Dark Star


Dark Star (USA, 1974)

DVD Regionalcode 2, Screen Power Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 6
Laufzeit: ca. 82 Minuten

Extras
- Audiokommentar
- Selected Soundtrack-Files
- Goofs
- Hintergrundinformationen / Infos zu Regisseur und Schauspielern (Text)
- John Carpenter Filmbuch
- Starburst
- Dark Star Drehbuch
- Alter deutscher Vorspann
- Trailer
- 3 Bildergalerien

Regie:
John Carpenter

Hauptdarsteller:
Brian Narelle (Lt. Doolittle)
Dan O'Bannon (Bill Frug alias Sgt. Pinback)
Cal Kuniholm (Boiler)
Dre Pahich (Talby)
Joe Saunders (Commander Powell)




Inhalt:

Die fünfköpfige Besatzung des Raumschiffes DARK STAR hat die Aufgabe, instabile Planeten mit intelligenten thermostellaren Bomben zu vernichten, damit die Sonnensysteme gefahrlos besiedelt werden können. Zu diesem Zweck müssen die Bomben über den Planeten abgeworfen werden, danach muss die DARK STAR schleunigst per Hypersprung verschwinden, um nicht mit in den Untergang gerissen zu werden. In den Phasen der Monotonie und Untätigkeit während der langen Dilatationsflüge von Sonnensystem zu Sonnensystem vertreiben sich die Männer die Zeit mit sinnlosen Gesprächen, Kartenspielen und Bartpflege. Nebenbei suchen sie mehr oder weniger vergeblich nach intelligenten Lebensformen. Dabei ist ihnen der "Exot" ins Netz gegangen, ein kugelförmiges Wesen mit Krallenfüßen. Es wurde als Bordmaskottchen mitgenommen, musste aber wegen seiner Widerspenstigkeit eingesperrt werden. Nach jahrelangem Flug zeigen nach und nach alle Schiffssysteme Ausfallserscheinungen, die allmählich katastrophale Ausmaße annehmen. Einzelne Bereiche des Schiffes, darunter die Mannschaftsquartiere, können nicht mehr betreten werden. Der gesamte Bordvorrat an Toilettenpapier ist vernichtet worden und Powell, der Kommandant der DARK STAR, ist durch die Explosion seines Sessels ums Leben gekommen. Er wurde eingefroren, damit wenigstens Reste seines Bewusstseins erhalten werden konnten. Auch an den Männern geht die Einsamkeit im All nicht spurlos vorüber. Sie verwahrlosen zusehends und können sich eines Tages nicht einmal mehr an die eigenen Vornamen erinnern, da sie sich nur mit den Nachnamen ansprechen.

Lt. Doolittle übernimmt das Kommando, aber nicht alle sind mit seinem Führungsstil einverstanden, zumal er lieber seinen Erinnerungen an alte Surferzeiten nachhängt und mit leeren Flaschen musiziert, als sich um das zerfallende Schiff zu kümmern. Insbesondere Sgt. Pinback (in Wahrheit ein Treibstoffversorgungstechniker namens Frug, der durch einen Zufall an die Uniform des echten Pinback und somit an den Platz an Bord der DARK STAR gekommen ist) hat ein Problem mit dem neuen Chef. Astronaut Talby kapselt sich vom Rest der Besatzung ab und verbringt die meiste Zeit in einer Beobachtungskuppel, um Ausschau nach den legendären Phönix-Asteroiden zu halten, die einmal in 12,3 Trillionen Jahren das gesamte Universum umkreisen. Astronaut Boiler reagiert die aufgestaute Aggression mit gefährlichen Schießübungen ab. Bald gehen sich die vier Männer nur noch gegenseitig auf die Nerven. Der Bordcomputer spielt zur Entspannung klassische Musik. Durch eine Verkettung unglücklicher Zufälle, an denen ein Meteoritensturm und der Exot beteiligt sind, wird ein Kommunikationslaser beschädigt, was zu einer unbemerkten Fehlfunktion des Bomben-Abwurfmechanismus führt. Als die DARK STAR wieder einmal in den Orbit eines zu vernichtenden Planeten einschwenkt, bleibt die bereits scharf gemachte Bombe Nr. 20 im Abwurfschacht hängen. Sie will dennoch gemäß ihrer Programmierung nach der festgesetzten Zeit explodieren und weigert sich beharrlich, andere Befehle entgegenzunehmen. Es gelingt dem Bordcomputer lediglich, den Wirkungsradius der Bombe auf eine halbe Meile einzuschränken - was leider sinnlos ist, da die Männer keinen Ort haben, zu dem sie fliehen könnten.

