Defendor


Defendor (Kanada/USA/GB, 2009)

DVD Regionalcode 2, Sony Pictures Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 97 Min.

Extras
- Audiokommentar
- Entfallene Szenen (7:28 Min.)
- Versprecher (2:25 Min.)
- Dokumentationen (56:40 Min.)
- Trailer

Regie:
Peter Stebbings

Hauptdarsteller:
Woody Harrelson (Arthur Poppington / Defendor)
Kat Dennings (Katerina Debrofkowitz)
Elias Koteas (Chuck Dooney)
Michael Kelly (Paul Carter)
Sandra Oh (Dr. Ellen Park)
A. C. Peterson (Radovan Kristic)
Clark Johnson (Roger Fairbanks)




Story

Tagsüber ist Arthur Poppington ein einfach strukturierter Bauarbeiter. Sein Freund Paul Carter kümmert sich ein wenig um ihn. In der Nacht verwandelt sich Arthur mit schwarzer Kleidung, einem Stahlhelm, improvisierter Kampfausrüstung und einer aufgemalten Gesichtsmaske in "Defendor", einen Superhelden, der gegen das Böse kämpft. Seine Aktionen dokumentiert Defendor mit einer am Helm angebrachten Videokamera. Defendor ist auf der Suche nach seinem Erzfeind "Captain Industry", der Arthurs drogensüchtige Mutter auf dem Gewissen hat. Seine Basis ist eine Werkshalle, in der sein Einsatzfahrzeug (ein Bautruck, der teilweise durch Sprachbefehle ferngesteuert werden kann) steht. Defendor ist bald polizeibekannt, Captain Fairbanks hält ihn aber für harmlos und lässt ihn laufen. Arthur wird regelmäßig zusammengeschlagen, unter anderem von Sergeant Dooney, einem korrupten Polizisten. Die junge Prostituierte Kat hilft dem blutend am Boden liegenden Superhelden. Sie quartiert sich bei ihm ein und nutzt ihn aus, indem sie sich für angebliche Informationen über Captain Industry bezahlen lässt. Allmählich werden die beiden zu Freunden. Kat deutet an, Radovan Kristic, Oberhaupt der serbischen Mafia, sei Captain Industry. Arthur findet heraus, dass Dooney für Kristic arbeitet, und dass eine größere Lieferung von Waffen und Mädchen erwartet wird. Mit seinen Ermittlungen behindert Arthur eine von Fairbanks initiierte Aktion gegen Kristic. Ein Undercover-Agent wurde in Kristics Organisation eingeschleust. Der Mann fliegt auf, als er auf Arthur schießt, denn seine Waffe ist nur mit Übungsmunition geladen. Der Agent und das Observationsteam werden getötet.

Arthur wurde zwar von Kristics Leuten krankenhausreif geschlagen, ist jetzt aber davon überzeugt, dass Kugeln ihm nichts anhaben können. Kat besucht ihn am Krankenbett und erzählt ihm, dass sie als Kind von ihrem Vater missbraucht wurde. Arthur knöpft sich den Mann vor und wird postwendend verhaftet. So entgeht er Kristics Schergen, die ihn im Krankenhaus ermorden wollten. Die Psychologin Dr. Park soll Arthurs Geisteszustand beurteilen und erfährt von seinem Alter Ego. Sie kommt zu dem Schluss, dass Arthur nicht schuldfähig ist und einen Gefängnisaufenthalt nicht überleben würde. Bei der Gerichtsverhandlung setzt sich Paul für Arthur ein und bietet an, ihn bei sich aufzunehmen. Er will dafür sorgen, dass Arthur sein Superheldendasein aufgibt. Der Richter willigt ein, zumal sich das Interesse der Medien auf Defendor gerichtet hat - die Öffentlichkeit bewertet seine Taten durchaus positiv. Aus demselben Grund lässt Kristic ihn vorerst in Ruhe, aber er muss sicherstellen, dass Arthur nichts über seine Erkenntnisse ausplaudert. Dooney ist über Arthurs Freundschaft mit Kat im Bilde. Die junge Frau wird entführt, Arthur erhält einen Drohbrief. Dadurch wird aber das Gegenteil erreicht: Defendor zieht erneut in den Kampf. Kat befreit sich allerdings selbst und jagt Dooney eine Kugel in einen besonders empfindlichen Körperteil.

Defendor holt zum entscheidenden Schlag aus. Er informiert Fairbanks über die von Kristic erwartete Lieferung und fährt mit seinem präparierten Truck zum Ort des Geschehens, wobei er eine aus Magnesiumfackeln bestehende Spur auslegt. Es gelingt ihm, Kristics Schläger auszuschalten, aber dieser schießt ihn nieder. Die Polizei trifft ein und nimmt alle Gangster fest. Dooney wird später verhaftet und zu 26 Jahren Haft verurteilt. Arthur stirbt in Kats Armen. Seinem letzten Wunsch folgend schwört sie den Drogen ab, sucht sich einen Job und kauft eine Schreibmaschine. Sie verfasst künftig Zeitungsartikel - unter anderem über Defendor, der in der öffentlichen Meinung endgültig zum Helden wird.

