Deathwatch


Deathwatch (GB / D, 2002)

DVD Regionalcode 2, Universal
Altersfreigabe: FSK 18
Laufzeit: ca. 91 Minuten

Extras
- "Behind the Scenes" (4:25 Min.)
- Featurette: "Rat Handling" (1:57 Min.)
- Interviews (8:51 Min.)
- Trailer
- Cast (Text)

Regie:
Michael J. Bassett

Hauptdarsteller:
Jamie Bell (Charlie Shakespeare)
Hugo Speer (David Tate)
Andy Serkis (Thomas Quinn)
Torben Liebrecht (Friedrich)
Laurence Fox as (Bramwell Jennings)
Hugh O'Conor (Anthony Bradford)
Matthew Rhys ("Doc" Fairweather)
Dean Lennox Kelly (Willie McNess)




Inhalt:

1917: An der Westfront führen deutsche und alliierte Truppen einen zermürbenden Grabenkrieg. Eine kleine Gruppe britischer Soldaten verliert während eines nächtlichen Sturmangriffs im schlammigen Chaos der Schützengräben, Stacheldrahtverhaue, Explosionen und Giftgasschwaden die Orientierung. Als der Tag anbricht, finden sich die Soldaten mitten im Niemandsland wieder. Sie nehmen eine vorgeschobene deutsche Stellung ein. Die Deutschen scheinen sich gegenseitig niedergemetzelt zu haben. Nur drei Männer sind noch am Leben, und sie fürchten sich offensichtlich mehr vor einem unsichtbaren Feind als vor den Briten. Diese erschießen einen Deutschen, lassen den zweiten entkommen und nehmen den dritten gefangen, einen Soldaten namens Friedrich. Captain Jennings will die Stellung unbedingt halten, obwohl der Funker Bradford eine verstümmelte Nachricht empfängt, der zufolge man die gesamte Einheit für verloren hält. Jennings verheimlicht den Soldaten, dass keine Verstärkung zu erwarten ist. Während sie versuchen, die Schützengräben zu sichern, entdecken die Briten immer mehr teils grausig zugerichtete Leichen. Sie schichten die Toten zu einem großen Haufen auf und sprengen sicherheitshalber einige Tunneleingänge.

In der Nacht erklingen seltsame Geräusche. Einer der Männer entdeckt drei in Stacheldraht gewickelte Leichen. Als er sich ihnen nähert, wird auch er vom Stacheldraht erwürgt. Da man annimmt, dass sich irgendwo im Grabensystem noch Feinde verstecken, die für diese Tat verantwortlich sind, wird Friedrich brutal verhört, aber er spricht kein Englisch. Nur der junge Gefreite Charlie Shakespeare zeigt Mitleid mit dem Mann. Es gelingt ihm, sich in französischer Sprache mit ihm zu verständigen. Friedrich warnt die Briten vor etwas Bösem, das in den Gräben lauere und alle heimsuchen werde. Tatsächlich beginnen sich die Männer schon am nächsten Tag gegeneinander zu wenden. Plötzlich erklingen die Geräusche von Artilleriefeuer und angreifender Soldaten, aber es ist nichts zu sehen. In Panik erschießt Jennings einen seiner Männer und ist danach nicht mehr ansprechbar. Dennoch weigert sich Sergeant Tate, das Kommando zu übernehmen und die Stellung aufzugeben. In der zweiten Nacht versucht der Gefreite McNess zu fliehen, wird aber von Bradford niedergeschossen, der glaubt, vom Bösen besessen zu sein. Corporal Fairweather, der Sanitäter, versucht McNess zu retten, aber irgendetwas zerrt den Verwundeten unter die Erde.

