Cleopatra


Cleopatra (USA, 1963)

Blu-ray, Fox Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 6
Laufzeit: ca. 251 Minuten

Extras:
- Audiokommentar von Chris Mankiewicz, Tom Mankiewicz, Martin Landau und Jack Brodsky
- Cleopatra - Der Film, der Hollywood veränderte (119:07 Min.)
- Der Kleopatra-Mythos im Lauf der Zeit (7:51 Min.)
- Die verschollenen Filmaufnahmen (8:12 Min.)
- Tom Rothman spricht über die Veröffentlichung des Films (29:29 Min.)
- Der vierte Star von Cleopatra (9:06 Min.)
- Fox tönende Wochenschau (6:19 Min.)
- Ein Briefwechsel während der Filmproduktion (Text)
- Kinotrailer

Regie:
Joseph L. Mankiewicz

Hauptdarsteller:
Elizabeth Taylor (Cleopatra)
Rex Harrison (Julius Caesar)
Richard Burton (Marcus Antonius)
Roddy McDowall (Octavian)
Martin Landau (Rufio)




Story

Der große Eroberer Julius Caesar erringt im Jahre 48 v. Chr. in der Schlacht von Pharsalos einen entscheidenden Sieg im römischen Bürgerkrieg. Sein Widersacher Pompeius flieht nach Ägypten, um den Beistand des jungen Pharao Ptolemäus zu gewinnen. Caesar folgt Pompeius unter einem Vorwand nach Alexandria. Der alte Pharao hatte seine Tochter Cleopatra zur Mitregentin an der Seite ihres Bruders bestimmt und die Römer gebeten, dies durchzusetzen. Ptolemäus strebt jedoch die Alleinherrschaft an. Als Geste des guten Willens überreicht Ptolemäus den Römern ein Geschenk: Das abgetrennte Haupt des Pompeius und einen Ring, den Caesar ihm einst geschenkt hat. Abends erhält Caesar ein weiteres Geschenk. Der Sklave Apollodorus bringt ihm einen wertvollen Teppich. Die Teppichrolle hat lebenden Inhalt - auf diese Weise wird Cleopatra in den Palast geschmuggelt. Caesar ist vom selbstbewussten Auftreten der jungen Frau mindestens ebenso beeindruckt wie von ihrer Schönheit. Sie darf bleiben, stößt aber mit ihrer Forderung, anstelle ihres Bruders auf den Thron Ägyptens gesetzt zu werden, bei Caesar auf taube Ohren. Ptolemäus bereitet einen Angriff auf die Römer vor. Diese setzten die ägyptische Flotte in Brand. Das Feuer greift auf die Stadt über. Die Große Bibliothek von Alexandria wird ein Raub der Flammen. Caesar hält die Stadt, bis sein Offizier Rufio, Oberbefehlshaber der drei in Ägypten stationierten Legionen, Verstärkung heranführt. Ein von Ptolemäus initiierter Giftanschlag auf Cleopatra schlägt fehl. Der Pharao wird in die Verbannung geschickt.

Cleopatra hat Caesar längst für sich gewonnen. Er liebt sie und überträgt ihr die Herrschaft über ganz Ägypten. Obwohl Caesar bereits mit einer Römerin verheiratet ist, ehelicht er Cleopatra und zeugt mit ihr einen Sohn, der den Namen Caesarion erhält. Cleopatra versucht Caesar für ihren Traum von einer geeinten friedlichen Welt unter ägyptisch-römischer Herrschaft zu begeistern. Caesar kehrt nach Rom zurück, muss unterwegs allerdings einige Schlachten schlagen, so dass Jahre ins Land gehen. Der Feldherr wird zum Diktator auf Lebenszeit ernannt, ist mit dieser Rolle aber nicht glücklich, weil all seine Entscheidungen vom Senat abgesegnet werden müssen. Kleopatra reist nach Rom, wo man ihr einen triumphalen Empfang bereitet. Bei dieser Gelegenheit sieht Caesars Stellvertreter, der beim Volk und den Legionären äußerst beliebte Marcus Antonius, Cleopatra zum ersten Mal. Er verliebt sich sofort in die Ägypterin, hält das jedoch geheim. Nicht alle Römer sind mit den aktuellen Entwicklungen zufrieden. Einige Senatoren befürchten zu Recht, dass Caesar die ganze Macht an sich reißen will. Am Tag einer Abstimmung zu der Frage, welche zusätzlichen Befugnisse Caesar erhalten soll, schlägt eine Gruppe von Verschwörern zu. Mehrere Senatoren, darunter Caesars Stiefsohn Brutus, erdolchen den Herrscher. Marcus Antonius ermöglicht Cleopatra die Flucht nach Ägypten. Anschließend bringt er einen Verschwörer nach dem anderen zur Strecke.

