Dread


Dread (GB / USA, 2009)

Blu-ray, Sunfilm Entertainment
Altersfreigabe: FSK 18
Laufzeit: ca. 94 Minuten

Extras
- Making of (4:21 Min.)
- Interviews (24:36 Min.)
- Trailer

Regie:
Anthony DiBlasi

Hauptdarsteller:
Jackson Rathbone (Stephen Grace)
Shaun Evans (Quaid)
Hanne Steen (Cheryl Fromm)
Laura Donnelly (Abby)
Jonathan Readwin (Joshua Shaw)




Inhalt:

Der Student Stephen Grace wird von einem Kommilitonen namens Quaid überredet, an einer "Angststudie" mitzuarbeiten. Die Teilnehmer sollen sich dabei filmen lassen, wie sie über über ihre Ängste sprechen. Quaid und Stephen wollen die Ergebnisse dann als Studienarbeit einreichen. Stephen holt Cheryl Fromm mit ins Boot. Sie soll das Filmmaterial schneiden und aufbereiten. Die Interviews verlaufen zunächst nicht nach Quaids Geschmack. Er will nichts von alltäglichen kleinen Phobien hören. Ihm geht es um tief sitzende Traumata, um das wahre Grauen. Damit er Ruhe gibt, erzählt Cheryl, warum sie sich rein vegetarisch ernährt. Sie verabscheut allein schon den Geruch von Fleisch, weil sie als Kind von ihrem Vater, einem Metzger, missbraucht worden ist, der stets gleich nach der Arbeit - noch nach Schlachthaus stinkend - in ihr Zimmer gekommen ist. Schließlich finden sich zwei weitere Probanden, die sich Quaid und Stephen anvertrauen. Joshua Shaw war drei Jahre lang taub, hat sein Gehör aber zurückerhalten und lebt in ständiger Angst vor einem Rückfall. Die junge Bibliothekarin Abby, deren Gesicht von einem riesigen dunklen Muttermal entstellt wird, zeigt vor laufender Kamera, dass sich das Mal über die gesamte rechte Körperhälfte hinwegzieht. Es gibt für sie nichts schlimmeres, als angestarrt zu werden. Abby fühlt sich zu Stephen hingezogen, doch der hat sich in Cheryl verliebt. Quaid erschleicht sich ihr Vertrauen und verführt sie, lässt sie aber bald wieder fallen.

Stephen und Cheryl erkennen zwar bald, dass Quaid in den Interviews mehr sieht als nur ein Studienprojekt, aber sie ahnen nicht, aus welchem Grund er so besessen von den Ängsten anderer Menschen ist. Eines Tages erzählt er Stephen, dass er als Kind mit ansehen musste, wie seine Eltern von einem wahnsinnigen Axtmörder erschlagen worden sind. Dass der Killer ihn in Alpträumen und Visionen noch immer verfolgt, verrät Quaid jedoch nicht. Die Ergebnisse des Projekts bringen Stephen zwar eine gute Note ein, doch für Quaid ist die Angststudie noch nicht abgeschlossen. Er hat bemerkt, dass seine quälenden Erinnerungen nur gelindert werden, wenn er mit ansieht, wie jemand von nacktem Entsetzen überwältigt wird, sich seiner innersten Furcht jedoch stellt und sie so überwindet. Er führt das Experiment mit verschärften Mitteln weiter. Er strahlt das Video, in dem sich Abby entblößt, im Campus-Fernsehkanal aus. Er sperrt Cheryl in einem fensterlosen Raum ein, in dem ein gut durchgebratenes Stück Fleisch als einzige Nahrung liegt. Er nimmt Joshua das Gehör, indem er Schüsse direkt neben seinem Kopf abfeuert.

Joshua wird taub und halb wahnsinnig ins Krankenhaus eingeliefert. Abby erträgt das Leben mit ihrer Entstellung nicht mehr, von der nun alle Welt weiß. Sie versucht sich das Mal mit Drahtwolle von der Haut zu scheuern und badet in Bleichmittel. Stephen findet die schwer Verletzte und bringt sie ins Krankenhaus. Dort greift er sich eine Axt und macht sich auf den Weg zu Quaid, um ihn zur Rede zu stellen. Joshua beobachtet ihn und folgt ihm. Quaid überwältigt Stephen und zwingt ihn, die Filmaufnahmen anzusehen, die er von Cheryl gemacht hat. Nach über einer Woche unvorstellbarer Qualen hat sie das schon völlig verfaulte Fleisch restlos verschlungen. Stephen kann sich befreien, aber er wird von Joshua getötet, der in Quaids Haus eingedrungen ist. Quaid erschießt Joshua, in dem er den Axtmörder aus seiner Kindheit zu sehen glaubt. Nachdem er Stephens Todeskampf beobachtet hat, schleppt Quaid die Leiche in Cheryls Gefängnis. Nun will er abwarten, wie lange es dauert, bis sie bereit ist, auch dieses Fleisch zu essen...

