Drive


Drive (USA, 2011)

Blu-ray, Universum Film
Altersfreigabe: FSK 18
Laufzeit: ca. 100 Minuten

Extras:
- Making of (3:53 Min.)
- B-Roll (20:30 Min.)
- Q&A mit Regisseur Nicolas Winding Refn (12:04 Min.)
- Interviews mit Cast & Crew (21:06 Min.)
- Featurettes (26:57 Min.)
- Trailer

Regie:
Nicolas Winding Refn

Hauptdarsteller:
Ryan Gosling (Der Fahrer)
Carey Mulligan (Irene)
Albert Brooks (Bernie Rose)
Ron Perlman (Nino)
Bryan Cranston (Shannon)
Oscar Isaac (Standard Gabriel)
Christina Hendricks (Blanche)




Story

Tagsüber arbeitet der namenlose Fahrer als Automechaniker in einer Werkstatt in Los Angeles. Manchmal verdient er Geld als Stuntman beim Film. Nachts fährt er Fluchtfahrzeuge. Er folgt nur seinen eigenen Regeln und beteiligt sich nie an den Verbrechen seiner Kunden. Sein Arbeitgeber Shannon, der über die Nebentätigkeit des Fahrers im Bilde ist, träumt davon, in den Motorsport einzusteigen. Er leiht sich bei dem befreundeten Mafiosi Bernie Rose 300.000 Dollar für den Kauf eines Stockcar. Eines Tages verliebt sich der Fahrer in seine junge alleinerziehende Nachbarin Irene. Ihr Mann Standard wird nach einiger Zeit aus dem Gefängnis entlassen. Gangster, denen Standard Schutzgeld schuldet, schlagen ihn zusammen und bedrohen seine Familie, weil er sich weigert, ein Pfandhaus für sie zu überfallen. Um Irene und ihren kleinen Sohn zu schützen, erklärt sich der Fahrer bereit, Standard bei dem Überfall zu helfen. Standards Komplizin Blanche steigt mit dem Geld ins Fluchtfahrzeug, aber Standard wird vom Ladenbesitzer erschossen. Nur knapp kann der Fahrer Unbekannten entkommen, die ihn mit einer Limousine verfolgen. Dass mehr hinter der Sache steckt, wird dem Fahrer klar, als er das Geld in einem Motelzimmer zählt. Blanche hat eine Million Dollar erbeutet. Außerdem behauptet der Besitzer des Pfandhauses vor der Presse, der Überfall sei von einem Einzeltäter begangen worden.

Blanche gesteht, dass Standard als Strohmann missbraucht und hintergangen wurde. Bevor sie den Fahrer zu den Hintermännern führen kann, tauchen zwei Killer auf, die Blanche erschießen. Der Fahrer wird verwundet, kann seine Gegner aber töten. Dann nimmt er sich Standards Auftraggeber vor und erfährt, dass dieser für Nino arbeitet, einen "Geschäftsfreund" von Bernie Rose. Der Fahrer bietet Nino telefonisch die Rückgabe des Geldes an. Was er nicht weiß: Nino hat vor einiger Zeit Wind davon bekommen, dass die Ostküstenmafia Geld in dem Pfandhaus deponieren und in Ninos Revier groß ins Geschäft einsteigen wollte. Nino wollte sich das Geld unter den Nagel reißen und somit gleichzeitig die Konkurrenz schwächen. Sollte das bekannt werden, wird sich die Mafia rächen. Bernie Rose befürchtet, in die Sache hineingezogen zu werden. Es reicht nicht, das Geld zurückholen; alle Mitwisser müssen beseitigt werden. Dazu gehört auch Shannon, von dem Bernie Rose erfährt, wo der Fahrer wohnt. Ein Killer wird dorthin entsandt. Der Fahrer tötet den Mann vor Irenes Augen mit einer so erschreckenden Brutalität, dass Irene auf Distanz zu ihm geht.

Der Fahrer verfolgt Nino und rammt dessen Limousine, so dass der Gangster verletzt wird und sich nicht wehren kann. Der Fahrer ertränkt Nino im Ozean. Anschließend ruft er Irene an und verabschiedet sich für immer. Er vereinbart ein Treffen mit Bernie Rose an einem öffentlichen Ort. Bernie Rose verspricht, er werde Irene und ihren kleinen Sohn im Austausch für das Geld in Ruhe lassen. Für die Sicherheit des Fahrers könne er aber nicht garantieren. Bei der Geldübergabe rammt Bernie Rose dem Fahrer ein Messer in den Leib. Der Fahrer ist ebenfalls bewaffnet und tötet Bernie Rose. Das Geld lässt er neben der Leiche liegen. Dann fährt er ins Ungewisse.