Kommentar

Ebenso wie in Kick-Ass und in Super geht es auch in "Defendor" (der sogar noch vor den beiden genannten Filmen erschienen ist) um die Frage, was wohl in der realen Welt geschehen würde, wenn jemand auf die Idee käme, maskiert und kostümiert auf Verbrecherjagd zu gehen, sprich: Als von der normalen Gesellschaft losgelöster "Superheld" Selbstjustiz zu verüben. Die Antwort ist in jedem Film zum Teil dieselbe, zum Teil aber eine völlig andere. Sowohl Kick Ass (gleichnamiger Film), als auch der Blutrote Blitz ("Super") und Defendor erhalten erst einmal ordentlich was auf die Mütze, weil sie weder mit Superkräften gesegnet sind, noch auf ein High-Tech-Waffenarsenal wie Batman zurückgreifen können.

Aber damit hören die Gemeinsamkeiten schon auf. Der Ton von "Kick-Ass" wandelt sich grundlegend, sobald Big Daddy und Hit Girl hinzutreten. Der Film mutiert dann doch noch zum Comic, denn die beiden Figuren sind "richtige" Superhelden mit außergewönlichen Fähigkeiten und teils futuristischen Waffen. Diverse Schurken werden in langen, effektvoll choreografierten Actionszenen geschnetzelt, und das wird als positiv bewertet. In "Super" wird dagegen nichts beschönigt oder stilvoll überhöht. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass der Blutrote Blitz nichts anderes als ein Irrer ist, der Menschen totschlägt, und dass das nichts mit Heldentum zu tun hat. In "Defendor" wird wiederum ein etwas anderer Ansatz verfolgt. Arthur Poppington ist im Grunde ein Kind geblieben. Er hat einen IQ von maximal 80, ist ängstlich und schüchtern, findet sich in der Welt nicht zurecht und versteht seine Mitmenschen nicht. Nur wenn er in die Rolle Defendors schlüpft, kann er all diese Probleme überwinden. Dann fühlt er sich stark und muss keine Angst mehr haben. Arthur alias Defendor spielt eigentlich immer noch Räuber und Gendarm. Im Gegensatz zu den Helden der beiden anderen Filme scheitert er ultimativ, was natürlich die realistischste Variante ist. Am Ende scheint es so, als wollten die Menschen quasi seinem Beispiel folgen. Das wäre eine etwas merkwürdige Botschaft, denn Selbstjustiz und Zivilcourage sind zwei ganz verschiedene Paar Schuhe.

"Defendor" wird als Komödie vermarktet, ist aber höchstens eine Tragikomödie. Tatsächlich ist der Film sehr traurig, aber es ist viel Situationskomik vorhanden. Etwa wenn Defendor Nachschub an Videocassetten braucht, um seine Taten aufzeichnen zu können. VHS-Cassetten sind heutzutage knapp, und so schleppt Kat einen für vier Dollar erstandenen Karton mit alten Pornos an, die Defendor dann überspielen kann. Oder Defendors Waffenarsenal: Opas Helm und Schützengrabenkeule, Glasmurmeln (auf denen die Schurken ausrutschen), ein Nachtsichtgerät aus einem Agentenspielkasten für Kinder, und schlecht gelaunte Wespen im Glas... Schenkelklopfer-Humor wird aber - zum Glück! - nicht geboten. Lobenswerterweise wird Arthur zwar als geistig zurückgeblieben, aber nicht als Witzfigur dargestellt. Seine Naivität führt immer wieder zu Missverständnissen, angefangen mit Captain Industry. Als Kind wollte Arthur von seinem Großvater wissen, was mit seiner Mutter geschehen sei. Antwort: Sie wurde von den "Kapitänen der Industrie" (Captains of Industry) getötet, also von den Drogenbossen, wenn auch nur im übertragenen Sinne. Arthur hat das wörtlich genommen. Somit ist Arthurs Kampf gegen seinen vermeintlichen Erzfeind in Wahrheit aussichtslos, denn Defendor kämpft ja unwissentlich nicht gegen einen einzigen Mann, sondern quasi gegen das ganze System. Woody Harrelson spielt diese tragische Figur wirklich gut, wenn er es auch manchmal etwas übertreibt mit der Naivität und Tolpatschigkeit. Irgendwie behagt mir diese Gratwanderung zwischen Komödie und Tragödie nicht so recht. Außerdem hätte etwas mehr Tempo dem Film sicher nicht geschadet.

DVD-Features

Die fünf Dokumentationen können gemeinsam abgespielt werden, bieten aber leider nur die übliche relativ substanzlose Mischung aus Filmszenen, Interviews und Hinter-den-Szenen-Material. Man lobt sich gegenseitig, es wird auf diverse Schwierigkeiten bei den Dreharbeiten eingegangen und die Entstehung einzelner Stunts wird gezeigt. Hinzu kommen ein paar richtig witzige Versprecher und fünf entfallene Szenen. Unter anderem ist zu sehen, was aus Dooney wurde, nachdem Defendor ihn in die Mangel genommen und verhört hat. Im fertigen Film wird nämlich nicht gezeigt, dass Defendor ihn vor dem Gerichtsgebäude ankettet, wo er von einer Reporterin gefunden wird. Diese Reporterin hat im Film nur einen kurzen Auftritt. Den entfallenen Szenen zufolge war ihr offenbar ursprünglich eine größere Bedeutung zugedacht.


Screenshots


Defendor

Defendors Waffenarsenal: Knüppel, Wespen, Glasmurmeln und Zitronensaft.


Defendor

Arthur in Zivil und sein Freund Paul.


Defendor

Ist Kristic Captain Industry? Na, bös genug gucken tut er ja...


Defendor

Fairbanks ist noch skeptisch, aber Defendor hat Beweise.


Defendor

Posthume Heldenverehrung...


Defendor

...angefeuert von Kat, die jetzt als Journalistin arbeitet.


J. Kreis, 31.01.2013




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