Ein Triumvirat tritt Caesars Nachfolge an. Wie von Caesar gewünscht herrscht Octavian in Spanien und Gallien. Die östlichen Provinzen werden Marcus Antonius zugesprochen. Afrika geht an Lepidus. Insgeheim verfolgt Octavian das Ziel, Caesars Pläne für sich selbst zu verwirklichen und Kaiser zu werden. Dabei steht ihm vor allem Marcus Antonius im Weg. Cleopatra wiederum hält Caesarion für Caesars rechtmäßigen Erben. Marcus Antonius braucht Geld und Vorräte für seine Legionen. Beides kann er nur in Ägypten in ausreichender Menge erhalten. Er ist deshalb gezwungen, aus einer schwachen Position heraus mit Cleopatra zu verhandeln. Trotz ihrer Differenzen werden die beiden ein Liebespaar. Marcus Antonius kehrt nach Rom zurück. Cleopatra rast vor Eifersucht, als sie erfährt, dass er Caesars Schwester Octavia geheiratet hat, wenn auch nur aus Gründen der Staatsräson. Sie empfängt die römischen Gesandten nicht mehr. Marcus Antonius muss sich persönlich nach Alexandria bemühen und Cleopatras Forderungen erfüllen, um weiterhin vom Reichtum ihres Landes profitieren zu können. Unter anderem wird Caesarion zum König Ägyptens ernannt, außerdem soll ein beträchtlicher Teil der römischen Provinzen unter ägyptische Herrschaft gestellt werden. Zum endgültigen Bruch mit Rom kommt es, als Marcus Antonius und Cleopatra nach ägyptischem Ritus heiraten und als Octavian den Senatoren das Testament des Marcus Antonius präsentiert, dem zufolge er nicht in Rom beigesetzt werden will, sondern in Ägypten. Es kommt zum Krieg zwischen Ägypten und Rom.

In der Seeschlacht von Actium tappt Marcus Antonius in eine Falle. Er verfolgt Octavians Schiff und bringt dieses auf, doch Octavian ist gar nicht an Bord. Die ägyptische Flotte wird vernichtend geschlagen. Cleopatra, die die Schlacht von ihrem eigenen Schiff aus beobachtet, hält Marcus Antonius für tot und flieht. Als Marcus Antonius sieht, wie sich Cleopatras Galeere entfernt, lässt er seine Soldaten im Stich. Mit einer kleineren Einheit folgt er der Galeere und wird an Bord genommen. Danach ist er nicht mehr derselbe. Er macht sich Vorwürfe und lässt niemanden an sich heran, auch nicht Cleopatra. Schließlich gelingt es ihr doch noch, ihm Mut zuzusprechen. Mit seinen letzten Legionen will er sich der auf Alexandria marschierenden Übermacht stellen und einen Überraschungsangriff wagen. Doch die Legionäre desertieren. Nur Rufio bleibt loyal und wird getötet. Octavian will Marcus Antonius lebend gefangen nehmen und lässt zu, dass er nach Alexandria zurückkehrt. Als Apollodorus andeutet, Cleopatra habe sich das Leben genommen, stürzt sich Marcus Antonius in sein Schwert. Der Sterbende wird in ein Grabmal gebracht, in dem sich Cleopatra versteckt hält. Er stirbt in ihren Armen. Wenig später trifft Octavian ein. Als Cleopatra sieht, dass er Pompeius' Ring trägt (sie hatte ihn Caesarion geschenkt), wird ihr klar, dass ihr Sohn tot ist. Da Octavian verspricht, Caesarion werde kein Leid geschehen, weiß Cleopatra, was sie von allen anderen Versprechungen des Römers zu halten hat. Sie wählt den Freitod durch Schlangengift. So endet die Jahrtausende umfassende Herrschaft der Pharaonen.


