Dune Blu-ray

Dune Kinoversion

Dune TV-Version

Dune Perfect Collection


Dune - Der Wüstenplanet (USA, 1984)

Extended Edition
Blu-ray, TB-Productions
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 136 Min.
Bonusmaterial: Siehe unten!

Kinoversion
DVD - Regionalcode 2, Astro/Laser Paradise
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 131 Min.
Bonusmaterial: Trailer

Special Collectors Edition
DVD - Regionalcode 2, Astro/Best Entertainment
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 177 Min.
Bonusmaterial: Bio-/Filmografien (Text)

Perfect Collection
DVD - Regionalcode 2, Marketing Film
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 132 Min. / 177 Min.
Bonusmaterial: Siehe unten!

Regie:
David Lynch (Kinoversion) bzw. "Alan Smithee" (TV-Version)

Hauptdarsteller:
Kyle McLachlan (Paul Atreides)
Jürgen Prochnow (Herzog Leto Atreides)
Francesca Annis (Lady Jessica Atreides)
Kenneth McMillan (Baron Wladimir Harkonnen)
Brad Dourif (Piter DeVries)
José Ferrer (Padishah Imperator Shaddam IV.)
Freddie Jones (Thufir Hawat)
Patrick Stewart (Gurney Halleck)
Dean Stockwell (Dr. Wellington Yueh)
Sting (Feyd Rautha Harkonnen)
Richard Jordan (Duncan Idaho)
Sian Phillips (Ehrwürdige Mutter Gaius Helen Mohiam)
Everett McGill (Stilgar)
Paul Smith (Glossu Rabban)
Max von Sydow (Dr. Liet-Kynes)
Sean Young (Chani)





Handlung

Im Jahre 10.191 nach dem Krieg gegen die Maschinen wird das Universum vom Padishah-Imperator Shaddam IV. regiert. Computer mit künstlichem Bewusstsein sind verboten. Die Menschen haben eine Phobie gegen Maschinen mit künstlicher Intelligenz entwickelt, weil diese einst die Macht an sich gerissen und die Menschheit versklavt haben. Die Menschen hatten sich erst nach langer Zeit in einem blutigen Krieg von der Herrschaft der Maschinen befreien können. An die Stelle der "Denkmaschinen" sind die Mentaten getreten, menschliche Computer, die ihren Geist zu Höchstleistungen trainieren und mit Drogen aufputschen. Die gesamte Technik wurde so weit wie möglich vereinfacht, um den Einsatz von Computern zu vermeiden. Suspensorfelder wurden entwickelt, mit denen auch größte Lasten schwerelos gemacht werden können. Nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren die Schilde: Energiefelder, mit denen Menschen, ganze Raumschiffe oder Städte vor Energie- und Projektilwaffen geschützt werden können. Im Feudalsystem des Reiches verleiht der Imperator ganze Planeten als Lehen an die Großen Häuser. Diese einflussreichen Adelsfamilien sind im Landsraad vereinigt, befehden sich aber ständig untereinander und intrigieren gegeneinander. Es kommt allerdings nur selten zum offenen Krieg, denn durch die Schild-Technologie verbietet sich der Einsatz schwerer Waffen von selbst. Stattdessen sind Mordanschläge und Duelle von Mann zu Mann an der Tagesordnung. Eine besonders erbitterte Feindschaft besteht zwischen den Großen Häusern der Atreides und der Harkonnen. Herzog Leto Atreides gewinnt im Landsraad immer mehr an Einfluss. Dies ist sowohl dem Imperator als auch dem Baron Wladimir Harkonnen, Oberhaupt des gleichnamigen Hauses, ein Dorn im Auge. Deshalb fädeln sie gemeinsam eine Intrige ein, die zum Sturz des Hauses Atreides führen soll. Die wichtigste Substanz im Imperium ist die Spice Melange. Diese euphemistisch als Spice ("Gewürz") bezeichnete Droge hat verschiedene Wirkungen. Sie verlängert das Leben und erweitert das Bewusstsein. Den Navigatoren der Raumgilde, die durch den generationenlangen Genuss dieser Droge in groteske Mutanten verwandelt wurden, verleiht das Spice die Fähigkeit, riesige Raumschiffe von Ort zu Ort zu bewegen, indem sie Raumfalten erschaffen. Ohne diese Fähigkeit wäre keine interstellare Raumfahrt mehr möglich und die Planeten wären wieder isoliert. Das Imperium würde zusammenbrechen. Die Gilde hat das Monopol auf die überlichtschnelle Raumfahrt. Die Adelshäuser besitzen nur vergleichsweise kleine Fregatten für den interplanetaren Verkehr.

