Cloverfield


Cloverfield (USA, 2008)

Blu-ray, Paramount
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 85 Min.

Extras
- Audiokommentar des Regisseurs
- Special Investigation Mode
- Document 01.18.08: Das Making-Of von Cloverfield (28:22 Min.)
- Die visuellen Effekte von Cloverfield (22:32 Min.)
- "Ich sah es! Es lebt! Es ist gigantisch!" (5:53 Min)
- Clover Spaß (3:56 Min.)
- Entfernte Szenen (3:25 Min.)
- Alternative Enden (4:28 Min.)

Regie:
Matt Reeves

Hauptdarsteller:
T. J. Miller (Hudson Platt)
Michael Stahl-David (Robert Hawkins)
Lizzy Caplan (Marlena Diamond)
Jessica Lucas (Lily Ford)
Odette Yustman (Elizabeth McIntyre)




Inhalt:

Einige Zeit nach der Vernichtung New York Citys wird im ehemaligen Central Park eine Videokamera gefunden. Die Aufnahmen geben Einblick in die Geschehnisse der Nacht vom 22. zum 23. Mai.

Hudson Platt filmt die Abschiedsparty seines besten Freunds Robert Hawkins, der demnächst einen Job in Japan antreten wird. Hud versucht vergeblich mit dem Partygast Marlena Diamond zu flirten. Es kommt zu einem Streit zwischen Rob und Elizabeth McIntyre. Die beiden haben vor etwa einem Monat miteinander geschlafen. Seitdem hat sich Rob aber nicht mehr bei Beth gemeldet, weil er dachte, die Beziehung habe keine Zukunft. Beth ist mit einem neuen Freund auf der Party erschienen, nach dem Streit geht sie wieder. Kurz danach bebt die Erde, die Lichter gehen aus und in der Nähe ereignet sich eine heftige Explosion. Die Partygäste fliehen panisch vor den überall einschlagenden Trümmern auf die Straße. Doch auch dort ist es nicht sicher. Wolkenkratzer brechen zusammen, Brände brechen aus, Staubwolken wälzen sich durch die Straßen. Hud filmt immer weiter und sieht eine gewaltige schemenhafte Gestalt. Eine riesige Kreatur trampelt durch New York City und richtet dabei schreckliche Zerstörungen an.

Die Menschen versuchen über die Brooklyn Bridge aus Manhattan zu entkommen, doch auch die Brücke wird vernichtet. Unzählige Menschen sterben, darunter Robs Bruder Jason. Rob erhält eine Mailboxnachricht von Beth, die verletzt in ihrer Wohnung liegt und sich nicht bewegen kann. Die Nationalgarde marschiert mit Panzern auf und nimmt die Kreatur unter Beschuss, aber selbst Treffer aus schweren Waffen können das Ding nicht aufhalten. Außerdem fallen kleinere Lebewesen - möglicherweise Parasiten - von ihm herab und greifen die Menschen an. Trotz des Chaos will Rob unbedingt Behts Wohnung erreichen, die mitten im besonders gefährdeten Gebiet liegt. Hud, Marlena und Jasons Freundin Lily begleiten ihn. Sie nutzen einen U-Bahn-Tunnel, um sich ihrem Ziel zu nähern. Nur knapp entkommen sie den dorthin vorgedrungenen Parasiten, aber Marlena wird gebissen. Draußen werden die jungen Leute von Soldaten aufgegriffen und in einen provisorischen Kommandoposten mit Lazarett gebracht. Dort erliegt Marlena ihren Verletzungen.

Rob lässt sich von den Soldaten, die die Gegend evakuieren wollen, nicht aufhalten. Man lässt ihn, Hud und Lily gehen, legt ihnen aber nahe, um 06:00 Uhr am nächsten Morgen am Evakuierungspunkt zu sein. Nachdem der letzte Hubschrauber gestartet ist, soll ein letzter Angriff auf das Ungeheuer gestartet werden. Sollte dieser nicht erfolgreich sein, wird die gesamte Stadt vernichtet. Die drei jungen Leute gelangen ungehindert zum Ziel. Obwohl das Gebäude in Trümmern liegt, können sie Beth herausholen. Sie ist zwar verletzt, kann aber gehen. Der Hubschrauberlandeplatz wird noch rechtzeitig erreicht. Lily wird mit der ersten Maschine evakuiert, die drei anderen folgen kurz danach. Aus der Luft beobachten sie, wie das Ungeheuer bombardiert wird. Aber auch auf diese Weise kann es nicht ausgeschaltet werden. Es attackiert den Hubschrauber. Dieser stürzt im Central Park ab. Hud wird von der Kreatur in zwei Hälften gebissen. Rob und Beth verstecken sich unter einer Brücke. Diese bricht jedoch zusammen, als das Bombardement fortgesetzt wird.

