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Dark City Dark City (USA, 1998)
DVD - Regionalcode 2, United Video
FSK: 16
Laufzeit: ca. 96 Minuten

Extras
Making of, 6 Interviews, Trailer

Regie:
Alex Proyas

Hauptdarsteller:
Rufus Sewell (John Murdoch)
Jennifer Connelly (Anna Murdoch)
William Hurt (Inspector Frank Bumstead)
Kiefer Sutherland (Dr. Daniel Schreber)
Richard O'Brien (Mr. Hand)




Inhalt:

Als John Murdoch in einem Hotel in der Badewanne liegend aufwacht, kann er sich an nichts erinnern, nicht einmal an seinen Namen. Benommen taumelt er durch das Zimmer - und stolpert über die grausam zugerichtete Leiche einer Prostituierten. Hat er sie ermordet? Der Schluß liegt nahe, zumal ein Mann ihn anruft, der sich als Dr. Schreber vorstellt und ihn warnt, er werde bereits von den "Fremden" verfolgt. Murdoch flieht in die Stadt und sammelt stückchenweise Informationen über sich selbst und die Vergangenheit, an die er sich nicht erinnert. Nicht nur die Polizei in Gestalt von Inspector Frank Bumstead ist Murdoch auf den Fersen, sondern auch die "Fremden", denen er mehrmals nur knapp entkommen kann. Diese seltsamen, schwarz gekleideten und totenbleichen Männer scheinen über telekinetische Kräfte zu verfügen. Murdoch entkommt ihnen nur, weil er selbst ähnliche Kräfte zu haben scheint: Er kann die Umgebung durch die Kraft seines Willens verändern. Immer wieder quälen ihn eigenartige Erinnerungsfragmente an eine Kindheit, die er im Ferienparadies "Shell Beach" verbracht zu haben glaubt. Nur seltsam, daß niemand zu wissen scheint, wo Shell Beach liegt, und daß es unmöglich ist, diesen Ort zu erreichen.

Allmählich findet Murdoch heraus, daß die Polizei ihn tatsächlich für einen Serienmörder hält. Nur seine Frau Emma vertraut ihm und hilft ihm, sich Bumsteads Zugriff zu entziehen - er selbst kann sich nicht einmal daran erinnern, je verheiratet gewesen zu sein. Auch mit der Stadt scheint etwas nicht zu stimmen. Dort herrscht nämlich ewige Nacht, die Sonne geht niemals auf. Immer zur selben Zeit, um Mitternacht, steht in der Stadt plötzlich alles still. Alle Menschen fallen in einen komaähnlichen Schlaf, nichts bewegt sich mehr. Dann treten die "Fremden" auf den Plan. Tief unter der Stadt leben Hunderte von ihnen, und mit ihren durch Maschinen verstärkten telekinetischen Kräften verändern sie die Realität. Sie lassen neue Häuser aus dem Nichts entstehen, während andere verschwinden oder umgestaltet werden. Auch die Menschen werden beeinflußt: Bestimmten Personen werden die Erinnerungen genommen, andere Erinnerungen werden ihnen aufgepfropft. So wird z.B. aus einem einfachen Arbeiter ein wohlhabender Mann, der sich nicht daran erinnert, je anders gelebt zu haben. Nur Murdoch bleibt in diesen Stunden bei Bewußtsein und kann beobachten, was vor sich geht. Alle anderen Menschen haben keine Ahnung von der Existenz der "Fremden" und von den Veränderungen, die in der Stadt vor sich gehen.

Im Rahmen seiner Ermittlungen stößt Inspector Bumstead auf so viele Ungereimtheiten, daß er Murdoch bald nicht mehr für einen Mörder, sondern für das Opfer einer Verschwörung hält. Er rettet Murdoch sogar, als dieser wieder einmal von den "Fremden" angegriffen wird. Gemeinsam spüren sie Dr. Schreber auf und zwingen ihn, sie zu Shell Beach zu bringen. Doch Shell Beach existiert nicht, es gibt keine Möglichkeit die Stadt zu verlassen. Schreber eröffnet den beiden Männern, daß die "Fremden" die Stadt als Labor nutzen - mit den Menschen als "Laborratten". Die "Fremden" sind nichtmenschliche Lebewesen, die sich in Leichen einnisten, die ihnen als Tarnung dienen, damit sie sich unter Menschen bewegen können. Die "Fremden" sind ein aussterbendes Volk und sie studieren die Menschen, um herauszufinden, was diese so besonders macht. Der Begriff der Individualität ist ihnen fremd, sie haben eine Art Kollektivbewußtsein. Deshalb verändern die "Fremden" immer wieder die Erinnerungen einzelner Personen (sie haben Schreber gezwungen, ihnen dabei zu helfen) und konstruieren ein komplettes neues Leben für sie. So machen sie beispielsweise aus einem unbescholtenen Ehemann einen Mörder, und beobachten dann, ob der Mensch diese Rolle weiter spielt (weil seine künstlichen Erinnerungen es ihm so diktieren) oder ob er daraus ausbrechen kann. So war es für Murdoch geplant, doch man hatte nicht mit seinen telekinetischen Fähigkeiten gerechnet: Die Injektion der neuen Erinnerungen war fehlgeschlagen.

