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Doom Doom - Der Film Extended Edition (USA, 2005)
DVD - Regionalcode 2, Universal
FSK: Keine Jugendfreigabe
Laufzeit: ca. 108 Minuten

Extras
"Basis-Training - Wie lade ich meine Waffe", "Rock Formation - Make up Tricks", "Master Monster Makers - Erschaffung der Kreaturen", First-Person-Shooter-Sequenz, Trailer

Regie:
Andrzej Bartkowiak

Hauptdarsteller:
Karl Urban (John Grimm - "Reaper")
Dwayne Johnson aka "The Rock" ("Sarge")
Rosamund Pike (Samantha Grimm)




Inhalt

Im Jahre 2026 werden bei Ausgrabungen in der Wüste Nevadas uralte Ruinen einer unbekannten Zivilisation entdeckt. In den Ruinen befindet sich ein High-Tech-Portal, über das man sich zum Mars teleportieren kann. Die Union Aerospace Corporation (UAC) errichtet in den folgenden Jahren Hochsicherheits-Basen rund um die Portale sowohl auf der Erde als auch auf dem Mars. Auch auf dem roten Planeten werden Hinterlassenschaften der untergegangenen Kultur entdeckt und untersucht. Offenbar haben auf dem Mars einst Menschen gelebt. Diese haben Genforschung betrieben und das künstliche Chromosom C24 entwickelt. Mit diesem zusätzlichen Chromosom wurden sie zu superstarken Übermenschen, die resistent gegen alle Krankheiten waren und deren Zellen sich nach Verletzungen unglaublich schnell regenerieren konnten. Die Marsbewohner waren einer unbekannten Bedrohung zum Opfer gefallen und hatten sich über das Portal zur Erde gerettet, wo sie vermutlich zu den Ahnen der heutigen Menschheit geworden sind. Die UAC erforscht jetzt natürlich die kommerzielle Nutzbarmachung von C24. Eines Tages ereignet sich in der Mars-Basis ein schrecklicher Zwischenfall. Einige Wissenschaftler werden von unbekannten Kreaturen angegriffen und niedergemetzelt. Einem davon gelingt es gerade noch, einen Notruf abzusetzen. Daraufhin wird eine militärische Spezialeinheit unter der Leitung des "Sarge" zum Mars geschickt. Die Soldaten sollen nach überlebenden Wissenschaftlern suchen und die Forscherin Samantha Grimm beschützen, während diese wichtige Daten aus den Stationscomputern herunterlädt. Ihr Bruder John Grimm, genannt "Reaper", ist einer der Soldaten. Er und seine Schwester haben vor vielen Jahren ihre Eltern bei einem Unfall auf dem Mars verloren.

In der Olduvai-Marsbasis bietet sich den Soldaten ein Bild des Grauens. Überall liegen entstellte Leichen (oder Teile davon) herum. Ein Überlebender wird gefunden, doch er verstümmelt sich selbst und beginnt sich auf eigenartige Weise zu verändern. Während Samantha mit dem Download der Daten beginnt, werden einige der Soldaten von monströsen Wesen attackiert und umgebracht. Es stellt sich heraus, daß die Monster das Ergebnis der Forschungen mit C24 sind. Dieses Chromosom verwandelt nämlich nur "gute" Menschen in Übermenschen. "Böse" Menschen, also solche, die ohnehin schon psychotisch, gewalttätig oder sonstwie gestört sind, werden in bizarre, monströse Geschöpfe transformiert, die alle "guten" Menschen töten und alle "bösen" Menschen zu ihresgleichen machen wollen. Genau das hat auch zu der Infizierung der Forscher auf dem Mars geführt. Sie haben C24 einem zum Tode verurteilten Verbrecher injiziert, der sich nach seiner Verwandlung natürlich mit Leichtigkeit befreien konnte. Dummerweise besteht die Kampfeinheit des Sarge hauptsächlich aus ziemlich unangenehmen Zeitgenossen, die zum bevorzugten Ziel der Infizierten werden. Der Sarge selbst ist auch nicht gerade zart besaitet. Als es nämlich einem Infizierten gelingt, durch das Portal zur abgesicherten Basis auf der Erde vorzudringen, gilt für ihn die Devise "Schadensbegrenzung": Mit seiner inzwischen stark zusammengeschmolzenen Kampfeinheit macht er sich daran, alle Forscher in der Basis umzubringen, um eine Ausbreitung der Gefahr mit hundertprozentiger Sicherheit zu verhindern. Sams Hinweis, daß nicht alle Menschen sich zwangsläufig in Monster verwandeln, interessiert ihn nicht.

