Elvira - Herrscherin der Dunkelheit


Elvira - Herrscherin der Dunkelheit (USA, 1988)
- Elvira - Mistress of the Dark -

Blu-ray, Cinespectral Films
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 97 Minuten

Extras:
- Audiokommentare
- Grußwort des Regisseurs

Regie:
James Signorelli

Hauptdarsteller:
Cassandra Peterson (Elvira)
William Morgan Sheppard (Vincent Talbot)
Daniel Greene (Bob Redding)
Edie McClurg (Chastity Pariah)




Inhalt

Elvira hat keine Lust, sich vom neuen Besitzer des Fernsehsenders, bei dem sie als Moderatorin einer Horrorfilmreihe arbeitet, betatschen zu lassen. Sie glaubt, sie könne es sich leisten, den Job an den Nagel zu hängen, weil sie mit einer Bühnenshow in Las Vegas groß herauszukommen beabsichtigt. Zu spät erfährt sie, dass sie zur Finanzierung des Projekts 50.000 Dollar braucht. So viel Geld kann sie nicht aufbringen. Daher kommt eine unerwartete Erbschaft wie gerufen. Elvira soll zur Eröffnung des Testaments ihrer Großtante Morgana Talbot, von deren Existenz sie bis dato keine Ahnung hatte, in der verschlafenen Kleinstadt Fallwell, Massachusetts, erscheinen. Freudig erregt macht sich Elvira sofort auf den Weg, nur um vor Ort festzustellen, dass Tante Morgana ihr lediglich eine halb verfallene Villa, einen Pudel namens Algonquin und ein Rezeptbuch hinterlassen hat. Elvira möchte das Haus so schnell wie möglich versilbern, muss jedoch erst einmal selbst dort einziehen, denn ihr Straßenkreuzer ist zusammengebrochen. Die Reparatur wird einige Tage dauern. Ein Käufer für das Anwesen findet sich nicht, wohl aber ein Interessent für das Rezeptbuch. Morganas Bruder Vincent bietet 50 Dollar für das alte Ding. Selbst dieses bisschen Geld geht Elvira durch die Lappen, denn Algonquin versteckt das Buch.

Mit ihrer (vorsichtig ausgedrückt) unkonventionellen Art und einer Garderobe, die sehr tief blicken lässt, erregt Elvira in Fallwell sofort allgemeines Aufsehen. Die männliche Jugend gerät bei Elviras Anblick in einen Hormonrausch. Die Mädchen können gar nicht fassen, dass es möglich ist, sich derart selbstbewusst und freizügig zu geben. Elvira wird zum Lustobjekt und Vorbild gleichermaßen, was den erzkonservativen Stadtratsmitgliedern, allen voran der prüden Chastity Pariah, mehr als nur ein Dorn im Auge ist. Es passt den verklemmten Spießbürgern gar nicht, dass Elvira die Villa mit Hilfe der jungen Leute ordentlich aufpeppt und sich für längere Zeit häuslich einrichtet. Elvira verführt den unter chronischem Geldmangel leidenden Kinobetreiber Bob Redding (im Kino dürfen laut Beschluss des Stadtrats nur langweilige Filme gezeigt werden), wodurch sie sich die erbitterte Feindschaft der Bowlingbahnbesitzerin Patty zuzieht, die ebenfalls bei Bob landen wollte. Um das öde Leben in Fallwell ein wenig abwechslungsreicher zu gestalten und etwas Geld einzunehmen, veranstaltet Elivra ein Horrorfilmfestival in Bobs Kino. Das Event findet großen Anklang. Patty bekommt Wind davon und baut eine Falle auf. Elvira wird vor aller Augen geteert und gefedert.

Aus Anlass eines lauschigen Beisammenseins mit Bob schwingt Elvira den Kochlöffel zu einem Rezept aus Morganas Buch. So wird klar, was es mit diesem Buch auf sich hat, denn der aus merkwürdigen Ingredienzien (gefunden in Morganas Küchenschrank) zusammengebraute Eintopf verwandelt sich in eine scheußliche Kreatur, die Köchin und Gast verspeisen möchte - die vermeintlichen Rezepte sind Zauberformeln. Auf dem Speicher der Villa findet Bob einen Brief Morganas an ihre Großnichte. Endlich erfährt Elvira, die in einem Waisenhaus aufgewachsen ist und ihre Eltern nie kennengelernt hat, wer sie wirklich ist. Ihre Mutter war eine mächtige Zauberin namens Divana. Sie wurde kurz nach Elviras Geburt von Vincent ermordet. Elvira sollte ebenfalls sterben, denn auch sie ist magisch begabt. Es ist Morgana gelungen, das Baby vor Vincent in Sicherheit zu bringen. Als einzige Hinterlassenschaft ihrer Mutter hat Elvira seinerzeit einen magischen Ring erhalten, den sie immer noch trägt. Vincent schreckt vor nichts zurück, um das Buch in seinen Besitz zu bringen und unermessliche Macht erlangen. Davon ahnt Elvira nichts und so arbeitet sie Vincent unwissentlich in die Hände, als sie sich an Patty und dem Stadtrat rächt, indem sie ein aphrodisierendes Gericht bei einer Feier einschmuggelt, woraufhin das harmlose Picknick zur wilden Orgie wird.