Doolittle bittet den vorübergehend reanimierten Commander Powell um Hilfe und verwickelt die Bombe auf dessen Rat hin in ein erkenntnistheoretisches Gespräch. Zu diesem Zweck muss er das Schiff mit Raumanzug und Jetpack verlassen. Es gelingt ihm, Zweifel über die Existenz des Universums in der Bombe zu wecken, über die sie genauer nachdenken muss. Die Explosion wird daher verschoben. Doolittle will über eine Mannschleuse ins Schiff zurückkehren, in der sich zufällig gerade Talby befindet, der dort den defekten Laser reparieren wollte. Talby wird ins All geschleudert. Er trägt zwar einen Raumanzug, aber kein Jetpack. Doolittle folgt ihm, um ihn zurückzuholen. Derweil kommt Bombe 20 zu dem Schluss, dass außer ihr nichts existiert. Offenbar hält sie sich deshalb für Gott und möchte den biblischen Schöpfungsmythos nachspielen, denn mit den Worten "Es werde Licht!" zündet sie sich selbst. Doolittle und Talby überleben, da sie sich bereits weit genug vom Schiff entfernt haben. Auch Powell existiert weiter; der Eisblock, in dem er eingeschlossen ist, wird davongeschleudert. Während Talby von den wie aufs Stichwort erscheinenden Phönix-Asteroiden aufgenommen wird, greift sich Doolittle ein Trümmerstück der DARK STAR und surft damit in die Atmosphäre des Planeten hinein, wobei er verglüht.

Der Film:

John Carpenter hat das Kunststück fertig gebracht, mit seinem ersten Spielfilm und einem bescheidenen Budget gleich einen der unvergesslichsten SF-Kultfilme aller Zeiten zu erschaffen. Einen Film, der immer wieder zitiert wird und sicherlich als Inspirationsquelle für Werke anderer Regisseure gedient hat. Solltet ihr diesen Film noch nie gesehen haben, dann werdet ihr euch beim erstmaligen Anschauen wahrscheinlich verwundert fragen, was an dieser Ansammlung langsam inszenierter Szenen, merkwürdiger Dialoge, billiger Requisiten und grottiger Spezialeffekte so toll sein soll. Bedenkt bitte: Er ist 1974 entstanden, also in einer Zeit, in der die Spezialeffekte selbst in teureren Produktionen nicht sehr viel besser ausgesehen haben! Und seinen Kultstatus hat der Film nicht zuletzt gerade wegen des Trash-Faktors erhalten. Der "Exot" ist nichts anderes als ein angemalter Wasserball mit Plastikfüßen dran, aber er wird so gut in Szene gesetzt (genial: Sein genervtes Auftippen der Krallen), dass man ihn trotzdem für ein lebendes Wesen halten kann, das sogar bedrohlich wirkt. Überhaupt hat Carpenter eine Not aus der Tugend gemacht und die geringen Mittel, die ihm zur Verfügung gestanden haben, einfallsreich und effizient eingesetzt. Es war kein Geld für ausgefeilte Sets da, also wurde kurzerhand behauptet, bei den Wohnquartieren habe es einen Vakuumeinbruch gegeben - deshalb müssen die Raumfahrer alle zusammen in einem mit Ramsch angefüllten kleinen Abstellraum hausen, der verblüffende Ähnlichkeit mit meiner Wohnung hat.

