The First Avenger: Civil War


The First Avenger: Civil War (USA, 2016)
- Captain America: Civil War -

Blu-ray, Marvel/Walt Disney Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 148 Minuten

Extras:
- Audiokommentar
- Entzweit gehen wir zugrunde: Making of "The First Avenger: Civil War" (45:43 Min.)
- Captain Americas Perspektive zu "Civil War" (4:11 Min.)
- Iron Mans Perspektive zu "Civil War" (4:27 Min.)
- Sprenge deine Grenzen: Marvels Doctor Strange - Exklusive Sneak Peek (4:02 Min.)
- Zusätzliche & erweiterte Szenen (7:52 Min.)
- Pannen vom Dreh

Regie:
Anthony und Joe Russo

Hauptdarsteller:
Chris Evans (Steve Rogers / Captain America)
Robert Downey jr. (Tony Stark / Iron Man)
Sebastian Stan (James Buchanan "Bucky" Barnes / Winter Soldier)
Chadwick Boseman (T'Challa / Black Panther)
Daniel Brühl (Helmut Zemo)
Emily VanCamp (Sharon Carter)
Scarlett Johansson (Natasha Romanoff / Black Widow)
Elizabeth Olsen (Wanda Maximoff / Scarlet Witch)
Anthony Mackie (Sam Wilson / Falcon)
Don Cheadle (James Rhodes / War Machine)
Jeremy Renner (Clint Barton / Hawkeye)
Paul Bettany (Vision)
Paul Rudd (Scott Lang / Ant-Man)
Tom Holland (Peter Parker / Spider-Man)
William Hurt (Thaddeus Ross)




Story

Zur Vorgeschichte siehe The Return of the First Avenger und Avengers: Age of Ultron.

Die Avengers haben Hydra empfindliche Schläge versetzt, aber noch immer sind einige Hydra-Terroristen aktiv, zum Beispiel Brock Rumlow, der in Lagos eine biologische Massenvernichtungswaffe für einen unbekannten Auftraggeber stiehlt. Die Avengers stoppen Rumlows Söldner und sichern die Biowaffe. Rumlow zündet im Nahkampf mit Steve Rogers (Captain America) eine Bombe, um seinen Gegner mit in den Tod zu reißen. Wanda Maximoff (Scarlet Witch) dämmt die Explosion telekinetisch ein, so dass nur Rumlow stirbt. Es gelingt Wanda jedoch nicht, den Feuerball unter Kontrolle zu halten. Zahlreiche Unbeteiligte - eine Delegation aus dem afrikanischen Land Wakanda, der einzigen bekannten Quelle von Vibranium - kommen ums Leben. Das ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, denn bei ihren Aktionen haben die Avengers schon mehrfach massive "Kollateralschäden" angerichtet. Viele Menschen betrachten die Avengers immer noch als Helden, doch die öffentliche Meinung wendet sich gegen die von ihnen gebildete, jenseits aller rechtsstaatlichen Regeln agierende Privatorganisation. Die Vereinten Nationen kommen zu dem Ergebnis, dass der Einsatz von Superhelden reglementiert werden muss. Staatssekretär Thaddeus Ross präsentiert den Avengers die Sokovia Accords, ein Papier, dem zufolge sie nur noch im Auftrag der UN tätig werden dürfen. Wer damit nicht einverstanden ist, muss sich "zur Ruhe setzen" oder wird als Verbrecher behandelt.

Bei den Avengers herrscht Uneinigkeit. Steve will nicht, dass Politiker, deren Ziele sich jederzeit ändern können, darüber entscheiden, wann und wo er in den Einsatz geht. Tony Stark (Iron Man) dagegen ist bereit, die Verantwortung abzugeben, denn er ist sich der Konsequenzen seiner Taten nur zu bewusst. Die Ratifizierung der Sokovia Accords findet in Wien statt. Ein Attentäter, der anhand eines von einer Überwachungskamera aufgenommenen unscharfen Fotos als Bucky Barnes (Winter Soldier) identifiziert wird, verübt einen Bombenanschlag auf die Versammlung. Dabei wird T'Chaka getötet, der König von Wakanda. Sein Sohn T'Challa tritt nicht nur die Thronfolge an. Er übernimmt auch die Rolle des Black Panther, eines Superhelden mit vibraniumverstärktem Körperpanzer, dem seit Generationen der Schutz Wakandas obliegt. Sowohl Steve als auch T'Chaka setzen nun alles daran, den Winter Soldier zu finden. Steve hofft, dass sein alter Freund wieder zu sich selbst gefunden hat. T'Chaka will seinen Vater rächen und den Winter Soldier töten. Mit Hilfe von Sharon Carter, der Nichte der jüngst verstorbenen Peggy Carter, spürt Steve Bucky als erster auf. Bucky weiß durchaus wer er ist und verhält sich nicht aggressiv. Dennoch kommt es zu einer wilden Verfolgungsjagd, in die sich T'Challa im Black Panther-Anzug einmischt. Steve und Bucky werden festgenommen und nach Deutschland überführt. Dort soll Bucky in einer Hochsicherheitsanlage von einem Psychologen vernommen werden.

