Django Unchained


Django Unchained (USA, 2012)

Blu-ray, Sony Pictures Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 165 Minuten

Extras:
- Der Spaghettiwestern neu konzipiert: Die Pferde & Stunts in Django Unchained (13:51 Min.)
- Die Kostüme von Sharen Davis (12:07 Min.)
- In Erinnerung an J. Michael Riva: Das Production Design von Django Unchained (12:54 Min.)

Regie:
Quentin Tarantino

Hauptdarsteller:
Jamie Foxx (Django Freeman)
Christoph Waltz (Dr. King Schultz)
Leonardo DiCaprio (Calvin Candie)
Kerry Washington (Broomhilda von Shaft)
Samuel L. Jackson (Stephen)




Story

Im Jahre 1858 ist der Sklavenhandel ein sehr einträgliches Geschäft für die Weißen. Die rechtlosen Sklaven haben in dieser Zeit Schreckliches zu erdulden. Django und seine Frau Broomhilda haben versucht, ihrem Sklavendasein auf einer Plantage zu entfliehen. Sie wurden gefasst, ausgepeitscht, gebrandmarkt und getrennt verkauft. Dr. King Schultz, ein Zahnarzt aus Deutschland, der sich seit einigen Jahren als Kopfgeldjäger in Amerika betätigt, verabscheut die Sklaverei. Dennoch erwirbt er Django, denn er braucht jemanden, der das Aussehen der steckbrieflich gesuchten Brittle-Brothers kennt, und dieser Jemand ist Django. Den Brittles hat er die Trennung von Broomhilda zu verdanken. Schultz und Django schließen ein Zweckbündnis. Django soll dem Deutschen bei der Jagd nach den Brittle-Brothers helfen, danach ist er ein freier Mann und erhält obendrein einen ansehnlichen Lohn. Django willigt ein. Die Brittles sind schnell gefunden und bezahlen mit ihrem Leben für alles, was sie Django und seiner Frau angetan haben. Danach stellt Django seine außerordentlichen Schießkünste beim Kampf gegen den Ku-Klux-Klan unter Beweis. Schultz erfährt, dass Django nach seiner Frau sucht, und macht ein neues Angebot. Django soll bis zum Ende des Winters mit Schultz als Kopfgeldjäger arbeiten, danach wird Schultz ihm bei der Suche nach Broomhilda helfen. Während des sehr lukrativ verlaufenden Winters wird aus der Zweckgemeinschaft der beiden Männer echte Freundschaft.

Schultz löst seinen Teil des Abkommens ein, sobald der Schnee schmilzt. Er bringt in Erfahrung, dass Broomhilda von einem gewissen Calvin Candie gekauft wurde, der eine als Candyland bekannte Plantage in Mississippi betreibt und tödliche Kämpfe mit Sklaven (Mandingo-Kämpfe) organisiert. Schultz geht davon aus, dass sich der ebenso reiche wie grausame Candie weigern wird, Broomhilda zu verkaufen. Um trotzdem an den Plantagenbesitzer heranzukommen, gibt Schultz vor, er interessiere sich für einen Mandingo-Kämpfer aus Candies Bestand. Django spielt die Rolle eines schwarzen Sklavenhändlers, der Schultz berät. Mit dem absurd hohen Gebot von 12.000 Dollar weckt Schultz Candies Interesse. Der nicht besonders kluge Gernegroß nimmt seine neuen Kunden mit nach Candyland. Django beherrscht sich nur mit Mühe, als er sieht, wie Broomhilda misshandelt wird, weil sie wieder einmal fliehen wollte. Schultz arrangiert ein heimliches Treffen für Django und Broomhilda. Er lässt es so aussehen, als sei er selbst an der schönen jungen Frau interessiert, da sie Deutsch spricht. Gegen einen kleinen Aufpreis ist Candie gern bereit, ihm eine Kaufurkunde für Broomhilda auszufertigen.

