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Der Pate Der Pate (USA, 1972)
- The Godfather -

DVD - Regionalcode 2, Paramount
FSK: 16
Laufzeit: ca. 168 Minuten

Extras
Audiokommentar des Regisseurs

Regie:
Francis Ford Coppola

Hauptdarsteller:
Marlon Brando (Don Vito Corleone)
Al Pacino (Michael Corleone)
James Caan (Santino Corleone - "Sonny")
Robert Duvall (Tom Hagen)
Diane Keaton (Kay Adams)
Simonetta Stefanelli (Apollonia Vitelli-Corleone)




Inhalt

Der Corleone-Clan ist eine der "Familien", die das organisierte Verbrechen im New York des Jahres 1945 kontrollieren. Don Vito Corleone, "Der Pate", ist unangefochtenes Oberhaupt seiner Familie. Es besteht ein zerbrechliches Gleichgewicht gegenseitiger Abhängigkeiten und Verpflichtungen. Ein Clan duldet den anderen, man teilt die Märkte und Stadtteile unter sich auf. So geht alles seinen geregelten Gang. Alles ändert sich, als der Drogenhandel in den USA aufkommt. Don Vito hält ihn für ein schmutziges Geschäft, will nicht mit einsteigen und schlägt das Angebot eines Großdealers deshalb aus. Damit verweigert Don Vito gleichzeitig den anderen Familien seine Unterstützung, da nur er jene korrupten Polizisten und Politiker in der Tasche hat, die dem Drogenhandel Sicherheit verschaffen könnten. Da er zu Recht annimmt, dass die anderen Familien auf Rache sinnen, lässt er den Dealer bespitzeln. Damit begeht er jedoch einen fatalen Fehler. Der Spitzel fliegt auf und wird ermordet, Don Vito selbst wird auf offener Straße niedergeschossen. Er überlebt zwar, kann den Clan aber zunächst nicht weiterführen.

Deshalb übernimmt sein etwas zu hitzköpfiger ältester Sohn Santino, genannt "Sonny", die Familiengeschäfte. Er sinnt auf Rache, zu deren Vollstrecker aber überraschenderweise Don Vitos jüngster Sohn Michael wird, der bis zu dem Mordanschlag nichts mit den verbrecherischen Machenschaften seiner Familie zu tun haben wollte. Er verhindert einen weiteren Anschlag auf Don Vito, der immer noch im Krankenhaus liegt, und tötet den Großdealer sowie einen Polizeioffizier, die er für die Haupttäter hält. Doch damit heizt er den Machtkampf nur noch mehr an. Michael muss für einige Monate verschwinden, er geht nach Sizilien. Während er sich dort in Apollonia, die Tochter eines Gastwirts, verliebt und sie später auch heiratet, spitzt sich die Situation in New York zu. Die Familien verbünden sich gegen den Corleone-Clan, Sonny wird in eine Falle gelockt und erschossen. Die Gewalt dringt auch in Michaels sizilianische Zuflucht vor: Ein Verräter verübt einen Mordanschlag auf Michael, dem aber Apollonia zum Opfer fällt. Michael kehrt daraufhin nach New York zurück.

Der Pate ist inzwischen, wenn auch geschwächt, ebenfalls nach Hause zurückgekehrt. Er bemüht sich um Frieden und schließt ein Abkommen mit den anderen Familien. Als Michael wieder da ist, überläßt er ihm die Geschäfte und zieht sich ins Privatleben zurück. So ist es ihm vergönnt, einen friedlichen Tod zu sterben: Beim Spielen mit einem Enkelkind erliegt er einem Herzinfarkt. Nach dem Tod des Paten wird Michael endgültig zum Familienoberhaupt. Er, der immer ein bürgerliches Leben angestrebt hat, erweist sich als viel skrupelloser und gewalttätiger als sein Vater. Gnadenlos spürt er alle Verräter auf und läßt sie ebenso umbringen wie die Oberhäupter der gefährlichsten feindlichen Clans. Dabei schreckt er nicht einmal vor einem Mord am Ehemann seiner Schwester zurück. Nachdem die Situation bereinigt ist, siedelt der Clan nach Las Vegas um.

Der Film:

Dieses zeitlose Meisterwerk der Filmgeschichte wurde schon unzählige Male kommentiert. Dem kann ich nur meine bescheidenen persönlichen Eindrücke hinzufügen...

