Zurück zu den Filmen

elling Elling (Norwegen, 2002)
DVD - Regionalcode 2, Warner Home Video
FSK: 6
Laufzeit: ca. 85 Minuten

Extras
Interviews (ca. 6 Minuten), Filmografien und Produktionsnotizen (Texttafeln), Trailer

Regie:
Peter Naess

Hauptdarsteller:
Per Christian Ellefsen (Elling)
Sven Nordin (Kjell Bjarne)
Marit Pia Jacobsen (Reidun Nordsletten)
Per Christensen (Alfons Jorgensen)
Jorgen Langhelle (Frank Asli)




Inhalt:

Über ein Jahr lang haben Elling und Kjell Bjarne sich ein Zimmer in einem Heim geteilt, in dem Leute untergebracht sind, die mit der Realität nicht mehr zurechtkommen. Elling hat sein gesamtes bisheriges Leben allein mit seiner Mutter verbracht und ist seit ihrem Tod fast in eine psychotische Wahnwelt abgedriftet. Elling ist ein Neurotiker, dessen Gedankenwelt von diversen Zwangsvorstellungen beherrscht wird, und dem schon der Gedanke, mit jemandem telefonieren zu müssen, Schweißausbrüche verursacht. Er braucht nur einen winzigen Anlass, um ausufernde Spekulationen über alles und jeden anzustellen, die dann für ihn zur Wahrheit werden. Kjell Bjarne ist ein etwas unterbelichteter Riesenkerl mit Bärenkräften - aber eine gutmütige Seele von Mensch - der nur an zwei Dinge denken kann: Essen und Frauen (letzters bislang aber leider nur in der Theorie). So unwahrscheinlich es klingen mag, aber die beiden etwas neben der Realität stehenden Männer sind die besten Freunde, die man sich denken kann. Jetzt werden die beiden wieder auf die Welt losgelassen: Sie beziehen eine Wohnung mitten in Oslo, wo sie unter der Aufsicht des Sozialarbeiters Frank beweisen sollen, dass sie in der Lage sind, selbständig ein geregeltes Leben zu führen. Doch das ist gar nicht so einfach, wenn man berücksichtigt, dass allein der Versuch, das Haus zu verlassen und im Supermarkt an der Ecke einzukaufen, für Elling schon so etwas wie eine lebensgefährliche Expedition ist. Immerhin überwinden die beiden ihre Telefonphobie, aber das führt erst einmal nur zu einer Kostenexplosion, denn Kjell Bjarne entdeckt die wunderbare Welt der Sex-Hotlines...

Alles wird anders, als Elling und Kjell Bjarne eines Tages der sinnlos betrunkenen Reidun Nordsletten zu Hilfe eilen, die im gleichen Haus wohnt und auf der Treppe gestürzt ist. Kjell Bjarne verliebt sich nämlich in die schwangere Frau, die von ihrem Freund sitzengelassen worden ist, und auf Elling macht dieses Erlebnis einen solchen Eindruck, dass er spontan ein Gedicht verfasst - woraufhin er feststellt, dass er ein echter Poet sein muß. Nach und nach öffnet sich die Welt für die beiden Sonderlinge (oder öffnen sie sich der Welt?), doch die Beziehung, die sich zwischen Kjell Bjarne und Reidun Nordsletten entwickelt, stellt die Freundschaft mit Elling auf eine schwere Bewährungsprobe. Elling, der sich zurückgesetzt fühlt, widmet sich ganz seiner Dichtkunst und bringt seine Werke unters Volk, indem er sie in in Sauerkrautpaketen versteckt und in Supermärkte schmuggelt. Auf einem bizarren Poesieabend begegnet Elling dem ehemaligen Dichter Alfons Jorgensen und findet in dem alten Mann einen neuen Freund. Als Kjell Bjarne, in dem ein genialer Mechaniker schlummert, Jorgensens uralten Buick repariert und als die drei Männer zusammen mit Reidun Nordsletten ein paar Tage in Jorgensens Ferienhaus verbringen, verliert Kjell Bjarne endlich seine Jungfräulichkeit.

Nach der Geburt von Reidun Nordslettens Kind ist das Glück perfekt. Oder fast - denn für Elling geht sein größter Traum erst dann in Erfüllung, als man in der Zeitung über den geheimnisvollen "E", den "Sauerkrautpoeten", berichtet...

Der Film:

Dies ist die Verfilmung eines Theaterstücks, das auf dem Roman "Blutsbrüder" von Ingvar Ambjörnsen beruht. Dieser Roman wiederum ist das dritte von vier Büchern, in denen Elling, der verschrobene Einzelgänger mit Hang zu Zwangsvorstellungen, die Hauptrolle spielt. Genau wie der Film sind diese Bücher ungemein amüsant, ohne witzig im Sinne einer Klamotte sein zu wollen. Was im Film nur angedeutet wird, ist Ellings verquere Gedankenwelt. Seine gleichzeitig altklugen und unglaublich naiven Kommentare und Ansichten zu allem und jedem machen einen großen Teil des Humors der Bücher aus, im Film wird mehr Wert auf die absurden Situationen gelegt, die sich aus den neurotischen Verhaltensweisen der beiden Hauptpersonen Elling und Kjell Bjarne sowie aus den Gegensätzen dieser beiden Figuren ergeben. Dabei macht der Film sich niemals über die Schwächen von Behinderten lustig - behindert sind Elling und Kjell Bjarne ja sowieso nicht, sie sind nur anders - und ebensowenig fährt er auf der Mitleids-Schiene, denn auch Mitleid haben die beiden Helden nicht nötig. Sie brauchen nur etwas Zeit, sich an die Realität zu gewöhnen, dann erobern sie die Welt auf ihre Weise: Elling als geheimnisvoller Untergrund-Dichter, Kjell Bjarne als Mechaniker und Mann von Reidun Nordsletten. Man verliert deshalb niemals den Respekt vor den beiden.

Sehr leicht hätte der Film trotz der zugrunde liegenden Geschichte peinlich werden können. Daß das nicht geschieht, ist in erster Linie den schauspielerischen Leistungen von Per Christian Ellefsen (der den Elling schon lange vor dem Film auf der Theaterbühne verkörpert hat) und Sven Nordin zu verdanken. Die Rollen sind mit diesen beiden Schauspielern einfach perfekt besetzt und sie verleihen den Figuren eine derartige Glaubwürdigkeit und Würde, daß man nicht anders kann, als sie sympathisch zu finden.

Elling ist einer meiner Lieblingsfilme - es versteht sich von selbst, daß ich auch die zugrunde liegenden Romane gelesen und das Theaterstück besucht habe. Kenner des Romans werden übrigens noch viel mehr Spaß an dem Film haben, denn fast jede Szene ist gespickt mit Anspielungen und kleinen Details aus den Büchern - man muß nur genau hinsehen.

Die DVD:

Leider sind die Interviews, die das einzig erwähnenswerte Extra dieser DVD darstellen, sehr kurz ausgefallen. Nur je zwei Minuten werden dem Autor der Romanvorlagen (Ingvar Ambjörnsen, der hier übrigens deutsch spricht), dem Regisseur und dem Darsteller des Elling eingeräumt, ein paar Worte zu ihrem Buch bzw. ihrem Film bzw. ihrer Rolle zu sagen. Gerade dem Schriftsteller hätte man ruhig etwas mehr Zeit lassen können.

Seitenanfang