I'm a Cyborg, but that's OK


I'm a Cyborg, but that's OK (Südkorea, 2006)
- Saibogujiman kwenchana -

DVD Regionalcode 2, Rapid Eye Movies
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 107 Minuten

Extras
- Making of (20:28 Min.)
- Interview mit Park Chan-Wook (12:07 Min.)
- Interview mit Im Su-jeong (10:27 Min.)
- Interview mit Jung Ji-hoon (8:00 Min.)
- Deleted Scenes mit optionalem Audiokommentar des Regisseurs (7:11 Min.)
- Berlinale-Special (6:23 Min.)
- Kinotrailer

Regie:
Park Chan-wook

Hauptdarsteller:
Im Su-jeong (Cha Young-goon)
Jung Ji-hoon alias Rain (Park Il-sun)




Inhalt:

Young-goon hält sich für einen Cyborg, aber sie weiß nicht, zu welchem Zweck sie konstruiert wurde. Als Mensch-Maschine-Mischwesen, so glaubt sie, darf sie keine Nahrung zu sich nehmen, weil sie sonst kaputtgehen würde. Stattdessen versucht sie sich mit Energie aus Batterien aufzuladen. Als Young-goons Großmutter (ihre wichtigste Bezugsperson) eines Tages in ein Heim für Alzheimerpatienten gesperrt wird, schließt sich Young-goon mit Kabeln, die sie sich in den Arm steckt, direkt an eine Steckdose an. Wegen dieses vermeintlichen Selbstmordversuchs wird Young-goon in eine Nervenklinik eingewiesen, wo sie sich zunächst nur mit ihresgleichen unterhält, also mit Getränkeautomaten, Uhren, Lampen und ihrem geliebten Transistorradio, von dem sie Verhaltensmaßregeln erhält. Dabei wird sie von Il-sun beobachtet, einem Patienten, der als antisozial gilt und davon überzeugt ist, er werde eines Tages zusammenschrumpfen und sich in einem Punkt auflösen. Er trägt oft Masken, weil er fürchtet, darunter kein Gesicht zu haben, und hält sich für einen Meisterdieb. Nach genauer Beobachtung seiner "Opfer" kann er ihnen alles mögliche stehlen. Er entwendet nicht nur verschiedene kleine Gegenstände, sondern auch Eigenschaften wie Höflichkeit, eine besondere Aufschlagtechnik für Tischtennis oder Erinnerungen. Er kann alles aber auch wieder zurückgeben. Wegen dieser besonderen Begabung wird er für Young-goon interessant. Sei meint, nur ihr Mitgefühl halte sie davon ab, sich in einen Kampfroboter zu verwandeln und sich selbst sowie ihre Großmutter zu befreien. Deshalb bittet sie Il-sun, diese störende Eigenschaft zu stehlen.

Il-sun willigt ein und folgt Young-goon nun auf Schritt und Tritt. Nach einiger Zeit stiehlt er ihr Mitgefühl - mit anderen Worten: Die beiden verlieben sich ineinander. Young-goon gesteht ihrem Freund, dass sie kein Mensch ist, sondern ein kybernetischer Organismus. Da sie weiterhin nichts isst, wird sie immer schwächer. Sie wird einer Elektroschocktherapie unterzogen, durch die alles nur noch schlimmer wird, da Young-goon glaubt, danach vollständig mit Energie aufgeladen zu sein. In ihrer Traumwelt aktiviert sie die in ihrem Körper verborgenen Waffen, um die Ärzte niederzumetzeln. In Wahrheit verschlechtert sich ihr Zustand dramatisch. Ein Versuch der Zwangsernährung schlägt fehl. Nur Il-sun weiß, was mit Young-goon los ist. Er konstruiert ein kleines Zusatzaggregat für Young-goons mechanisches Innenleben, das er ihr einpflanzt. Er tut natürlich nur so als ob, aber Young-goon glaubt nun, dass dieses "Megatron" jegliche Nahrung komprimieren und in reine Energie umwandeln kann. Endlich ist sie bereit, etwas zu essen. Il-sun gewährt ihr einen exklusiven rund-um-die-Uhr-Service und lebenslange Garantie für das Megatron. Anders ausgedrückt: Er will für immer bei ihr bleiben.

