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dawn_of_the_dead Dawn of the Dead - Directors Cut (USA, 2004)
DVD - Regionalcode 2, Universal
FSK: Keine Jugendfreigabe
Laufzeit: ca. 105 Minuten

Extras
Intro von Regisseur Zack Snyder, Audiokommentar, "Das verlorene Band: Der Horror von Andys letzten Tagen", "Spezial-Report", "Untote-Szenen" (mit optionalem Audiokommentar des Regisseurs), "Die Toten erwecken", "Angriff der lebenden Toten", "Hämmernde Kopfschmerzen: die Anatomie explodierender Schädel", "Shaun of the Dead" - Trailer

Regie:
Zack Snyder

Hauptdarsteller:
Sarah Polley (Ana Clark)
Jake Weber (Michael)
Ving Rhames (Kenneth)
Mekhi Phifer (Andre)
Ty Burrell (Steve)
Michael Kelly (CJ)




Inhalt:

Es scheint ein Tag wie jeder andere zu sein. Ana, eine junge Krankenschwester, hat einen stressigen Arbeitstag und freut sich schon auf den Feierabend. Nur seltsam, daß so viele Leute mit Bißverletzungen bei ihr im Krankenhaus eingeliefert werden und daß zumindest einer davon, dessen Verletzung eigentlich gar nicht so schwer war, in die Isolierstation gebracht werden muß. Ana denkt sich nichts dabei, auch die Radiomeldungen über zunehmende Gewalt in Wisconsin nimmt sie gar nicht richtig wahr. Alles ändert sich, als früh am nächsten Morgen, während Ana und ihr Mann noch im Bett liegen, plötzlich die kleine Nachbarstochter in der Schlafzimmertür steht. Entsetzt will Anas Mann dem Mädchen zur Hilfe eilen, als er sieht, daß das Gesicht der Kleinen zerfleischt wurde - doch im selben Moment verbeißt das Mädchen sich in seinem Hals! Ana schafft es gerade noch, dem Kind die Tür vor der Nase zuzuschlagen, doch sie kann nicht verhindern, daß ihr Mann verblutet. Doch nach seinem Tod erhebt er sich wieder und greift Ana an, die sich nur mit Müh und Not aus dem Badezimmerfenster retten kann. Während Ana, verfolgt von dem tollwütigen Wesen, zu dem ihr Mann mutiert ist, ins Auto springt und flieht, entfaltet sich um sie herum ein Szenario des Schreckens. In der einstmals ruhigen Vorstadt werden Leute von Wesen angegriffen, die nur noch die äußere Gestalt mit Menschen gemein haben - in Wirklichkeit sind es lebende Tote, Zombies, die von der Gier nach warmem Menschenfleisch angetrieben werden!

Chaos und Zerstörung herrschen bald überall. Das gesamte öffentliche Leben bricht nach und nach zusammen und offenbar wird das ganze Land von der schnell größer werdenden Zombie-Armee überrannt. Wer von den lebenden Toten gebissen wird, verwandelt sich wenig später ebenfalls in einen Zombie, ein Heilmittel gegen diese Seuche gibt es nicht. Die Zombies sind zwar ziemlich dumm, treten aber immer in Massen auf und können nur aufgehalten werden, wenn man ihr Gehirn zerstört oder ihren Kopf gleich ganz abhackt. Feuer ist auch ein probates Mittel gegen die schmerzunempfindlichen Kannibalen. Auf ihrer Flucht begegnet Ana dem schwarzen Polizisten Kenneth, dem etwas undurchsichtigen Michael und einigen anderen Überlebenden. Zusammen verschanzen sie sich in einem Einkaufszentrum, wo sie mit drei Wachleuten aneinandergeraten, die sich dort bereits häuslich eingerichtet haben. Anfangs richten die beiden Gruppen noch ihre Waffen aufeinander, aber sie müssen bald erkennen, daß sie nur gemeinsam überleben können. Zwischen Ana und Michael entwickeln sich sogar zarte Bande. Bald stoßen weitere Überlebende zu der kleinen Gemeinschaft und eine Zeitlang ist die Situation scheinbar stabil: Man plündert die Vorräte des Kaufhauses und wartet auf Rettung, während draußen Scharen von verstümmelten und verwesenden Untoten herumtorkeln. Bald wird aber klar, daß keine Rettung kommen wird... Die Eingeschlossenen bereiten sich deshalb auf einen Ausbruch vor und bauen zwei in der Tiefgarage geparkte Busse zu rollenden Festungen um.

