Zurück zu den Filmen

Dumplings Dumplings - Delikate Versuchung (Hongkong, 2004)
- Gaau ji -

DVD - Regionalcode 2, e-m-s
FSK: Keine Jugendfreigabe
Laufzeit: ca. 87 Minuten

Extras
Kinotrailer, Trailer zu anderen DVDs

Regie:
Fruit Chan

Hauptdarsteller:
Bai Ling (Tante Mei)
Miriam Yeung (Frau Lee)
Tony Leung (Herr Lee)




Inhalt

Frau Mei ist eine 64 Jahre alte ehemalige Gynäkologin, die früher Abtreibungen vorgenommen hat. Jetzt betreibt sie in Hongkong einen kleinen Laden, in dem sie Gerichte mit Teigtaschen (so genannten Dumplings) verkauft. Allerdings sieht Mei nicht aus wie eine 64-jährige Frau, denn sie kennt das Geheimnis der ewigen Jugend: Ihre Teigtaschen sind mit dem Fleisch menschlicher Föten gefüllt, die sie heimlich aus einer Klinik bezieht. Sie verspeist dieses spezielle Gericht nun schon seit 40 Jahren und ist in all dieser Zeit nicht mehr gealtert. Ihren Lebensunterhalt verdient sie mit dem Verkauf der Teigtaschen an all jene, die sich den hohen Preis leisten können.

Auch Frau Lee, eine alternde Schauspielerin, nimmt Meis Dienste in Anspruch. Sie will sich verjüngen, um die Gunst ihres fremdgehenden Ehemanns zurückzugewinnen. Nachdem sie ihren ersten Ekel überwunden hat, verleibt Frau Lee sich immer mehr Teigtaschen ein, aber der Verjüngungsprozess geht ihr zu langsam. Mei kennt tatsächlich ein stärkeres Mittel, und der Zufall kommt ihr zu Hilfe: Eine verzweifelte Mutter bringt ihre im fünften Monat schwangere Tochter zu Mei. Das Mädchen wurde vom eigenen Vater geschwängert, Mei soll das Kind abtreiben. Nach kurzem Zögern führt sie den Eingriff durch, denn das Fleisch eines fünfmonatigen Inzest-Fötus ist das stärkste Verjüngungsmittel, das es gibt. Nach dem Genuß der entsprechenden Teigtaschen fühlt Frau Lee sich endlich wunderbar verjüngt, tatsächlich interessiert ihr Mann sich plötzlich wieder für sie.

Der Verjüngungseffekt ist aber nicht permanent. Schon nach kurzer Zeit entwickelt Frau Lee einen häßlichen, stinkenden Hautausschlag, außerdem fühlt sie sich wieder alt. Vielleicht liegt es daran, dass das schwangere Mädchen nach der Abtreibung gestorben ist? Jedenfalls wendet Frau Lee sich erneut an Mei, doch die hat inzwischen andere Interessen. Sie verschwindet mit Frau Lees Mann, der zufällig hinter das Geheimnis der Jugend seiner Frau gekommen ist und ein Verhältnis mit Mei begonnen hat. Jetzt nimmt Frau Lee die Dinge selbst in die Hand. Sie hat erfahren, dass ihr Mann eine seiner Geliebten geschwängert hat - die Geliebte ist schon im fünften Monat schwanger. Frau Lee bietet ihr viel Geld für den Fötus, und die junge Frau willigt in eine Abtreibung ein. Nun bereitet Frau Lee sich ihre speziellen Gerichte selbst zu...

Der Film:

Obwohl dieser Film eigentlich überhaupt keine expliziten Gewaltszenen enthält, ist er ziemlich starker Tobak. Es gibt nur sehr wenige "echte" Ekelszenen, in denen sichtbar ist, was die Damen da eigentlich in der Küche kleinhacken, um Teigtaschen-Füllungen daraus herzustellen. Der eigentliche Horror spielt sich in der Vorstellungswelt des Zuschauers ab. Wenn man sich bewusst macht, dass bei den Dreharbeiten wohl kaum echte Föten verwendet worden sein dürften, dann wird ein großer Teil von "Dumplings" eigentlich zu einer Art Kochsendung, denn in vielen Szenen sieht man lediglich, wie die Teigtaschen zubereitet und verzehrt werden. Nur wenn man akzeptiert, dass da Menschenfleisch verarbeitet und verspeist wird, werden diese Szenen wirklich beunruhigend, insbesondere jene, in denen Mei geradezu liebevoll über ihre speziellen Zutaten spricht, oder wenn Frau Lee genussvoll auf den Teigtaschen herumkaut. Dieser Eindruck wird durch die im Verhältnis zum übrigen Ton überlauten und überdeutlichen Geräusche unterstützt, die beim Zerhacken des Fleisches und beim Kauen der Teigtaschen entstehen...

Seltsam also, dass der Film trotzdem eine "Keine Jugendfreigabe" - Einstufung erhalten hat. Im Grunde gehört der Film auch gar nicht in die Kategorie "Horror" (aber dort ist er im Laden meist zu finden), eher ist er als Satire zu bezeichnen, als gesellschaftskritischer Film, der den Schönheits- und Jugendwahn aufs Korn nimmt. Frau Lee will sich einfach nur um jeden Preis verjüngen, koste es was es wolle, und das Ergebnis ist ihr nie gut genug. Sie will gar nicht wissen, wie die Verjüngung erreicht wird - und selbst dann, als es ihr drastisch vor Augen geführt wird, überwindet sie ihren Ekel (moralische Bedenken waren es wohl nicht) innerhalb weniger Minuten. Interessanterweise hat auch Herr Lee äußerst seltsame Eßgewohnheiten: Er löffelt mit Vorliebe Eier aus, in denen sich schon ein Embryo gebildet hat (würg). Ich habe gelesen, in Asien sei dies nicht ungewöhnlich, d.h. man esse dort unter anderem durchaus Eier, die ungeschlüpfte Küken enthalten. Der Film führt all das eigentlich nur konsequent weiter, wodurch er die meiner Meinung nach nicht weit hergeholte Frage aufwirft, ob Menschen tatsächlich bereit wären, so weit zu gehen wie Frau Lee. Über diese Gesichtspunkte sollten Moralapostel, die den Film als geschmackloses Teufelswerk brandmarken (entsprechende Kritiken findet man zuhauf), einmal nachdenken.

Auch die in ungewöhnlichen Kamerapositionen gefilmten sehr langen und langsam aufgebauten Szenen passen nicht zu den Erwartungen, die ein Horrorfilm-Fan haben dürfte. Wer sich den Film also in der Erwartung zulegt, eine drastische Splatter-Orgie zu sehen, der liegt falsch.

Die DVD:

Diese DVD gibt es als preisgünstige Single-Disc-Edition und als Special Edition, die zwei DVDs mit viel Bonusmaterial enthält. Ich habe gelesen, zu diesem Bonusmaterial gehöre auch eine Kurzfilm-Version von "Dumplings", die ein anderes Ende habe. Mehr ist mir darüber aber nicht bekannt.

J. Kreis, 11.06.2006
Seitenanfang