Niemand ahnt, dass der Psychologe tot ist. Helmut Zemo, Ex-Mitglied einer sokovianischen Spezialeinheit, hat ihn ermordet und seinen Platz eingenommen. Zemo hat Unterlagen an sich gebracht, in denen unter anderem die Codeworte enthalten sind, mit denen Bucky zum willenlosen Werkzeug gemacht werden kann. Zemo verursacht einen Stromausfall, spricht die Worte und zwingt Bucky, ihm den Standort jener Geheimbasis zu verraten, von der aus der Winter Soldier seinerzeit zu Einsätzen entsandt worden ist. Während der Winter Soldier anschließend eine Spur der Verwüstung durch das Gebäude zieht, bis er von Steve außer Gefecht gesetzt wird, verschwindet Zemo. Er steckt auch hinter dem Attentat in Wien, doch T'Challa weiß hiervon nichts. Als Bucky wieder zu sich kommt, ist seine Programmierung nicht mehr aktiv. Er kann Steve verraten, wohin Zemo unterwegs ist. Die Basis befindet sich in Sibirien, und dort hat Hydra mehrere Supersoldaten herangezüchtet - unter Verwendung eines Serums, das der Winter Soldier am 16. Dezember 1991 gestohlen hat. Steve geht davon aus, dass Zemo die Supersoldaten aus dem Kälteschlaf wecken und für einen Eroberungsfeldzug missbrauchen will. Um das zu verhindern, braucht Steve die Hilfe derjenigen Avengers, die sich bis jetzt wie er geweigert haben, die Sokovia Accords zu unterzeichnen. Gemeinsam mit Wanda, Sam Wilson (Falcon), Clint Barton (Hawkeye) und Scott Lang (Ant-Man) versuchen Steve und Bucky auf dem Flughafen Leipzig einen Quinjet zu kapern. Tony, T'Challa, Natasha Romanoff (Black Widow), James Rhodes (War Machine), Peter Parker (Spider-Man) und Vision stellen sich ihnen entgegen.

Nach hartem Kampf können Steve und Bucky nicht zuletzt Dank Natashas Hilfe mit dem Quinjet entkommen. Versehentlich feuert Vision im Kampf auf War Machine. Rhodey erleidet eine Rückenmarksverletzung und bleibt teilweise gelähmt. Steves Freunde werden festgenommen und in ein Tiefseegefängnis gebracht, wo sie unter menschenunwürdigen Bedingungen festgehalten werden, wie Tony bei einem Besuch feststellt. Er hat inzwischen ebenfalls erfahren, dass Zemo hinter dem Anschlag in Wien steckt. Es gelingt ihm, Sams Vertrauen zu gewinnen und von ihm zu erfahren, welches Ziel Steve hat. Tony gibt diese Information nicht an Ross weiter. Er fliegt allein nach Sibirien, wo er sich mit Steve und Bucky verbündet. T'Challa folgt ihm unbemerkt. Erstaunt stellen Steve und seine Begleiter fest, dass alle Supersoldaten von Zemo getötet wurden. Endlich erfahren sie, welches Ziel ihr Gegner verfolgt. Es geht im einzig und allein darum, die Avengers zu vernichten, denn er gibt ihnen die Schuld für den Tod seiner gesamten Familie in den Trümmern Sokovias. Da er keine Chance gegen die Avengers hätte, hat Zemo sie dazu gebracht, sich gegenseitig zu bekämpfen. Nun führt er seinen letzten Schlag und spielt ein Video ab, auf dem zu sehen ist, wie der Winter Soldier Tonys Eltern ermordet: Es ist der 16. Dezember 1991. Der Winter Soldier hatte den Auftrag, das von Tonys Vater transportierte Supersoldatenserum zu stehlen und keine Zeugen zurückzulassen.