Das Spice kommt nur auf einem einzigen Planeten vor, wo es unter großen Risiken von mobilen Erntefabriken gewonnen wird. Dieser Planet heißt Arrakis und wird auch Dune ("der Wüstenplanet") genannt. In den endlosen Wüsten dieses Planeten leben gigantische, mehrere hundert Meter lange Sandwürmer, die immer wieder ganze Erntefabriken zerstören. Schreckliche Coriolisstürme machen die Besiedlung der offenen Wüste unmöglich. Nur hinter der Gebirgskette des Schildwalls gibt es eine größere Stadt namens Arrakeen. Dennoch leben Menschen in der Wüste: Die Fremen. Sie haben sich infolge der extremen Lebensfeindlichkeit des Wüstenplaneten zu einem harten, kriegerischen Volk entwickelt. Wasser ist für sie das wertvollste Gut. Die Fremen wurden bisher von den jeweiligen Beherrschern des Planeten unterdrückt, aber auch unterschätzt. Einer alten Prophezeiung der Fremen zufolge wird eines Tages ein Befreier kommen, ein Messias, der sie aus der Dunkelheit in ein Paradies führen und einen heiligen Krieg gegen die Unterdrücker entfesseln wird. Herzog Leto Atreides erhält ausgerechnet diesen Wüstenplaneten, der bisher gnadenlos von den Harkonnen ausgebeutet wurde, zum neuen Lehen. Zusammen mit seiner Familie und seinem gesamten Gefolge verlässt er die alte Heimstatt der Atreides, den von großen Meeren bedeckten Planeten Caladan, und siedelt nach Arrakeen um. Was er nicht ahnt: In seinen Reihen gibt es einen Verräter. Dieser soll zu einem bestimmten Zeitpunkt den Schutzschirm des Palasts von Arrakeen sabotieren und den Herzog ausschalten, damit die Truppen der Harkonnen angreifen können. Der Imperator hat Baron Wladimir Harkonnen zugesichert, ihn bei diesem Angriff mit seinen Sardaukar-Elitesoldaten zu unterstützen.

Paul Atreides, der Sohn Herzog Letos, ist das Ergebnis eines Generationen umfassenden Plans der Bene Gesserit-Schwesternschaft. Sie wollen durch gezielte Beeinflussung der Blutlinien aller Adelshäuser einen Übermenschen heranzuzüchten - den Kwisatz Haderach. Pauls zur Schwesternschaft gehörende Mutter - Letos Konkubine Jessica - hätte dem Herzog eine Tochter gebären sollen, die dann mit einem Harkonnen-Nachkommen den Kwisatz Haderach zeugen sollte. Aus Liebe zu Leto hat Jessica jedoch einem Jungen das Leben geschenkt. Paul verfügt schon in jungen Jahren über Fähigkeiten, die ihn von normalen Menschen unterscheiden, und immer wieder hat er seltsame Wahrträume. Jessica steigert seine Fähigkeiten durch ein spezielles Training. So übersteht Paul kurz vor der Abreise nach Arrakis eine tödliche Prüfung durch Gaius Helen Mohiam, eine Ehrwürdige Mutter der Bene Gesserit und Wahrsagerin des Imperators. Als sich die Familie des Herzogs auf Arrakis einzurichten beginnt, und Paul zum ersten Mal Kontakt mit Spice hat, werden seine Visionen stärker. Kurz darauf fällt Paul fast einem Anschlag zum Opfer, denn es befinden sich noch viele Harkonnen-Attentäter in der Stadt und im Palast. Zur gleichen Zeit wird Jessica von ihrer neuen Haushofmeisterin, einer Fremen-Frau, vor dem Verräter gewarnt. Die Fremen kennen die Identität des Verräters jedoch nicht. Duncan Idaho, der Schwertmeister der Atreides, rät Herzog Leto dringend, die Freundschaft der Fremen zu suchen. Er ahnt, dass in Wahrheit sie diejenigen sind, die den Planeten und somit das Spice beherrschen. Leto gewinnt den Respekt des zu den Fremen gehörenden imperialen Planeten-Ökologen Dr. Kynes, als er die Besatzung einer Erntefabrik vor einem angreifenden Sandwurm rettet.