Kringels Meinung

So langsam schließe ich meine Bildungslücken. "Cleopatra" ist einer jener Klassiker, die man kennen sollte - auch wenn die Story von den teils katastrophalen Problemen während der Produktion und diversen Skandalen in diesem Falle meiner Ansicht nach interessanter ist als der Film selbst. Mit etwas mehr als vier Stunden Laufzeit entspricht die Blu-ray-Version jenem Film, der bei der Weltpremiere 1963 in New York zu sehen war. Er wurde in der folgenden Zeit immer weiter gekürzt, und wenn man bedenkt, dass "Cleopatra" ursprünglich aus zwei je dreistündigen Filmen bestehen sollte, so kann man sich vorstellen, dass am Ende nur eine Rumpfversion übrig geblieben ist, mit der niemand wirklich glücklich war. Was zu meinem nicht geringen Erstaunen fehlt, sind großmaßstäbliche Schlachtengemälde. Abgesehen von einer Attacke mit Ballistas auf Alexandria und der Seeschlacht von Actium sind so gut wie keine Actionszenen vorhanden, und selbst die genannten wirken irgendwie nicht besonders spektakulär. Der Film besteht größtenteils aus Dialog und teilweise unglaublich prunkvollen Massenszenen. Cleopatras Einzug in Rom ist zum Beispiel eine lange Sequenz aus verschiedenen Tänzen, gefolgt von einer massiven Sphinx, die von Dutzenden (Hunderten?) Sklaven durch den Triumphbogen gezogen wird. Der Film enthält eine ganze Reihe derartiger Bilder, die man nicht vergisst. Die sehr gute Bildqualität der Blu-ray ist diesem Pomp angemessen.

Die Geschichte orientiert sich an den historischen Tatsachen, soweit diese überhaupt bekannt sind, folgt allerdings auch literarischen Vorbildern, nämlich "Cäsar und Cleopatra" von George Bernard Shaw sowie "Antonius und Cleopatra" von William Shakespeare. Für meinen Geschmack wird nicht klar genug herausgestellt, was Cleopatra eigentlich will. Ist sie eine Intrigantin, die die Mächtigen mit vorgetäuschter Liebe manipuliert, um selbst an die Macht zu kommen? Oder liebt sie Julius Caesar und Marcus Antonius wirklich? Immerhin ist sie eine wahrhaft starke Frauenfigur; keine Selbstverständlichkeit in den Sechzigerjahren. Im Vergleich mit Elizabeth Taylor bleiben Rex Harrison und selbst Richard Burton beinahe blass, was aber nicht heißen soll, dass sie keine guten Leistungen abliefern würden. Im Grunde hat mich nur gestört, dass alle Schauspieler mit viel zu großem Pathos sprechen, so als ob sie auf einer Theaterbühne stehen würden. Aus dem Leben gegriffen wirkt das nicht.

"Cleopatra" ist mit ziemlicher Sicherheit nicht der grandiose Film geworden, der er hätte sein können. Dennoch kann ich ihn als sehenswertes Mammutwerk bezeichnen, das man selbst nach über fünfzig Jahren noch genießen kann.


