Dredd


Dredd (USA/GB, 2012)

Blu-ray, Universum Film
Altersfreigabe: FSK 18
Laufzeit: ca. 95 Minuten

Extras:
- Featurettes (14:35 Min.)
- Interviews (26:26 Min.)
- Trailer
- BD-Live

Regie:
Pete Travis

Hauptdarsteller:
Karl Urban (Judge Dredd)
Olivia Thirlby (Cassandra Anderson)
Lena Headey (Madeline Madrigal, genannt "Ma-Ma")
Wood Harris (Kay)




Story

Der größte Teil der USA besteht aus radioaktiv verseuchtem Ödland. 800 Millionen Menschen leben in der abgeschotteten Stadt Mega-City One, zusammengepfercht in den Ruinen alter Hochhäuser und neueren gigantischen Wohntürmen, den Megablocks. Arbeitslosigkeit, Kriminalitätsrate und Drogenkonsum steigen ständig an. Eine neue Droge namens Slo-Mo, unter deren Einfluss man alles wie in extremer Zeitlupe wahrnimmt, verbreitet sich rasant. Es gibt nur noch eine Instanz in Mega-City One, die sich bemüht, so etwas wie Ordnung aufrecht zu erhalten: Die Judges vom Justizpalast. Ein Judge ist Polizist, Richter und Vollstrecker in einer Person. Die Waffen der Judges, die Lawgivers, sind auf ihre DNS abgestimmt und explodieren bei unautorisiertem Gebrauch. Auf ihren mit Maschinengewehren bestückten Motorrädern patrouillieren die Judges durch die Straßenschluchten und vollstrecken die von ihnen selbst gefällten Urteile an Ort und Stelle. Judge Dredd ist der berühmteste Kämpfer seiner Zunft. Er erhält den Auftrag, die Anwärterin Cassandra Anderson einen Tag lang mit in den Einsatz zu nehmen und ihre Leistung zu beurteilen. Anderson erfüllt eigentlich nicht die Anforderungen für den Dienst als Judge und ist beim Abschlusstest knapp durchgefallen, besitzt aber eine besondere Fähigkeit, die für die Judges sehr wertvoll wäre: Sie ist eine Mutantin und kann Gedanken lesen.

Anderson darf ihr erstes Ziel aus der Unzahl von Verbrechensmeldungen, die minütlich im Justizpalast eingehen, selbst auswählen. Sie entscheidet sich für einen spektakulären Dreifachmord im Megablock Peach Trees. Der mehr als einen Kilometer hohe Komplex ist fest in der Hand der brutalen Drogenbaronin Ma-Ma, auf deren Konto auch der Dreifachmord geht. Dredd und Anderson nehmen den Killer Kay fest, den Anderson telepathisch als einen von Ma-Mas Gangstern identifiziert. Um zu verhindern, dass der Mann im Justizpalast verhört wird, lässt Ma-Ma den Megablock hermetisch abriegeln. Ihre Leute übernehmen das Sicherheitssystem von Peach Trees. Die Abriegelung wird nach außen hin als Kriegsübung dargestellt. Niemand kann den Komplex verlassen, niemand kommt hinein. Dredd und Anderson dürfen nicht auf Verstärkung oder Hilfe von der Bevölkerung hoffen, denn Ma-Ma ruft jeden Bewohner von Peach Trees per Lautsprecher auf, die Judges zu jagen. Wer ihnen hilft, dessen gesamter Familie droht die Auslöschung. Anderson liest Kays Gedanken und erkennt, warum Ma-Ma so drastisch reagiert: In Peach Trees befindet sich die einzige Fabrik, in der Slo-Mo hergestellt wird. Ma-Ma will damit den Drogenmarkt der gesamten Stadt kontrollieren.

Dredd beschließt, zum Angriff überzugehen. Er und Anderson kämpfen sich nach oben in Richtung von Ma-Mas Hauptquartier durch, doch dann gelingt es Kay, sich zu befreien und mit Anderson als Geisel zu Ma-Ma zurückzukehren. Da Dredd die Gangsterbande schon erheblich dezimiert hat, ruft Ma-Ma die Polizei. Vier korrupte Judges sollen Dredd zum Preis von einer Million Dollar beseitigen. Dredd besiegt zwei davon, wird aber vom dritten angeschossen. Inzwischen konnte sich Anderson befreien, denn Kay hat leichtsinnigerweise versucht, sie mit ihrem eigenen Lawgiver zu erschießen, und wurde durch die Explosion getötet. Anderson schaltet den vierten Judge aus und rettet Dredd. Nachdem dieser seine Wunde versorgt hat, dringt er mit Anderson bis in Ma-Mas Hauptquartier vor. Die Bandenchefin glaubt einen guten Trumpf in der Hand zu haben, denn in ihrem Arm sitzt ein Sender, mit dem sie Bomben im oberen Bereich von Peach Trees zünden kann. Der Sender wird aktiviert, sobald ihr Herz stehenbleibt. Dredd kann eine Vernichtung des Gebäudes natürlich nicht riskieren, hat aber eine einfache Lösung für das Problem. Er pumpt Ma-Ma mit Slo-Mo voll und wirft sie in den Innenhof. Sie stirbt einen Kilometer tiefer - damit sind die Bomben außer Reichweite des Senders. Die Abriegelung von Peach Trees wird aufgehoben. Gegenüber seiner Vorgesetzten verkündet Dredd, dass Anderson die Prüfung bestanden hat.

