The Book of Eli


The Book of Eli (USA, 2010)

Blu-ray, Tobis Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 117 Minuten

Extras:
- Interaktiver Filmmodus
- Lost Tales (10:11 Min.)
- Ein Neuanfang (13:04 Min.)
- Elis Reise (17:55 Min.)
- Entfernte Szenen (1:54 Min.)
- Die Musik von "The Book of Eli" (5:00 Min.)
- Making of (13:03 Min.)
- Interviews (8:16 Min.)
- Trailer und Teaser
- BD-Live

Regie:
Albert und Allan Hughes

Hauptdarsteller:
Denzel Washington (Eli)
Gary Oldman (Bill Carnegie)
Mila Kunis (Solara)
Jennifer Beals (Claudia)
Malcolm McDowell (Lombardi)




Story

Die USA wurden durch einen Krieg verwüstet. Ein Jahr lang mussten sich die Überlebenden in Ruinen oder unter der Erde versteckt halten, und selbst Jahrzehnte später darf man sich nicht ungeschützt ins Freie wagen. Legenden zufolge hat der "Große Blitz" ein Loch in den Himmel gerissen, so dass sich die Sonneneinstrahlung extrem verstärkt hat, wodurch die Vegetation zerstört wurde. Es gibt nur wenige Siedlungen, viele Menschen streifen als Banditen und Kannibalen durch das Ödland. Kaum jemand erinnert sich an die Zeit vor dem Krieg. Die danach aufgewachsene Generation kennt keine Gesetze und keine Religion. Fast alle Bibeln wurden vernichtet, weil man sie für zu mächtig und zu gefährlich gehalten hat. Möglicherweise war dieses Buch sogar der Grund für den Ausbruch des Krieges. Nur ein Exemplar ist übrig geblieben. Das jedenfalls glaubt Eli, ein Einzelgänger, in dessen Besitz sich die Bibel befindet. Eli ist seit dreißig Jahren auf der Wanderschaft und liest täglich in der Bibel. Er hatte eine Vision, der zufolge er das Buch irgendwo im Westen in Sicherheit bringen muss. Die inneren Stimmen haben ihm gesagt, dass er beschützt wird. Tatsächlich scheint niemand ihm etwas anhaben zu können.

Eines Tages gelangt Eli in eine kleine Stadt, die von einem Mann namens Carnegie aufgebaut wurde und mit Hilfe grausamer Schergen beherrscht wird. Die Stadt kann sich halten, weil es in der Nähe eine Wasserquelle gibt. Carnegie kennt weitere Quellen und möchte dort ebenfalls Siedlungen gründen, um seine Macht auszuweiten. Dafür braucht er jedoch mehr als nur bewaffnete Schläger. Religion wäre ein probates Mittel, aber Carnegie kennt die passenden Worte nicht. In der Bibel hofft er diese Worte zu finden, und aus diesem Grund lässt er seine Gefolgsmänner überall nach dem wertvollen Buch suchen. In Carnegies Hauptquartier, einer alten Bar, wird Eli angegriffen. Er muss sich der Übermacht geschlagen geben. Carnegie ist beeindruckt von Elis kämpferischen Fähigkeiten und würde ihn gern in seine Dienste nehmen. Als Eli ablehnt, wird er gezwungen, die Nacht als "Gast" in Carnegies Hauptquartier zu verbringen. Mit Essen, Wasser und der jungen Solara, Tochter von Carnegies blinder Mätresse Claudia, soll Eli gefügig gemacht werden. Er rührt das Mädchen aber nicht an. Zufällig sieht sie sein Buch.

So erfährt Carnegie von der Existenz der Bibel. Eli weigert sich, das Buch herauszugeben, und verlässt die Stadt. Es kommt zum Schusswechsel mit Carnegies Leuten, aber niemand kann Eli aufhalten. Carnegie wird am Bein verwundet und muss zunächst behandelt werden. Dann verfolgt er Eli mit mehreren gepanzerten Fahrzeugen. Eli ist inzwischen nicht mehr allein unterwegs; Solara hat sich ihm angeschlossen, was er nur widerwillig duldet. Die beiden stoßen auf ein intaktes Haus, in dem ein altes Ehepaar lebt - Kannibalen, wie sich herausstellt. Dort kommt es zur entscheidenden Konfrontation mit Carnegies Gruppe. Die beiden alten Leute werden getötet. Als Carnegie Solara eine Pistole an den Kopf hält, gibt Eli die Bibel heraus. Carnegie schießt Eli nieder, lässt ihn liegen und fährt zurück in die Stadt. Unterwegs gelingt Solara die Flucht. Sie liest Eli auf, der sich bereits weiter in Richtung Westen geschleppt hat. Gemeinsam erreichen sie San Francisco. Das von Eli gesuchte Ziel ist die Gefängnisinsel Alcatraz. Dort hat der Gelehrte Lombardi ein Archiv des alten Wissens und der Kunst angelegt, welches zur Keimzelle einer neuen Zivilisation werden soll.