Die Falle der Harkonnen schnappt jedoch zu, bevor der Herzog die Unterstützung der Fremen gewinnen kann. Der von den Atreides für absolut vertrauenswürdig gehaltene Suk-Arzt Dr. Yueh ist der gesuchte Verräter. Er wurde von den Harkonnen, die seine Frau in ihrer Gewalt haben (wie er glaubt - tatsächlich ist sie längst tot) gefügig gemacht. Er sabotiert den Schildgenerator des Palasts, setzt den Herzog, seinen Sohn sowie Jessica außer Gefecht und liefert sie den Harkonnen aus. Er setzt dem Herzog einen Giftgaszahn ein, mit dem Leto den Baron töten soll. So will sich Yueh an den Harkonnen rächen. Er erlebt dies aber nicht mehr. Er wird von Piter de Vries erstochen, dem Mentat-Assassinen des Barons. Der Plan schlägt ohnehin fehl; nur Piter de Vries fällt dem Gift zum Opfer. Leto findet dabei ebenfalls den Tod. Der Widerstand der Atreides gegen die Invasion wird schnell zerschlagen, ihre von Gurney Halleck geführten Soldaten haben keine Chance gegen die Sardaukar in Harkonnen-Uniform. Paul und Jessica sollen in der offenen Wüste getötet werden, sie können aber entkommen und werden von einem Fremen-Stamm aufgenommen. Sie gewinnen den Respekt des Stammesoberhauptes Stilgar, weil ihre durch das Bene Gesserit - Training verbesserten kämpferischen Fähigkeiten denen des Wüstenvolks noch überlegen sind, und weil sie versprechen, die Fremen genauso auszubilden. Paul verliebt sich in Chani, Kynes' Tochter. Jessica nimmt den Platz der alten Sayyadina-Priesterin des Stammes ein. Zu diesem Zweck muss sie das Wasser des Lebens trinken, eine hoch giftige Flüssigkeit, die von jungen Sandwürmern ausgeschieden wird. Dadurch erwacht ihre ungeborene Tochter Alia im Mutterleib zu vollem Bewusstsein, erlangt alle Fähigkeiten einer Ehrwürdigen Mutter und wird vorzeitig geboren.

Paul nutzt die Prophezeiung der Fremen aus, um sich zu ihrem Führer aufzuschwingen. Unter dem Decknamen Muad'Dib bringt er in den folgenden zwei Jahren die komplette Spiceproduktion zum Erliegen. Glossu Rabban, der grausame Neffe des Barons und sein Statthalter auf Arrakis, gerät dadurch unter enormen Druck, hält die Geschehnisse aber vor seinem Onkel geheim. Paul trinkt das Wasser des Lebens, um seine Fähigkeiten voll ausschöpfen zu können. Im Gegensatz zu allen Männern, die dies in der Vergangenheit bereits versucht haben, überlebt er und wird endgültig in den Kwisatz Haderach verwandelt. Seine geistige Fähigkeiten übertreffen nun alles, wozu Gilden-Navigatoren, Mentaten und Bene Gesserit in der Lage sind. Und er erkennt, woher das Spice kommt: Es ist Bestandteil des Lebenszyklus der Sandwürmer. Ohne die Würmer gibt es kein Spice. Paul begreift, dass er die Macht übernehmen kann, weil er in der Lage ist, das Spice zu zerstören. Mit Hilfe des seit Jahrtausenden von den Fremen in Windfallen gesammelten Wassers könnte er die für jegliche Feuchtigkeit anfälligen Sandwürmer ausrotten. Somit hat er die Raumgilde auf seiner Seite, denn deren oberste Doktrin lautet: Das Spice muss fließen!

