Cloud Atlas


Cloud Atlas (USA/D, 2012)

Blu-ray, Warner Home Video
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 172 Minuten

Extras:
- Making of (18:51 Min.)
- Europapremiere in Berlin (3:55 Min.)
- Trailer

Regie:
Tom Tykwer, Andrew Wachowski, Lana Wachowski

Hauptdarsteller:
Tom Hanks (Dr. Henry Goose, Isaac Sachs, Dermot Hoggins, Zachary u.a.)
Halle Berry (Jocasta Ayrs, Luisa Rey, Meronym u.a.)
Hugo Weaving (Haskell Moore, Bill Smoke, Krankenschwester Noakes u.a.)
Ben Whishaw (Robert Frobisher u.a.)
Jim Sturgess (Adam Ewing, Hae-Joo Chang u.a.)
Doona Bae (Tilda Ewing, Sonmi-451 u.a.)
Jim Broadbent (Vyvyan Ayrs, Timothy Cavendish u.a.)
James D'Arcy (Rufus Sixsmith u.a.)
David Gyasi (Autua u.a.)
Keith David (Napier u.a.)




Story

Im Jahre 1849 bereist der junge amerikanische Anwalt Adam Ewing den Südpazifik und führt Tagebuch über seine Erlebnisse. Er soll ein Geschäft für den Sklavenhändler Haskell Moore abschließen, seinen Schwiegervater. Er wird laut der Diagnose des Arztes Dr. Henry Goose von einem Parasiten befallen und muss im Frachtraum des Schiffes bleiben. Dort begegnet er dem entflohenen Maori-Sklaven Autua, dessen Auspeitschung er einige Zeit vorher beobachtet hat. Die beiden freunden sich an. Ewing hält Autua versteckt, versorgt ihn mit Nahrung und sorgt schließlich dafür, dass Autua in die Mannschaft aufgenommen wird. Trotz der Behandlung durch Goose geht es Ewing immer schlechter. Tatsächlich ist er gar nicht krank. Die vermeintliche Medizin ist Gift, mit dem Goose ihn umbringen will, um sich das Gold anzueignen, das Ewing von seinem Geschäftspartner erhalten hat. Als Ewing die Wahrheit erkennt, ist es schon fast zu spät. Doch mit Autuas Hilfe kann Goose besiegt werden. Ewing kehrt in die Heimat zurück, verbrennt den Sklavenvertrag und schließt sich zusammen mit seiner Gattin Tilda der Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei an.

Etwa neunzig Jahre später findet der aufstrebende Musiker Robert Frobisher Ewings Tagebuch im Anwesen des berühmten Komponisten Vyvyan Ayrs, allerdings existiert nur noch die erste Hälfte des Buches. Frobisher will den Ruhm seines Arbeitgebers nutzen, um selbst Karriere zu machen. Er beginnt ein Verhältnis mit Jocasta, der jungen Gattin des Komponisten. Frobisher schreibt regelmäßig Briefe an seinen Liebhaber Rufus Sixsmith, außerdem beginnt er mit der Ausarbeitung eines eigenen Werkes, des "Wolkenatlas-Sextetts". Ayrs glaubt, er habe diese meisterhafte Komposition in einem Traum gehört und beansprucht Frobishers Werk für sich selbst. Er droht damit, Frobishers Ruf zu ruinieren, und will die Notenblätter an sich reißen. Frobisher schießt Ayrs mit dessen Waffe nieder und flieht. Der Komponist überlebt jedoch, so dass sich Frobisher versteckt halten muss. Nachdem er das Wolkenatlas-Sextett vollendet hat, begeht er Selbstmord.