Inzwischen musste Carngie feststellen, dass er mit Elis Bibel nichts anfangen kann. Das Buch ist in Blindenschrift verfasst. Claudia weigert sich, für ihn zu übersetzen. Er hat keine Macht mehr über sie und die Stadt, denn bei den Kämpfen gegen Eli sind zu viele seiner Gefolgsmänner getötet worden. Er selbst ist schwach, denn seine Wunde hat sich entzündet. Die Stadtbewohner sind bereits dabei, Carnegies Bar zu plündern. Eli braucht das Buch nicht, um sein Wissen weiterzugeben, denn er kennt den Inhalt der Bibel auswendig. Er diktiert Lombardi den gesamten Text. Mit einer instand gesetzten alten Druckerpresse wird die Bibel vervielfältigt. Nach Elis Tod rüstet sich Solara mit seinen Waffen aus und macht sich auf den Rückweg nach Hause.

Kommentar

Meine Güte, was soll ich jetzt von diesem Film halten? Er fängt wirklich stark an und ist für jemanden wie mich, der postapokalyptische Szenarien liebt und reale Monate in der Welt von Fallout 3 verbracht hat (die fast genauso aussieht wie die in "The Book of Eli"), ein gefundenes Fressen. Wieder mal ist die Zivilisation in Trümmer gegangen, ein wahrscheinlich globaler Atomkrieg hat die Erde in eine Wüste verwandelt. Im Film sieht man nur Teile der USA, es bleibt daher unklar, wie es im Rest der Welt aussieht. In der Gegend von San Francisco scheint übrigens nicht alles so schlimm zu sein wie in den weiter im Landesinneren gelegenen Gebieten; an der Küste wachsen sogar noch Pflanzen.

Jedenfalls beginnt der Film mit der Etablierung dieses Szenarios und mit der Einführung der Hauptfigur, und so lange ist "The Book of Eli" astreine Endzeit-Action. Eli wandert durchs Ödland, vorbei an Ruinenfeldern, über zerborstene Autobahnen und im Nichts endende Brücken, durch tote Wälder, in denen nur Asche vom Himmel fällt. Er jagt mutierte Tiere, von denen er sich ernährt, muss immer nach Wasser suchen und freut sich wie ein Kind, als er eine Leiche findet, die einigermaßen neue Stiefel trägt, denn seine eigenen Schuhe hängen schon in Fetzen von den Füßen. Straßenräuber wollen ihn in eine Falle locken, aber sie sind seiner überlegenden Schnelligkeit und Gewandtheit nicht gewachsen. Die Choreografie der tollen, sehr dynamischen Kampfszenen ist ebenso gut gelungen wie die Ausarbeitung der vor die Hunde gegangenen Welt. Eli bewegt sich sehr präzise und kontrolliert, d.h. in den Kämpfen wird kein übertriebener Martial-Arts-Schnickschnack geboten. Eli entledigt sich seiner Gegner einfach nur so schnell und effizient wie möglich. Hätte nicht gedacht, dass Denzel Washington als grimmiger, kompromissloser Einzelgänger glaubwürdig sein könnte, aber er spielt den wortkargen Wanderer, der sich nicht von seiner Mission abbringen lässt, wirklich überzeugend. Bühnenbilder, digitale Landschaften, Ausstattung, Kostüme usw. - alles ist bis ins kleinste Detail absolut glaubwürdig und man kann nicht umhin, sich an Mad Max 2 erinnert zu fühlen. Eine noch bedrückendere Atmosphäre habe ich nur in The Road vorgefunden. Gary Oldman chargiert als Bösewicht an der Grenze zur Überzeichnung, was der Figur aber nicht schadet. Mila Kunis erdet Eli, indem sie ihn unwissentlich dazu bringt, sich um andere Menschen zu kümmern. Das hat er ja zuvor ganz bewusst nicht getan, bis dahin ging es ihm ausschließlich darum, das Buch zu schützen. Tom Waits hat eine nette kleine Nebenrolle und das nur scheinbar zivilisierte Kannibalen-Ehepaar sorgt für etwas Humor. Das ist alles gut und schön.