Als die Spice-Fördermengen infolge von Muad'Dibs Angriffen dramatisch zurückgehen, richten sich alle Augen auf Arrakis. Der Imperator ist gezwungen, persönlich mit seiner gesamten Sardaukar-Armee zum Wüstenplaneten zu fliegen, um die Lage zu bereinigen. Dies liegt ganz in Pauls Absicht. Nachdem der Imperator auf Arrakis eingetroffen ist und Rabbans Hinrichtung angeordnet hat, greift Paul an. Mit Atomwaffen sprengt er eine Bresche in den Schildwall, so dass seine Fremen mit unzähligen Sandwürmern in die Schlacht ziehen können. Dem haben selbst die Sardaukar nichts entgegenzusetzen. Alia vollzieht die Rache der Atreides mit einer Gom Jabbar-Giftnadel an Baron Harkonnen. Paul entmachtet den Imperator und tötet in einem Zweikampf Feyd Rautha, den letzten Spross der Harkonnen-Herrscher. Dann lässt er Regen über Arrakis fallen.


Kommentar

Frank Herberts Roman Dune ist ein Meilenstein der Science Fiction Literatur und eines meiner favorisierten Werke dieses Genres. Der Roman hat nur eine relativ einfache, geradlinige Handlung zu bieten, enthält aber einen faszinierenden, komplexen und bis ins Detail perfekt ausgearbeiteten Weltenentwurf. Die Handlung des Romans dient mehr oder weniger nur als Aufhänger für ein kompliziertes Geflecht unterschiedlichster Interessen und undurchsichtiger Intrigen. Der Roman galt lange als unverfilmbar. David Lynch, den man nicht unbedingt als Schöpfer leicht verdaulicher Mainstream-Filme kennt, hat den Versuch gewagt. Ich habe bestimmt ebenso viele Filmrezensionen gelesen, in denen der Versuch als gescheitert bezeichnet wird, wie solche, die den Film in den höchsten Tönen loben. Ich schließe mich letzteren an, denn "Der Wüstenplanet" mag keine perfekte Verfilmung der Romanvorlage sein, aber als Film, d.h. als eigenständiges Werk, finde ich ihn einfach wundervoll. Mit dem Abstand von fast 30 Jahren kann man darüber hinaus erkennen, dass er (trotz einzelner Schwächen bei den optischen Effekten) genau jene Qualitäten besitzt, die einen Film zu einem zeitlosen Kult-Klassiker machen.

Obige Zusammenfassung ist ziemlich lang, aber sie gibt die Handlung nur unvollständig wieder und enthält gleichzeitig vieles, was im Film gar nicht explizit vorkommt, das man aber kennen müsste, um der Handlung überhaupt folgen zu können. Das ist denn auch gleich die einzige Schwäche, die ich dem Film vorwerfe: Auf der einen Seite versucht er, so viele Erwartungen der Fans wie möglich zu erfüllen, indem er alle möglichen Details und Anspielungen auf den Zuschauer abfeuert, ohne sie wirklich zu erklären. Jemand, der den Roman nicht kennt, wird da sehr schnell überfordert sein und vielleicht nur noch Bahnhof verstehen. Oft müssen Kunstgriffe angewendet werden, damit bestimmte Hintergründe schnell erklärt werden können: Prinzessin Irulan (die ja in den Romanen zu Pauls Chronistin wird) führt in die Verhältnisse des Jahres 10.191 ein und kommt später noch öfter mit einem Voiceover-Kommentar zu Wort. Außerdem werden immer wieder die Gedanken der Protagonisten hörbar gemacht. Auf der anderen Seite geht der Film doch recht frei mit der Romanvorlage um. Die Schallmodul-Waffen der Atreides, die Harkonnen-Herzstecker und viele andere Details kommen im Roman überhaupt nicht vor. Ganz wesentliche Elemente des Romans werden außen vor gelassen, etwa Pauls innerer Kampf gegen das eigene, von ihm vorausgesehene Schicksal. Der ganze politische, religiöse und ökologische Überbau, den Frank Herbert so meisterhaft entwickelt hat, wird nur andeutungsweise vermittelt. Aber vielleicht macht gerade die auf diese Weise entstehende Rätselhaftigkeit den Film interessant.