Tony ist außer sich, erst recht, als Steve zugibt, von alldem gewusst zu haben. Es ist Tony egal, dass Bucky damals nicht er selbst war. Er geht zum Angriff über, lässt sich auch von Steve nicht aufhalten und trennt Buckys Metallarm ab. Mit letzter Kraft zerstört Steve die Energiequelle der Iron Man-Rüstung und bringt Bucky in Sicherheit. Seinen von Tonys Vater hergestellten Schild lässt er zurück. Derweil verlässt Zemo die Basis, um draußen Selbstmord zu begehen. T'Challa verhindert das. Ihm ist klar geworden, dass er sich vom Rachedurst hat blenden lassen, so dass er beinahe den falschen Mann getötet hätte. Er lässt Zemo am Leben und bringt ihn in dieselbe Hochsicherheitseinrichtung, in der zuvor Bucky eingesessen hat. Steve und Bucky finden Zuflucht bei T'Challa in Wakanda. Bucky wird auf eigenen Wunsch in Kryostase versetzt, solange nicht klar ist, ob die Gehirnwäsche rückgängig gemacht werden kann. Steve schreibt Tony einen Brief, in dem er ihm das Kommando über die Avengers übergibt und ihm versichert, dass er da sein wird, wenn man ihn braucht. Dann befreit Cap seine Freunde aus dem Tiefseegefängnis.


Kringels Meinung

Wenn ich etwas an Superheldenfilmen zu bekritteln habe (egal zu welchem Franchise sie gehören), dann sind das meist die kaum noch steigerungsfähigen Vernichtungsorgien. Der nächste Film einer Serie muss anscheinend immer mehr Action und Spezialeffekte bieten als der vorherige. So reicht es inzwischen nicht mehr, dass sich Superhelden und -schurken irgendwo prügeln, nein: es muss mindestens eine Großstadt dabei zu Bruch gehen. Zum Beispiel New York in Marvel's The Avengers, Sokovia in Avengers: Age of Ultron und Metropolis in Man of Steel. Alles wird immer größer und spektakulärer, so dass ich oft gar nicht mehr weiß, wohin ich zuerst gucken soll, und überhaupt nicht alles wahrnehmen kann, was da gleichzeitig passiert. Nicht selten wirken diese Action-Exzesse auf mich nur noch ermüdend. Ich hatte auch schon manchmal das Gefühl, sehr ähnliche Szenen in verschiedenen Filmen gesehen zu haben. Außerdem habe ich mich gefragt, ob die Helden denn beim Einsatz ihrer Superkräfte nicht besser aufpassen können. Sie schleudern ihre Gegner in Hochhausfassaden, benutzen Autos als Wurfgeschosse oder richten sonst irgendwelche Zerstörungen an. Werden sie durch die Kampfeslust blind für ihre Umwelt? Wer kommt eigentlich für die Schäden auf? Gibt es eine Superhelden-Haftpflichtversicherung? Von den Todesopfern, die bei solchen Katastrophen unvermeidlich sein müssten, üblicherweise aber komplett unter den Tisch fallen, ganz zu schweigen ...

Umso besser finde ich es, wenn genau das mal thematisiert wird. So wird Bruce Wayne (Batman) in Batman v Superman: Dawn of Justice nicht zuletzt deshalb zu Supermans Feind, weil er die von Superman zumindest mitverursachte Zerstörung der Stadt Metropolis hilflos miterlebt und dadurch ebenso traumatisiert wird wie unzählige andere Menschen. Ähnlich, aber viel konsequenter, wird in "Civil War" vorgegangen. Nach dem Untergang Sokovias und dem Debakel in Lagos machen sich die Helden Vorwürfe oder werden auf andere Weise mit dem Schicksal derjenigen konfrontiert, deren Existenz sie im Kampfrausch gar nicht wahrgenommen haben. So wird Tony Stark von der Mutter eines jungen Mannes angesprochen, der in Sokovia wie so viele Unbeteiligte umgekommen ist. Als die Sokovia Accords auf dem Tisch liegen und heiß diskutiert werden, gibt Vision zu bedenken, dass es womöglich einen Zusammenhang zwischen der wachsenden Zahl von Helden mit übermenschlichen Kräften und den immer verheerenderen Attacken von Superschurken gibt. Gewalt führt bekanntlich meist zu noch mehr Gewalt, und so wird endlich die naheliegende Frage gestellt, mit welchem Recht die Avengers eigentlich zu Felde ziehen - und das nicht nur in ihrer Heimat, sondern auch in Ländern, die ihre Taten als kriegerischen Akt betrachten könnten. Selbstjustiz ist illegal, da beißt die Maus keinen Faden ab. Dennoch ist natürlich auch Captain Americas Meinung nachvollziehbar. Zum einen kann er nicht einfach tatenlos zusehen, wenn irgendwo auf der Welt Unrecht geschieht, das er mit seinen besonderen Fähigkeiten abwenden könnte. Zum anderen müssen diejenigen, die den Einsatz der Avengers gemäß der Sokovia Accords autorisieren, nicht unbedingt hehre Ziele verfolgen. Schön, dass diese Fragen gestellt werden. Dumm nur, dass die Sokovia Accords offensichtlich das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt sind. Beim Kampf gegen Caps Fraktion zerlegen Iron Mans Leute (die das Papier unterschrieben haben) einen Flughafen. Immerhin: In "Civil War" gibt es keine eindeutige Trennung zwischen Gut und Böse. Der Zuschauer muss selbst überlegen, was er für richtig und falsch hält. Zur Versöhnung beider Seiten kommt es am Ende nicht, der Konflikt bleibt ungelöst. Das rechne ich dem Film hoch an.

