Cobra Verde


Cobra Verde (D, 1987)

DVD Regionalcode 2, Arthaus
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 106 Minuten

Extras:
- Kommentar von Werner Herzog und Laurens Straub (57:55 Min, nur Audio)
- Herzog in Afrika (43:42 Min.)
- Fotogalerien
- Biografien (Text)

Regie:
Werner Herzog

Hauptdarsteller:
Klaus Kinski (Francisco Manoel da Silva)
King Ampaw (Taparica)
Jose Lewgoy (Don Octavio Coutinho)
Seine Königliche Hoheit Nana Agyefi Kwame II (König Bossa Ahadee)
Kwesi Fase (Prinz Kankpe)




Story

Brasilien zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Nach dem Tod seiner Mutter und einer Dürrekatastrophe verlässt Francisco Manoel da Silva seinen Bauernhof. Er versucht sich als Goldgräber, wird aber um seinen Verdienst betrogen und ermordet einen Aufseher. Da Silva wird zu einem gefürchteten Banditen, bekannt als "Cobra Verde". Eines Tages verhindert er bei einer öffentlichen Auspeitschung allein durch sein respektgebietendes Auftreten, dass ein Sklave flieht. Der Zuckerbaron Don Octavio Coutinho ist beeindruckt. Er stellt da Silva als Sklavenaufseher ein, ohne zu wissen, wer der Mann eigentlich ist. Nachdem da Silva die drei Töchter des Plantagenbesitzers geschwängert und seine wahre Identität preisgegeben hat, überlegt Don Octavio, wie er den Banditen wieder los werden kann. Töten kann er ihn nicht, denn Cobra Verde ist zu gefährlich. Don Octavios Freunde haben einen besseren Vorschlag. Da Silva wird zum Leutnant befördert und nach Westafrika entsandt. Er soll dort den zum Erliegen gekommenen Sklavenhandel wieder aufleben lassen. Man geht davon aus, dass er dabei umkommen wird, denn Gerüchten zufolge tötet Bossa Adhee, der wahnsinnige König von Dahomey, jeden Weißen, der einen Fuß an Land setzt. Sollte da Silva wider Erwarten Erfolg haben, wird dies trotzdem nicht zum Schaden Don Octavios sein. Obwohl da Silva über die Pläne seiner Gegner im Bilde ist, akzeptiert er den Auftrag.

Da Silva segelt nach Dahomey. Er lässt sich in einer geplünderten brasilianischen Küstenfestung nieder, wo er Taparica kennenlernt, den letzten Überlebenden der ehemaligen Garnison. Taparica wird zu einem loyalen Gefolgsmann da Silvas. Dieser verhandelt mit Bossa Adhee und schenkt ihm Gewehre, die der König gut für seinen aktuellen Feldzug gebrauchen kann. Man stellt da Silva Arbeitskräfte zur Verfügung, die die heruntergekommene Festung instandsetzen. Es werden sogar einige Möbelstücke zurückgegeben. Schon bald verschifft da Silva die ersten Sklaven nach Brasilien. Doch dann ändert der launenhafte König seine Meinung. Da Silva und Taparica werden gefangen genommen und Bossa Adhee vorgeführt. Sie sollen hingerichtet werden, doch sie werden von den Gefolgsleuten des Prinzen Kankpe befreit. Dieser plant einen Aufstand gegen seinen Onkel, braucht aber jemanden, der seine Armee ausbildet. Kankpe, angeblich ebenso verrückt wie sein Onkel, schließt Blutsbruderschaft mit da Silva. Da Silva stellt ein großes Amazonenheer auf, denn die Frauen sind weit mutiger als die Männer. Allerdings fällt es ihm schwer, die kampfeslüsternen Kriegerinnen im Zaum zu halten. Nachdem er den streitbaren Damen Disziplin und Kampftechniken beigebracht hat, stürmt da Silva den Königshof. Bossa Adhee gibt sich geschlagen und lässt sich von seinen Frauen erwürgen.