Kringels Meinung

Der wortkarge und einzelgängerische Vollprofi, cooler Held unzähliger Genrefilme der Siebziger- und Achtzigerjahre, feiert in diesem fast wie ein Film Noir daherkommenden Meisterwerk ein glänzendes Comeback. Mit ziemlich explizit gezeigter Gewalt, aber ohne übertriebene Action. Tatsächlich gibt es zwar einige Verfolgungsjagden in diesem Film, aber es ereignet sich keine einzige Explosion, es werden nur sehr wenige Schüsse abgefeuert und auf Martial-Arts-Nahkämpfe wird völlig verzichtet. Schon in den ersten Szenen wird deutlich, dass ein gut inszenierter Thriller bestens ohne diese vermeintlich unverzichtbaren Versatzstücke des modernen Actionkinos auskommt. Der Fahrer steht bereit und wartet darauf, dass zwei Einbrecher einsteigen. Er gibt seinen Kunden stets ein Zeitfenster von fünf Minuten, nach Ablauf dieser Frist würde er auch ohne sie wegfahren. Vom Einbruch selbst sieht man nichts, man hört (wie der Fahrer) nur im Polizeifunk, was gerade geschieht. Sobald die beiden Gangster im Wagen sind, hängt der stets gelassen bleibende Fahrer mit eleganter Präzision sowohl Streifenwagen als auch einen Hubschrauber ab - das sind absolut fesselnde Momente, auch ohne Crashs und dergleichen. Nach getaner Arbeit verschwindet der Fahrer unauffällig in einer Menschenmenge und begibt sich in seine spartanisch eingerichtete Wohnung.

Obwohl der Fahrer in dieser Eröffnungssequenz bis auf die kurze Erklärung der Regeln kein einziges Wort sagt, weiß man danach genau, was für ein Mensch er ist. Er hat keine Vergangenheit, sein Leben scheint sich zunächst ausschließlich auf den Straßen abzuspielen. Dort kennt er sich bestens aus, niemand kann ihm das Wasser reichen. Der Fahrer glaubt, immer distanziert und unbeteiligt bleiben zu können, was sich im weiteren Verlauf der Story natürlich als unmöglich erweist. Im Mittelteil geht es eine Zeit lang ruhig zu. Der Beziehung zwischen dem namenlos bleibenden Fahrer und Irene wird viel Aufmerksamkeit gewidmet. Das muss so sein, sonst wäre es nicht glaubwürdig, dass der Fahrer den eigenen Regeln untreu wird, um Irene zu schützen. Spätestens mit dem gescheiterten Überfall auf das Pfandhaus wird die Spannungsschraube bis zum bitteren Ende gnadenlos immer weiter angezogen. So geradlinig, schnörkellos und konsequent war kein Film seit No Country for old Men und 96 Hours! Ich kenne zumindest keinen. Eine so packende, geradezu hypnotische Atmosphäre habe ich schon lange nicht mehr erlebt! Sehr wichtig ist dabei der einprägsame Soundtrack, den ich sofort als CD gekauft habe.

Ryan Gosling, den ich vorher überhaupt nicht kannte, brilliert in der Rolle der Hauptfigur, deren Widersprüchlichkeit er mit nur ganz wenig Dialog und zurückhaltendem Spiel herausarbeitet. Überhaupt ist der Film bis in kleine Nebenrollen hinein mit grandiosen Schauspielern besetzt. Schön, dass auf Klischees und Stereotypen verzichtet wurde. So ist z.B. Standard nicht einfach nur ein Schurke, der die aufkeimende Beziehung zwischen Irene und dem Fahrer stört. Standard ist eigentlich kein schlechter Kerl. Er liebt seine Familie und bereut seine früheren Missetaten. Selbst Bernie Rose handelt nicht aus purer Bösartigkeit. Er fürchtet um sein eigenes Leben und kennt nur einen Ausweg, bemüht sich aber zum Beispiel, seinen alten Freund Shannon so schnell und schmerzlos wie irgend möglich zu töten...

Wie schon gesagt: Ein Meisterwerk. Sollte man gesehen haben.

Blu-ray-Features

Leider ist das Bonusmaterial fast vollkommen uninteressant, außerdem wiederholen sich die Inhalte. Das "Making of" ist nichts als Werbung für den Film und die vier Featurettes bieten auch nicht mehr als die übliche nichtssagende Mischung aus Filmszenen, kurzen Interviews und Hinter-den-Szenen-Material. In sieben Interviews kommen die Schauspieler zu Wort, reden aber nur über ihre Rollen, erzählen die Story nach und geben ansonsten Allgemeinplätze über die Zusammenarbeit mit dem Regisseur von sich. Auch der Regisseur wurde interviewt, da man aber die Fragen nicht hört, weiß man manchmal gar nicht, wovon er eigentlich gerade spricht. Hinzu kommen noch unkommentierte Aufnahmen von den Dreharbeiten. Hierbei bekommt man immerhin ein paar Dialoge zu hören, die es nicht in den fertigen Film geschafft haben.


J. Kreis, 31.07.2013




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