Kringels Meinung

Dieser Film ist kein Remake des Films Judge Dredd mit Sylvester Stallone aus dem Jahre 1995, sondern eine Neuinterpretation der Comicreihe "2000 AD". Da ich die Comics nicht kenne, kann ich nicht beurteilen, welcher der beiden Filme werkgetreuer ist. Vergleiche ich die Filme miteinander, dann muss ich sagen: Obwohl die 1995er-Version ganz erhebliche Schwächen hat, finde ich sie fast interessnter als den neuen Film! In der 2012er-Version wird nämlich ziemlich lange durch leicht trashig wirkende Korridore oder Treppenhäuser geschlichen und gerannt - das wird auf die Dauer langweilig. Gut, "Dredd" beginnt mit einer kurzen, aber eindrucksvollen Szene, in der sich die Kamera über das atomare Ödland hinweg auf Mega-City One zu bewegt, eine Verfolgungsjagd durch die Häuserschluchten schließt sich an. Aber die wirkt - so dynamisch sie auch inszeniert sein mag - irgendwie zu alltäglich; ich hatte nicht das Gefühl, dass sich das Ganze in einer überbevölkerten Stadt der Zukunft abspielt. Der Justizpalast mit seiner gigantischen Kontrollzentrale ist nett anzuschauen, auch die Slo-Mo-Effekte können gefallen, sogar in 2D. Aber sonst? Karl Urban schlägt sich mit ganz normalen Gangstern im eintönigen heruntergekommenen Hochhauskomplex Peach Trees herum. Das ist mir zu wenig. "Judge Dredd" hat mehr Abwechslung zu bieten. Sylvester Stallone kriegt es im Ödland mit Mutanten zu tun, Rico hat einen riesigen Kampfroboter dabei, man kann viele verschiedene Kulissen bewundern. Und so einfach gestrickt Story/Figurenzeichnung in "Judge Dredd" auch sein mögen - sie sind wenigstens vorhanden. "Dredd" hat im Grunde überhaupt keine Story!

"Dredd" sieht natürlich sehr viel besser, düsterer und glaubwürdiger aus als der 1995er-Film, dessen Spezialeffekte heute nur noch lächerlich wirken und der außerdem zu bunt und zu "sauber" daherkommt. In Sachen Action kann "Dredd" auf jeden Fall punkten. Die Gewaltdarstellung hat's in sich, diesbezüglich muss man "Judge Dredd" fast als zahm bezeichnen. Wenn Dredd und Anderson einen Haufen Gangster umnieten, wobei auch mal Köpfe platzen oder schmelzen und Gliedmaßen abgetrennt werden, wenn ein Stockwerk des Hochhauses mit Gatling-Guns pulverisiert wird, wenn Leute ewig lang in die Tiefe stürzen, oder wenn wir ein Feuergefecht in extremer Zeitlupe aus dem Blickwinkel eines Slo-Mo-Junkies erleben, dann kann sich das wirklich sehen lassen. Der größte Vorteil, den der neue Film gegenüber dem alten hat, ist jedoch die Abwesenheit eines "lustigen" Sidekicks. So etwas wie die Nervensäge Fergie gibt es hier zum Glück nicht. Im Gegenteil! Anderson ist eine genauso toughe Kämpferin wie Dredd. Zu Beginn wird sie vielleicht etwas zu naiv dargestellt - sie glaubt, etwas Gutes bewirken zu können, wo es doch nur darum geht, die Welle der Gewalt so weit wie möglich einzudämmen. Sie zögert, einen am Boden liegenden Delinquenten zu erschießen, aber das ändert sich bald. Nach ihrer Gefangenschaft hat sie solche Bedenken nicht mehr. Ein bisschen Humor ist zwar auch in "Dredd" durchaus vorhanden, aber der ist viel grimmiger als in "Judge Dredd".

Wäre in "Dredd" etwas genauer auf die marode Gesellschaft mitsamt dem menschenverachtenden "Justizsystem" eingegangen worden, hätte es mehr von den Verhältnissen in Mega-City One (mit entsprechenden Kulissen und Spezialeffekten, versteht sich) zu sehen gegeben, dafür etwas weniger Herumgerenne im immer gleich aussehenden Hochhaus, hätten die Figuren etwas mehr Profil erhalten - dann würde der Film seinen fast 20 Jahre älteren Vorgänger um Längen schlagen. Natürlich hat er schon allein aufgrund der besseren Spezialeffekte die Nase vorn, dennoch fehlt mir das gewisse Etwas. Immerhin: Karl Urban nimmt nie den Helm ab. Die Comic-Fans werden es ihm vermutlich danken.

Blu-ray-Features

Das Bonusmaterial kann man getrost vergessen. Die sechs kurzen Featurettes enthalten neben Filmausschnitten und Interviews nur wenig Hinter-den-Szenen-Material. Immerhin wird auf die zugrunde liegende Comicreihe eingegangen. Dieselben Interviews gibt's dann nochmal - ohne Filmausschnitte und etwas länger - als gesonderte Extras. Darin wird die Handlung nacherzählt, die Schauspieler erläutern, was es mit den von ihnen verkörperten Figuren auf sich hat, und es wird darüber schwadroniert, wie toll doch die Zusammenarbeit gewesen ist. Zum Gähnen langweilig.


J. Kreis, 05.11.2013




Gastkommentare


Neueste Kommentare stehen oben.


Gastkommentare werden nicht von J. Kreis verfasst und dürfen nicht auf anderen Homepages oder in Printmedien weiterverwendet werden.


Noch keine Gastkommentare vorhanden!


Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)


Seitenanfang


Startseite

Filme