Der Dummschwätzer


Der Dummschwätzer (USA, 1997)
- Liar Liar -

Blu-ray, Universal
Altersfreigabe: FSK 6
Laufzeit: ca. 86 Minuten

Extras:
Keine

Regie:
Tom Shadyac

Hauptdarsteller:
Jim Carrey (Fletcher Reede)
Maura Tierney (Audrey Reede)
Justin Cooper (Max Reede)
Jennifer Tilly (Samantha Cole)
Cary Elwes (Jerry)
Anne Haney (Greta)




Story

Fletcher Reede ist ein Rabenvater, trotzdem wird er von seinem fünfjährigen Sohn Max geradezu vergöttert. Obwohl er Max immer wieder enttäuscht, indem er geplante gemeinsame Unternehmungen platzen lässt und kein einziges Versprechen einhält, ist er der Held des kleinen Jungen. Fletcher liebt Max und seine Exfrau Audrey immer noch, ist aber auf dem besten Weg, beide endgültig zu verlieren, weil er praktisch nur noch für seinen Job lebt. Audrey hat einen neuen Freund namens Jerry. Der ziemlich humorlose Mann ist zwar eigentlich nicht ihr Typ, dennoch zieht sie sein Angebot, mit ihm in eine andere Stadt umzuziehen, inzwischen aus purem Ärger auf den nie um eine Ausrede verlegenen Fletcher ernsthaft in Erwägung. In Familienangelegenheiten mag Fletcher eine Niete sein, aber als Rechtsanwalt ist er aufgrund seiner Fähigkeit, die haarsträubendsten Lügen absolut glaubwürdig an den Mann zu bringen, äußerst erfolgreich. Aktuell vertritt er Samantha Cole in einem Scheidungsprozess, bei dem sie wegen des Ehevertrages und ihrer Seitensprünge im Grunde keine Erfolgschance haben dürfte. Fletcher verdreht die Tatsachen jedoch solange, bis Samantha als Opfer dasteht. Sollte Fletcher den Prozess gewinnen, würde das seiner Karriere enormen Schub verleihen.

Am Vorabend der entscheidenden Gerichtsverhandlung zieht Fletcher es vor, sich von seiner Chefin vernaschen zu lassen, statt bei der Geburtstagsparty seines Sohnes zu erscheinen. Traurig pustet Max die Kerzen der Geburtstagstorte aus und wünscht sich, dass sein Vater wenigstens einen Tag lang nicht lügen kann. Der Wunsch geht in Erfüllung. In den nächsten 24 Stunden ist es Fletcher unmöglich, eine Lüge auszusprechen oder aufzuschreiben. Er muss auf jede Frage mit der Wahrheit antworten und kann nicht einmal Fragen stellen, die so formuliert sind, dass die Antwort gelogen sein müsste. Somit stürzt Fletchers auf Lügen basierende Verhandlungsstrategie wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Außerdem verliert er seine unentbehrliche Sekretärin Greta; er hat sie vor einiger Zeit wegen einer abgelehnten Gehaltserhöhung angelogen. Fletcher erfährt von Audrey, wem er das alles zu verdanken hat. Nun soll Max den Wunsch zurücknehmen, aber das funktioniert nicht. Somit versucht Fletcher im Gerichtssaal auf Zeit zu spielen, doch auch das hat keinen Sinn. Außerdem steht er unter Termindruck, denn sollte er nicht zu einer bestimmten Uhrzeit bei Audrey eintreffen, um über alles zu reden, wird sie mit Jerry und Max nach Boston fliegen.

In letzter Minute erkennt Fletcher, dass Samantha ihr Alter gefälscht hat, um Mr. Cole heiraten zu können. Sie war damals minderjährig. Die Ehe ist gültig, aber der zuvor geschlossene Ehevertrag, mit dem das Finanzielle geregelt wurde, ist nichtig. Somit gelten die gesetzlichen Bestimmungen, und die sehen vor, dass Samantha die Hälfte des Vermögens ihres Ehemannes erhält. Nach dieser Beweisführung fällt das Urteil zu Samanthas Gunsten aus. Fletcher kann sich dennoch nicht freuen, denn aus reiner Geldgier will Samantha nun auch noch das alleinige Sorgerecht für ihre Stiefkinder erstreiten. Fletcher versucht das zu verhindern, da die Kinder ihren Vater lieben. Er setzt seinen Job aufs Spiel, belästigt den Richter und landet im Gefängnis. Greta hat von Fletchers Sinneswandel erfahren und zahlt die Kaution. Audrey und Max sitzen jedoch schon mit Jerry im Flugzeug. Fletcher kapert eine fahrbare Gangway, überholt den Flieger und zwingt ihn zum Anhalten. Fletcher baut einen Unfall und bricht sich beide Beine, aber das ist ihm egal. Er verspricht Max, dass er jetzt immer für ihn da sein wird. Damit sagt er die Wahrheit, obwohl die 24 Stunden bereits vergangen sind. Ein Jahr später feiern Fletcher, Audrey und Max Geburtstag. Nachdem Max die Kerzen ausgepustet hat, liegen sich Fletcher und Audrey in den Armen. Dabei hat sich Max gar nicht gewünscht, dass seine Eltern wieder zusammenkommen - er wollte Rollerblades haben!