Am nächsten Tag gerät die Situation völlig außer Kontrolle. Quinn, ein ohnehin kaum zurechnungsfähiger Soldat, foltert Friedrich und tötet sowohl den Captain als auch den Sergeant. Als Shakespeare ihm entgegentritt, wird Quinn von aus der Erde hervorschießendem Stacheldraht durchbohrt. Shakespeare erschießt ihn, um ihn von den Qualen zu erlösen, woraufhin der Stacheldraht verschwindet. Shakespeare befreit Friedrich und gibt ihm sogar eine Waffe, dann sucht er nach seinen Gefährten. Nur Doc Fairweather und Bradford sind noch am Leben. Letzterer will das gesamte Grabensystem sprengen, wird aber von Shakespeare daran gehindert. Als sich Bradford nicht von Shakespeare beruhigen lässt und Fairweather erschießt, tötet der junge Gefreite seinen letzten Kameraden. Die Erde tut sich auf und verschlingt den Leichenberg. Auch Shakespeare wird in ein Höhlensystem gezogen, das sich unter den Schützengräben erstreckt. Dort sieht er all seine Kameraden an einem Feuer versammelt - auch sich selbst. Entsetzt flieht er ins Freie, wo er plötzlich Friedrich gegenübersteht. Dieser spricht nun doch Englisch. Er sagt, Shakespeare sei der einzige, der ihm geholfen habe. Daher dürfe er gehen. Shakespeare flieht aus dem Grabensystem und verschwindet im Nebel.

Später erreicht eine kleine Gruppe britischer Soldaten die Stellung. Sie werden bereits erwartet.

Der Film:

Eigentlich hätte ein Film über das Grauen des Grabenkrieges gar keine übernatürlichen Elemente nötig. Es würde völlig ausreichen, das elende Leben in den kalten, schlammigen Gräben zu zeigen, den Horror der unglaublich verlustreichen Sturmangriffe zwischen Explosionstrichtern, Stacheldraht, Giftgas und unbestatteten Leichen, die Brutalität des Nahkampfs mit Sturmgewehr, Bajonett und Handgranate, oder die schrecklichen und zur damaligen Zeit noch kaum vernünftig behandelbaren Verwundungen durch Splittergranaten. Genau so beginnt "Deathwatch", und das ist vielleicht die beste Phase des Films. Der Wahnsinn eines Krieges, in dem Millionen von Soldaten ihr Leben für mehr oder weniger unbedeutende Geländegewinne lassen mussten, wird am Beispiel des blutjungen Gefreiten Shakespeare, der sich freiwillig gemeldet und bei der Altersangabe geschummelt hat, recht gut vermittelt. Er würde am liebsten weglaufen, aber ein Offizier zwingt ihn mit vorgehaltener Waffe, am Angriff teilzunehmen. Die Angst ist jedoch zuviel für ihn, und so ist er nicht fähig, einem im Stacheldraht festhängenden Kameraden zu helfen. Dann scheint der ganze Trupp durch Artilleriefeuer und Gas aufgerieben zu werden. Bis zu diesem Moment wirkt "Deathwatch" wie ein düsterer, harter (Anti-)Kriegsfilm nach dem Vorbild von "Im Westen nichts Neues" oder Der Soldat James Ryan. "Deathwatch" erreicht zwar nicht ganz die Intensität des letztgenannten Films (Stichwort: Landung in der Normandie), ist aber nahe dran. Die Schauspieler durften nicht zimperlich sein; sie mussten sich genauso in den Dreck werfen, wie es jedem Bundeswehrsoldaten in der Grundausbildung beigebracht wird, und da nicht etwa im Studio gedreht wurde, sondern in echten Schützengräben, wirkt das Kriegsszenario stets glaubwürdig. Die authentische Ausstattung trägt dazu natürlich entscheidend bei.

