Charlie Chaplin Arthaus Close up

Der große Diktator


Der große Diktator - Arthaus Close up (USA, 1940)
- The Great Dictator -

DVD Regionalcode 2 (s/w), Arthaus
Altersfreigabe: FSK 6
Laufzeit: ca. 120 Min.

Extras
- Chaplin heute - Der große Diktator (26:15 Min.)
- Aufnahmen von den Dreharbeiten - gefilmt von Sydney Chaplin (25:46 Min.)
- Charlie als Friseur (7:30 Min.)
- 2 Fotogalerien

Regie:
Charles Chaplin

Hauptdarsteller:
Charles Chaplin (Anton Hynkel / Friseur)
Paulette Goddard (Hannah)
Jack Oakie (Benzino Napoloni)
Reginald Gardiner (Kommandeur Schultz)
Maurice Moscovitch (Herr Jaeckel)




Story

Im Jahre 1918 rettet ein einfacher tomanischer Soldat dem Piloten Schultz das Leben. Dabei verliert er sein Gedächtnis und wird in ein Krankenhaus eingeliefert. Jahre später entlässt er sich selbst und kehrt ins jüdische Ghetto seiner Heimatstadt zurück, in dem er einen kleinen Friseurladen betreibt. Sofort gerät er in Konflikt mit den neuen Machthabern. Tomania wird von Anton Hynkel regiert, einem Diktator mit Träumen von der Weltherrschaft, dessen Sturmtruppen die Juden terrorisieren. Hynkel schürt den Judenhass, um die Bevölkerung von der schlechten Versorgungslage abzulenken. Der Friseur hat noch nicht gelernt, sich vor den Schergen des Diktators in Acht zu nehmen. Er wird beobachtet, als er das aufs Fenster seines Ladens geschmierte Wort "Jude" abwischt. Seine Nachbarin Hannah, die beim Wäschereibesitzer Jaeckel wohnt, steht ihm gegen die Sturmtruppler bei, doch die kehren mit Verstärkung zurück und wollen den Friseur an der nächsten Laterne aufhängen. Zufällig kommt Schultz - inzwischen Kommandeur der Sturmtruppen - vorbei. Er erkennt seinen Lebensretter wieder und befiehlt den Sturmtrupplern, den Friseur und dessen Freunde in Ruhe zu lassen. Hannah und der Friseur verlieben sich ineinander.

Im Ghetto kehrt Ruhe ein, denn Hynkel braucht einen Kredit für die geplante Eroberung des Nachbarlandes Osterlitsch, und der einzige in Frage kommende Bankier ist Jude. Deshalb werden die Ghettobewohner mit Samthandschuhen angefasst. Hynkel erhält trotzdem kein Geld. Umgehend nimmt er seine Hasstiraden wieder auf. Die Drangsalierung der Juden wird schlimmer als je zuvor. Schultz, der sich für die Juden einsetzt, wird seines Amtes enthoben. Er kann fliehen, taucht bei Jaeckel unter und schmiedet Umsturzpläne. Die Sturmtruppler kommen ihm jedoch schnell auf die Spur. Schultz und der Friseur werden verhaftet und in ein Konzentrationslager gebracht. Hannah flieht mit Familie Jaeckel nach Osterlitsch. In diesem freien Land können sie in Frieden leben - jedenfalls solange, wie Hynkel nicht angreifen kann. Die Finanzierungsfrage wird geklärt, aber Benzino Napoloni, der Diktator von Bakteria, stellt Truppen entlang der Grenze auf. Hynkel muss sich zuerst mit Napoloni einigen, denn mit Bakteria kann er es noch nicht aufnehmen.

Während eines Staatsbesuches des bakterianischen Diktators in Tomanien wird diese Frage geklärt. Dem Einmarsch in Osterlitsch steht somit nichts mehr im Wege. Derweil entkommen Schultz und der Friseur aus dem KZ. Getarnt mit tomanischen Uniformen versuchen sie die Grenze nach Osterlitsch zu überqueren. Da sich Hynkel und der Friseur ähneln wie eineiige Zwillinge, kommt es zu einer folgenschweren Verwechslung. Hynkel, der allein auf Entenjagd gegangen ist, wird festgenommen. Der Friseur wird in der Grenzstadt Bretzelberg mit militärischen Ehren empfangen, woraufhin die Invasion beginnt. Schon bald haben Hannah und die Jaeckels unter denselben Sturmtrupplern zu leiden wie im tomanischen Ghetto. Nachdem der Sieg errungen ist, soll "Hynkel" bei einer Großkundgebung auftreten. In einer leidenschaftlichen Rede appelliert der Friseur an die Menschlichkeit der Soldaten, verdammt die diktatorische tomanische Politik und verkündet eine neue Ära der Freiheit. Dann wendet er sich direkt an Hannah, die die Rede im Radio hört und jetzt wieder hoffnungsvoll in die Zukunft blicken kann.


