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Dagon H.P. Lovecraft's Dagon - Special Edition (Spanien, 2001)
DVD - Regionalcode 2, e-m-s
FSK: 18
Laufzeit: ca. 95 Minuten

Extras
Trailer zu anderen DVD-Veröffentlichungen von e-m-s, Video-Interviews mit Stuart Gordon / Ezra Godden / Raquel Merono / Macarena Gomez / Francisco Rabal / Produzent Julio Fernandez, Making of - Featurette, Trailer, Teaser und TV-Spots, Biografien und Filmografien (Texttafeln), Bio- und Bibliografie von H.P. Lovecraft (Texttafeln), Bildergalerie

Regie:
Stuart Gordon

Hauptdarsteller:
Ezra Godden (Paul Marsh)
Raquel Merono (Barbara)
Macarena Gomez (Uxia Cambarro)
Francisco Rabal (Ezequiel)
Brendan Price (Howard)
Birgit Bofarull (Vicki)




Inhalt:

Der geruhsame Yachturlaub von Paul und Barbara, den die beiden nach einem ertragreichen Börsencoup mit dem befreundeten Ehepaar Howard und Vicki verbringen, wird zum Alptraum, als plötzlich ein Sturm aufzieht und als die Yacht vor der spanischen Küste auf ein Riff geschleudert wird. Vicki ist verletzt und eingeklemmt, es dringt immer mehr Wasser in das leckgeschlagene Schiff ein. Paul und Barbara paddeln mit einem Schlauchboot zu dem nahe gelegenen, von der Außenwelt abgeschlossenen Fischerdorf Imboca, um Hilfe zu holen. Howard und Vicki müssen auf der Yacht bleiben. Das Dorf scheint verlassen zu sein, doch dann begegnen die beiden einem zwielichtigen Priester. Barbara wird zu einem Hotel geschickt, wo das einzige Telefon des Dorfes steht. Paul fährt mit einem Fischkutter zur Yacht zurück - doch Howard und Vicki sind nicht mehr da! Als Paul nach Imboca zurückkeht, ist auch Barbara verschwunden. Paul ahnt nicht, daß sie von den Einwohnern Imbocas verschleppt wurde. Als er sich genauer im Dorf umschaut, merkt er schnell, daß dort etwas nicht stimmt. Die Häuser sind verfallen und dreckig, nur wenige mißgebildet wirkende und vermummte Gestalten schlurfen durch die Gassen. Seltsame Gesänge dringen aus der Kirche, in der anstelle von Kruzifixen eigenartige Symbole aufgestellt wurden. Paul begegnet erneut dem Priester. Der seltsame Mann behauptet, Barbara sei in die nächste Stadt gefahren, um dort die Polizei zu verständigen. Paul soll im Hotel auf ihre Rückkehr warten.

Auch das Hotel sieht aus, als wäre es seit Jahrzehnten weder benutzt noch gereinigt worden - wären da nicht die eigenartigen Leute, von denen Imboca bevölkert ist, könnte man meinen, man sei in einer Geisterstadt. In der Nacht wird das Hotel regelrecht belagert. Als die Wesen (wie Menschen sehen die Bewohner Imbocas kaum mehr aus) Paul erblicken, veranstalten sie eine Hetzjagd auf ihn. Auf der Flucht findet Paul seinen Freund Howard - oder besser gesagt: Das, was von Howard übrig geblieben ist. Offenbar wurde der Mann gehäutet, seine Haut wurde zum Trocknen aufgehängt. Paul entdeckt ein ganzes Vorratslager derartiger Häute. Paul begegnet dem ständig betrunkenen Ezequiel. Der alte Mann ist der einzige echte Mensch Imbocas, und von ihm erfährt Paul, was in dem Dorf geschehen ist. Vor vielen Jahren war Imboca ein ganz normales Fischerdorf, aber eines Tages war der Fischertrag stark zurückgegangen. Der unheimliche Kapitän Cambarro hatte die Menschen dazu gebracht, dem christlichen Glauben abzuschwören und künftig den Meeresgott Dagon anzubeten. Dagon verhalf ihnen zu reichen Fischfängen, außerdem fanden die Menschen des öfteren seltsame Artefakte aus Gold in ihren Netzen. Dagon forderte jedoch als Gegenleistung in jedem Jahr ein Menschenopfer, außerdem begannen die Menschen Imbocas, sich allmählich zu verwandeln und die widerliche, tentakelbewehrte Gestalt Dagons anzunehmen. Dagon selbst ließ es sich nicht nehmen, immer wieder Frauen zu schwängern...

