Charlie Chaplin Arthaus Close up

Moderne Zeiten


Moderne Zeiten - Arthaus Close up (USA, 1936)
- Modern Times -

DVD Regionalcode 2 (s/w), Arthaus
Altersfreigabe: FSK 6
Laufzeit: ca. 83 Min.

Extras
- Einführung von David Robinson (6:07 Min.)
- Chaplin heute - Moderne Zeiten (26:15 Min.)
- Geschnittene Szene (1:43 Min.)
- Der Nonsens-Song (4:14 Min.)
- Trailer (3:10 Min.)
- Fotogalerien

Regie:
Charles Chaplin

Hauptdarsteller:
Charles Chaplin (Fabrikarbeiter)
Paulette Goddard (Ellen Peterson)




Story

Ein Fabrikarbeiter erleidet bei der monotonen, unter immer stärkerem Zeitdruck und permanenter Überwachung ausgeübten Fließbandarbeit einen Nervenzusammenbruch. Nachdem er Kollegen, Vorgesetzte und Sicherheitskräfte attackiert sowie die Maschinen durcheinander gebracht hat, wird er gefeuert und in eine Irrenanstalt eingewiesen. Nach einiger Zeit wird er als geheilt entlassen, nur um gleich darauf wegen eines Missverständnisses als vermeintlicher Kommunistenführer ins Gefängnis zu wandern. Unwissentlich schnupft er Drogen und macht im Rausch drei Mithäftlinge unschädlich, die ausbrechen wollten und Geiseln genommen haben. Danach hat er ein angenehmes Leben und würde gern weiter in seiner komfortablen Zelle bleiben, wird aber aufgrund seiner Heldentat vorzeitig entlassen. Der Polizeichef stellt ihm ein Empfehlungsschreiben aus, in dem er als absolut vertrauenswürdig bezeichnet wird. So findet er schnell eine neue Arbeit auf einer Werft. Schon am ersten Tag versenkt er versehentlich ein Schiff und verliert den Job.

Der Arbeiter begegnet dem vor den Behörden geflohenen Waisenmädchen Ellen und verliebt sich in sie. Um sie vor der Verhaftung zu bewahren (sie hat Brot gestohlen) nimmt er die Schuld auf sich, flieht dann aber gemeinsam mit Ellen. Mit dem Empfehlungsschreiben erlangt der Arbeiter eine Anstellung als Nachtwächter in einem Kaufhaus. Er und Ellen machen es sich dort gemütlich. Drei Einbrecher bedrohen den Arbeiter, bis einer von ihnen feststellt, dass sie ehemalige Kollegen sind. Der Arbeiter wird verschont und zecht mit den Einbrechern, die gar nichts rauben wollen, sondern auch nur Hunger haben. Als er am nächsten Morgen verkatert aufwacht, hat das Kaufhaus schon geöffnet. Der Arbeiter wird wieder einmal ins Gefängnis gesperrt. Ellen wartet auf ihn und führt ihn am Entlassungstag zu ihrem neuen Zuhause, einer baufälligen und verlassenen Bruchbude am Hafen.

Der Traum der beiden von einem besseren Leben scheint wahr zu werden, als die Zeit der großen Arbeitslosigkeit zu Ende geht. Eine Stahlfabrik stellt wieder Leute ein. Doch kaum hat der Arbeiter dort angefangen, da wird ein Streik ausgerufen. Vor den Toren der Fabrik kommt es zu Tumulten, in die auch der Arbeiter verwickelt wird. Zum dritten Mal landet er hinter Gittern. In der Zwischenzeit findet Ellen eine Stelle als Tänzerin in einem Restaurant. Sie hat großen Erfolg und kann ihren Chef deshalb überzeugen, den Arbeiter nach dessen Haftentlassung auf Probe einzustellen. Als Kellner macht er keine gute Figur, aber mit einem improvisierten Lied kommt er so gut bei den Gästen an, dass er dauerhaft übernommen wird. Da tauchen zwei Männer von der Jugendbehörde mit einem Steckbrief Ellens auf. Dem Arbeiter und Ellen gelingt die Flucht. Ihre Zukunft ist ungewiss, aber sie geben die Hoffnung nicht auf.


