raumstation verursachen und es Delacourt ermöglichen soll, sich selbst als Präsidentin zu installieren. Er speichert den Code in seinem Gehirn und versieht ihn mit einem tödlichen Sicherheitsprogramm.

Max Da Costa träumt seit seiner Kindheit, die er in einem Waisenhaus auf der Erde verbracht hat, von einem neuen Leben auf Elysium. Auch seine in einem Krankenhaus arbeitende Jugendreundin Frey Santiago wünscht sich nichts sehnlicher, als nach Elysium zu gelangen, denn ihre kleine Tochter Matilda ist todkrank. Max hat eine Karriere als Autodieb und einen Gefängnisaufenthalt hinter sich. Jetzt will er das für eine Reise nach Elysium erforderliche Geld mit ehrlicher Arbeit verdienen und schuftet in einer Armadyne-Roboterfabrik in den Ruinen von Los Angeles. Bei einem Arbeitsunfall bekommt er eine Strahlendosis ab, an der er innerhalb der nächsten fünf Tage sterben wird. Er wird gefeuert, erhält aber immerhin hochwirksame Medikamente, die ihm bis zum Tag seines Todes ein relativ normales Leben ermöglichen. Seine einzige Hoffnung auf Rettung sind die Med-Bays von Elysium, aber er hat kein Geld, um den Schleuser Spider zu bezahlen. Zufälligerweise kann Spider gerade jetzt jemanden gebrauchen, der nichts mehr zu verlieren hat. Man schraubt Max ein kraftverstärkendes Exoskelett an den Körper und pflanzt ihm eine Schnittstelle in den Schädel, mit deren Hilfe er die im Gehirn eines bestimmten Großindustriellen gespeicherten Zugangsdaten für Bankkonten auslesen kann. Zielperson ist ausgerechnet Carlyle, der die Erde regelmäßig besucht, um seine Produktionsstätten zu überwachen. Der Coup gelingt. Carlyles Shuttle wird abgeschossen, Max vernichtet die mitgeführten Wachroboter. Alle Daten - auch das Rebootprogramm und die Sicherheitsroutinen - werden in Max' Gehirn übertragen. Jeder Elysium-Bürger wird permanent überwacht, daher wird sofort Alarm gegeben, als Carlyle in Gefahr gerät. Delacourt ruft Kruger zu Hilfe, doch der kommt zu spät. Carlyle wurde angeschossen und stirbt. Max kann mit den gestohlenen Daten entkommen, wird aber von Kruger schwer verwundet. Er bittet Frey um Hilfe und wird bei ihr zu Hause behandelt. Frey fleht Max an, Matilda nach Elysium zu bringen, doch er lehnt ab, da er die beiden nicht in Gefahr bringen will.

Max hat sich zu Recht Sorgen gemacht. Er wurde von Drohnen verfolgt. Kaum ist er verschwunden, tauchen Kruger und dessen Kumpane bei Frey auf. Sie entführen Mutter und Tochter. Max sucht Spider auf, der erkennt, was es mit den von Max gestohlenen Daten auf sich hat. Er kann aber nicht darauf zugreifen, ohne Max zu töten. Mit dem Rebootprogramm, so erfährt Max, könnte man alle Erdbewohner zu Bürdern Elysiums machen. Delacourt hat ganz Los Angeles zur Flugverbotszone erklärt. Max stellt sich Kruger, um von ihm nach Elysium gebracht zu werden. Prompt hebt Delacourt das Startverbot auf, denn sie muss die brisanten Daten unbedingt in ihren Besitz bringen. Spider folgt Krugers Raumschiff mit einem eigenen Shuttle nach Elysium. Beim Anflug auf Elysium kommt es in Krugers Schiff zu einem Handgemenge. Dabei wird Kruger tödlich verwundet. Max, Frey und Matilda werden verhaftet. Während Max auf dem Operationstisch landet, reanimieren Krugers Handlanger ihren Boss in einer Med-Bay. Er tötet Delacourt, um selbst die Macht zu übernehmen. Max kann sich befreien und Frey vor Krugers Handlangern retten, die zuvor Bomben in der Steuerzentrale Elysiums gezündet haben. Max trifft sich mit Spider, der Elysium mit einigen Leibwächtern errreicht hat. Einer der Männer führt Frey und Matilda zu einer Villa mit Med-Bay. Max hält Kruger auf, der sich an ihm rächen will und ebenfalls ein Exoskelett trägt. Max behält die Oberhand, Kruger stirbt endgültig. Nun lässt sich Max von Spider zum Computerkern führen. Er selbst veranlasst den Download des Rebootprogramms, wohl wissend, dass das sein Todesurteil ist. Nach dem Computerneustart werden alle Menschen als Bürger Elysiums registriert. Somit kann Matilda geheilt werden und Spider, der festgenommen werden sollte, wird von den Wachrobotern geschützt. Der Computer erkennt, dass große Teile der Erdbevölkerung dringend medizinische Hilfe benötigen. Zahlreiche Shuttles voller Med-Bays und Medorobotern werden zur Erde entsandt.