Dennoch: Das Dune-Universum ist im Film so düster, von Habgier und Egoismus geprägt wie im Roman (OK, Baron Harkonnen wird im Film allzu hässlich und böse dargestellt). Es ist somit "erwachsener" und glaubwürdiger als so manch andere in SF-Filmen präsentierte Welt. Mystizismus, Religionen und Kulte werden von den Mächtigen auf zynische Weise missbraucht, vor allem von den Bene Gesserit, aber nicht zuletzt auch von Paul selbst. Schließlich instrumentalisiert er die Fremen, um seine Rache zu vollenden, und lässt sich zu diesem Zweck gern als Führerfigur mit deutlich faschistoiden Zügen stilisieren. Pubertäre Allmachtsfantasien werden ebenso erfüllt wie romantische Sehnsüchte, denn "Der Wüstenplanet" geizt nicht mit großen Gesten und pathetischen Dialogen. Man muss sowas allerdings mögen und sehen wollen, um solche Momenten nicht einfach nur lächerlich zu finden. Dass das nicht geschieht, ist aber auch den Schauspielern zu verdanken. Kyle MacLachlan wirkt für seine Rolle fast schon zu erwachsen. Im Roman ist Paul erst 15 oder 16 Jahre alt. Dennoch eignet er sich bestens als Identifikationsfigur. Mit Jügen Prochnow, Max von Sydow, Patrick Stewart und anderen bekannten Gesichtern stehen ihm starke Figuren zur Seite. Selbst Sting kann sich sehen lassen, er passt gut in die Rolle des ebenso verwöhnten wie bösartigen Schnösels hinein.

Der allergrößte Pluspunkt ist für mich aber der optische Gesamteindruck. David Lynch und sein Team haben gut erkannt, wie sie diese Welt, in der Computer und höher entwickelte Technologie geächtet sind und in der sich die Menschheit dennoch über die ganze Galaxis ausgebreitet hat, am besten durch Ausstattung und üppige Kostüme darstellen können. Da gibt es große, ungefüge, ölverschmierte, Dampf ausstoßende Maschinen, deren Form nicht unmittelbar auf die Funktion schließen lässt. Manche Geräte erinnern eher an Schmuckstücke als an technische Objekte, wodurch die Entrücktheit der Hohen Häuser vom normalen Leben unterstrichen wird. Die vier Hauptwelten haben alle ein eigenes, unverwechselbares Design. Fels, Wüste sowie ein allgemeiner Eindruck von Hitze und Trockenheit auf Arrakis. Gold, Edelsteine und fein ziseliertes Interieur auf Kaitain, der Welt des Imperators. Warme, holzgetäfelte Räume auf Caladan. Ein Irrgarten aus Stahl, Kacheln und Kabeln auf Giedi Primus, der Harkonnen-Welt. Ich weiß zwar bis heute nicht, warum der Harkonnen-Baron in etwas lebt, das wie die Schlachthof-Version eines Großraumbüros aussieht, aber ich finde es einfach nur herrlich surreal, krank und eklig. Von Fans werden gern Ungereimtheiten wie etwa die Destillanzüge bemängelt. Ohne Kopf-/Gesichtshauben und ohne die schattenspendenden Roben, die im Roman beschrieben werden, wären sie in der Tat ziemlich nutzlos. Aber was soll's? Sie fügen sich prima in das durch und durch überzeugende Gesamtbild ein. Es entsteht eine wunderbare Steampunk-Atmosphäre, hervorragend unterstützt durch den Soundtrack der Gruppe Toto.

Man darf heute nicht mehr allzuviel von den damals verwendeten Spezialeffekten erwarten, manches wirkt inzwischen unfreiwillig komisch. Bestes Beispiel dafür sind der Gildennavigator, der den "Raum krümmt", der Flug des Ornithopters oder die Schild-Effekte. Die Sandwürmer könnte man heute mit CGI sicherlich weit beeindruckender gestalten, die von Carlo Rambaldi konstruierten Modelle erfüllen aber immer noch ihren Zweck.