Aber dabei bleibt es leider nicht. Ich könnte noch akzeptieren, dass sich Eli einbildet, die vermutlich letzte existierende Bibel in Sicherheit bringen zu müssen. Es könnte ja sein, dass er infolge der langen Einsamkeit Wahnvorstellungen entwickelt hat. Aber so ist es nicht. Eli wird offenbar wirklich von irgendeiner höheren Macht beschützt. Wie sonst ist es zu erklären, dass alle Kugeln, die Carnegies Schergen bei seinem Abgang aus der Stadt in ihn hineinpumpen möchten, daneben gehen oder sogar irgendwie abprallen? Und wie konnte Eli aus dem hermetisch abgeschlossenen, bewachten Raum in Carnegies Bar entkommen? Warum zuckt im selben Moment, als Carnegie Eli niederschießt, ein Blitz vom Himmel? Warum stirbt Eli nicht sofort (ein Bauchschuss ist eine üble Sache), sondern lebt noch lange genug, um Lombardi die gesamte Bibel in die Feder diktieren zu können? Es ist auch schwer nachvollziehbar, warum Carnegie so besessen von dem Gedanken ist, nur aus der Bibel lernen zu können, wie man die Menschen unter Kontrolle bekommt. Religion mag Opium für's Volk sein, aber Demagogen hat's schon immer gegeben, ob mit oder ohne Bibel. Und wenn Carnegie nicht "die richtigen Worte findet", wie er sagt, dann wird er dieses Problem kaum durch das Lesen der Bibel lösen können. Wenigstens wird nicht behauptet, dass die Menschheit durch die Verbreitung der Bibel gerettet werden wird. Die Bibel wird am Schluss neben andere religiöse Werke (Tora, Koran) gestellt, die schon im Bücherregal vor sich hin stauben.

Die zu dick und ohne jegliche Selbstironie aufgetragene Botschaft entwertet den Film in meinen Augen doch recht stark; ich halte sie in dieser Form für unnötig. Man hätte das Buch vielleicht nicht beim Namen nennen sollen. Vielleicht wäre es besser gewesen, nicht zu verraten, ob es sich um die Bibel, "Das Kapital", "Mein Kampf", "Der Herr der Ringe" oder ein Lustiges Taschenbuch von Disney handelt...

Blu-ray-Features

Aktiviert man den interaktiven Filmmodus, wird immer wieder Bild-im-Bild-Material mit Interviews und Hinter-den-Szenen-Material eingeblendet. Außerdem kann man dann während des Films zehn Clips aufrufen, die im Bonusmaterial auch gesondert ausgewählt werden können. Sie sind insgesamt über eine halbe Stunde lang.

Wenn ihr euch die obigen Laufzeiten des Bonusmaterials anschaut, werdet ihr erkennen, dass leider keine richtige Filmdokumentation vorhanden ist, sondern nur eine Ansammlung relativ kurzer Featurettes, die noch dazu teilweise redundant sind und auch sonst außer Nacherzählungen der Handlung, Eigenwerbung, Lobhudeleien und dergleichen nur wenig zu bieten haben. Ganz kurz kommen mal ein paar Geisteswissenschaftler zu Wort, die hier und da einen Satz zu der Frage einstreuen dürfen, wie sich die Menschen wohl nach einer globalen Katastrophe verhalten würden und welche Macht Bücher bzw. die Religionen in einer solchen Situation haben könnten. Immerhin erfährt man, dass Eli dem ursprünglichen Drehbuch zufolge eigentlich gar nicht so wortkarg hätte sein sollen. Denzel Washington hat viele Dialoge entfernt - gut so!

Die entfernten Szenen zeigen etwas mehr von der in Trümmern liegenden Welt und von Elis Kampf in der Bar. Außerdem ist Carnegies Tod zu sehen. Die "Lost Tales" sind Motion Graphics: Zwei animierte Comics, die in der Zeit vor dem Krieg spielen. Eines zeigt Carnegie als Kind. Er wird von seinem Vater misshandelt, sieht im Fernsehen, wie die Religionskonflikte eskalieren, und zündet schließlich das Elternhaus an. Die zweite Geschichte dreht sich um Eli, der sich bei Kriegsausbruch mit anderen Menschen in einem Supermarkt verschanzt. Im Film sieht man ja ganz kurz das K-Mart-Symbol und Elis Namensschild, als Solara seinen Rucksack öffnet.


J. Kreis, 20.02.2013




Gastkommentare


Neueste Kommentare stehen oben.


Gastkommentare werden nicht von J. Kreis verfasst und dürfen nicht auf anderen Homepages oder in Printmedien weiterverwendet werden.


Noch keine Gastkommentare vorhanden!


Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)


Seitenanfang


Startseite

Filme