Wiederum fast vierzig Jahre später begegnen sich der jetzige Kernphysiker Sixsmith und die Journalistin Luisa Rey zufällig in San Francisco, als der von ihnen genutzte Aufzug wegen eines Stromausfalls stecken bleibt. Die beiden unterhalten sich, und Sixsmith kommt zu dem Entschluss, der integren jungen Frau seine Erkenntnisse über schwere Sicherheitsprobleme bei einem neuen Atommeiler anzuvertrauen. Er wird jedoch kurz vor einem Treffen mit Luisa vom Auftragsmörder Bill Smoke erschossen, der die brisanten Unterlagen mitnimmt. Luisa erhält eine Kopie des Berichts vom Wissenschaftler Isaac Sachs, der für den Atomkonzern arbeitet. Sachs wird ebenfalls ermordet, Luisas Auto wird von einer Brücke gedrängt. Die Journalistin überlebt und erhält unerwartete Hilfe von Joe Napier, dem Sicherheitschef des Konzerns - er war ein Freund ihres Vaters. Es wird klar, dass der Konzern im Dienste der Ölindustrie steht. Der Atommeiler soll explodieren, denn die Ölmultis haben kein Interesse an der Einführung der Atomkraft. Nachdem Smoke bezwungen ist, folgt Luisa einer Spur, die zu Sixsmiths Nichte führt. Diese besitzt eine weitere Kopie des Berichts, aus dem die Wahrheit hervorgeht. Nun kann Luisa damit an die Öffentlichkeit gehen.

2012: Der in die Jahre gekommene britische Verleger Timothy Cavendish ärgert sich darüber, den Flop "Knuckle Sandwich" in sein Programm genommen zu haben, eine Autobiografie des Gangsters Dermot Hoggins. Der Flop wird zum Bestseller, als Hoggins einen Literaturkritiker, der sein Werk verrissen hatte, vom Dach eines Hochhauses wirft. Innerhalb kürzester Zeit gehen 800.000 Exemplare von "Knuckle Sandwich" über den Ladentisch, aber fast die gesamten Einnahmen werden von Cavendishs Schulden aufgezehrt. Der im Gefängnis sitzende Hoggins möchte ein Stück vom Kuchen abhaben und schickt seine drei Brüder zu dem Verleger. Sie lassen keinen Zweifel daran, dass Cavendish das Schicksal des Kritikers teilen wird, wenn es ihm nicht gelingt, 60.000 Pfund aufzutreiben. Cavendish bittet seinen reichen Bruder um Hilfe. Der hat aber selbst noch eine Rechnung mit Cavendish offen, weil dieser einst ein Verhältnis mit seiner Frau hatte. Er sorgt dafür, dass Cavendish im Altersheim "Haus Aurora" aufgenommen wird, das einem Gefängnis gleicht und von brutalen Pflegern beherrscht wird. Mit der Hilfe dreier Leidensgenossen gelingt Cavendish schließlich die Flucht.

Mitte des 22. Jahrhunderts werden genmanipulierte Klone als billige Arbeitskräfte eingesetzt. Da man sie nicht als echte Menschen betrachtet, haben die "Duplikanten" keinerlei Rechte und können sich nicht fei bewegen. Ihnen wird versprochen, dass sie nach zwölfjähriger Arbeitszeit ins "Elysium" aufsteigen dürfen. Duplikanten, die sich gegen Menschen wenden oder zu fliehen versuchen, werden per Fernsteuerung getötet. Der Klon Sonmi-451 wird von einem Rebellen namens Hae-Joo Chang befreit. Erstmals in ihrem Leben bekommt Sonmi die gigantische Metropole Neo-Soul zu sehen, denn sie hat ihr gesamtes bisheriges Leben im Inneren des Schnellimbisses "Papa Song" verbracht, in dem sie arbeitet. Die Rebellenunion betrachtet Klone als vollwertige Menschen, Sonmi soll als lebendiger Beweis hierfür dienen. Während sie alles lernt, was es über die Welt zu wissen gibt, verliebt sie sich in Hae-Joo. Er zeigt ihr, was es mit dem "Elysium" wirklich auf sich hat. Die "ausgedienten" Klone werden getötet und zu Grundmaterial für neue Duplikanten oder zu Nahrung für ihresgleichen verarbeitet. Sonmi verfasst ein bewegendes Manifest der Menschlichkeit, das in die ganze Welt und zu den vier außerirdischen Kolonien übertragen wird. Sicherheitskräfte stürmen die Sendestation und töten alle Rebellen außer Sonmi. Sie wird verhört und anschließend öffentlich hingerichtet. Ihre Botschaft bleibt jedoch nicht ungehört.