Zurück auf der Erdbasis metzelt Sarge alles nieder und erschießt sogar einen seiner Männer, als der sich weigert, den Mordbefehl auszuführen. Doch dann fällt er selbst einem der vielen Infizierten zum Opfer. Am Ende sind nur noch John und seine Schwester Sam übrig. John ist so schwer verwundet, daß Sam keinen Ausweg mehr sieht: Sie injiziert ihm C24. Bei John hat das Chromosom die gewünschte Wirkung. Seine Wunden heilen und er wird zu einem Superkämpfer. Als er wieder zu sich kommt, ist Sam verschwunden. John sucht nach ihr, schnetzelt unterwegs ein paar Dutzend Ungeheuer und tritt letzten Endes Sarge gegenüber, der bereits infiziert ist und sich zu verwandeln beginnt. Die Kontrahenten sind ungefähr gleich stark, aber nach hartem Kampf gelingt es John, seinen ehemaligen Kommandeur durch das Portal zu schicken und eine Granate hinterherzuwerfen. Das ist nicht nur das Ende des Sarge, sondern auch der Olduvai-Basis. Sam ist wohlauf, gemeinsam mit ihr macht John sich auf den Weg nach Hause.

Der Film:

Dies ist die Verfilmung einer Spieleserie, die das Egoshooter-Genre begründet hat. Der Film orientiert sich stark am 3. Teil dieser Spieleserie, der 2004 in die Läden gekommen ist. Typisch für dieses Spiel und für das Genre ist dreierlei: 1. Eine Atmosphäre permanenter Spannung und Bedrohung, 2. Eine Vielzahl von ausgefallenen Monstern und Waffen, 3. Explizite Gewaltdarstellung. All das wurde in diesem Film umgesetzt, und zwar mehr (Pkte. 2 und 3) oder weniger gut (Pkt. 1). Und ich will gleich gestehen, daß ich bei "Doom" - sowohl beim Spiel als auch beim Film - recht viel Spaß hatte. Vielleicht sollte ich mich dafür schämen, denn objektiv betrachtet ist der Film eigentlich ziemlich schlecht. Zunächst einmal hat er praktisch keine Handlung - wie bei den meisten Monsterfilmen geht es nur darum, daß eine Gruppe von Menschen in eine ausweglose Situation gerät und nach und nach von irgendwelchen Ungeheuern auf interessante Weise in die ewigen Jagdgründe geschickt wird. Der Subplot um Reapers Eltern ist total sinnlos und versandet denn auch schnell. Die Charaktere sind platt und klischeehaft. Sie sind nur Kanonenfutter, das in Gefahr gebracht und getötet wird, oder das den Monstern in den Allerwertesten treten darf. Die Dialoge sind grenzdebil und oft unfreiwillig komisch. Zu viel Zeit wird auf das Pirschen durch viel zu dunkle Korridore verschwendet - während dieser Phase passiert einfach nichts und man wartet nur noch leicht genervt darauf, daß endlich eines der diversen Monster erscheint. Die Auswahl ist dann aber leider ziemlich mager: Ich konnte nur 2 oder 3 verschiedene Kreaturen (von den Zombies mal abgesehen) identifizieren. Und am Schluß wird einem noch nicht mal der unvermeidliche Faustkampf erspart...