Der Film:

Dies ist die Verfilmung der Kurzgeschichte "Moloch Angst" aus dem zweiten "Buch des Blutes" von Clive Barker. Ich habe diese Story sogleich noch einmal gelesen. Obwohl sie für den Film stark verändert wurde, kann man die Verfilmung nur als kongenial bezeichnen, denn der "Geist" der Kurzgeschichte, ihr eigentlicher Kern, wird genau getroffen. Viele Textpassagen wurden sogar 1:1 übernommen. Ich hatte vor einiger Zeit The Midnight Meat Train als beste Clive Barker-Verfilmung seit Hellraiser bezeichnet. Das muss ich jetzt relativieren: Ich finde "Dread" noch besser. "Dread" ist sehr viel realistischer, d.h. es kommen keine übernatürlichen Elemente darin vor. Die Gewaltdarstellung ist zwar sehr heftig, wirkt aber bei weitem nicht so übertrieben wie die Blutorgie in "The Midnight Meat Train". Die entsprechenden Effekte werden vergleichsweise dosiert und gezielter eingesetzt; sie sind deshalb umso wirkungsvoller. Nach dem Schock der ersten zehn Minuten (der Mord an Quaids Eltern) wird zwar ein paar Gänge zurückgeschaltet, aber wegen Quaids Visionen und seinem spürbar schlimmer werdenden Wahnsinn reißt die bedrohliche Atmosphäre nicht ab. Cheryls Qualen werden äußerst eindringlich dargestellt, trotzdem wird "Dread" dabei nicht zum "Folterfilm". OK, das Zimmer, in dem sie eingesperrt ist, könnte bequemer eingerichtet sein, aber Wasser und Nahrung sind in ausreichender Menge vorhanden. Sie hätte Quaid den Spaß verderben und das Fleisch sofort verspeisen können. Dummerweise hat sie gewartet, bis der Braten verwest und madig war.

Abgesehen von einigen kleineren Veränderungen weicht der Film in vier wesentlichen Punkten von der Kurzgeschichte ab. Nr. 1: Stephen Grace. Den gibt es auch in der Kurzgeschichte, aber dort ist er es, der als Kind taub war und seitdem unter "Kopfgeräuschen" leidet, die mit dem Wort "Tinnitus" nur äußerst unzureichend beschrieben sind. Im Film wird diese Figur quasi gesplittet. Stephen ist die Identifikationsfigur für den Zuschauer, Joshua ist die andere Hälfte. Nr. 2: Quaid. Der ist in der Kurzgeschichte kein Kommilitone Stephens, und man erfährt praktisch nichts über seine Vergangenheit. In einem einzigen Satz heißt es, Quaids Eltern seien in seiner Kindheit getötet worden. Wie bzw. von wem? Das wird nicht erwähnt. Quaids Angst vor einem wahnsinnigen Axtmörder kommt erst auf der letzten Seite ins Spiel. Nr. 3: Abby. Sie kommt in der Kurzgeschichte nicht vor. Die komplette Nebenhandlung rund um Abby ist neu. Sie wurde wohl vor allem benötigt, weil man aus der wirklich sehr kurzen Geschichte sonst kaum einen abendfüllenden Film hätte machen können. Nr. 4: Das Ende. In "Moloch Angst" bekommt Quaid seine gerechte Strafe, nachdem er Stephen (ähnlich wie Joshua) in den Wahnsinn getrieben hat. Stephen wird zur Verkörperung der Ängste Quaids, und Quaid muss erkennen, dass es etwas noch viel schlimmeres als Furcht gibt. Im Film bleibt Quaid unbestraft und kann sein Unwesen weiter treiben. Man möchte sich das Martyrium, das Cheryl jetzt bevorsteht, gar nicht genauer ausmalen...

Da "Dread" auf psychologischen Horror setzt, aber nicht auf drastische, wohl dosierte Gore-Effekte verzichtet, und da die Schauspieler ihre Sache durch die Bank sehr gut machen, fühlt man sich trotz eines etwas zu Längen neigenden Mittelteils bis zuletzt gefesselt. Ein Happy End gibt's weder in der Kurzgeschichte noch im Film, aber das Ende des Films ist noch um einiges schwärzer. "Dread" ist ein fieser Psychothriller, den man so schnell nicht vergisst.

Blu-ray-Features:

Das "Making of" ist eine kurze Zusammenstellung unkommentierten Hinter-den-Szenen-Materials. Eher uninteressant, aber man sieht zumindest, wie das riesige Muttermal aufgetragen wird. Die Interviews sind zwar länger, aber nicht interessanter. Die Schauspieler, der Regisseur und andere Leute erzählen praktisch alle dasselbe: Worum es in dem Film geht und wie toll die Zusammenarbeit gewesen ist. Man horcht erst auf, wenn Clive Barker selbst zu Wort kommt. Aber selbst ihm bleibt nur wenig Redezeit. Besser wäre es gewesen, diese total unzusammenhängende Aneinanderreihung von Interviewschnipseln wegzuwerfen und sich ausschließlich auf Clive Barker zu konzentrieren, denn der Mann hat wirklich etwas zu sagen.


J. Kreis, 21.03.2011




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