Der Film:

Robs und Beths Schicksal ist ungewiss. Die Kamera wird von Trümmern bedeckt, so dass man davon ausgehen muss, dass die beiden umkommen. Schaut man sich den Abspann bis ganz zum Ende an, dann hört man eine leise Stimme, die (wenn ich mich nicht verhört habe) "Help us" sagt. Es könnte also sein, dass Rob und Beth immer noch unter der Brücke sitzen - und dass das Monster immer noch lebt... Nach dem Zusammenbruch der Brücke folgt noch ein Rückblick mit Rob und Beth, die Ende April einen Ausflug nach Coney Island machen. Rob filmt seine Freundin. Man erkennt im Hintergrund ein Objekt, das in einiger Entfernung aus dem Himmel fällt und ins Meer stürzt. Also kommt das Ungeheuer vermutlich aus dem All.

Eigentlich mag ich Filme mit Wackelkamera nicht. Dieses Stilmittel wird seit einigen Jahren immer wieder eingesetzt, um Kampfszenen und dergleichen dynamischer zu gestalten. Der Zuschauer soll den Eindruck haben, mitten drin im Getümmel zu sein. Deshalb wackelt die Kamera wie wild, es wird ständig rein- und rausgezoomt, wobei die Schärfe oft erst eine Sekunde verspätet eingestellt wird, und nicht selten kriegt auch mal die Linse was ab: Sie wird durch Dreck und Blutspritzer verunreinigt. Dazu kommt dann in der Regel noch eine hektische Schnittfolge. Meist wird dadurch aber nur der Effekt erzielt, dass man gar nichts mehr erkennt. In manchen Filmen wackelt die Kamera auch außerhalb der Action-Szenen einfach mal so, ohne erkennbaren Grund. Ich bekomme von diesem Gezappel zwar nicht gerade Kopfschmerzen, aber es nervt. Deshalb habe ich lange Zeit einen weiten Bogen um "Cloverfield" gemacht, denn dieser Film ist von der ersten bis zur letzten Minute verwackelt, es gibt nur ganz wenige Szenen, in denen die Kamera mal stillhält. Ich muss jedoch sagen: Wenn es einen nachvollziehbaren Grund dafür gibt, und wenn die Wackelkamera so gut eingesetzt wird wie hier, dann kann ich sie nicht nur tolerieren - dann würde ich sogar nicht auf sie verzichten wollen!

Ohne die "Egoperspektive", also das Mitverfolgen der Katastrophe aus dem Blickwinkel eines Durchschnittsbürgers, der keine Ahnung hat, was überhaupt vor sich geht, wäre "Cloverfield" nur ein weiterer x-beliebiger Monsterfilm. Es handelt sich angeblich um "gefundenes" Filmmaterial aus ein und derselben Kamera. Das ist offenbar keine Digitalkamera, denn das Band wurde überspielt. Ab und zu bekommt man kurze Momente der ursprünglichen Aufnahme (Robs Ausflug mit Beth nach Coney Island) zu sehen. Der gesamte Film besteht konsequent ausschließlich aus diesem Material, keine einzige Szene wurde von irgendeiner anderen Kamera aufgenommen. Es kommt nur ein kleiner Trick zum Einsatz: Manchmal filmt Hud Aufnahmen des Monsters, die im Fernsehen gezeigt werden. Schon die Figurenexposition gelingt origineller als in anderern Filmen, denn die Kamera geht in den ersten ca. 20 Minuten von Hand zu Hand. Erst filmt Rob Beth nach der gemeinsam verbrachten Nacht. Dann erhält Robs Bruder Jason die Kamera von Lily. Sie möchte, dass er während der Party filmt. Jason hat dazu aber keine Lust, und so bekommt letzlich Hud die Kamera in die Hand gedrückt. Er lässt sie während der Party fleißig laufen und versucht gleichzeitig, sich an Marlena heranzumachen. All diese Szenen tragen eigentlich nichts zur Handlung bei, aber hinterher hat man die Hauptfiguren aus verschiedenen Perspektiven kennengelernt.

Als dann das Chaos ausbricht, gelingt durch den Einsatz der verwackelten Egoperspektive der zweite geschickte Schachzug: Das Monster ist zunächst einmal überhaupt nicht zu sehen. Man sieht nur, was es in der Stadt anrichtet. Dann bekommt man höchstens mal einen gewaltigen Schatten, einen Tentakel oder dergleichen zu Gesicht. Einer alten Regel des Horrorfilms folgend wird das Monster erst ganz am Schluss in voller Pracht gezeigt. Das heißt aber nicht, dass mit Spezialeffekten gegeizt werden würde. Im Gegenteil! Da werden komplette Straßenzüge verwüstet, Wolkenkratzer werden zertrümmert und das Militär feuert aus allen Rohren. Man befindet sich aber eben nicht auf dem "Feldherrnhügel", d.h. man hat keinen umfassenden Überblick. Stattdessen hält Hud immer nur kurz drauf, weil er sich ja im nächsten Moment schon wieder in Sicherheit bringen muss. Am Schluss dann die finale Ironie: Normalerweise ist die Kamera unantastbar, aber in "Cloverfield" wird der Kameramann gefressen...