Es ist nicht ganz klar, was dann folgt. Haben die Soldaten wirklich überlebt, leiden aber unter dem Schock des nächtlichen Angriffs und beginnen zu halluzinieren, so dass sie sich gegenseitig umbringen? Oder sind sie, wie einige von ihnen annehmen, bereits tot und in einer Art Vorhölle gefangen, wo sie sich einer Prüfung unterziehen müssen, die nur Shakespeare besteht - woraufhin alles wieder von vorn beginnt? Und was geschieht am Ende mit Shakespeare? Darf er ins Leben zurückkehren oder lediglich ins "normale" Jenseits? Wie dem auch sei: Sobald die Briten die deutsche Stellung übernommen haben, mutiert "Deathwatch" zum klassischen Horrorfilm und es wird derselbe Weg eingeschlagen wie bei unzähligen anderen Filmen dieses Genres. Eine unbekannte, meist unsichtbar und im Verborgen bleibende Bedrohung macht sich breit, ein Soldat nach dem anderen fällt ihr zum Opfer. Das soll aber jetzt nicht heißen, dass dieser Teil des Films schlecht ist. Im Gegenteil! Es wird weniger Wert auf plakative Spezialeffekte gelegt und mehr auf eine Atmosphäre des Unheimlichen und der Ausweglosigkeit gesetzt. Es gibt kein Monster, das bekämpft werden muss und besiegt werden kann. In den Schützengräben stolpern keine Untoten herum oder dergleichen. Nur der Stacheldraht und die Erde selbst machen sich ab und zu auf ungewöhnliche Weise selbstständig, Blut sickert aus dem Boden und blutiger Nebel breitet sich im Graben aus. Ansonsten sind nur unheimliche Geräusche zu hören. Bei alldem könnte es sich auch um Einbildungen der Soldaten handeln, die ihre vermeintlich von Feinden belagerte Stellung nicht verlassen können. So entsteht eine interessante Mischung aus Realismus und Phantastik.

Ich finde es in Ordnung, dass sich der Film nicht festlegt, und dass es mehr um die Reaktionen und die Todesangst der Soldaten geht als um genretypische Schockeffekte. Die Schauspieler bringen diese Emotionen ganz gut rüber - sei es Jamie Bell als verängstigter junger Rekrut, Laurence Fox als leicht blasierter Offizier oder Hugo Speer als bodenständiger Sergeant. Nur Andy Serkis übertreibt es vielleicht ein wenig mit der Zurschaustellung von Verrücktheit, aber das macht er so gut, dass man es ihm trotzdem abnimmt. Insgesamt kann man mit "Deathwatch" wirklich zufrieden sein... wenn man sich nicht von der Werbung täuschen lässt, die den Film als Splatter-Horror verkaufen möchte. Gut, es gibt durchaus die eine oder andere heftige Szene zu bewundern, zum Beispiel ein bei lebendigem Leib von Ratten angenagter Verwundeter, massenweise Leichen in verschiedenen Stadien der Verwesung und Menschen, die von Stacheldraht umwickelt oder durchdrungen werden. Aber es ist vergleichsweise wenig Blut und Gewalt zu sehen, da meist im letzten Moment weggeblendet wird.

DVD-Features:

In der englischen Originalversion spricht Friedrich (Torben Liebrecht) nicht immer französisch, sondern manchmal auch deutsch. Diese Version ist schon deshalb vorzuziehen, weil die verschiedenen Akzente und Sprechweisen in der deutsch synchronisierten Fassung verloren gehen. Allerdings stehen keine deutschen Untertitel zur Verfügung. Das Bonusmaterial besteht aus zwei kurzen Featurettes mit unkommentiertem Hinter-den-Szenen-Material von der Entstehung einer einzigen Szene und sehr knappen Interviews. Deutsche Untertitel für letztere fehlen. Der Regisseur wurde offenbar nicht interviewt. Man erfährt unter anderem, dass einiger Rechercheaufwand betrieben wurde, insbesondere für die Kostüme, und dass die Schützengräben nicht nur eigens für den Film gebuddelt, sondern sogar mit importiertem Schlamm bestückt worden sind, weil der Boden am Drehort zu trocken war...


Screenshots


Deathwatch

Was die Leute so alles rumliegen lassen...


Deathwatch

Captain Jennings ergreift Besitz von der feindlichen Stellung.


Deathwatch

Home sweet Home!


Deathwatch

Sergeant Tate und Private Shakespeare haben begriffen, dass etwas oberfaul ist!


Deathwatch

Quinn lässt sich buchstäblich einwickeln.


Deathwatch

Bradford dreht durch und erschießt Fairweather


Deathwatch

Neue Probanden kommen - Friedrich erwartet sie bereits...


J. Kreis, 02.01.2011




Gastkommentare


Gastkommentare werden nicht von J. Kreis verfasst und dürfen nicht auf anderen Homepages oder in Printmedien weiterverwendet werden.


Noch keine Gastkommentare vorhanden!


Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)


Seitenanfang


Startseite

Filme