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deranged Deranged (USA, 1974)
DVD - Regionalcode 2, Legend Home Entertainment
FSK: 16
Laufzeit: ca. 80 Minuten

Extras
Deranged Chronicles: The Making of "Deranged" - The Ed Gein Story: Producer Tom Karr on Location - Ed Gein: American Maniac. True Crime-Dokumentation - Das Sequel, das keines war: Hinter den Kulissen von "Creep" - 3 Trailer

Regie:
Jeff Gillen und Alan Ormsby

Hauptdarsteller:
Roberts Blossom (Ezra Cobb)
Cosette Lee (Mutter)
Micki Moore (Mary)
Pat Orr (Sally)




Inhalt:

Ezra ("Ez") Cobb lebt seit dem frühen Tod seines Vaters ganz allein mit seiner Mutter auf einer alten, abgelegenen Farm. Mutter und Sohn sind völlig voneinander abhängig. Die Mutter deshalb, weil sie wegen einer Krankheit ans Bett gefesselt ist und von Ez gepflegt werden muß, der Sohn deshalb, weil er emotional voll und ganz auf seine Mutter fixiert ist. Ez hat praktisch keine anderen menschlichen Kontakte und obwohl er schon über vierzig ist, hatte er noch niemals irgend etwas mit einer Frau zu tun. Der Grund dafür ist der religiöse Fanatismus von Mutter Cobb. Sie wird nicht müde, Ez einzureden, Frauen seien die Verkörperung des Bösen. Als Mutter Cobb stirbt, will Ez ihren Tod nicht wahrhaben. In seiner Einsamkeit und Verzweiflung bildet er sich ein, sie schliefe nur, und fängt an ihre Stimme zu hören. Schließlich gräbt er die Tote aus und holt sie nach Hause. Dummerweise ist schon ein Jahr seit Mutters Tod vergangen und die Leiche ist stark verwest. Ez beschäftigt sich deshalb mit Möglichkeiten zur Präparation und Konservierung, dabei ist eine andere Lösung viel naheliegender. Bei den Nachbarn, für die er kleine Arbeiten verrichtet und bei denen er essen darf, erfährt er, wofür Zeitungs-Todesanzeigen gut sind. Für Ez haben sie praktischen Nutzen, denn so weiß er immer, wo gerade eine "frische" Leiche beerdigt wurde. Künftig betätigt er sich als Grabräuber und holt des öfteren "Ersatzteile" für Mutters immer mehr zerfallenden Körper. Manchmal nimmt Ez auch ganze Leichen mit - um Gesellschaft zu haben...

Eines Tages hat der inzwischen völlig geistesgestörte Mann sein Junggesellendasein satt und sucht sich eine Frau. Seine erste Bekanntschaft ist eine ehemalige Bekannte seiner Mutter. Mit ihr ist Ez aber nicht zufrieden, er hält sie für verrückt, weil sie mit ihrem verstorbenen Mann redet (zur Erinnerung: Ez denkt, daß seine Mutter nicht tot ist, sondern nur schläft). Als sie ihn ins Bett zu ziehen versucht, erschießt er sie. Dann wird er auf eine junge, attraktive Kellnerin aufmerksam. Mit einem Trick lockt er sie in die Farm und präsentiert ihr die Leichen-Gesellschaft sowie einige nützliche Utensilien, die er aus Leichenteilen gebastelt hat, u.a. eine mit menschlicher Haut bezogene Trommel, ein Schädel zur Aufbewahrung von Brötchen und eine mit menschlichem Darm bespannte Geige... Als die unverständlicherweise nicht so begeisterte junge Frau zu fliehen versucht, erschlägt Ez sie mit einem Oberschenkelknochen.

Ezras nächstes Opfer ist die Freundin des Sohns seiner Nachbarn. Er schießt sie in dem Laden nieder, in dem sie arbeitet. Das Mädchen ist aber noch am Leben und flüchtet in den verschneiten Wald. Dort tritt sie in eine Bärenfalle, die ausgerechnet ihr jagdbegeisterter Freund dort ausgelegt hat. Ez tötet das hilflose Mädchen und hängt sie kopfüber in seiner Scheune auf, um sie auszuweiden, dreht angesichts ihres nackten Körpers aber völlig durch. Währenddessen findet der Freund des Opfers die Spuren des Kampfs, sein Verdacht fällt sofort auf Ez, obwohl jeder andere steif und fest behauptet, der unauffällige, nette Kerl sei zu keiner Gewalttat fähig. Mit dem Sherriff fährt man zur Cobb-Farm und findet dort die noch tropfende, aufgehängte Tote - und Ez, der irre kichernd in der völlig verdreckten, mit Leichenteilen übersäten Küche sitzt...

Der Film:

Dies ist einer von vielen Filmen, die ihr Thema einem der bekanntesten Kriminalfälle der USA zu verdanken haben. Andere Beispiele sind: "Psycho", "The Texas Chainsaw Massacre" und "Das Schweigen der Lämmer". All diese Filme basieren auf dem Fall des Serientäters Ed Gein, der in den Fünfzigerjahren in Wisconsin Leichen geschändet, mehrere Frauen umgebracht, teilweise verspeist und teilweise zu Gebrauchsgegenständen verarbeitet haben soll. Gein hatte sich auch eine Art Anzug aus der Haut seiner Opfer angefertigt, um sich in eine Frau verwandeln zu können. Nach seiner Verhaftung hat Gein noch 27 Jahre lang in einer geschlossenen Anstalt gelebt und ist im Jahre 1984 gestorben. Im Gegensatz zu den anderen Filmen, die nur einzelne Elemente dieser grausigen Story verwenden, hält sich "Deranged" in fast allen Details sehr eng an die tatsächlichen Ereignisse und an die Taten Ed Geins. Im Vorspann wird denn auch betont, daß es sich um eine wahre Geschichte handele und daß nur die Namen geändert worden seien. Einziger gravierender Unterschied: Gein hat nie seine Mutter exhumiert.

