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Dead or alive Dead or alive (Japan, 1999)
- Dead or Alive: Hanzaisha -

DVD - Regionalcode 2, Rapid Eye Movies
FSK: 18
Laufzeit: ca. 105 Minuten

Extras
Biografien / Filmografien / Interview mit Takashi Miike (Texttafeln), Kinotrailer, Trailer zu anderen Filmen von Rapid Eye Movies

Regie:
Takashi Miike

Hauptdarsteller:
Riki Takeuchi (Ryuichi)
Sho Aikawa (Kommissar Jojima)




Inhalt

In Tokyo werden einige Yakuza-Oberhäupter von dem aus China übergesiedelten Ryuichi brutal ermordet. Ryuichi will sich selbst in der Unterwelt etablieren und räumt gnadenlos alle Konkurrenten aus dem Weg. Auch Ryuichis jüngerer Bruder Toji, dem er ein Studium in den USA ermöglicht hat, wird in die Auseinandersetzungen hineingezogen. Kommissar Jojima wird auf die Vorfälle aufmerksam und setzt sich auf die Spur Ryuichis, wobei er und sein Partner mindestens genauso brutal vorgehen wie die Gangster selbst. Für Jojima ist der Bandenkrieg eine Gelegenheit, von der Yakuza 20 Millionen Yen zu erpressen - genau die Summe, die er für die Operation seiner schwer herzkranken Tochter braucht.

Der Bandenkrieg fordert immer mehr Opfer. Ryuichis Freundin wird auf besonders grausame Weise von einem Yakuzaboß umgebracht. Ryuichi richtet daraufhin ein Gemetzel unter den rivalisierenden Gruppen an, die gerade ein Verbrüderungsfest feiern. Dabei verlieren auch Toji und Jojimas Partner ihr Leben. Als Jojima einen Drogendeal der Chinesen auffliegen lässt, ermordet Ryuichi Frau und Tochter des Kommissars. Jojima, der jetzt nichts mehr zu verlieren hat, stellt sich Ryuichi und dessen beiden letzten Kumpels zum Showdown.

Trennlinie

Hier mache ich mal einen Schnitt, denn dieser Showdown steht in solch krassem Widerspruch zum Rest des Films, dass offensichtlich wird: Dem Regisseur sind die Pferde durchgegangen und er stellt die ganze Geschichte völlig auf den Kopf. Jojima, der nach der Explosion seines Autos so schwer verletzt ist, dass er sich seinen nutzlosen linken Arm abreißen muss (komplett mit Oberarmkopf), steht am Ende nur noch Ryuichi gegenüber. Die beiden pumpen sich mit Blei voll und scheinen gleichzeitig tot umzufallen - nur um sich kurz vor dem Aufprall auf den Boden noch einmal abzufangen! Jojima zieht eine riesige Bazooka hinter dem Rücken hervor. Ryuichi kontert mit einer Energiekugel, die er sich aus der Brust reißt, um sie auf Jojima zu schleudern. Der schießt das Ding mit der Bazooka ab. Es gibt eine riesige Explosion, deren Druckwelle nicht nur ganz Japan verschlingt, sondern sich über die gesamte Erde ausbreitet - damit endet der Film...

Der Film:

Wenn man eine Review zu diesem Film schreibt, kommt man an der furiosen, ca. fünf Minuten langen Eröffnungssequenz nicht vorbei. Ryuichi und Jojima, die aus unerfindlichen Gründen einträchtig nebeneinander auf einem Holzsteg am Wasser kauern, zählen diese Szene an wie eine Rockband ihren Bühnenauftritt. So beginnt eine kaleidoskopartig zusammengeschnittene Höllenfahrt, bei der man Ryuichis ersten Anschlag auf die Yakuzachefs aus verschiedenen Blickwinkeln erlebt. Das Ganze gipfelt darin, dass einem der Gangster, der sich gerade einige Schalen mit Nudelsuppe einverleibt hat, die Eingeweide von hinten herausgeschossen werden. Die eben erst verspeisten Nudeln fliegen auf die Kamera zu, klatschen auf die Linse und beenden somit die Szene. Wenn man das gesehen hat, weiß man schon ziemlich genau, was einen in den nächsten 100 Minuten erwartet. Interessanterweise versteht man trotz dieses Chaos durchaus, was da vor sich geht - obwohl es fast keinen Dialog gibt.

Auf das absurde Ende wird man dadurch allerdings nicht einmal ansatzweise vorbereitet. Schließlich ist der Film ja ein "ganz normaler" (wenn auch recht brutaler) Yakuza-Thriller. Wenn er auch einige sehr ungewöhnliche Situationen enthält, etwa die Ermordung der Freundin Ryuichis, die in einem Gummi-Planschbecken voller Fäkalien ertränkt wird. Oder Jojimas Informant, der Sodomie-Pornos dreht. Im Vergleich mit anderen Werken Miikes wie Audition oder Visitor Q wirkt "Dead or Alive" trotz aller Gewalt geradezu "normal". Vor allem erhält man nicht den Eindruck, dass die Gewalt Selbstzweck ist oder verherrlicht wird (was jetzt nicht heißen soll, dass das in anderen Miike-Filmen der Fall wäre). Sie dient der Verdeutlichung des Sumpfs aus Verbrechen, Korruption, familiären Tragödien und Frauenfeindlichkeit, in dem die Akteure sich bewegen.

Ich weiß natürlich nicht, inwieweit das Bild einer bis ins Mark verrotteten Gesellschaft, das hier vermittelt wird, den wirklichen Verhältnissen in Japan entspricht - oder ob es die Sichtweise des Regisseurs wiedergibt. Deshalb kann ich auch nicht behaupten, der Film sei gesellschaftskritisch gemeint (ich nehme aber an, dass es so ist). Jedenfalls wird überdeutlich gezeigt, dass sich Polizei und organisiertes Verbrechen in dieser (fiktiven?) Welt kaum voneinander unterscheiden.

Auch wird niemand behaupten können, der Film sei langweilig oder der Regisseur sei einfallslos. Im Gegenteil: Man klebt bis zum Schluss gebannt vor der Glotze. Und spätestens bei diesem auf die Spitze getriebenen Schluss ist dann klar, dass Miike seinen eigenen Film wohl nicht ganz so ernst genommen hat...

Die DVD:

Leider kein erwähnenswertes Bonusmaterial. Das in Textform vorliegende Interview mit Takashi Miike ist dasselbe, das auch schon im Bonusmaterial der DVD "Audition" enthalten ist.

J. Kreis, 16.06.2006
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