Kringels Meinung

Filme mit politischer Aussage ... das geht nicht immer gut. Manchmal ist der erhobene Zeigefinger zu deutlich zu sehen und ich mag es gar nicht, wenn die Belehrungsabsicht in den Vordergrund tritt. Mit District 9 hat Regisseur/Drehbuchautor Neill Blomkamp diese Klippe geschickt umschifft. Das Thema des Films (Rassismus und Diskriminierung wie in der Apartheid) wird geschickt in eine spannende, anrührende Handlung verpackt und auf ungewöhnliche Weise in pseudodokumentarischem Stil präsentiert. Leider funktioniert all das diesmal nicht ganz so gut. Auch in "Elysium" werden Entwicklungen auf die Spitze getrieben, die uns nur zu bekannt vorkommen. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft in der Realität inzwischen so weit auf, dass man durchaus von zwei völlig verschiedenen Welten ohne Berührungspunkte sprechen kann. Das ist eine Binsenweisheit. Auf der einen Seite die armen, rechtlosen Massen, auf der anderen die Superreichen, die sich selbst für die Elite halten, ebenso gut aber als gierige Ausbeuter bezeichnet werden könnten. Hier wird die Moralkeule zu oft / zu deutlich geschwungen, sei es durch die rührseligen Rückblicke in die Kindheit von Max und Frey oder den meiner bescheidenen Meinung nach unnötigen Subplot um Freys kranke Tochter. Unnötig deshalb, weil praktisch genau dasselbe Motiv schon zu Beginn des Films zum Einsatz kommt. Da sieht man eine illegal nach Elysium gereiste Mutter, die ihr krankes Kind zu einer Med-Bay bringt. Nuancen und Schattierungen gibt es hier nicht, nur gut und böse - das ist mir zu wenig, zumindest in einem Film, der (wie der Regisseur selbst sagt) als politisches Statement gedacht ist.

Ich muss allerdings einräumen, dass mir der Film beim erstmaligen Anschauen weit besser gefallen hat als beim zweiten Mal. Das liegt sicherlich an den wunderbaren Spezialeffekten. So genial die auch sind - ich hatte nie das Gefühl, dass da jemand mit einem großen Budget protzen und zeigen wollte, wie toll heutzutage Raumschiffe und dergleichen per CGI erschaffen werden können. Die Effekte dienen stets der Story. Tatsächlich spielt sich vieles im Hintergrund ab, landende Shuttles verschwinden schon mal im aufgewirbelten Staub oder sind vor lauter Rost und Graffiti kaum zu erkennen. Sowohl auf der völlig verdreckten, heruntergekommenen Erde als auch in der blankpolierten, aber auch kalten High-End-Raumstation Elysium herrscht bei aller Phantastik Realismus vor. Die zum Einsatz kommende Technik wirkt stets glaubwürdig, wobei die Gegensätze zwischen Erde und Elysium deutlich erkennbar sind. Bei den antiquierten, klobigen Shuttles der Erdbewohner riecht man förmlich das Schmieröl und die Abgase, während zum Beispiel Carlyles Schiff (ein Bugatti, wie man deutlich sehen kann) mit seinen geschwungenen Formen und dem glänzenden Lack puren Luxus ausstrahlt. Mein persönliches Highlight ist der "Bewährungshelfer", bei dem Max vorsprechen muss. Das ist natürlich kein Mensch, sondern ein billiger Roboter, der nur Worthülsen von sich gibt. Werden Stresssymptome beim menschlichen Gesprächspartner festgestellt, so werden Pillen angeboten ...