Jetzt klingt diese Geschichte nach echtem Horror und man könnte meinen, daß eine detailgenaue Verfilmung eine wahre Splatter-Orgie sein müßte. Dem ist aber nicht so. Es gibt zwar durchaus einige blutige Szenen (vor allem eine, von der unter "Die DVD" noch die Rede sein wird), diese bilden aber nicht den Schwerpunkt des Films. Zentrales Thema ist vielmehr Ezras verdrehte Vorstellungswelt und sein Wahnsinn. Als Horrorfilm ist "Deranged" nicht angelegt und würde als solcher auch schon deshalb gar nicht funktionieren, weil immer wieder ein Erzähler ins Bild tritt, der Ezras Taten kommentiert und die Hintergründe darlegt. Mich hat das ein wenig an die Auftritte des Historikers in Ritter der Kokosnuss erinnert, aber das war sicher nicht beabsichtigt. Man wollte wohl eher versuchen, die bizarrsten Szenen durch diese Art der rationalen Erklärungen etwas zu entschärfen, damit der Zuschauer nicht gar zu verstört ist. Das bedeutet aber auch, daß wirkliche Spannung wegen dieser Unterbrechungen nicht aufkommen kann. Der Film ist nicht darauf zugeschnitten, Furcht zu erzeugen (bis auf eine spezielle Szene, in der Ez sein "Frauenkostüm" trägt und ein Opfer verfolgt - schauder). Man soll sich also nicht fürchten oder ekeln, sondern Ezras Geisteskrankheit verstehen.

Zusammen mit der schauspielerischen Leistung des Hauptdarstellers, der den verklemmten und zurückgebliebenen Ez ziemlich überzeugend verkörpert (ich wäre dem Typen jedenfalls nicht gern im Dunkeln begegnet!), entsteht in "Deranged" eine ganz eigenartige, düstere Atmosphäre. Manchmal wirkt Ez einfach nur kauzig und verschroben, dann aber wieder verschlagen und total durchgedreht. "Bizarr" ist vielleicht das beste Wort dafür, denn es gibt einfach zu wenig Suspense und andere Grusel-Elemente in dem Film. Manche Szenen enthalten sogar einiges an (unfreiwilliger?) Komik. Das kann auch daran liegen, daß Ez manchmal ein wenig aussieht wie Otto Waalkes... Obwohl "Deranged" also gar nicht so recht ins Horror-Genre passt, ist er dennoch ein Klassiker, den man kennen sollte. Der positive Gesamteindruck wird allerdings etwas durch die deutschen Synchronsprecher getrübt. Nebenpersonen geben ihre Dialogzeilen nämlich teilweise ziemlich emotionslos und/oder schleppend von sich.

Die DVD:

Der Film war lange Zeit in Deutschland nicht bzw. nur in einer leicht gekürzten Fassung erhältlich. In der jetzigen DVD-Veröffentlichung ist die fehlende Szene wieder enthalten. Es ist eine ca. 80 Sekunden lange Sequenz, in der Ez einen Schädel präpariert, um die Gesichtshaut für Mama verwenden zu können. Erst löffelt er ein Auge heraus, dann hebt er die Schädeldecke ab und entfernt das Gehirn... Diese nachträglich wieder eingefügte Szene hat eine schlechtere Bild- und Tonqualität als der restliche, ziemlich gut aussehende Film. Sie wurde auch nicht synchronisiert, d.h. sie hat englischen Ton mit Untertiteln.

Die DVD-Extras sind durchaus nicht uninteressant, liegen aber alle in einer ziemlich schauderhaften Bild- und Tonqualität vor. Drei Extras sind besonders erwähnenswert: Das "Making of" ist ein knapp 40-minütiger Beitrag, in dem Aufnahmen von den Dreharbeiten gezeigt werden. Diese wurden offensichtlich mit einer kleinen Handkamera gedreht und haben keinen Ton, aber das wird durch einen Audiokommentar von SFX-Legende Tom Savini mehr als wettgemacht. Savini hat seinen Kommentar nämlich live improvisiert, während er selbst sich die alten Aufnahmen angesehen hat. In "The Ed Gein Story" erzählt Produzent Tom Karr die wahre Geschichte des weltbekannten Serientäters, und zwar an zwei Originalschauplätzen: Er steht auf dem ehemaligen Gelände der Gein-Farm und auf dem Friedhof von Geins Heimatort. Auch dieser Beitrag kommt mir ein wenig improvisiert vor. Karr streut ein paar Scherze ein, indem er z.B. ein paar Requisiten aus dem Film (präparierte Schädel und Skelett-Arme) auf Grabsteine legt... Die gleiche Geschichte bekommt man auch nochmal in "Ed Gein: American Maniac" zu hören, allerdings auf ganz andere Weise. Diese Dokumentation wurde noch zu Lebzeiten Geins gedreht, sie wird von einem Reporter kommentiert, der damals vor Ort recherchiert und u.a. die ermittelnden Polizeibeamten interviewt hat. In diesem Beitrag bekommt man einige Original-Fotos von Geins Opfern zu sehen, und dafür braucht man schon ein etwas abgehärtetes Gemüt! Hervorheben muß ich auch noch das sehr ausführliche Booklet. Insgesamt bietet die DVD eine sehr ordentliche Sonderausstattung - diese hat sogar eine längere Laufzeit als der Hauptfilm...

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