Cast Away


Cast Away - Verschollen (USA, 2000)

Blu-ray, Paramount
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 144 Minuten

Extras:
Keine

Regie:
Robert Zemeckis

Hauptdarsteller:
Tom Hanks (Chuck Noland)
Helen Hunt (Kelly Frears)
Lari White (Bettina Peterson)




Story

Das US-amerikanische Logistikunternehmen FedEx wirbt mit dem Slogan "The World on Time": Kunden in aller Welt dürfen schnelle, pünktliche Lieferungen erwarten. Um das sicherzustellen, hat Chuck Noland die Uhr immer im Blick und ist ständig auf Achse. Er hat die Aufgabe, überall dort einzugreifen, wo zu langsame Filialen wieder auf Trab gebracht werden müssen. Chucks Privatleben, insbesondere seine langjährige Beziehung mit Kelly Frears, leidet beträchtlich unter dieser Lebensweise. Zu Weihnachten 1995 ist Chuck fast so weit, Kelly einen Heiratsantrag zu machen, doch er wird zu einem neuen Auftrag nach Südostasien gerufen. Er macht sich mit einem FedEx-Frachtflugzeug auf den Weg und verspricht, bald zurück zu sein.

Das Flugzeug gerät über dem Pazifik in einen Sturm, kommt weit vom Kurs ab und stürzt ins Meer. Nur Chuck überlebt, indem er sich an ein aufblasbares Rettungsboot klammert, das vom Sturm an Land getrieben wird. Am nächsten Tag stellt Chuck fest, dass er sich auf einer kleinen unbewohnten Insel mitten im Nirgendwo befindet. Die Suche nach dem abgestürzten Flugzeug konzentriert sich auf ein völlig anderes Gebiet und Chuck hat keine Möglichkeit, Kontakt mit der Außenwelt aufzunehmen. Die heftige Brandung an den Riffen rund um die Insel bildet ein unüberwindliches Hindernis für Chucks Schlauchboot. Chuck begreift allmählich, dass er womöglich für immer hier bleiben muss. Völlig auf sich allein gestellt richtet er sich so gut es geht auf der Insel ein. Er entdeckt eine Höhle, die ihm Schutz bietet. Nahrung in Form von Kokosnüssen, Krabben und Fischen ist vorhanden. Der Inhalt einiger Pakete aus dem Flugzeug, die an Land gespült wurden, erweist sich als nützlich. Nur ein Paket bleibt ungeöffnet. Die Absenderin hat zwei miteinander verbundene Flügel darauf gemalt. Chucks einziger "Freund" in der totalen Isolation ist ein Wilson-Volleyball, dem Chuck ein Gesicht aus seinem eigenen Blut gibt. In den folgenden vier Jahren plant Chuck mindestens einmal seinen Selbstmord. Nur der Gedanke an Kelly hält ihn am Leben.

Eines Tages findet Chuck am Strand die Überreste eines Toilettenhäuschens. Inspiriert von dem Bild auf dem letzten FedEx-Karton nutzt er die Seitenwände als Segel für ein Floß, das er in mühevoller Arbeit zusammenbaut. Sobald der Wind richtig steht, gelingt es ihm nun endlich, die Brandung zu überwinden. Allerdings befindet er sich nun ohne Frischwasser und Nahrung auf dem offenen Meer. Nach einigen Tagen wird das Floß durch einen Sturm beschädigt. Wilson geht verloren. Völlig verzweifelt ergibt sich Chuck seinem Schicksal. Kurz danach fährt ganz in der Nähe ein Containerschiff vorbei. Chuck wird gerettet und kann nach Hause zurückkehren. Seine Auferstehung von den Toten löst einen riesigen Rummel aus. Es fällt Chuck schwer, damit und mit der Rückkehr in die Zivilisation zurechtzukommen. Vor allem muss er erkennen, dass er Kelly verloren hat. Sie hat geheiratet und ein Kind bekommen. Kelly liebt Chuck noch immer, kann ihre Familie aber nicht verlassen. Chuck hat jetzt nur noch eine Aufgabe: Er muss das letzte FedEx-Päckchen zur Absenderin zurückbringen, einer jungen Künstlerin namens Bettina Peterson. Er begegnet ihr an einer einsamen Straßenkreuzung.