Blu-ray-Features

Herzstück des durchweg sehenswerten Bonusmaterials ist der zweistündige Film "Cleopatra - Der Film, der Hollywood veränderte" mit Robert Culp als Erzähler. Diese hochinteressante Dokumentation lässt wirklich keine Fragen offen. Dabei geht es nicht nur um die Geschichte von der Entstehung des Films. Auch auf die Filmindustrie allgemein und auf das wechselvolle Schicksal des Studios 20th Century Fox wird ausführlich eingegangen. Andere Filme - meist Flops - der damaligen Zeit werden angesprochen, und es wird klar gestellt, dass Fox auch schon vor dem "Cleopatra"-Debakel in Finanznot war. Es werden Archivaufnahmen (Bild und Film) sowie Ausschnitte aus damaligen Nachrichtensendungen gezeigt. Hinzu kommt erstaunlich viel Hinter-den-Szenen-Material (Testaufnahmen, Proben usw.). Aktuelle Interviews (d.h. vermutlich stammen sie aus den Neunzigern) mit Schauspielern, Zeitzeugen, Filmhistorikern und Journalisten sowie mit den Kindern z.B. des Regisseurs von "Cleopatra" beleuchten das Ganze aus heutiger Sicht - oder vielmehr der Regisseure, denn Rouben Mamoulian wurde von Joseph L. Mankiewicz ersetzt. Da waren schon Millionen Dollar über den Tresen gegangen, ohne dass auch nur eine einzige verwertbare Szene gefilmt worden wäre! Einige dieser Szenen sowie andere aus der Zeit nach dem Wechsel der Regisseure, die es auch nicht in den fertigen Film geschafft haben, sind in der Doku zu sehen. So wird deutlich, dass Rufio wahrscheinlich gar nicht von den Deserteuren ermordet worden ist, sondern Selbstmord begangen hat. Zur Doku gehören auch Probeaufnahmen mit Alternativbesetzungen. So kann man Joan Collins in der Rolle der Cleopatra bestaunen! Es sind sogar Massenszenen dabei und man sieht viel mehr von den gigantischen Alexandria-Kulissen als im Film. Die Skandale und Skandälchen nehmen natürlich breiten Raum ein, beginnend mit der für die damalige Zeit unverschämt hohen Gage Elizabeth Taylors, über ihre schwere Erkrankung, der sie einen Luftröhrenschnitt zu verdanken hat (man kann die Narbe in manchen Szenen in "Cleopatra" erkennen) bis hin zur Affäre mit Richard Burton, die während der Dreharbeiten begonnen hat (beide waren damals verheiratet) und sogar vom Papst kritisiert wurde. Zu guter Letzt wird noch auf die Werbekampagne, die Premieren und den bis heute nicht abgeschlossenen Versuch eingegangen, die Langfassung des Films wiederherzustellen.

Die übrigen Featurettes sind vergleichsweise kurz. Sie überschneiden sich nur thematisch mit der langen Doku, die Interviews etc. sind aber kaum redundant. In "Die verschollenen Filmaufnahmen" geht es noch einmal um den oben erwähnten Rekonstruktionsversuch. Autor/Filmhistoriker Brad Geagley und Fox-Archivar Schawn Belston berichten von der Suche nach Filmmaterial in den verschiedensten Archiven - noch ist es ihnen nicht gelungen, das vermutlich irgendwo lagernde vermisste Material aufzutreiben. In einer halbstündigen Featurette aus der Reihe "Fox Legacy" spricht Tom Rothman (seinerzeit ein hohes Tier bei Fox) die "Höhepunkte" der total aus dem Ruder gelaufenen Produktion von "Cleopatra" an. Er räumt mit dem Mythos auf, dass der Film ein Flop gewesen sei. Das stimmmt nicht; tatsächlich war bzw. ist er durchaus sehr profitabel. "Der vierte Star von Cleopatra" und zwei schwarz-weiße Beiträge von "Fox tönende Wochenschau" sind Werbefilme aus den Sechzigerjahren, dennoch ist erstere interessant, weil recht viel Hinter-den-Szenen-Material gezeigt wird, das in der langen Doku nicht zu sehen ist. "Ein Briefwechsel während der Filmproduktion" ist 1963 in Buchform veröffentlicht worden. Jack Brodsky und Nathan Weiss haben sich damals brieflich über die Dreharbeiten informiert. "Der Kleopatra-Mythos im Lauf der Zeit" beschäftigt sich mit dem realen Vorbild der Filmfigur. Ein Historiker geht auf den geschichtlichen Hintergrund sowie auf verschiedene Darstellungen in Film, Kunst und Literatur ein.


J. Kreis, 20.06.2017




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