Nach einer mißglückten Rettungsaktion für Andy, einen einsamen Mann, der in einem gegenüber dem Einkaufszentrum liegenden Waffenladen von Zombies belagert wird, geraten die Dinge in Bewegung, denn jetzt dringen die Untoten auch ins Einkaufszentrum ein. Mit den Bussen rast das schon deutlich geschrumpfte Grüppchen ins Freie, kommt aber nicht weit, denn einer der Busse kippt um. Letztlich sind es nur Ana, Kenneth, ein junges Pärchen und ein Hund, denen die Flucht auf die Yacht eines bereits zum Zombie gewordenen Mannes aus ihrer Gruppe gelingt - auch Michael ist von einem Untoten gebissen worden und er zieht es vor, sich selbst zu erschießen, bevor auch bei ihm die Verwandlung einsetzt. Die vier womöglich letzten lebenden Menschen der Stadt wollen mit dem Boot zu einer Insel fahren, denn dort wäre man vor den Zombies sicher. Dummerweise war die Insel, die sie schließlich erreichen, nicht unbewohnt...

Der Film:

Was ist eigentlich ein Remake? Diese Frage habe ich mir schon des öfteren gestellt. Ich stelle sie auch hier, denn "Dawn of the Dead" wird offiziell immer wieder als Remake bezeichnet. Also muß er sich auch am Original messen lassen. Wenn nun ein Remake ein Film ist, der nicht nur die gleiche Geschichte noch einmal erzählt, sondern auch die gleiche Aussage hat - oder vielleicht auch einen anderen Blickwinkel ermöglicht - dann ist dieser Film definitiv kein Remake des gleichnamigen Kultklassikers von George A. Romero aus dem Jahre 1978. Nur wenn man als Remake auch einen Film bezeichnen kann, bei dem lediglich die Grundidee ähnlich ist, dann trifft die Bezeichnung auch auf diesen Film zu. Im Original konnte man (wenn man wollte) die Zombiehorden noch als sozialkritische Allegorie für einen zwanghaften, seelenlosen Massen-Konsumwahn sehen. Angeblich sollte gezeigt werden, zu welch zynischen und sadistischen Aktionen und zu wieviel rücksichtsloser Gewalt Menschen fähig sind, wenn sie mit etwas konfrontiert werden, das sie nicht verstehen und das (deshalb?) als Bedrohung wahrgenommen wird. Ein weiterer wichtiger Aspekt des Films war das immer vorherrschende Gefühl der totalen Ausweglosigkeit. Wieviel davon findet sich noch im Remake wieder? Nun, das altbekannte Weltuntergangs-Szenario liegt auch diesem Film zugrunde, jedenfalls wird das dann deutlich, wenn man nach der vermeintlich letzten Szene nicht den DVD-Player abschaltet, sondern sich auch den Abspann anschaut. Aber eine Aussage irgend einer Art hat der Film eigentlich nicht. Hier geht es einfach nur um eine Gruppe von Menschen, die überleben wollen und in eine gefährliche Situation nach der anderen gebracht werden. Diesmal sorgen eben die Zombies für die nötige Gefahr, sie sind aber insoweit völlig austauschbar - es könnten auch Aliens, Werwölfe oder irgendwelches Viehzeug sein. Das Ganze wird temporeich mit rasanten Schnitten und mit einer wirklich beeindruckenden (Trick-)Technik präsentiert, aber hinterher hat man - zumindest wenn man das Original kennt - doch das Gefühl, daß irgend etwas fehlt (und damit meine ich jetzt nicht die Freßszenen). Daran ändern auch die Cameo-Auftritte von Tom Savini und Ken Foree (beide waren im Original dabei) nichts mehr.

Das klingt jetzt, als habe der Film mir nicht gefallen? Dem ist nicht so! Als Action-Horrorfilm funktioniert "Dawn of the Dead" nämlich sehr gut, wenn man ihn nicht mit dem Original vergleicht. Der aufmerksame Zuschauer erkennt schon ab der ersten Szene Anzeichen für das sich anbahnende Grauen und bis zur Ankunft der zweiten Gruppe von Überlebenden im Einkaufszentrum steigt die Spannungskurve stetig an, immer wieder sorgen effektvolle Schockmomente für Adrenalinstöße. Dann folgen allerdings doch einige Längen und zumindest eine überflüssige Szene (ich meine die "Geburt" eines Zombie-Babys). Die letzte Viertelstunde bietet dann aber wieder Action pur. Und wie gesagt: Nicht den Abspann ignorieren, es sei denn, euch reicht das normale "Happy End". Positiv überrascht war ich von der Tatsache, daß der Regisseur sich offenbar nicht weiter für Jugendfreigaben interessiert hat. Im Gegensatz zu anderen Filmen der letzten Jahre, die nur in gekürzter Form in die Kinos gekommen sind, enthält nämlich schon die normale Kinoversion von "Dawn of the Dead" ernsthafte und schmutzige Goreszenen, wie man sie schon lange nicht mehr zu sehen bekommen hat. Zum Glück hat man dabei fast völlig auf CGI verzichtet! Auch hier wird allerdings die Härte des Originals nicht erreicht. Der ca. 9 Minuten längere Directors Cut bietet noch etwas mehr Blut und Eingeweide, man bekommt einige Zombies genauer zu sehen.