Inzwischen hat einer der "Fremden", Mr. Hand, sich selbst die Erinnerungen injiziert, die für Murdoch gedacht waren. So kann er ihn immer wieder aufspüren und er entführt Murdochs Frau. Als Murdoch und Bumstead die Wand zerschlagen, hinter der es, wie sie glauben, einen Weg aus der Stadt hinaus gibt, blicken sie plötzlich in den Weltraum. Die Stadt befindet sich nämlich auf einer Seite einer gigantischen, scheibenförmigen Raumstation - die Maschinen der "Fremden" liegen auf der anderen Seite. Die ganze Station ist von einer Art Energiefeld umgeben. Da taucht Mr. Hand mit einigen anderen "Fremden" und mit der entführten Emma Murdoch auf. Bumstead kommt im Kampf gegen die "Fremden" um, er stürzt ins All hinaus. Murdoch ergibt sich, als Mr. Hand droht, Emma zu töten. Die "Fremden" wollen Murdoch nun zu einem Teil ihres Kollektivs machen, doch Dr. Schreber injiziert ihm andere Erinnerungen: Eine Art Schnellkurs im Umgang mit den telekinetischen Fähigkeiten. Danach ist Murdoch in der Lage, die "Fremden" zu besiegen und selbst die vollständige Kontrolle über die Maschinen zu übernehmen, mit denen die gesamte Stadt gesteuert werden kann. So kann er die Raumstation drehen, bis die Stadt ins Licht einer Sonne gerät - die ewige Nacht ist zu Ende. Murdoch läßt Wassermassen ins Energiefeld strömen, von dem die Stadt umgeben ist, so daß ein Meer entsteht - komplett mit einem "Shell Beach". Dort trifft er Emma wieder, die von den "Fremden" eine neue Identität erhalten hat und sich eigentlich nicht an Murdoch erinnert. Dennoch gibt es etwas, das sie mit ihm verbindet, denn was die Fremden gesucht und nicht gefunden haben, die menschliche Seele nämlich, ist stärker als falsche Erinnerungen...

Der Film:

Die verzwickte und nicht immer logische Story dieses Films zu beschreiben, ist nicht gerade einfach. Deshalb ist die Zusammenfassung auch bedauerlicherweise recht lang geworden. Kennt man die Auflösung noch nicht, dann enthält "Dark City" einen der besten Aha-Momente, die es je in einem SF-Film gegeben hat. Den nämlich, als Bumstead ins All fällt und man erstmals die riesige Raumstation sieht, auf der die Stadt steht. Kennt man die Auflösung schon, dann ist die Handlung eigentlich uninteressant. Dann besticht der Film aber (neben der anbetungswürdigen Jennifer Connelly) immer noch durch eine sehr düstere, eigenartig beklemmende Atmosphäre, die man am ehesten mit Brazil, vielleicht auch noch mit Blade Runner vergleichen kann. Murdoch irrt wie die Ratte im Labyrinth durch die klaustrophobisch-verwinkelten Straßen der Stadt, trifft immer wieder Menschen, die ihn zu kennen scheinen, von deren Existenz er bisher aber keine Ahnung hatte. Dabei wird er ständig von diesen wandelnden Toten gejagt, die ein wenig aussehen wie die Cenobiten aus Hellraiser, und muß mit ansehen, wie sich die für unveränderlich gehaltene Realität immer wieder auf erschreckende Weise verändert.

Die grundlegenden Fragen, nämlich: "Was macht den Menschen aus?" und "was ist Realitität?" werden zwar angesprochen, aber nicht viel weiter vertieft. Die "Fremden" meinen, sie könnten ihren Niedergang aufhalten, wenn es ihnen gelänge herauszufinden, warum die Menschen alle eine eigene Persönlichkeit, eine Individualität haben. Als Wesen mit einem kollektiven Bewußtsein ist ihnen das unverständlich. Sie vermuten, daß die Verhaltensweisen der Menschen von dem bestimmt werden, woran sie sich zu erinnern glauben. Also "sagen" sie den Menschen mit Hilfe des Erinnerungs-Serums, was sie "sein" sollen, nachdem sie ihnen alle anderen Erinnerungen genommen haben. Sie erschaffen eine glaubhafte Umwelt, eine künstliche Realität, die dem Opfer suggerieren soll, daß seine Erinnerungen echt sind - und sind dann überrascht, wenn jemand doch aus der für ihn bestimmten Rolle ausbricht und wenn es jemandem gelingt, über die Grenzen der vermeintlichen Realität, die in Wirklichkeit nur eine Art Versuchsanordnung ist, hinauszublicken.

Was nicht klar wird: Warum hat Murdoch die gleichen telekinetischen Fähigkeiten wie die "Fremden"? Wie konnte Dr. Schreber (genial-bekloppter Name übrigens), der diese Fähigkeiten ja nicht hat, Murdoch in ihrem Gebrauch unterrichten - wenn er zunächst gar nicht wußte, daß Murdoch diese Fähigkeiten haben würde? Was glauben die "Fremden" überhaupt durch ihre Experimente gewinnen zu können, außer der Erkenntnis, daß es besser ist, ein eigenständiges Wesen zu sein, und nicht Bestandteil eines Kollektivs? Es wäre ihnen doch kaum möglich, ihr kollektives Bewußtsein einfach so aufzugeben und sich in Einzelwesen aufzusplittern. Warum sie meinen, dadurch dem Untergang entgehen zu können, bleibt ebenfalls unklar. Egal: Dieser Film gehört in jede Sammlung. Schon allein wegen der wundervollen Jennifer Connelly...

Die DVD:

Die Auflistung der Extras klingt nach mehr, als tatsächlich geboten wird. Das so genannte "Making of" ist nämlich eine nur ca. 5 Minuten lange, unkommentierte Abfolge kurzer Szenen von den Dreharbeiten, mehr nicht. Die "Interviews" sind jeweils nur 10 - 30 Sekunden "lang" und können nur Fitzelchen viel längerer Interviews sein - warum hat man die nicht ganz auf die DVD gepackt?

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