Die Hauptfiguren sind mir zwar durch die Bank unsympathisch (oberflächliche Großstadt-Yuppies... würg!), trotzdem kann man mitfiebern, denn die Spannung lässt bis zum Schluss nicht nach. Auch das Monster-Design weiß zu gefallen. Das riesige Ungeheuer gehört zu den fremdartigsten Kreaturen, die mir in diesem Genre je vor die Augen gekommen sind, und die wuseligen kleinen Spinnen-Parasiten sind richtig eklig. Dass sie alle komplett computergeneriert sind, fällt fast überhaupt nicht auf. Das Monster ist nicht "böse" - es irrt nur desorientiert durch eine fremde Umgebung und macht sich ebenso wenig Gedanken über die Schäden, die es anrichtet, wie jemand, der durch ein Kleefeld trampelt...

Blu-ray-Features:

Neben dem Audiokommentar kann man sich den Film im "Special Investigation Mode" anschauen. Er ist dann in einen Rahmen eingebettet, in den unten Bild- und Textkommentare eingeblendet werden. An der linken Seite befindet sich eine Schemakarte von Manhattan, auf der man die Routen der Hauptfiguren, des Monsters und der Soldaten einblenden kann.

Die nicht verwendeten und schiefgegangenen Szenen sind nicht weiter erwähnenswert. Die alternativen Enden unterscheiden sich nur darin, dass man andere Szenen vom Tag auf Coney Island sieht. Beim zweiten alternativen Ende sieht man nach dem Einsturz der Brücke ganz kurz nochmal Beth. Sie könnte also überlebt haben.

Die drei Featurettes sind zwar fast so hektisch und verwackelt wie der Film selbst, gewähren aber einen ganz guten Einblick in den Produktionssprozess. Viel Wert wird auf die Entstehung der computergenerierten Spezialeffekte gelegt. Man erfährt, dass das Monster als Neugeborenes konzipiert wurde, das panisch durch die Stadt stapft und nach seiner Mutter schreit. Wie die aussehen mag, will ich gar nicht wissen ;)


J. Kreis, 15.11.2011




Gastkommentare


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Gastkommentar von Darlene Mitrich (17.03.2012):

Dem Kommentar ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Sehr gut beobachtet und analysiert!
Auch bei mir hat schon die bloße Vorstellung einer wackeligen Handkamera im Blair Witch-Stil Übelkeit hervorgerufen. Dass ich den Film dann doch noch ganz angeschaut habe, liegt wohl daran, dass ich bis zur ersten Katastrophenszene nur gelegentlich hingeschaut habe und mehr mit meinem iPad beschäftigt war als mit dem oberflächlichen Geplänkel des Vorspieles. Aber dann - bei der ersten Actionsequenz war ich voll bei der Sache und habe das iPad zur Seite gelegt. Ab da gleicht der Film einer Achterbahnfahrt. Auch wenn moderne Filme ja schon fast nur noch aus CGI-Effekten bestehen, etwas derartiges hatte ich zuvor noch nie gesehen. Wie die unglaublichen Spezialeffekte ihren Weg in die Bilder der scheinbar chaotisch herumstaksenden Handkamera gefunden habe, ist mir noch immer ein Rätsel. Die Spezialeffekte beschränken sich dabei nicht nur auf einzelne Sequenzen, sondern sind praktisch immer mit dabei. Einfach nur fantastisch!
Man fühlt sich mitten ins Geschehen hineinversetzt und das ganz ohne 3D.
Eine klare Schnittfolge ist kaum bemerkbar. Eher gewinnt man den Eindruck, dass minutenlange Sequenzen nahtlos aufeinander folgen und einem keinen Moment Ruhe gönnen. Statt konventioneller Schnitttechnik wird gezoomt und geschwenkt was das Zeug hält. Alles bewegt sich. Nicht nur die Kamera sondern auch die zahllosen Darsteller und Statisten erwecken den Eindruck, als wäre jede Ordnung im Chaos bloßer Zufall. Wichtige Schlüsselereignisse werden dabei bewußt nur gestreift und sind oft nicht länger als ein Augenzwinkern lang im Bild. Immer ein wenig zu kurz. Dadurch wird der Zuseher noch tiefer in das Geschehen hineingezogen.
Alles in allem kein Film für schwache Nerven. Die Kameraarbeit ist für mich ein Meilenstein der Filmgeschichte.



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