Die Zombies dieses sogenannten Remakes unterscheiden sich übrigens recht deutlich von ihren heute zum Teil nicht mehr so überzeugend wirkenden, wie in Trance umherschlurfenden "Vorfahren"! Die "modern(d)en" Zombies sind aggressiver und sehr viel schneller - soweit bin ich mit den Änderungen noch einverstanden, sie sind im Hinblick auf das Tempo heutiger Filme auch stimmig. Aber es wird in mindestens einer Szene betont, daß die Untoten ziemlich dämlich sind und keine Werkzeuge benutzen können. Hmmmm... warum schaffen sie es dann, in Andys Waffenladen einzudringen? Man sieht deutlich, wie einer der Zombies eine kleine Klappe festhält, bevor die zufallen kann. Er muß also doch noch zu logischem Denken fähig sein. Andy selbst "malt" nach seiner Zombiefizierung noch etwas auf die Tafel, über die er mit Kenneth kommuniziert hat und hält diese hoch, damit die Leute im Einkaufszentrum sie sehen können. Ein weiterer Zombie hebt einen Gasbehälter an, als wollte er ihn werfen. Das passt alles nicht so recht zusammen. Es ist für mich unlogisch und deshalb ein wenig störend.

"Dawn of the Dead" ist in der 2004er - Version ein astreiner, erstaunlich harter und kompromißloser Horrorfilm. Beste Unterhaltung also für Fans des Genres, inhaltlich aber ohne Tiefgang.

Die DVD:

In den DVD-Extras finden sich zwei Beiträge, die den Film auf interessante Weise ergänzen. Sehr lobenswert, daß sowas extra für die DVD produziert wurde!

Da wäre zum einen "Das verlorene Band: Der Horror von Andys letzten Tagen". Wie der Name schon sagt, geht es darin um die Erlebnisse des Inhabers des Waffengeschäfts gegenüber dem Einkaufszentrum. Andy filmt sich selbst über mehrere Tage hinweg mit einer kleinen Videokamera und spricht über seine Einsamkeit, seine Ängste und Hoffnungen, während er von den Zombies belagert wird. So erhält diese Nebenfigur, die im Film etwas zu kurz kommt und leider nicht überlebt, mehr "Substanz" als die Hauptpersonen!

Zum anderen gibt es den "Spezial-Report", eine gespielte Nachrichtensendung, in der über mehrere Tage hinweg über den Verlauf der "Seuche" berichtet wird. Es werden immer wieder Berichte von Außenkorrespondenten eingespielt, die man im Film schon kurz auf TV-Bildschirmen im Hintergrund gesehen hat (z.B.: Der Auftritt von Tom Savini), man bekommt aber auch neue Szenen zu sehen, die mindestens genauso heftig sind wie der Film selbst. Wirklich witzig gemacht, teilweise wirkt diese Nachrichtensendung beängstigend echt, nur der Nachrichtensprecher übertreibt es ein bißchen mit seinen Reaktionen auf die von ihm selbst verlesenen Nachrichten. Durch diese Nachrichten wird auch klar, daß tatsächlich die ganze Welt von der Zombieseuche betroffen ist. Man erfährt übrigens auch, daß der Präsident sich natürlich rechtzeitig an einem geheimen Ort in Sicherheit gebracht hat...

Die "Untoten-Szenen" sind einige entfallene Filmszenen ohne Filmmusik, ohne Soundeffekte und mit dem Dialog vom Set, d.h. sie sind nicht nachsynchronisiert worden. Auch hier gibt es wieder eine ganze Menge mehr Zombies zu sehen! Die meisten restlichen Specials beschäftigen sich eingehend mit der Arbeit der Maskenbildner und mit der Entstehung der übrigen Spezialeffekte, durch die die Zombies zum Leben erweckt werden... obwohl - das war jetzt wohl die falsche Formulierung... Jedenfalls kann man hier in aller Ruhe die schön eklig-gruseligen Effekte bestaunen, während im schnell geschnittenen Film doch vieles in Sekundnebruchteilen vorbeihuscht und kaum zu erkennen ist. Insgesamt eine schöne Ausstattung für diesen Film. Ich hätte mir allerdings ein paar mehr Interviews gewünscht, um z.B. zu erfahren, was Regisseur und Drehbuchautor sich bei dem Remake, das keines ist, eigentlich gedacht haben.

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