Alles scheint perfekt zu laufen, doch Stephen, Candies alter und trotz grantiger Aufmüpfigkeit treu ergebener Haussklave, durchschaut den Schwindel und warnt seinen Herrn. Verärgert verlangt Candie nun 12.000 Dollar für Broomhilda. Schultz kann die Summe durchaus aufbringen, aber er ist nicht bereit, das Geschäft wie von Candie verlangt per Handschlag zu besiegeln. Als Candie mit Broomhildas Ermordung droht, geht Schultz zum Schein auf die Forderung ein und tötet Candie mit einer im Jackettärmel verborgenen Derringer, woraufhin er von Candies Leibwächter erschossen wird. Django wehrt sich verzweifelt gegen Candies Schergen, hat aber keine Chance gegen die Übermacht. Er muss sich ergeben, denn Stephen benutzt Broomhilda als Geisel. Nun soll Django an eine Mine verkauft werden, wo er sich zu Tode schuften soll. Er wird von Angestellten der Mine abtransportiert, kann diese jedoch dazu bringen, mit ihm gemeinsame Sache zu machen. Er trägt noch den Steckbrief für eine Verbrecherbande bei sich, die er und Schultz längst unschädlich gemacht haben. Django behauptet, dass sich die Verbrecher in Candyland versteckt halten. Die Aufpasser geben Django leichtsinnigerweise eine Waffe.

Django erschießt die überraschten Männer, schnappt sich ein Pferd sowie Dynamit aus den Vorräten der Minenangestellten und reitet zurück nach Candyland. Unterwegs überrumpelt er einige von Candies Revolvermännern und tötet sie. Am Ziel angekommen verabschiedet sich Django von seinem toten Freund, dessen Leiche achtlos beiseite geworfen wurde. Er findet die Kaufurkunde in Schultz' Tasche. Django befreit Broomhilda, die in einer Hütte eingeschlossen wurde, und wartet im Herrenhaus, bis Candies Angehörige vom Begräbnis zurückkommen. Er tötet alle Weißen und lässt die Schwarzen gehen. Nur Stephen hat keine Gnade zu erwarten. Django schießt ihm in beide Knie und lässt ihn im Haus zurück, das er mit dem Dynamit in die Luft jagt. Anschließend reiten Django und Broomhilda davon.


Kringels Meinung

Bis Mitte/Ende der Siebziger gab es eine wahre Flut von Westernfilmen und -serien, aber dann folgte eine jahrzehntelange Flaute. Ich würde sogar sagen, dass der Western so gut wie tot ist. Schon merkwürdig, dass ein ganzes Genre quasi sterben kann... Es kamen natürlich immer wieder mal große Westernfilme ins Kino, man denke nur an "Der mit dem Wolf tanzt" oder das "True Grit"-Remake. Wiederbelebt wurde das Genre dadurch aber nicht, auch nicht durch "Django Unchained". Dieser Film ist wahrscheinlich sowieso anders gemeint, eher als Hommage an die Italowestern, insbesondere die "Django"-Filme, die Quentin Tarantino nach eigenem Bekunden liebt. Ich mag Western auch, muss aber zu meiner Schande gestehen, dass ich noch keinen einzigen "Django"-Film gesehen habe. Auch sonst kenne ich nur ganz wenige Italowestern, selbst "Spiel mir das Lied vom Tod" befindet sich noch nicht in meiner Sammlung. Deshalb kann ich nicht beurteilen, ob die Hommage als gelungen bezeichnet werden kann und bis auf die Szene mit Franco Nero habe ich keine der zweifellos zahlreich vorhandenen Anspielungen verstanden. Das ist aber auch egal, denn als opulentes Westernepos ist "Django Unchained" meiner bescheidenen Meinung nach definitiv kultverdächtig. Wenn Quentin Tarantino einen Western macht, dann kann man davon ausgehen, dass weit mehr als nur ein Film mit Cowboys und Pferden dabei herauskommt! Schon Kostüme, Sets und Ausstattung sind einfach wundervoll, von den herrlichen Landschaftsaufnahmen ganz zu schweigen. Jede einzelne Szene ist ein kleines mit Details nur so vollgestopftes Kunstwerk.