Danach gibt es nur noch ein letztes ungelöstes Problem, nämlich die Frage nach Young-goons Existenzzweck. Sie hatte Träume von ihrer inzwischen gestorbenen Großmutter, in denen diese das Geheimnis verraten wollte. Young-goon konnte ihre Stimme jedoch nicht hören. Young-goon und Il-sun rekonstruieren die Worte anhand Young-goons Erinnerung an die Lippenbewegungen der Großmutter. So erfahren sie, dass Young-goon eine Atombombe ist, mit der die Welt vernichtet werden soll. Die hierfür erforderliche gigantische Energiemenge will Young-goon aus einem Blitz beziehen. Il-sun hilft ihr auch hierbei, aber er stellt sicher, dass der Blitz nicht in die Antenne schlägt, mit der Young-goon die Energie in ihren Körper leiten will.

Der Film:

Ich kenne zwei Filme des Regisseurs Park Chan-wook, nämlich "Oldboy" und Durst. Obwohl diese beiden recht düsteren und teils sehr blutigen Filme durchaus Selbstironie und einen schrägen Humor enthälten, hätte ich ich alles mögliche von Park Chan-wook erwartet, aber keine romantische Komödie! Eine solche ist "I'm a Cyborg..." definitiv, allerdings eine ziemlich ungewöhnliche. Besonders gut gefällt mir, dass es nicht so dargestellt wird, als ob die beiden sympathischen Hauptfiguren erst ihre Macken und Probleme überwinden müssten, um a) glücklich zu werden und b) zueinander zu finden. Im Gegenteil: Sie kommen ja gerade aufgrund ihrer Zwangsvorstellungen erst zusammen. Natürlich muss Il-sun ein wenig tricksen, d.h. ihm ist klar, dass Young-goon nicht wirklich ein Cyborg ist und dass er sie täuschen muss, um sie zu retten. Aber er akzeptiert sie und ihre Fantasiewelt so, wie sie ist. Er versucht nicht, sie zu heilen. Stattdessen nutzt er sein wirklich vorhandenes und nicht nur eingebildetes Einfühlungsvermögen, um herauszufinden, was sie braucht. Anscheinend überwindet er auf diese Weise auch sein eigenes Trauma. Es ist sicher kein Zufall, dass er das Megatron ausgerechnet aus jenem Amulett mit dem Bildnis seiner Mutter bastelt, das er ständig mit sich herumträgt. Eine gute Beziehung ist ja immer ein gegenseitiges Geben und Nehmen - im Fall von Young-goon und Il-sun sieht das so aus, dass sich beide auf den Wahn des jeweils anderen einlassen und in den eigenen integrieren müssen. Verrückt, aber genial.

Immer wieder wechselt die Perspektive, d.h. wir sehen die Welt dann aus Young-goons Sicht. Da kann es schonmal passieren, dass sie sich wirklich in einen Cyborg verwandelt. Mal kommt es dann zu Szenen, wie man sie bei Park Chan-wook schon eher erwartet hätte: Young-goons Fingerspitzen werden zu Schusswaffen und sie metzelt das gesamte Klinikpersonal nieder. Wie in einem Italo-Western torkeln die Getroffenen Blut verspritzend in Zeitlupe umher. Derweil fliegen die Patronenhülsen aus einer Klappe in Young-goons Gesicht. Dann wieder herrscht pure Romantik: Young-goon hebt sich wie Iron Man auf Raketenstrahlen ein wenig in die Luft, um Il-sun küssen zu können. Und als sie genug Energie getankt wird, zeigen ihre bunt leuchtenden Zehen den Ladezustand an... Realität und Wahn vermischen sich in diesem Film, und dabei kommen herrlich surreale Szenen heraus wie ein Flug mit einem extrem verkleinerten Bett, das von einem Marienkäfer getragen wird, gefolgt von einer Begegnung mit der Großmutter, die vor ihrem Tod ein letztes Mal erscheint und dabei gegen ein überdimensionales Gummiband ankämpfen muss, von dem sie schließlich in den Himmel geschnalzt wird. Hier sind die wirklich klasse gemachten, aber vergleichsweise behutsam eingesetzten Spezialeffekte lobend hervorzuheben.