Cobra Verde

(Francisco Manoel da Silva an der Spitze seiner Armee)


Kankpe besteigt den Thron und macht da Silva zum Vizekönig. Nun kommt der Sklavenhandel erst richtig in Schwung. Da Silva verdient ein Vermögen, das in der Heimat verwaltet wird, und zeugt Dutzende Kinder mit Sklavinnen. Doch nichts verschafft ihm Befriedigung. Er fühlt sich einsam in der Fremde. Dann wird die Sklaverei abgeschafft, da Silvas Vermögen wird beschlagnahmt. Die Engländer setzen sogar ein Kopfgeld auf ihn aus. Für Kankpe, der seinen Wahnsinn nur vorgetäuscht hat, ist da Silva jetzt nutzlos. Er lässt da Silvas Festung plündern. Nur die Blutsbrüderschaft verhindert, dass da Silva getötet wird. Im Grunde ist da Silva froh, dass sich endlich etwas verändert hat. Völlig alleingelassen verlässt er die Festung. Er versucht ein Boot flottzumachen, schafft es aber nicht, den schweren Einbaum ins Meer zu ziehen.


Kringels Meinung

Francisco Manoel da Silva ist keine historische Persönlichkeit, sondern eine Romanfigur. Diese hat jedoch ein reales Vorbild namens Francisco Felix de Sousa, einen Sklavenhändler, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts großen Einfluss in Westafrika hatte und wie im Film zum Vizekönig geworden ist. Ein Amazonenheer wird er dabei wohl nicht eingesetzt haben, aber auch diese Kriegerinnen haben wirklich existiert, wie man in der englischsprachigen Wikipedia nachlesen kann, Stichwort "Dahomey Amazons". Interessant finde ich auch, dass die lokalen Könige damals recht gut am Sklavenhandel verdient haben. Und im Film wird der wahnsinnige König von einem echten Herrscher gespielt, der seinen ganzen Hofstaat zu den Dreharbeiten mitgebracht hat ...

Klaus Kinski und Werner Herzog haben einige Filme zusammen gemacht, darunter Meisterwerke wie Nosferatu: Phantom der Nacht und Aguirre, der Zorn Gottes. "Cobra Verde" ist ihr letztes gemeinsames Filmprojekt, und ein Meisterwerk ist es nicht gerade geworden. Das mag daran liegen, dass Herzog und Kinski damals schon so ziemlich am Ende ihrer an sich schon sehr ... "besonderen" Beziehung angelangt waren. Wieder einmal soll Kinski das ganze Filmteam an den Rand des Wahnsinns getrieben haben. Auf sein Betreiben musste sogar der Kameramann ausgetauscht werden. Kinski gibt sich maßlos exaltiert und fällt in seiner Rolle, der er ansonsten keinerlei Substanz verleiht, von einem Extrem ins andere. Entweder tobt, brüllt, grimassiert, fuchtelt und springt herum - oder er wirkt völlig abwesend, fast apathisch. Eine Identifikation mit dieser Figur ist praktisch unmöglich.

Letzten Endes ist die Story einfach nicht interessant genug, oder vielmehr: sie wird nicht so erzählt, dass man mitgerissen werden könnte. Der Film beginnt mit unzusammenhängend wirkenden Szenen, in denen da Silva am Grab der Mutter kniet, mit den Goldgräbern im Matsch wühlt, durch eine Stadt stolziert und in einem einfachen Restaurant sitzt, dessen Besitzer ihm etwas von schneebedeckten Bergen erzählt. Im Grunde fängt die Geschichte erst nach einer halben Stunde an, wenn da Silva in die Dienste des Zuckerbarons tritt. Doch sie wird zum Teil nicht nachvollziehbar weitergeführt. Warum werden hunderte Arbeiter geschickt, die die verlassene Festung in Schuss bringen, noch bevor da Silva überhaupt mit dem König verhandelt hat? Das Ende ist offen. Möglicherweise übernimmt sich da Silva beim Versuch, das Boot ins Wasser zu ziehen, und stirbt, vielleicht lebt er noch. Da Kinski es bis dahin nicht geschafft hat, mein Interesse für diese Figur zu wecken, war mir das aber egal.