Obige Zusammenfassung gibt nur einen Bruchteil dessen wieder, was in "Django Unchained" geschieht. Um diesen Kern herum ranken sich unzählige Nebenhandlungen, kleine Episoden und Vignetten. Diese Überfülle ist typisch für Tarantinos Filme, diesmal allerdings habe ich sie eher als störend empfunden. Anders als zum Beispiel beim vermeintlichen Durcheinander von Pulp Fiction kommt der Erzählfluss manchmal ins Stocken und ich hatte den Eindruck, dass Tarantino einzelne Figuren, zum Beispiel eine maskierte Menschenjägerin in Candies Diensten, mehr oder weniger groß einführt, dann aber vergisst. Ein zentrales Thema ist jedenfalls die Sklaverei. Ich habe schon lange keinen Film mehr gesehen, in dem dieses unmenschliche, menschenverachtende System so dargestellt wurde wie bei Tarantino. Niemand außer Dr. King Schultz sieht in Django einen Menschen. Für alle anderen ist er nur Material, ein Werkzeug, mit dem man tun und lassen kann, was immer man will, und das man nach Gebrauch wegwirft. Ein Tier, das man in brandmarkt, nach Belieben ausnutzt und zum eigenen Vergnügen bis zum Tod gegen andere "Tiere" kämpfen lässt. Django scheint sich anfangs selbst nicht darüber im Klaren zu sein, was er von diesem merkwürdigen Typen halten soll, der mit ihm umgeht wie mit seinesgleichen. Als die beiden durch ein Städtchen reiten, starren die Leute dort nicht etwa Schultzens bizarre Kutsche an. Nein, ihnen bleibt der Mund offen stehen, weil sie noch nie einen Schwarzen auf einem Pferd gesehen haben oder sich hätten vorstellen können, dass es so etwas überhaupt gibt!

Typisch neben köstlichen Momenten wie dem gescheiterten Angriff des Ku-Klux-Klans (Grund: Die Masken wurden so dilettantisch hergestellt, dass die Männer nichts sehen können) sind auch Szenen, in denen der unvermeidliche Gewaltausbruch durch lange Dialoge immer weiter hinausgezögert wird. Und die Gewaltdarstellung hat es in sich, ist aber wiederum derart übersteigert, dass man sie nicht unbedingt als "realistisch" bezeichnen kann. Das Kunstblut spritzt also literweise durch die Gegend, doch man sollte nicht glauben, "Django Unchained" beziehe die Spannung nur aus Schießereien und dergleichen. Im Grunde ist die Vorbereitung der Gewaltspitzen spannender als die Kämpfe selbst. Die Schauspieler sind allesamt derart grandios, dass ich nicht weiß, wen ich am meisten loben soll! Vor allem zeigt Leonardo DiCaprio wieder einmal, dass er mehr vorzuweisen hat als ein hübsches Gesicht. Er spielt den sehr von sich eingenommenen Gernegroß absolut glaubwürdig. Samuel L. Jackson übertreibt es ein wenig mit der Grantigkeit seiner Figur, aber in diesen Film passt das doch sehr gut hinein. Jamie Foxx wandelt sich vom hilflosen Sklaven zum coolen Revolverhelden, schießt den Vogel aber durch die Kostümwahl für ein von Schultz erdachtes Täuschungsmanöver ab: In blauer Livree posiert er als dessen Diener. Schultz wiederum wird derart unvergleichlich von Christoph Waltz verkörpert, dass sein Tod wirklich weh tut. Endlich mal ein positiv dargestellter Deutscher in einem US-Film! Und dabei ist Waltz Österreicher...


Blu-ray-Features

Die drei relativ kurzen Featurettes lassen erahnen, welch enormer Aufwand für diesen Film betrieben wurde. Die wundervollen Kostüme, die prächtigen Sets, monatelanges Training mit Stuntleuten und Pferden für eine einzige Szene... Und man erfährt, dass Production Designer J. Michael Riva während der Dreharbeiten verstorben ist. Das Bonusmaterial besteht zum großen Teil aus Filmausschnitten und knappen Interviews, ist insgesamt aber doch ganz sehenswert. Und trotz riskanter Stunts darf die Crew stolz darauf verweisen, dass kein Pferd verletzt wurde. Sehr lobenswert!


J. Kreis, 24.06.2015




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