Kommentar

Diesmal fasse ich mich wirklich kurz, denn Chaplins Meisterwerk dürfte allseits bekannt und aus berufenerer Feder ausreichend kommentiert worden sein. Nur soviel: Der Film enthält unzählige unvergessliche Szenen, die auch mehr als siebzig Jahre nach der Uraufführung noch beeindruckend und lustig sind. Man denke nur an Hynkels Rede, gehalten in einer deutsch klingenden Fantasiesprache ("Schtonk!"), oder an den Tanz mit der Weltkugel. Schon zu Beginn des Films, der während des Ersten Weltkriegs spielt, wird einiges geboten: Explosionen, Grabenkämpfe, ein etwas störrisches Riesengeschütz, das vom Friseur bedient werden muss. Einige NS-Größen bekommen ihr Fett weg, allen voran natürlich Hynkel/Hitler, ein Größenwahnsinniger, der sich während einer Rede so aufregt, dass er sich Wasser hinter den Hosenbund schütten muss. Der mit unzähligen Orden behängte Feldmarschall Herring/Göring präsentiert eine absurde Erfindung nach der anderen. Benzino Napoloni/Benito Mussolini schiebt die Unterlippe vor und kämpft mit Hynkel am kalten Buffet. Köstlich! Der Film ist aber keine Witzrevue, tatsächlich bleibt einem das Lachen immer wieder im Halse stecken. Die abschließende Ansprache des Friseurs ist natürlich nichts anderes als Charles Chaplins persönliches Manifest, seine Antwort auf die Gräueltaten der Nationalsozialisten.


DVD-Features

Der Film wurde in einer Box mit Goldrausch und Moderne Zeiten veröffentlicht.

Die Dokumentation "Chaplin heute - Der große Diktator" ist eine französische Produktion aus dem Jahre 2003. Sie stellt den Film in den historischen Kontext. Ein Erzähler und der griechisch-französische Regisseur Costa-Gavras berichten (mit deutschen Untertiteln) vom Entstehungsprozess und von Chaplins Privatleben in der damaligen Zeit. Dazu werden zeitgenössische Filmaufnahmen, Zeitungsberichte und Bilder gezeigt. Es wird auch auf die damalige Kontroverse eingegangen. Selbst außerhalb Deutschlands wurde der Film nicht ungeteilt positiv aufgenommen, denn für viele Menschen war Hitler damals noch nicht ganz mit seinem Alter Ego in "Der große Diktator" vereinbar. Manche Kritiker waren der Meinung, die Verhältnisse im Ghetto und im KZ würden verharmlosend dargestellt. Geradezu prophetisch mutet jedoch eine Szene im Film an, in der Feldmarschall Herring die neueste Erfindung anpreist: Ein absolut tödliches Gas...

Die "Aufnahmen von den Dreharbeiten" wurden von Chaplins Bruder Sydney gemacht. Sie haben keinen Ton und sind unkommentiert. Man sieht, wie verschiedene Szenen geprobt / gedreht werden und wie sich die Schauspieler in den Pausen verhalten. Chaplin gibt Regieanweisungen, sitzt selbst hinter der Kamera oder albert ein wenig herum. Ein Blick über die Ghetto-Kulisse hinweg zeigt, dass viele der dortigen Gebäude nur aus einer Wand bestehen. Dahinter sind Arbeiter zugange... Der Clou: Alles wurde komplett in Farbe gedreht! Wer hätte gedacht, dass die Sturmtruppler rote Hosen tragen, oder dass die Doppelkreuzfahnen ockergelb sind? Sehr interessant ist außerdem eine Szene, die es nicht in den Film geschafft hat. Man sieht Sturmtruppler, die ihre Waffen abgelegt haben und miteinander tanzen. Das Ganze findet offensichtlich nach der abschließenden Rede des Friseurs statt. Damit wäre klar, was im Film offen bleibt: Besagte Rede hatte durchschlagenden Erfolg.

"Charlie als Friseur" ist zwar lustig, hat aber keinen Bezug zu "Der große Diktator" - abgesehen davon, dass Chaplin hier ebenfalls einen Friseur mimt. Es handelt sich um eine nicht verwendete Szene aus dem Film "Auf der Sonnenseite", entstanden im Jahre 1919. In dieser Szene muss Filmpartner Albert Austin die unbeholfenen Rasurversuche Chaplins über sich ergehen lassen, bis am Ende der halbe Friseursalon in Trümmern liegt.

Screenshots


Der große Diktator

Der namenlose Friseur im Ersten Weltkrieg


Der große Diktator

Hynkel spricht zu den Massen


Der große Diktator

Hannah stellt sich den Sturmtrupplern


Der große Diktator

Der namenlose Friseur wurde von Schultz gerettet


Der große Diktator

Hynkel greift nach dem Globus


Der große Diktator

Benzino Napoloni


J. Kreis, 02.05.2013




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