Obige Handlungszusammenfassung beschränkt sich auf das bloße Gerüst, das diesen opulenten, fast drei Stunden langen Film zusammenhält. Das zentrale Thema des Films ist eigentlich nicht der Mafia-Krieg, der übrigens in recht expliziten Gewaltszenen gezeigt wird. In "Der Pate" geht es vielmehr um die eigenartige Verflechtung von Familie, Ehre und Verbrechen, in deren Zentrum der Patriarch steht. Dieses Thema wird schon in den ersten Szenen des Films deutlich, allerdings nimmt der Regisseur sich viel Zeit dafür. Man stelle sich vor: Die erste halbe Stunde des Films besteht praktisch ausschließlich aus der Hochzeit einer Tochter des Paten! Gleichzeitig sieht man aber, wie Don Vito einigen Bittstellern Audienzen gewährt und wie er von anderen Mafiagrößen belauert wird. Ohne weitschweifige Erklärungen wird auf diese Weise klar, was das für eine Familie ist. Das Wort "Mafia" fällt im Film übrigens kein einziges Mal. Lediglich eine makabre Anekdote, die Michael über seinen Vater erzählt (das berühmte Angebot, das man nicht ablehnen kann), dient der Verdeutlichung.

Man empfindet fast so etwas wie Sympathie für den alternden Paten, der um Frieden bemüht ist, dabei aber nicht erkennt, dass die Zeiten sich endgültig geändert haben. Er ist freundlich, mitfühlend, hat ebenso viel Sinn für Familie wie für Gerechtigkeit. Dabei vergisst man leicht, dass er selbst einen langen, gewalttätigen Weg hinter sich haben muss und kaum "besser" sein kann als die anderen Dons. Durch Michaels "Karriere" wird das dem Zuschauer dann wieder vor Augen geführt. Dem Zuschauer geht es ein wenig wie den anderen Familienmitgliedern, die nichts mit den "Geschäften" zu tun haben: Letztere wissen nicht viel von den Verbrechen, die ihre Väter, Ehemänner und Söhne tagtäglich begehen - sie sollen und wollen aus diesen Angelegenheiten herausgehalten werden, damit sie das scheinbar intakte Leben einer italienischen Großfamilie weiterführen können, ohne das auch der Pate nichts weiter wäre als ein brutaler Schwerkrimineller. So können Don Vito und Michael in ihrer in sich geschlossenen Welt leben und weiter daran glauben, sie würden alles nur für "die Familie" tun...

Wie schon gesagt, wird in "Der Pate" nicht viel erklärt, was auch gar nicht nötig ist. Die Dinge entwickeln sich einfach, sie folgen bestimmten Regeln und werden nur gezeigt - und zwar in wunderbaren Bildern und langen Einstellungen. Bei der Ausstattung wurde darauf geachtet, dass auch die kleinsten Details authentisch sind. Man kann also problemlos in die Welt der Vierzigerjahre "eintauchen". Die Schauspieler leisten geradezu Unglaubliches. Insbesondere Marlon Brando: Er ist der Pate - mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Al Pacinos Rolle finde ich nicht ganz so gut, denn seine Wandlung vom distanzierten Beobachter zum Haupttäter ist nicht ganz nachvollziehbar. Man versteht nicht recht, was denn nun der Auslöser für diese 180-Grad-Wendung war: Der Anschlag auf seinen Vater, Apollonias Tod oder was sonst? Welchen Wert misst Michael wohl der Familie bei, wenn er a) erst Kay verlässt und dann b) sofort nach Apollonias Tod zu ihr zurückkehrt?

Die DVD:

Diesen Film gibt es im Handel sowohl als preisgünstige Single-Disc-Edition, als auch in einer DVD-Box mit den beiden Fortsetzungen. Der Audiokommentar des Regisseurs ist zwar das einzige Extra der Single-Disc-Edition (die DVD-Box enthält eine Fülle weiterer Extras), aber er ist so ausführlich, dass man ihn durchaus als "Making of" bezeichnen kann. Coppola scheut sich übrigens auch nicht, diverse Mißstimmigkeiten herauszustellen, die er mit der Filmgesellschaft und mit dem Produzenten hatte. Kaum zu glauben: Coppola musste sich ihnen gegenüber sogar bezüglich der Hauptdarsteller durchsetzen...

J. Kreis, 26.05.2006
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