Im 106. Jahr nach dem Weltuntergang leben nur noch wenige Menschen auf der größtenteils radioaktiv verseuchten Erde. Einige haben eine primitive Zivilisation aufgebaut. Andere durchstreifen als Plünderer und Kannibalen das Land. Nur die Prescients nutzen noch die hoch entwickelte Technik der "Alten". Meronym, eine Forscherin aus dem Volk der Prescients, versucht Kontakt mit den vier Kolonialwelten aufzunehmen. Nur auf einem dieser Planeten hätte die Menschheit eine Überlebenschance. Es existiert eine uralte Kommunikationseinrichtung auf dem Berg Mauna Sol, der von den Bewohnern eines nahe gelegenen Tals für heilig gehalten wird. Meronym braucht einen eingeborenen Führer, allein könnte sie den Aufstieg nicht bewältigen. Sie quartiert sich bei dem Ziegenhirten Zachary ein. Als Meronym Zacharys Nichte Catkin das Leben rettet, ist er bereit, sie auf den Berg zu führen. Der Sender ist noch funktionsfähig, Meronym kann ihn kurz in Betrieb nehmen. Inzwischen wurde Zacharys Dorf von Kannibalen angegriffen. All seine Verwandten und Freunde sind tot, nur Catkin hat überlebt. Mit Meronyms Hilfe kann Zachary die Plünderer besiegen. Er und Catkin werden von den Prescients mitgenommen, als diese eines Tages auf einen Kolonialplaneten auswandern. Zachary und Meronym werden ein Paar.

Kringels Meinung

Eigentlich wollte ich David Mitchells Roman "Der Wolkenatlas" zuerst lesen. Jetzt habe ich doch zuerst die Verfilmung geguckt und kann somit immerhin ahnen, wie komplex der Roman sein muss. Nicht weniger als sechs Erzählstränge, deren Handlung sich über ca. 500 Jahre erstreckt, müssen zu einem funktionierenden Ganzen verknüpft werden. Im Film gelingt das nur bedingt. Jedenfalls habe ich mich am Ende gefragt, ob das denn jetzt wirklich schon alles war und wo die Pointe ist. Irgendwie hat mich der Film nicht mitgerissen, keines der vielen Einzelschicksale hat mich wirklich berührt. Und es wird nicht klar, inwieweit die Grundthese des Films, nach der alles miteinander verbunden ist, durch die verschiedenen Handlungsebenen verdeutlicht werden soll. All unsere Entscheidungen beeinflussen nicht nur unser eigenes Leben, sondern das aller anderen Menschen in Gegenwart und Zukunft - eine Binsenweisheit, auf die man eigentlich gar nicht näher eingehen muss. Die Zusammenhänge und gegenseitigen Beeinflussungen zwischen den sechs Epochen sind eher schwach oder wirken zu erzwungen.

So führt Ewing im Jahre 1849 Tagebuch, Frobisher liest die erste Hälfte des Tagebuchs im Jahre 1936. Die andere Hälfte, die er nie findet, liegt unter einem zu kurzen Tischbein. Welchen Einfluss hatte nun Ewing auf Frobisher? Wurde Frobisher durch das (unvollständige) Tagebuch zur Vollendung des Wolkenatlas-Sextetts inspiriert? Sein Arbeitgeber Ayrs hört die Wolkenatlas-Musik in einem Traum. Es ist eindeutig, dass er im Traum das Schnellrestaurant sieht, in dem Sonmi-451 im Jahre 2144 arbeitet. Ist das Präkognition? Ein Zeitparadoxon? Frobisher schreibt Briefe an Sixsmith. Diese Briefe gehen später in Luisas Besitz über, so dass sie anfängt, nach einer Aufnahme des Wolkenatlas-Sextetts zu suchen. Aber was hat das für eine Bedeutung für ihre Story? Gar keine, würde ich sagen. Cavendishs Erlebnisse wiederum wurden anscheinend verfilmt, und ein Teil dieses Films, in dem es um das Aufbegehren gegen Unterdrückung geht, wird im Jahre 2144 wieder und wieder von den Klonen angeschaut. Wurden die Klone auf diese Weise zu Rebellen? Für Sonmi-451 trifft das jedenfalls nicht zu. Sie schließt sich der Union erst an, als sie begreift, was es mit dem angeblichen "Elysium" wirklich auf sich hat. Sonmis Opfer findet anscheinend großen Anklang, denn Sonmi wird im Jahre 2321 immer noch verehrt, ihr Manifest wird zur Heiligen Schrift von Zacharys Stamm. Den Weltuntergang hat Sonmi aber nicht verhindert.