Kringels Meinung

"Moderne Zeiten" dürfte allgemein bekannt sein und wurde schon unzählige Male kommentiert - Google ist euer Freund. Hier nur so viel: In "Moderne Zeiten" nimmt Chaplin die Verhältnisse in der Zeit unmittelbar vor der Machtergreifung der Nazis aufs Korn. Eine Auseinandersetzung mit der Weltwirtschaftskrise, der Massenarbeitslosigkeit und dem Kommunismus, sowie mit der Entfremdung des Menschen von der Arbeit infolge der Industrialisierung... das klingt vielleicht nach ziemlich trockenem Stoff, ist es aber keineswegs. Noch mehr als in Der große Diktator geht Chaplin so spielerisch mit den genannten Themen um, dass die Botschaft nicht als Belehrung daherkommt, sondern sich durch die Hintertür des Humors einschleicht. So gibt es denn hier keine große Abschlussrede wie in "Der große Diktator". Tatsächlich wird sehr wenig geredet, d.h. die Dialoge sind nicht vertont. Dennoch ist "Moderne Zeiten" eigentlich kein Stummfilm. Der Fabrikchef spricht, es gibt Geräuscheffekte und am Ende singt der Arbeiter ein Lied in Nonsens-Sprache, weil er sich den richtigen Text nicht merken kann. Das ist nur eine von unzähligen unvergesslichen Szenen. Man denke nur an die außer Kontrolle geratene "Fütterungsmaschine" oder den Ausraster des Arbeiters, der dazu führt, dass er von der Fertigungsstraße verschluckt und wieder ausgespuckt wird.


DVD-Features

Der Film wurde in einer Box mit Goldrausch und Der große Diktator veröffentlicht.

Das Bonusmaterial kann sich wirklich sehen lassen. Die Einführung des britischen Filmhistorikers und -kritikers David Robinson sowie die Kurzdokumentation "Chaplin heute" sind französische Produktionen von Philippe Truffault aus dem Jahre 2003. In beiden Beiträgen geht es um die Entstehungsgeschichte des Films, den historischen Kontext (komplett mit zeitgenössischem Filmmaterial, das belegt, wie nah der Film an der damaligen Realität ist) und Chaplins Vorbehalte gegen den Tonfilm. Man erfährt unter anderem, dass der Tramp in diesem Film zum ersten und einzigen Mal eine Stimme erhält - aber nur in der Szene, in der er in einer erfundenen Sprache singt. In "Chaplin heute" diskutieren die Filmemacher Jean-Pierre und Luc Dardenne über "Moderne Zeiten". Außerdem werden Filmszenen und Standfotos gezeigt. Dazu gehört auch das ursprünglich geplante Ende, das zu Gunsten eines etwas glücklicheren Finales verworfen wurde. In der fertig produzierten, aber nicht verwendeten Szene wären Charlie und das Waisenmädchen getrennt worden. Das Mädchen wäre Nonne geworden und Charlie wäre allein einer ungewissen Zukunft entgegengegangen.

Eine weitere geschnittene Szene gehört ebenfalls zum Bonusmaterial. Darin versucht Charlie vergeblich, eine Straße zu überqueren. Er vermag einfach nicht den Sinn der "Stop"- und "Go"-Signale zu begreifen. Hinzu kommt der Nonsens-Song in einer längeren Fassung.

Der Trailer ist eigentlich gar kein solcher, sondern eine Ankündigung der Wiederaufführung des Films aus dem Jahre 1972. Der Kritiker Karsten Peters referiert über den Film. Selbstablaufende Bildergalerien mit Hinter-den-Szenen-Material, Konzeptzeichnungen usw. runden die gelungenen Extras ab.


Screenshots


Moderne Zeiten

Charlie und seine Kollegen bei der Fließbandarbeit


Moderne Zeiten

Automatische Fütterung am Fließband spart Pausenzeiten


Moderne Zeiten

Crushed by the Wheels of Industry


Moderne Zeiten

Mit einer roten Fahne fängt alles an - wenn auch irrtümlich


Moderne Zeiten

Das Hafenmädchen heckt wieder etwas aus


Moderne Zeiten

Das schöne Leben - nur ein Traum


Moderne Zeiten

Charlie und die Arbeitslosen zechen im Kaufhaus


Moderne Zeiten

"Es ist nicht gerade der Buckingham-Palace..."


Moderne Zeiten

Ellen Petersons Steckbrief


Moderne Zeiten

Wieder auf der Straße, aber wenigstens in Freiheit und vor allem nicht allein!


J. Kreis, 25.09.2013




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