Auf seiner Flucht dringt Paul in das Haus der Nachkommen des Kapitäns Cambarro vor. Dort traut er seinen Augen nicht, als er eine junge Frau findet, die genau so aussieht wie eine Gestalt, die seit einiger Zeit seine Träume heimsucht. Paul träumt immer wieder von einem unterseeischen Tempel, in dem er einer Art Nixe begegnet - und die junge Frau, die sich als Uxia Cambarro vorstellt, hat deren Gesicht. Mehr als das: Anstelle der Beine hat das Mädel zwei Tentakel! Paul wird schließlich überwältigt und mit Barbara, Vicki und Ezequiel in einer Hütte eingesperrt. Vicki wurde bereits von Dagon geschwängert, Barbara soll das gleiche Schicksal erleiden. Paul und Ezequiel sollen dagegen als Opfer für Dagon gehäutet werden. Ezequiel stirbt auf diese Weise, aber Uxia verhindert, daß auch Paul getötet wird. Sie leitet die Zeremonie, bei der Barbara dem Meeresgott vorgeworfen werden soll. Paul kann sich zwar erneut befreien, aber er kann nicht verhindern, daß Dagon Barbara im wahrsten Sinne des Wortes vernascht. Dann verraten Uxia und ihr schon stark mutierter Vater ihm, warum sie ein solch großes Interesse an ihm haben. Paul ist Uxias Halbbruder und sie will sich mit ihm vereinigen - Inzucht hat eine lange Tradition in Imboca. Paul ist schockiert, aber sein Grauen steigert sich noch mehr, als er bemerkt, daß er Dagons Erbe längst in sich trägt. Auch Paul beginnt sich zu verwandeln. Er überschüttet sich mit Öl und will sich selbst verbrennen, doch Uxia stößt ihn ins Meer und löscht die Flammen. Unter Wasser schwimmen die beiden zu Dagons Tempel - genau wie in Pauls Träumen...

Der Film:

Dagon ist eigentlich der Name einer phönizischen Gottheit, die schon in der Bibel erwähnt wird, aber dieser Film basiert auf der Kurzgeschichte "Schatten über Innsmouth" von H.P. Lovecraft. Darin ist Dagon der Anführer einer uralten Rasse von monströsen Bewohnern der Tiefsee und gehört zum fiktiven Cthulhu-Mythos. Die Handlung des Films folgt dieser Kurzgeschichte in den wesentlichen Eckpunkten vergleichsweise genau, weicht in vielen anderen Aspekten aber erheblich von ihr ab. Die Frage, ob die Kurzgeschichte besser ist als der Film, kann man so nicht stellen. Lovecrafts Geschichten haben nämlich nur selten eine spannende Handlung und können nicht so ohne weiteres dem Horror-Genre zugerechnet werden. Sie enthalten in der Regel nur wenige der üblichen Horror-Klischees und leben viel mehr von der seltsamen morbiden Atmosphäre als von Schilderungen bösartiger Monster, bizarrer Morde und so weiter. Das läßt sich nicht so einfach in einem Film umsetzen und es ist denn auch in "Dagon" nur teilweise gelungen.

Sehr gut haben mir zwei Dinge gefallen. 1.: Die Darstellung des fluchbeladenen Dorfs und seiner mutierten Bewohner hätte man kaum besser hinkriegen können. Die entsprechenden Szenen geben das Bild, das ich bei der Lektüre der Story von Innsmouth hatte, fast hundertprozentig genau wieder. Am besten funktioniert das in der Szene, als Barbara allein zum Hotel geht. Die nicht mehr ganz menschlichen, degenerierten Bewohner Imbocas wanken im strömenden Regen zwischen den völlig heruntergekommenen Häusern umher, geben dabei unwirkliche Geräusche von sich und verständigen sich in ihrer eigenartigen Sprechweise. Es wird übrigens viel spanisch gesprochen; das wurde nicht synchronisiert. Man versteht deshalb ebenso wenig wie Paul - vielleicht startet der Film deshalb mit eingeschalteten Untertiteln? Anfangs werden die körperlichen Veränderungen der Dagon-Anbeter nur angedeutet. Das wirkt viel bedrohlicher, als wenn man die Kreaturen in aller Deutlichkeit zu sehen bekommen würde. 2.: Noch besser ist die Rückblende, in der Ezequiel seine Geschichte erzählt. Darin sieht man weder den monströsen Meeresgott, noch gibt es eine allzu explizite Gewaltdarstellung. Und doch wirken diese Szenen schrecklicher als die wenigen sehr blutigen Momente, die man später bei der Opferzeremonie zu sehen bekommt.