Was beim Film völlig wegfällt, ist ein für die Spiele eigentlich sehr wichtiger Aspekt. Darin entstammen die Monster nämlich tatsächlich der Hölle und der Spieler gerät selbst dorthin. Davon ist im Film nicht die Rede, stattdessen wird eine pseudowissenschaftliche Erklärung konstruiert. Die ist allerdings bei näherer Betrachtung mehr als fragwürdig, denn Samanthas Theorie zufolge wäre es nur eine Frage der Gene und nicht des freien Willens, ob ein Mensch "gut" oder "böse" ist. Übrigens: Wenn die Marsbewohner sich mit Hilfe von C24 in Übermenschen verwandeln konnten, warum sind sie dann samt und sonders ihren "bösen Brüdern" zum Opfer gefallen oder mußten vor jenen zur Erde fliehen? Man muß sich nur mal ansehen, wie John Grimm mit den Fieslingen umspringt - da hätten die Marsbewohner doch eigentlich keine Probleme mit den Mutierten haben dürfen? Warum gibt es auf der Erde keine C24-Träger mehr? Nutzt sich das zusätzliche Chromosom über die Generationen hinweg etwa ab? Und wie haben die zur Erde geflüchteten Menschen ihre auf dem Mars zurückgebliebenen Feinde daran gehindert, das Portal einfach selbst zu nutzen und ihnen auf die Erde zu folgen? Fragen über Fragen. Aber haben die mich gestört? Nö. Bei "Doom" gilt die Devise: Hirn abschalten und Spaß haben.

Und den kann man durchaus haben. Abgesehen von der schon erwähnten zu langen Einführungsphase und der zu geringen Monsterauswahl bietet der Film nämlich alles, was man erwartet, wenn man Doom III gespielt hat. Wer das Spiel kennt, wird sich in den engen, dunklen Korridoren von Olduvai sofort "heimisch" fühlen, auch sonst wird er immer wieder nette Anspielungen auf das Game finden. Höhepunkte sind natürlich Auffindung und erster Einsatz der BFG sowie die leider viel zu kurze Sequenz, in der John Grimms Alleingang aus der Egoperspektive zu sehen ist. Spätestens bei dieser genialen Szene ist klar, daß der Film sich von jeglicher Ernsthaftigkeit verabschiedet hat. Sie enthält alles, was zu einem Egoshooter gehört: Magazinwechsel mitten im dicksten Gemetzel, Scharfschützen-Headshots, Granateneinsatz, Sprünge, Selbstheilung... und die gute alte Kettensäge. Mit Ekel-Effekten wird (zumindest in der Extended Edition) nicht gegeizt, auch die sonstigen Spezialeffekte können sich wirklich sehen lassen. Wenn ich auch im Fall der "Nanotüren" sagen muß, daß die Effekte wohl nur Selbstzweck sind, denn der Sinn dieser Tore hat sich mir nicht erschlossen.

Kurz gesagt: Der Film ist absoluter Blödsinn. Ich mag ihn trotzdem, denn ich habe nichts anderes erwartet.

Die DVD:

Das DVD-Menü ist dem PDA nachempfunden, das man aus dem Spiel Doom III kennt. Die Extras sind insgesamt nur ca. 30 Minuten lang. Man sieht, wie die Schauspieler von einem Ex-SAS-Soldaten an echten Waffen ausgebildet wurden, damit sie im Film überzeugend (und ohne sich selbst zu verletzen) agieren konnten. In einer zweiten Featurette wird die maskenbildnerische Verwandlung des Sarge in ein Monster gezeigt. Ganz interessant, aber wie alle Extras leider viel zu kurz, ist ein Beitrag, in dem man sich die verschiedenen Monster genauer anschauen kann. In diesem Film wurde nämlich auf gute alte Tricktechnik zurückgegriffen: Anstelle von CGI-Kreaturen wurden Schauspieler in Ganzkörperkostümen eingesetzt. Die Entstehung der Egoshooter-Sequenz wird in einer vierten Featurette erklärt, danach wird automatisch zu eben dieser Szene verzweigt, die dann gesondert abläuft. Trailer der Filme "Jarhead" und Serenity findet man ebenfalls bei den Extras, beide starten übrigens von selbst, sobald man die DVD einlegt.

Die DVD enthält eine Version des Films, die länger ist als die Kinoversion. Die Egoshooter-Sequenz ist etwas länger, es gibt ein paar mehr Dialoge und die recht eklige Autopsie eines Imps war meines Wissens in der Kinoversion auch nicht zu sehen.

J. Kreis, 19.04.2006
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