Wer weder die Romanvorlage kennt noch dialoglastige, eher ruhige SF-Filme ohne Raumschlachten mag, wird von "Der Wüstenplanet" womöglich enttäuscht sein. Dune-Fans sind meiner Meinung nach aber mit diesem Film erheblich besser bedient als mit der TV-Miniserie, die im Jahr 2001 in Deutschland ausgestrahlt wurde.

DVD-/Blu-ray-Features

Filmversionen

Es gibt unzählige DVD- und Blu-ray-Veröffentlichungen dieses Films. Ich habe längst den Überblick verloren! Sie unterscheiden sich nicht nur in der Ausstattung mit Bonusmaterial, auch der Film selbst existiert in mehreren Varianten. So gibt es neben der Kinoversion noch eine um ca. 45 Minuten verlängerte Version, die nur im Fernsehen gezeigt wurde. David Lynch hat sich von dieser TV-Version so entschieden distanziert, dass sein Name nicht damit in Verbindung gebracht werden darf. Deshalb wird der fiktive und sagenumwobene "Alan Smithee" als Regisseur genannt. Aber selbst die Kinoversion ist nicht auf allen DVDs/Blu-rays identisch. Bei den mit FSK 12 freigegebenen Fassungen fehlen zwei Szenen:

1.: Baron Wladimir Harkonnen vergnügt sich mit einem Bediensteten, der Blumen arrangieren soll. Der Baron nimmt sich den jungen Mann zur Brust und zieht ihm den "Herzstecker". Alle Untergebene des Barons tragen so ein Ding, das offenbar direkt mit dem Herzen verbunden ist. Zieht man es heraus, verblutet das Opfer. So ergeht es auch dem "Blumenmann". Das Blut sprudelt reichlich, der bedauernswerte Knabe stirbt in den Armen des Barons. Der genießt das offenbar und nimmt sich hinterher vor, dasselbe mit Herzog Leto, Paul und Jessica zu machen.

2.: Nachdem Paul Feyd-Rautha im Zweikampf getötet hat, sieht man den toten Neffen des Barons kurz mit dem in der Kehle steckenden Crysmesser.

Die DVD von Astro/Laser Paradise enthält die um diese beiden Szenen gekürzte Kinoversion. Es ist aber eine Szene enthalten, die meiner Erinnerung nach im Kino nicht zu sehen war. Man sieht einen Gildenavigator bei der Arbeit. Leider liegt der Film nur in deutscher Sprache auf der DVD vor.

Die Special Collector's Edition von Astro/Best Entertainment enthält die verlängerte TV-Version. Die beiden o.g. Szenen sind auch hier nicht enthalten. In dieser Fassung bekommt man zahlreiche Szenen zu sehen, die in der Kinoversion nicht oder nicht vollständig enthalten sind. Dazu gehört ein Vorspann mit gemalten Bildtafeln und erklärendem Text eines Erzählers, der die Hintergründe für die Aversion der Menschen gegen Computer und die politischen Verhältnisse im Imperium erklärt. Die zusätzlichen Szenen machen die Handlung verständlicher, bringen aber den Erzählrhythmus durcheinander. Trotzdem ist es natürlich schön zu sehen, wie Paul beim ersten Zusammentreffen mit den Fremen gegen Jamis antreten muss, dessen Leiche anschließend in einer Totendestille verwertet wird, oder wie sich Herzog Leto und seine Gefolgsmänner mit Dr. Kynes besprechen, der zum Zeichen seines Respekts auf den Boden spuckt (Wasser ist auf Dune bekanntlich extrem wertvoll). Außerdem bekommt man unter anderem zu sehen, wie Gurney auf einem Baliset spielt. Somit könnte die TV-Version für Fans durchaus interessant sein. Leider lässt die technische Umsetzung sehr zu wünschen übrig. Das Bild ist körnig und unscharf, aufgrund des Vollbildformats fehlen links und rechts Bildbestandteile. Der Ton klingt sehr dumpf. Außerdem wurden alle zusätzlichen Szenen in englischer Sprache belassen, deutsche Untertitel sind immerhin vorhanden. Der Rest des Films liegt ausschließlich in deutscher Sprache auf der DVD vor, so dass die Sprache ständig wechselt, oft sogar mitten in einem Dialog!