Effekte und Action stehen bei "Dark Star" sowieso nicht im Mittelpunkt - auch eine Handlung im eigentlichen Sinne gibt es nicht - sondern der Humor. Der ist deshalb so wirkungsvoll, weil der Film nicht gezielt auf "witzig" getrimmt ist. Die Komik ergibt sich vielmehr aus den absurden Situationen und durch die pointierten Dialoge. Ich weiß gar nicht, was ich genialer finden soll: Die mal lethargischen, mal hektischen Raumfahrer und ihre Versuche, mit dem geisttötend langweiligen Aufenthalt im All fertig zu werden? Die Diskussionen zwischen Bordcomputer bzw. Doolittle und der störrischen Bombe, die eingeschnappt und genervt ist, weil ihr x-mal irrtümlich der Einsatzbefehl erteilt wird? Der stets mit samtweicher Frauenstimme sprechende Bordcomputer, der die Männer in einer Szene leicht gelangweilt darüber in Kenntnis setzt, dass sie 35 Sekunden Zeit haben, um alle Maßnahmen zur Abwehr eines Asteroidensturms zu treffen, der das Schiff vernichten könnte? Doolittles ungewöhnliche Art der Fehlersuche (er ignoriert die Störungsmeldung des Computers mit dem Hinweis darauf, das man schon wissen werde, welches Teil defekt sei, sobald es endgültig ausfalle)? Das Videotagebuch, das alle obszönen Worte und Gesten sofort löscht? Pinbacks unglaublich lustiger Kampf gegen den Exoten bzw. einen Fahrstuhl? Letzteres ist für mich immer noch der ungeschlagene Höhepunkt des ganzen Films. Hinzu kommen noch diverse Seitenhiebe bzw. Anspielungen auf andere SF-Filme, vor allem natürlich 2001 - Odyssee im Weltraum. Ganz zu schweigen von den irren Frisuren und Bärten der Schauspieler - die waren seinerzeit aber vermutlich normal...

Aber auch jenseits des Humors enthält der Film unvergessliche Szenen. Da wäre zum Beispiel der tiefgefrorene Commander, dessen Hirn noch zumindest teilweise aktiv und mit einer Maschine verkabelt ist, über die der Tote mit den Lebenden kommunizieren kann. Oder der bereits erwähnte Exot - eines der wenigen wirklich fremdartigen Wesen in SF-Filmen. "Dark Star" ist trotz seines Alters und unübersehbarer Schwächen immer noch ein "Must-See" und gehört in jede anständige Sammlung.

DVD-Features:

Bild- und Tonqualität dieser DVD sind leider schlecht bis katastrophal. Unruhiges, matschiges und rotstichiges Bild (siehe Screenshots), Verschmutzungen und Beschädigungen - das volle Programm. In gut ausgeleuchteten Szenen geht's ja gerade noch, aber in der oft vorherrschenden Dunkelheit sieht man entweder gar nichts oder nur Falschfarben. Der englische Ton ist extrem dumpf. In der deutschen Tonspur versteht man die Dialoge zwar erheblich besser, aber sie überlagern die Hintergrundgeräusche. Ausnahmsweise ziehe ich bei diesem Film den deutschen Ton der englischsprachigen Fassung vor, denn die weibliche Stimme des Computers klingt in dieser Version viel besser. Übrigens: Die Tatsache, dass Pinbacks Videotagebuch eine automatische Zensurfunktion hat, gewinnt dadurch besondere Ironie, dass auch der Film zensiert ist. In der Bude der Astronauten hängen nämlich massenweise Pinups an den Wänden - und die wurden alle durch einen nachträglich eingefügten Unschärfeeffekt unkenntlich gemacht. Einfach lächerlich.

Auf der Cover-Rückseite wird vollmundig verkündet, es seien ca. 140 Minuten Extras vorhanden. Das ist in gewisser Weise richtig, wenn man den Audiokommentar hinzurechnet, denn der hat ja Spielfilmlänge. Die restlichen Extras sind, abgesehen vom Trailer und den "Goofs" (kleine Filmfehler) gar keine Filmbeiträge, sondern bestehen praktisch nur aus Text und Bildern. So wurden einzelne Kapitel eines 1990 bei Bastei Lübbe erschienenen Buches über John Carpenter und Teile einer Ausgabe des britischen SF-Magazins "Starburst" eingescannt. Hinzu kommen noch ein paar Textinformationen zum Film, zum Regisseur und den Schauspielern - das war's im wesentlichen.


Screenshots


Dark Star

Erkundungskreuzer DARK STAR mit ausgefahrener Bombe Nr. 19


Dark Star

Kenne ich von meinem Job: Beengte Arbeitsbedingungen in der Zentrale


Dark Star

Typische Männer-WG!


Dark Star

Ob der Exot das Gummi-Quietschemäuschen mag?


Dark Star

Talby in einem bemerkenswert unpraktisch wirkenden Raumanzug


Dark Star

Der tiefgefrorene und verkabelte Kommandant Powell


Dark Star

Die berühmteste Szene des Films: Doolittle surft im All


J. Kreis, 20.10.2010




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