Leider übertreibt es der Regisseur manchmal ein wenig mit seinem Feuerwerk skurriler Ideen. Jodelnde Koreaner und die verschiedenen Spleens der Anstalts-Insassen sind eine Sache, die Albernheit, in die das Ganze oft abdriftet, eine andere. Manche Szenen haben ihren ganz eigenen Charme oder sind einfach nur rührend, andere dagegen wirken zu bemüht bzw. zu gestellt. Lustig ist das Ganze natürlich allemal. Es wäre jedoch vielleicht besser gewesen, die Patienten weniger als Witzfiguren hinzustellen und sich in dieser Hinsicht mehr an Einer flog übers Kuckucksnest zu orientieren. Dann wäre der Respekt vor den Kranken nicht so drastisch verloren gegangen. Ob die nette, kunterbunte Kuschelwelt der Anstalt viel mit der Realität zu tun hat, kann ich nicht beurteilen. Egal - diese originelle Liebesgeschichte bietet viel Raum für eigene Interpretationen. Phantastische Bilder, explizite Gewaltdarstellungen, SF-Elemente und was für's Herz - da dürfte wirklich für jeden etwas dabei sein, und unglaublicherweise funktioniert die Mischung all dieser Bestandteile bestens.

DVD-Features:

Es ist nicht zu verstehen, warum das Making of und die drei Interviews in vier Einzel-Featurettes unterteilt wurden, denn alle sind gleich aufgebaut, d.h. offensichtlich gehören sie eigentlich zusammen. Nicht nur der Regisseur und die beiden Hauptdarsteller kommen in den Interviews zu Wort, sondern auch andere Schauspieler und Leute aus dem Filmteam. Dazu kommen Filmausschnitte und unkommentiertes hinter-den-Szenen-Material. Insgesamt erhält man einen ganz guten Eindruck vom Produktionsprozess und von der entspannten Atmosphäre bei den Dreharbeiten. Der Regisseur erzählt, dass er nach seiner berühmten "Rache-Trilogie" einfach mal einen ganz anderen Film machen musste, bevor er mit "Durst" wieder in die Abgründe von Gewalt und Tod abtauchen konnte. Man erfährt, dass die Hauptdarstellerin drei Monate lang strenge Diät halten musste, um das für ihre Rolle erforderliche Minimalgewicht erreichen zu können. Ganz am Schluss des letzten Interviews mit dem Hauptdarsteller fehlen übrigens die deutschen Untertitel.

Eine gesonderte Featurette zeigt das Filmteam bei der Berlinale 2007; damals wurde der Film mit dem Alfred-Bauer-Preis ausgezeichnet. Hinzu kommen sieben nicht verwendete Szenen. Sie sind alle eher uninteressant, zumal es sich hauptsächlich um leichte Erweiterungen vorhandener Szenen handelt.


Screenshots


I'm a Cyborg, but that's OK

Young-goons Arbeitsplatz. Kein Wunder, dass sie sich für eine Maschine hält!


I'm a Cyborg, but that's OK

Young-goons leuchtende Zehen zeigen den optimalen Ladezustand ihres Cyborg-Körpers an.


I'm a Cyborg, but that's OK

Auf diese Weise dauert es aber zu lang, bis Young-goon volle Energie hat!


I'm a Cyborg, but that's OK

Il-sun wird auf Young-goon aufmerksam.


I'm a Cyborg, but that's OK

Young-goon im Sniper-Modus.


I'm a Cyborg, but that's OK

Das Reis-Megatron.


I'm a Cyborg, but that's OK

Il-sun begutachtet Young-goons bestens funktionierendes Innenleben incl. Megatron.


J. Kreis, 14.04.2011




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