Die Perfect Collection von Marketing Film enthält sowohl die ungekürzte, ab 16 Jahren freigegebene Kinoversion incl. Herzstecker- und Crysmesser-Szene, als auch die verlängerte TV-Version. Deutsche und englische Sprache für die Kinoversion sind vorhanden, Bild und Ton scheinen mir im Vergleich zur DVD von Astro/Laser Paradise etwas besser zu sein. Die TV-Version wurde komplett neu synchronisiert, liegt aber zusätzlich in englischer Sprache vor. Und das ist gut so, denn soviel Arbeit man sich auch mit der neuen Synchronisation gemacht haben mag: Sie kann mich nicht überzeugen, denn ich habe den Film schon zu oft gesehen und mich zu sehr an die alten Stimmen gewöhnt, als dass ich die neuen jetzt akzeptieren könnte. Außerdem wurden die Dialoge nicht neu übersetzt, d.h. die bisherigen Texte wurden 1:1 mit allen alten Fehlern übernommen. Immerhin ist die Bildqualität im Vergleich zur Special Collector's Edition von Astro/Best Entertainment erheblich verbessert worden. Leider wurde das Vollbild-Format aber beibehalten.

Dann besitze ich noch die Extended Edtion (Blu-ray) von TB-Productions. Die Laufzeit von 136 Minuten im Gegensatz zu den 131 Minuten der Kinoversion lässt zunächst vermuten, dass es sich wirklich um eine irgendwie verlängerte Version handeln könnte. Man muss aber wissen, dass Blu-rays mit knapp 24 Bildern pro Sekunde laufen und somit immer ca 4 Prozent länger sind als PAL-DVDs, die mit 25 Bildern pro Sekunde laufen. Tja, und zieht man 4 Prozent von 136 Minuten ab, kommt man auf 131 Minuten... An dieser Version ist also gar nichts verlängert. Gut, die Szene mit dem Gildennavigator bei der Arbeit ist vorhanden, die Herzstecker- und Crysmesser-Szenen sind mit dabei. Aber den Film deshalb als "Extended Edition" zu bezeichnen, das ist ganz schön frech. Im Startmenü kann man zwischen einer 2D- und einer 3D-Version wählen. Für die 3D-Version benötigt man eine Anaglyphenbrille (also "alte" Technik), und sowas besitze ich nicht. Kann also nichts zu den 3D-Effekten sagen. Für die Blu-ray-Veröffentlichung wurde das Bild digital überarbeitet. Verschmutzungen und Beschädigungen wurden entfernt. Das ist zwar zum größten Teil ganz gut gelungen; das Bild ist recht scharf und klar, die Farben sind kräftig. Besonders in dunklen Szenen wirkt das Bild aber matschig, teilweise erkennt man fast nichts mehr. Dieser uneinheitliche Eindruck ist schon unschön genug, aber es kommt noch schlimmer. Alle zwei Minuten oder so hängen Bild und Ton für einen Sekundenbruchteil - es kommt also nicht nur zu optisch erkennbaren Rucklern, sondern auch zu Tonaussetzern! Dieser Mangel ist inakzeptabel.

Bonusmaterial

Erwähnenswert ist nur das Bonusmaterial der Perfect Collection (DVD) und der Extended Edition (Blu-ray). Es ist teilweise redundant.

In beiden Veröffentlichungen enthalten:

- Making of "Dune" (11:45 Min.)
- Goofs
- Filmographien und Biographien (Text)
- Original Soundtrack (nur in Perfect Collection auf gesonderter Audio-CD)
- Der Stammbaum der Atreiden (Text)
- Das Dune-Lexikon (Text)
- Dune Themenpark (Text und Bilder)
- Gescheiterte Versuche: "Die unverfilmbare Geschichte" (Text und Bilder)
- Fotogalerien

In Perfect Collection (DVD) zusätzlich enthalten:

- Trailer
- Vor- und Abspänne der TV-Fassung
- TV-Werbeunterbrechungen
- Making of der neuen deutschen Synchronisation (8:40 Min.)
- Über die TV-Fassung (Text)
- "In Front and Behind The Scenes"-Featurette
- Die Geschichte der Raumfahrergilde (Text)
- Geschnittene Szenen
- The Best Of Dune-Comic
- David Lynch Trailershow
- Nissan-Micra-Spot von David Lynch incl. Making of
- Children of Dune - Trailer