Kringels Meinung

Während des Abspanns sind einige köstliche schiefgegangene Szenen zu sehen. In einer Szene sollen sich Fletcher und die Anwältin der Gegenseite im Gerichtssaal Beleidigungen an den Kopf werfen. Die Schauspielerin erlaubt sich einen Scherz, weicht vom Drehbuch ab und sagt: "Overactor"! Alle müssen lachen. Der Vorwurf ist natürlich berechtigt, zumindest zu diesem Zeitpunkt, denn vor 1997 ist Carrey vor allem durch exzessives Grimassenschneiden, vollen Körpereinsatz und heillos übertriebene Rollen in Filmen wie Ace Ventura - Ein tierischer Detektiv, Ace Ventura - Jetzt wird's wild, Dumm und Dümmer oder "Die Maske" aufgefallen. Ich liebe diese Filme heiß und innig, denn Carrey beherrscht die Kunst des Slapstick und der Clownerie wie kein Zweiter. Die zum Brüllen komische "Nashorngeburt" im ersten Ace-Ventura-Film ist mir bis heute unvergesslich geblieben! Allerdings sind die Filme ganz auf den Hauptdarsteller zugeschnittene One-Man-Shows (mit Ausnahme von "Dumm und Dümmer", da ist Jeff Daniels mindestens genauso genial wie Carrey), sie enthalten ein Dauerfeuer an mehr oder weniger gut zündenden Gags ohne nenneswerte Story.

"Der Dummschwätzer" - ein ziemlich bescheuerter deutscher Titel übrigens - stellt diesbezüglich so etwas wie einen Wendepunkt dar. Natürlich zieht Carrey alle Register, um die Leiden eines Mannes darzustellen, der nicht mal die allerkleinste Alltagsflunkerei aussprechen kann, so sehr er sich auch anstrengt, und aus dessen Mund stattdessen ständig (unangenehme) Wahrheiten hervorsprudeln. Im Vergleich mit den oben genannten Filmen spielt Carrey aber fast schon "mit gebremstem Schaum". Vor allem schafft er es gleichzeitig, Fletchers Liebe für Max glaubwürdig rüberzubringen. Dass Fletcher den Prozess nur gewinnt, weil er die Wahrheit sagt und eine Lüge entlarvt, ist natürlich der besondere Clou in der Story. Leider gehen in der deutschen Sprachfassung viele Wortspiele unter. Das beginnt schon mit der Anfangsszene. Da werden die Kinder in der Schule gefragt, welche Berufe ihre Eltern haben. Im englischen Original sagt Max: "My father is a liar" (Mein Vater ist ein Lügner). Die Lehrerin glaubt, Max habe "Lawyer" (Rechtsanwalt) gemeint, denn das Wort klingt so ähnlich. In der Synchro wird "Rechtsverdreher" daraus, und damit geht der ganze Witz verloren.

Vor allem ist "Der Dummschwätzer" keine One-Man-Show. Maura Tierney hatte erkennbar viel Spaß bei der Sache und ist von der ersten Sekunde an sympathisch. Das gilt erst recht für Justin Cooper, der in diesem Film in der Rolle des kleinen Max debütiert. Kinder im Film - das ist eine gefährliche Sache. Oft sind sie einfach nur lästiges Beiwerk. Max hätte leicht zur weinerlichen Nervensäge werden können, aber das geschieht nicht. Im Gegenteil! Max reagiert eher fatalistisch, wenn sein Vater ihn mal wieder hängen lässt. Der resignierte Gesichtsausdruck des kleinen Jungen, der es anscheinend gar nicht anders erwartet hat, bricht einem echt das Herz. Auch Nebenrollen sind bestens besetzt, etwa Jennifer Tilly als geldgieriges, etwas minderbemitteltes Miststück, Cary Elwes als steifer Möchtegern-Ersatzvater, der nicht zu Max durchdringt, Amanda Donohoe als Bürovamp, Anne Haney als Fletchers Büroperle und Jason Bernard als brummiger Richter, der Fletcher nur aus "morbidem Interesse" im Gerichtssaal weiter chargieren lässt. Herrlich!


J. Kreis, 12.05.2015




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