Nicht zuletzt aufgrund dieser Thematik halte ich "Civil War" für den bis dato besten Film des Marvel Cinematic Universe, aber es ist so viel mehr drin, wie man schon an der Handlungszusammenfassung erkennen kann. Mir gefällt zum Beispiel, dass es diesmal überhaupt keinen Superschurken gibt! Die Helden wenden sich gegeneinander, während eine eher unscheinbare Figur im Hintergrund die Fäden zieht. Zemo (Daniel Brühl) wirkt kaum bedrohlich, aber das ist gut so, wie ich finde, denn auf diese Weise wird klarer, wie gefährlich die Selbstherrlichkeit der Superhelden eigentlich ist. "Civil War" mag nicht der nächste "Avengers"-Teil sein, das Ensemble ist trotzdem größer als in allen vorherigen Filmen. Hulk und Thor fehlen, dafür kommen starke neue Figuren hinzu, zum Beispiel Spider-Man und Black Panther. Spidey hat ja bereits einen eigenen Filmauftritt hingelegt (ich habe "Spider-Man Homecoming" noch nicht gesehen), der Film "Black Panther" wird wohl schon in wenigen Monaten in die Kinos kommen. Ich finde die Art und Weise, wie die beiden eingeführt werden, einfach klasse. Sie haben nur wenige allein ihnen gewidmete Szenen, die Figurenzeichnung funktioniert aber einwandfrei. Spidey ist hier wirklich die sprichwörtliche sympathische Spinne von nebenan, ein im Grunde schüchterner Schüler, dem ein wenig von Tony Stark auf die Sprünge geholfen werden muss. T'Challa macht nicht nur als katzenhaft gewandter Krieger eine gute Figur, sondern ist auch als König von Wakanda glaubwürdig. Und nicht genug damit! Sogar die "Helden aus der zweiten Reihe" wie Ant-Man und Hawkeye werden sinnvoll und ihrem Charakter gemäß eingesetzt. Tatsächlich haben gerade diese beiden einige der besten Szenen. Die Action fällt nicht so übertrieben aus wie in den weiter oben verlinkten Filmen, der Humor bleibt nicht auf der Strecke, der Fokus liegt stets auf den Figuren ... was will man mehr?


Extras

Das Bonusmaterial ist leider nicht weiter erwähnenswert. Alle Featurettes enthalten lediglich eine wenig aussagekräftige Mischung aus Interviews, Filmausschnitten und Hinter-den-Szenen-Material. Im Mittelpunkt steht hierbei das Heldenensemble. Die Motivation der einzelnen Figuren wird erläutert und so weiter. Von der Entstehung des Films bekommt man so gut wie nichts zu sehen. Immerhin wird auf die zugrunde liegende Graphic Novel eingegangen. Nicht erwähnt wird, dass der Film ganz erheblich von dieser Vorlage abweicht. Die zusätzlichen bzw. erweiterten Szenen sind nicht wirklich interessant. Am längsten läuft eine Szene, in der mehr von Sharon Carters Rede während des Trauergottesdienstes sowie mehr Dialog zwischen Cap und Black Widow zu sehen ist. Die Pannen vom Dreh sind mäßig witzig. Schade! Der Film hätte eine ausführliche Dokumentation wirklich verdient. Was hier geboten wird, ist kaum mehr als Werbung für den Film.


J. Kreis, 16.11.2017




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