Kringels Meinung

Böse Zungen könnten behaupten, dies sei der teuerste und längste FedEx-Werbespot aller Zeiten, denn offensichtlicher kann Product Placement nun wirklich nicht mehr betrieben werden. Aber ist das eigentlich Product Placement? Chucks Arbeit für FedEx ist ja essentieller Bestandteil der Handlung, ebenso wie die FedEx-Pakete sowohl für sein Überleben auf der Insel als auch für seine Flucht und möglicherweise sogar für seine Zukunft unverzichtbar sind. Gut, man hätte natürlich irgendein fiktives Logistikunternehmen nehmen können... Wie dem auch sei: "Cast Away", eine moderne Variante von "Robinson Crusoe", in der ein Volleyball die Rolle des Freitag einnimmt, ist ganz großes Kino. Der überwiegende Teil des Films kommt fast ohne Dialog und ohne Musik aus, ist praktisch eine Einmann-Show für Tom Hanks und hat weder finstere Bösewichte, noch spektakuläre Kämpfe, Verfolgungsjagden, Superhelden oder ein Happy End zu bieten. Trotzdem ist der Film ungemein dramatisch und mitreißend. Das Ende ist offen. Nachdem Chuck seinen Schmerz über Kellys Verlust einigermaßen überwunden hat, ist er orientierungslos. Was tun? Als FedEx-Mitarbeiter kann bzw. will er anscheinend nicht mehr arbeiten. Wohin gehen? Viele Wege stehen offen. An einer einsamen Kreuzung trifft er Bettina Peterson, die ihm erklärt, wohin die Straßen führen. Möglicherweise weist sie ihm den Weg in ein neues Leben. Sie fährt davon, doch Chucks Lächeln könnte darauf hindeuten, dass er ihr folgen wird.

Tom Hanks zeigt eine echte Glanzleistung, sowohl als gestresster, leicht übergewichtiger Kontrollfreak, der nur nach dem Terminkalender lebt, als auch in der genau entgegengesetzten Rolle des verwilderten Einsiedlers, der nur durch einen imaginären Gesprächspartner sowie den Gedanken an die geliebte Frau vor Wahnsinn / Selbstmord bewahrt wird und sich nach anfänglichen Misserfolgen hervorragend an das Leben fernab der Zivilisation anpasst. Es ist einfach spannend, ihm dabei zuzusehen, wie er sich die Gegebenheiten auf der Insel ganz allmählich zu Nutze macht, und wie er die scheinbar nutzlosen Gegenstände umfunktioniert, die er in den FedEx-Paketen findet. Ein Schlittschuh wird zum Beil, ein Tüllkleid wird zum Fischernetz, Videobänder eignen sich prima zum Zusammenbinden des Floßes. Damals im Kino habe ich mich dabei ertappt, in Wilson, dem Volleyball, eine echte Person zu sehen! Ebenso nimmt man Hanks die Schwierigkeiten bei der Rückkehr in die Zivilisation und die schmerzhafte endgültige Trennung von Kelly ab. Er spielt das alles absolut glaubwürdig.

Auf Action und Spezialeffekte muss man nicht völlig verzichten. Der Flugzeugabsturz wirkt äußerst realistisch und somit ganz schön beunruhigend. Chuck kann praktisch nichts tun, sein Überleben hängt von mehreren Zufällen ab. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Film jemals in einem Flugzeug gezeigt worden ist! Der Film könnte perfekt sein. Es gibt nur ein kleines Detail, das mich ein wenig stört. Als Chuck am Ende auf seinem zerfallenden Floß mitten im Ozean treibt, taucht eines Nachts direkt neben ihm ein Wal auf und beäugt ihn neugierig. Das ist noch OK. Später wird der Wal aber zum Lebensretter. Chuck hätte die Ankunft des Containerschiffes nämlich verschlafen, wäre er nicht vom Wal nass gespritzt und geweckt worden.


J. Kreis, 15.04.2014




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