Warum also "funktioniert" der Film nicht richtig? Ich würde sagen, es liegt vor allem an der Spielweise des Hauptdarstellers. Ezra Godden übertreibt es in praktisch jeder Szene. Er macht den von ihm verkörperten "Helden" zu einer tölpelhaften Witzfigur und zerstört durch sein Over-acting jegliche Atmosphäre. Noch dazu ist er einfach unsympathisch, sein Schicksal erweckt keine Anteilnahme und man nimmt ihm das gespielte Grauen nicht ab. Hätte er sich etwas mehr zurückgehalten, so hätte das dem Film sicher gutgetan. Auch Raquel Merono, die seine Freundin Barbara spielt, nervt eigentlich die ganze Zeit nur - ihre einzige gute Szene hat sie ganz am Schluß, als sie total geschockt und von schwarzem Schleim besudelt über Dagons Grube hängt, denn dann hält sie endlich mal die Klappe... Auch die computergenerierten Special Effects, die zum Glück erst gegen Ende des Films eingesetzt werden, schaden dem Film. Die CGI-Szenen sind viel zu deutlich als solche zu erkennen und sie wirken nicht überzeugend, sondern einfach nur lächerlich. Besonders auffällig ist das am Beispiel Uxias. Macarena Gomez spielt dieses Hybridwesen eigentlich sehr gut, sie gibt dieser Figur einen ziemlich abgedrehten, unheimlichen Touch - auch wenn man ihre körperliche Deformation zuerst gar nicht sieht. Sobald man aber ihren veränderten Körper ganz zu sehen bekommt, geht dieser Eindruck verloren, denn hier wurde eine schlechte Computergrafik eingesetzt.

"Dagon" geht also nicht komplett an Lovecrafts Werk vorbei und er hat einige starke Szenen zu bieten. Die Schwächen überwiegen aber leider. Lovecraft-Fans sollten trotzdem mal reinschauen, sie werden sich auch über die eine oder andere Anspielung freuen. Dagons Jünger singen z.B.: "Iä, Iä! Cthulhu Fhtagn!" und Paul trägt einen Pulli mit einer Aufschrift, die darauf schließen läßt, daß er an der Miskatonic-Universität studiert hat...

Den Film gibt es in zwei Versionen. Ich besitze lediglich die geschnittene Version (grünes Cover), es gibt eine andere Ausgabe (mit rotem Cover), die ungeschnitten ist. Der Unterschied macht nur wenige Sekunden aus, auch die geschnittene Version enthält einige sehr blutige Szenen. Insbesondere die Häutung Ezequiels ist... nun... interessant. In der "Anolis uncut Edition" sind diese Szenen nur geringfügig länger, zusätzliche Szenen gibt es darin meines Wissens nicht.

Die DVD:

Die Extras der 2 DVDs umfassenden Special Edition sind sehr umfangreich, der Schwerpunkt liegt aber eindeutig auf Interviews. Die laufen insgesamt über 70 Minuten lang! Sie sind aber durchaus interessant, vor allem handelt es sich dabei mal nicht nur um die sonst übliche Selbstbeweihräucherung. Allerdings müßte man schon gut spanisch können, um alles zu verstehen - da ist man dann halt auf die Untertitel angewiesen. Und die kommen mir manchmal etwas seltsam vor, d.h. manche Sätze ergeben irgendwie keinen Sinn... Das "Making of" ist eine nur 4 Minuten lange Zusammenstellung unkommentierter Szenen von den Dreharbeiten.

Die Texttafeln mit Informationen zu Cast & Crew sind recht umfangreich, aber den Vogel schießt die 28 Textseiten umfassende Bio- und Bibliografie über Lovecraft ab. Ich bin zwar kein Fachmann, aber mir scheint, daß da jemand sorgfältig recherchiert hat - wer Lovecrafts Werk noch nicht kennt, wird durch diese Informationen vielleicht darauf aufmerksam gemacht.

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