Was den Film trotzdem sehenswert macht, das sind die eindrucksvollen Bilder. Gerade die erwähnte Szene mit dem Boot ist einer der stärksten Momente des Films. Afrika wird hier nicht romantisierend dargestellt, sondern so fremdartig, wie das Land auf jemanden wie da Silva gewirkt haben muss. Die Landschaftsaufnahmen sind einfach wunderbar, die Massenszenen mit tausenden von Statisten sind beeindruckend, der Auftritt des echten Königs und seines Hofstaates ist ein absolutes Highlight. Es wurde stets an Originalschauplätzen gedreht, der Königspalast wurde allerdings eigens für den Film erbaut. Am Ende treten dann noch einige Mädchen der Zigi Cultural Troupe Ho Ziavi mit einer faszinierenden Gesangsdarbietung auf. So entsteht eine ganz eigentümliche und sehr authentische Stimmung. Als Abenteuerfilm oder Charakterdrama eignet sich "Cobra Verde" dagegen nicht.


DVD-Features

Der knapp einstündige Audiokommentar läuft nicht gleichzeitig mit dem Film. Es werden auch keine Filmszenen oder so kommentiert. Stattdessen unterhält sich Laurens Straub (Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur) mit Werner Herzog über die Entstehung des Films. Herzog erzählt viel über Bruce Chatwin, dessen Roman "Der Vizekönig von Ouidah" dem Film zugrunde liegt. Herzog hat den Autor in Australien erstmals getroffen und war in seinen letzten Stunden bei ihm. Chatwin soll "Cobra Verde" gemocht haben. Damit war er wohl ziemlich allein; Herzog sagt, "Cobra Verde" sei damals von der Kritik geradzu hingerichtet worden. Herzog erwähnt, dass er nur Teile des Romans verfilmt hat und auch vom Reisebericht eines Insektenforschers inspiriert wurde, in dem dieser beschreibt, wie er an den Hof des Königs von Dahomey verschleppt worden ist. Herzog geht natürlich auch auf die Probleme mit Kinski ein. Der Mann muss kaum noch zu bändigen gewesen sein, nicht zuletzt war er gedanklich schon ganz woanders, nämlich bei seinem eigenen, gnadenlos gefloppten Projekt "Kinski Paganini". Man erfährt außerdem einiges über die Drehorte und Herzogs Arbeitsweise.

"Herzog in Afrika" enthält Ausschnitte aus einer ursprünglich 65 Minuten langen Filmdokumentation aus dem Jahre 1987, die der Schweizer Steff Gruber über die Dreharbeiten zu "Cobra Verde" produziert hat. Gruber, so weiß die Wikipedia zu berichten, ist einer der ersten Filmemacher, die Dokudramas jener Art gemacht haben, wie sie heute ganz selbstverständlich zum Bonusmaterial von DVDs und Blu-rays gehören. Gruber reist pünktlich zum ersten Drehtag an und sagt, er wolle von Herzog lernen. Man sieht dann unkommentierte Mitschnitte von den Proben und den Dreharbeiten, dazwischen wird Herzog interviewt. Ich finde erstaunlich, was Herzog dabei zum Ausdruck bringt. Es klingt ganz so, als hasse der Regisseur das Filmemachen und wäre lieber ganz woanders. Wenn man dann sieht, welche Schwierigkeiten er hat, seine Regieanweisungen bei Kinski an den Mann zu bringen, während sich die unzähligen Komparsen über die Warterei in der Hitze beschweren, kann man das allerdings nachvollziehen. Es scheint nicht einfach gewesen zu sein, die "Amazonen" zu trainieren, vor allem deshalb nicht, weil Unterbringung, Verpflegung und Entlohnung nicht sichergestellt gewesen zu sein scheinen. Am Ende muss Herzog den Komparsinnen den doppelten Lohn versprechen, damit sie überhaupt weitermachen ...


J. Kreis, 18.09.2015




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