In Extended Edition (Blu-ray) zusätzlich enthalten:

- Zusätzliche Szenen
- Songs inspiriert von Dune ("To tame a Land" von Iron Maiden und "Traveler in Time" von Blind Guardian)
- Drehbuch (Text)
- Zitate (Text)
- Der zeitliche Rahmen (Text)
- Der Autor Frank Herbert (Text)
- Kochen mit Spice (Text)
- Making of DVD: Restauration (2:25 Min.), DVD-Produktion (Text, Bilder und Clips)
- Dune im WWW (DVD-ROM)

Die Perfect Collection (DVD) ist auf 5.000 Stück limitiert, und sie ist meiner Meinung nach keineswegs perfekt. In einer Kunststoffhülle mit samtartiger Oberfläche und Silberprägung, die wie eine überdimensionierte Video-Buchhülle aussieht, stecken zwei Metallboxen, in denen die Silberlinge untergebracht sind. Die Hülle riecht furchtbar künstlich - der Geruch setzt sich sogar an den Händen fest. Der Box liegt ein Senitype bei, das ist eine Pappkarte mit einem Original-Filmschnipsel, außerdem der Reprint einer alten Werbebroschüre für das damalige Kino-Release. Der gesamte Soundtrack der Gruppe Toto wird als Audio-CD mitgeliefert. Das ist sehr erfreulich für Leute wie mich, die seinerzeit die LP gekauft und diese so oft gehört haben, dass sie schon völlig zerkratzt ist. Das Zusatzmaterial besteht fast nur aus Texttafeln und Bildergalerien, auch die entfallenen verlorengegangenen Szenen sind nur als Einzelbilder erhalten. Das Making of ist wenig aussagekräftig (schwarzweiß!) und besteht lediglich aus Filmszenen, einigen Bildern und einem Voiceover-Erzähler. Wer es noch nicht wusste, darf sich z.B. darüber informieren, welchen langen Weg der Film zurücklegen musste, bevor er endlich auf der Leinwand zu sehen war. Ob man einen Werbespot von David Lynch interessant finden kann... naja. Und was soll ich mit den sogenannten "Original-Werbeunterbrechungen" anfangen? In diesem Feature werden nur die Stellen gezeigt, an denen damals bei der TV-Ausstrahlung Werbung eingeblendet worden ist. Die Werbung selbst bleibt uns glücklicherweise erspart! Der "Children of Dune" - Trailer ist pure Verarschung, denn er enthält keine einzige Szene aus dieser Miniserie, sondern nur solche aus der ersten Miniserie. Am interessantesten ist allenfalls ein Filmbeitrag über die neue Synchronisation der TV-Version, bei der Kai Hawaii von Extrabreit den Feyd Rautha spricht. Empfehlen kann ich den Erwerb der Perfect Collection nur bedingt, denn das Bonusmaterial ist nicht der Rede wert und die Filme gibt es auch gesondert - und viel billiger - zu kaufen. Der CD-Soundtrack ist nice to have, aber auch den erhält man gesondert. Rechnet man alles zusammen, kommt man auf einen Betrag, der höchstens die Hälfte des Preises erreicht, der seinerzeit (2003) für die Perfect Collection verlangt worden ist. Inzwischen ist die Perfect Collection nicht mehr regulär im Handel und somit noch teurer.

Die Extended Edition (Blu-ray) kann ich aufgrund der technischen Mängel nicht empfehlen. Neben den umfangreichen Textinfos können alle zusätzlichen Szenen der TV-Version (22 Stück) gesondert abgerufen werden. Zu den "Songs inspiriert von Dune" liegen nur die Texte und Hörproben vor. Das Drehbuch ist nicht etwa der gesamte Text, es handelt sich vielmehr um Informationen über die Entstehung des Drehbuches. Im "Making of DVD" wird gezeigt, wie eine 35mm-Kinokopie digital für die Blu-ray-Veröffentlichung überarbeitet wird.


J. Kreis, 09.05.2012




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