In "District 9" ist die Hauptfigur (Sharlto Copley, der diesmal den Bösewicht Kruger spielt) ein etwas trotteliger Verwaltungstyp, der den zynischen Umgang mit den Außerirdischen so sehr verinnerlicht hat, dass er es selbst gar nicht merkt, so dass man ihm fast nicht böse sein kann. Er ist aber alles andere als ein Held, dennoch wird "District 9" am Ende doch noch zum Actionfilm. Tja, und in "Elysium" geht das sogar noch schneller. Alles ist gut, solange Max einfach nur versucht, Geld durch ehrliche Arbeit zu verdienen, was natürlich zum Scheitern verurteilt ist. Sobald er im Exoskelett steckt, kämpft er praktisch nur noch. Von seiner Strahlenkrankheit ist nichts mehr zu bemerken und er hat erstaunlicherweise überhaupt keine Schwierigkeiten mit drei bis an die Zähne bewaffneten Söldnern, von denen einer auch noch eine überlegene Version des Exoskeletts zum Einsatz bringt. Max hat zunächst eine starke, nachvollziehbare Motivation: Er will ganz einfach überleben. Und dafür geht er über Leichen (Carlyle). Er mutiert dann aber zum Gutmenschen, der sich für andere aufopfert. Ohne den Frey-Subplot wäre das nicht passiert! Sharlto Copley, hinter dem Rauschebart kaum zu erkennen, gibt sich alle Mühe, den unzurechnungsfähigen Killer zu mimen. Ich kann mir nicht helfen, ich sehe trotzdem immer Wikus aus "District 9". Jodie Foster ist als strenge, stets beherrschte Eiserne Lady sehenswert, aber unterfordert.

"Elysium" könnte eine visuell äußerst beeindruckende Dystopie ganz nach meinem Geschmack sein, leistet sich aber einige Schwächen und ist leider viel zu vorhersehbar. Da wollte der Funke beim zweiten Anschauen nicht mehr überspringen.


Blu-ray-Features

Seit wie vielen Jahren schreibe ich jetzt eigentlich neben Handlungszusammenfassungen und Kommentaren auch noch Texte zum Bonusmaterial von DVDs und Blu-rays? ich weiß es gar nicht so genau. Erst recht weiß ich nicht, wie oft ich schon dieselben Sätze mit leichten Abwandlungen verwendet habe - so auch diesmal - weil die Making-of-Featurettes immer denselben Aufbau haben. Heutzutage scheint es selbstverständlich zu sein, dass jemand zu Dokumentationszwecken mit einer Kamera bei Vorabbesprechungen dabei ist, in denen Konzepte für den Film erarbeitet werden, ebenso bei den Proben und beim Kampftraining der Schauspieler, in den Werkstätten der Requisitenbauer, Masken- und Kostümbildner, bei der Konstruktion der Bühnenbilder, bei den Dreharbeiten und bei der Aufnahme des Soundtracks. Derjenige führt dann auch gleich Interviews mit Schauspielern und Produktionsteam (oder es werden Interviews verwendet, die im Rahmen der Promotionskampagne geführt wurden und dann hauptsächlich gegenseitige Lobhudeleien enthalten), schaut sich an den Drehorten um und so weiter. Das Ergebnis wird dann noch mit Ausschnitten aus dem fertigen Film angereichert, et voila! Schon hat man für die Ewigkeit festgehalten, wie der Film entstanden ist. Manchmal kommt dabei nicht viel mehr heraus als Werbung, manchmal wird für die Produktion der Dokus ein fast genauso großer Aufwand betrieben wie für den Film selbst. Die Anhänge der Extended Editions der Herr der Ringe- und Hobbit-Filme sind Musterbeispiele für derart hochwertiges Material.

Lange Rede kurzer Sinn: Die Featurettes "Die Reise nach Elysium" bis "Planung einer Utopie" bewegen sich irgendwo dazwischen. Ich betrachte die fünf Einzelbeiträge als Einheit, denn sie sind alle gleich aufgebaut. Wenn über die Schauspieler gesprochen wird, dann hauptsächlich über Matt Damon. Jodie Foster und Sharlto Copley werden zwar nicht ignoriert, stehen aber am Rande. Immerhin erfährt man, dass Jodie Foster in "Elysium" ihren ersten Filmtod erleidet. Wenn das stimmt, fällt Sharlto Copley die Ehre zu, Jodie Foster erstmals gemeuchelt zu haben! Bei den Dreharbeiten haben teilweise erschwerte Bedingungen geherrscht. Man hat nämlich auf der größten Mülldeponie der Welt in Mexiko gedreht. Der Gestank, so erzählt der Regisseur, war vor allem morgens entsetzlich ...

"Visionen von 2154" enthält eine Zusammenstellung von Konzeptzeichnungen, Fotos, Animationen, Hinter-den-Szenen-Material und Filmausschnitten. Einiges davon ist auch in den Dokus zu sehen, aber hier kann man sich Waffen, Raumschiffe, Kostüme, Robotermodelle etc. in aller Ruhe von allen Seiten anschauen. Außerdem sind unzählige nicht verwendete Entwürfe zu sehen. Die erweiterte Szene ist eigentlich nicht der Rede wert. Nach seiner Reanimation giftet Kruger ein bisschen länger herum, das ist alles.


J. Kreis, 18.11.2015




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