Vincent hetzt die Bürger auf, indem er Elvira der Hexerei bezichtigt. Elvira landet im Gefängnis und soll auf dem Scheiterhaufen brennen. Ihre jungen Freunde versuchen sie vergeblich zu befreien. Vincent dringt mit seinen Schergen in die Villa ein und raubt das Buch. Bob wird niedergeschlagen und gefesselt. In dieser ausweglosen Situation zeigt Algonquin, was in ihm steckt: Das Tier kann seine Gestalt verändern. Es befreit Bob, der Elvira zu Hilfe eilt. Elvira hat inzwischen erkannt, wie sie den Ring nutzen kann. Sie beschwört einen Regenguss, der den Scheiterhaufen löscht. Nachdem Elvira von Bob losgebunden wurde, setzt sie im Endkampf gegen Vincent ihre eigenen magischen Kräfte ein und obsiegt, allerdings geht die Villa in Flammen auf. Vincent wird in eine andere Dimension verbannt. Das Buch verbrennt. Am nächsten Tag marschieren die Stadtbewohner vor der Villa auf. Elivra befürchtet das Schlimmste, doch die Leute haben ihren Fehler eingesehen und wollen sich entschuldigen. Eine noch bessere Nachricht folgt auf dem Fuße. Als letzte Angehörige Vincents hat Elivra dessen Besitz geerbt. Jetzt hat sie genug Geld, um ihren Traum zu verwirklichen.


Kringels Meinung

Elviras glamouröser Auftritt in Las Vegas bildet das Finale des Films. Elvira bzw. Cassandra Peterson ist hierzulande kaum bekannt, genießt in den USA jedoch Kultstatus. Ganz wie im vorliegenden Film hat Peterson respektive Elivra auch im realen Leben eine Horrorfilm-Mitternachtsshow ("Elvira's Movie Macabre") moderiert. Diese Show ist in den Achtzigern jahrelang gelaufen und hat in jüngerer Zeit zwei Neuauflagen erlebt. Elviras Outfit als sexy Vampir mit rabenschwarzer Frisur, blasser Haut, starkem Lidstrich und knallroten Lippen, verpackt in ein äußerst offenherziges, hautenges schwarzes Kleid (angelehnt an Maila Nurmi, die ebenfalls Gastgeberin einer Horrorfilmreihe war und als Morticia Addams sowie durch den Film "Plan 9 from Outer Space" bekannt geworden ist) sticht natürlich nicht zuletzt aufgrund der üppigen Oberweite sofort ins Auge. Prägend für Elvira sind ihr loses Mundwerk und ihr schwarzer, gern auch zotiger Humor. Ältere Semester unter meinen Lesern werden sich vielleicht erinnern, dass man Anfang der Neunziger, in der Schmuddel-Ära des Privatfernsehens, sogar eine kurzlebige deutsche Version von Elviras Show "genießen" konnte. Damals wurden zu später Stunde nicht nur harmlose alte B-Pictures gezeigt, sondern auch so mancher harte Horrorfilm in ungeschnittener Fassung. Präsentiert wurde das Ganze von der "Wilden Hilde", einem leider nur sehr billigen und gänzlich uncharismatischen Abklatsch Elviras.

"Elvira - Herrscherin der Dunkelheit" wäre - ohne Elvira - als Komödie mit leichten Gruselelementen und ein klein wenig Sozialkritik nicht weiter erwähnenswert. Die in der Regel unterhalb der Gürtellinie angesiedelten Gags zünden nicht immer, manche Szenen müssen im Kontext des Films zumindest als fragwürdig bezeichnet werden (will sagen: sie sind überflüssig), die Spezialeffekte sind aus heutiger Sicht eher schnachig und so richtig spannend ist das Gerangel um Großtante Morganas Zauberbuch eigentlich nicht. Zugegeben, Edie McClurg ist wirklich köstlich in der Rolle der ebenso prüden wie durchtriebenen Stadträtin, und wenn sie unter dem Einfluss von Elviras Zaubergulasch ganz besondere Gelüste entwickelt, bleibt kein Auge trocken. Aber letzten Endes reißt allein Elvira es heraus. Sie sammelt vom ersten Moment an Sympathiepunkte, tanzt allen auf der Nase herum, setzt dem Spießertum frivoles Sexappeal, unbekümmerte Freizügigkeit, scharfzüngige Kommentare und ein gerüttelt Maß an Selbstironie entgegen, stylt den Pudel mit schriller Punkfrisur neu und verwandelt die vergammelte Erbmasse in eine Villa Kunterbunt. Wenn ich's mir recht überlege, könnte man Elvira tatsächlich als Gothic-Version von Pippi Langstrumpf für Erwachsene bezeichnen!


J. Kreis, 14.03.2019




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