Es gibt noch mehr Zusammenhänge und Anspielungen, aber das alles fügt sich nicht zu einem großen, übergreifenden Gesamtbild zusammen. Jedenfalls könnte ich nicht sagen, warum die sechs Geschichten, die hier erzählt werden, füreinander von Bedeutung sein sollen. Eigentlich besteht der Film lediglich aus sechs Episoden, von denen jede auch gut ohne alle anderen auskommen würde... Eines wird natürlich sofort augenfällig: Alle Hauptdarsteller übernehmen in diesem Film je sechs Rollen. Möglicherweise soll damit angedeutet werden, dass es sich um Re-Inkarnationen ein und derselben Person mit unterschiedlichem Geschlecht, anderer Hautfarbe und anderen Charakterzügen handelt. Das ist zwar grundsätzlich keine schlechte Idee, dummerweise führt sie nicht selten zu unfreiwilliger Komik, denn die Masken sind manchmal einfach nur grotesk. Und immer wieder - vor allem wenn Männer weibliche Rollen übernehmen - fühlte ich mich an so manches Werk der Monty Python - Truppe erinnert. Hugo Weaving als herrische Altenpflegerin - wer da nicht sofort an John Cleese denken muss, hat wahrscheinlich nie Monty Python's flying Circus gesehen! Die etwas merkwürdige "Zukunfts-Sprache" in der 2321er-Handlungsebene fand ich ebenfalls nicht wirklich gelungen. Auch der beabsichtigte Humor funktioniert nicht immer, teilweise wird er zu dick aufgetragen.

Die sechs Geschichten werden nicht nacheinander durcherzählt, stattdessen wechseln die Handlungsebenen permanent. Und sie verlaufen nicht chronologisch. Vor- und Rückblenden werden immer wieder eingesetzt. Erstaunlicherweise verliert man bei diesem Kaleidoskop aus Einzelszenen und Momentaufnahmen nie den Überblick; der Handlung (bzw. den Handlungen) kann problemlos gefolgt werden. Der ständige Wechsel sorgt natürlich dafür, dass es trotz der fast dreistündigen Laufzeit des Films nicht langweilig wird. Waren die Protagonisten gerade noch auf einem Segelschiff des 19. Jahrhunderts unterwegs, so müssen sie in der nächsten Szene vor Hoverbikes fliehen und werden mit Energiestrahlen beschossen, im nächsten Moment geht es um den Kampf gegen fiese Kannibalen in postapokalyptischer Umgebung, und kurz danach gibt's eine Verfolgungsjagd mit Straßenkreuzern der Siebzigerjahre. Jede einzelne Epoche wurde aufwändig und bildgewaltig in Szene gesetzt, was am meisten bei den in Vergangenheit und Zukunft spielenden Szenen auffällt. So ist "Cloud Atlas" gleichzeitig ein Historienfilm mit üppiger Ausstattung, prächtigen Kostümen usw., ein Künstler-Drama, ein Politthriller im 70er-Stil, eine Komödie und Science Fiction. Der Abwechslungsreichtum, die phantastischen Schauwerte und die Action machen diese überambitionierte Gigantomanie von einem Film dann doch noch sehenswert.

Blu-ray-Features

Es ist schon ein bisschen frech, eine aus vier kurzen Featurettes mit mehrfach redundantem Inhalt bestehende Zusammenstellung von Filmszenen und Interviews, in denen die Handlung nacherzählt wird, als "Making of" zu bezeichnen. Als Werbung für Leute, die den Film noch nicht kennen, mag das OK sein, aber wer den Film gesehen hat, kann dieses "Making of" getrost ignorieren. Hinzu kommen ein paar Impressionen von der Europapremiere in Berlin. Tom Hanks würdigt "Cloud Atlas" als deutschen Film, weil das Team hauptsächlich aus Deutschen bestanden hat. Nett von ihm.


J. Kreis, 28.11.2013




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