Casablanca


Casablanca (USA, 1942)

DVD Regionalcode 2, Warner Home Video
Altersfreigabe: FSK 6
Laufzeit: ca. 98 Minuten, s/w

Extras:
- Featurette "Casablanca: You must remember this" Documentary
- Original Kinotrailer

Regie:
Michael Curtiz

Hauptdarsteller:
Humphrey Bogart (Richard Blaine)
Ingrid Bergman: (Ilsa Lund)
Paul Henreid (Victor Laszlo)
Claude Rains (Louis Renault)
Conrad Veidt (Heinrich Strasser)




Story

Im Zweiten Weltkrieg ist die marokkanische Stadt Casablanca ein Hauptanlaufpunkt für Flüchtlinge aus ganz Europa, die Lissabon erreichen und von dort aus in die USA gelangen wollen. In Casablanca wird ein schwunghafter Handel mit echten oder gefälschten und in jedem Fall völlig überteuerten Visa betrieben. Viele Flüchtlinge können sich das nicht leisten und stranden für immer in Casablanca. Ein beliebter Treffpunkt für Emigranten und Schwarzmarkthändler ist ein vom Amerikaner Richard ("Rick") Blaine betriebener exklusiver Nachtclub mit angeschlossenem Spielcasino. Die Stadt gehört zum nicht vom Dritten Reich besetzten, jedoch mit den Nazis kollaborierenden Vichy-Frankreich. Es herrscht Burgfrieden zwischen dem französischen Polizeichef Louis Renault und den stets präsenten Offizieren der Wehrmacht, die in Casablanca Jagd auf Dissidenten und Widerständler machen. Im Dezember 1941 werden zwei deutsche Kuriere ermordet. Sie hatten Blanko-Transitvisa bei sich, die es den Besitzern erlauben, sich frei in allen besetzten Gebieten zu bewegen. Auf dem Schwarzmarkt sind diese Papiere ein Vermögen wert. Sie befinden sich im Besitz des zwielichtigen Händlers Ugarte, der seinen Bekannten Rick bittet, sie für ihn aufzubewahren, bis er Kunden gefunden hat. Rick versteckt die Papiere im Nachtclub. Am selben Tag fliegt Major Heinrich Strasser nach Casablanca. Er will sicherstellen, dass Victor Laszlo, ein einflussreicher tschechischer Widerstandskämpfer, der demnächst in Casablanca eintreffen soll, für immer dort festgehalten wird. Zum Beweis seiner Loyalität gegenüber den Deutschen verhaftet Renault Ugarte vor Strassers Augen in Ricks Club. Ugarte stirbt später in Gefangenschaft, ohne verraten zu haben, was mit den Transitvisa geschehen ist.

Rick interessiert sich nicht besonders für Victor, umso mehr für dessen Begleiterin Ilsa Lund. Rick und Ilsa sind sich vor etwas mehr als einem Jahr in Paris begegnet. Sie haben sich ineinander verliebt, wollten sich aber nichts über ihre Vergangenheit erzählen. Für beide war es viel mehr als nur eine Affäre. Ilsa hatte geglaubt, ihr Ehemann Victor sei in einem Konzentrationslager gestorben. Rick wiederum hatte nicht gewusst, dass Ilsa verheiratet war - das weiß er noch immer nicht, als er Ilsa jetzt erstmals wieder trifft. Es ist keine freudige Begegnung, denn durch die Trennung von Ilsa ist Rick zu dem desillusionierten Zyniker geworden, der er jetzt ist. Er wollte damals mit Ilsa vor den in Paris einmarschierenden Deutschen fliehen und wäre bereit gewesen, seine Geliebte zu heiraten. Sie war jedoch nicht am Bahnhof erschienen, denn sie hatte inzwischen erfahren, dass Victor noch lebt. Seitdem kümmert sich Rick, der früher auf der Seite der Verlierer gegen die Deutschen gekämpft hat, nur noch um sich selbst. Victor benötigt Papiere zur Ausreise in die USA. Er erfährt von der Existenz der Transitvisa, die es ihm ermöglichen würden, mehr als das tun. Sie würden ihm die Bewegungsfreiheit verschaffen, die er für den Kampf gegen die Nazis braucht. Inzwischen geht jedermann davon aus, dass Rick die Papiere besitzt. Der weigert sich jedoch, sie zu verkaufen. Victor ahnt, dass zwischen seiner Frau und Rick etwas vorgeht. Strasser erkennt in Victor eine große Gefahr, denn der charismatische Mann kann die Massen begeistern, wie er in Ricks Club unter Beweis stellt. Auf Befehl Strassers schließt Renault deshalb den Club.

Während Victor an einem nächtlichen Untergrundtreffen teilnimmt, sucht Ilsa Rick auf. Sie eröffnet ihm, dass sie mit Victor verheiratet ist, Rick aber immer noch liebt. Ricks Verbitterung schwindet, als ihm klar wird, dass Ilsa ihren Mann für ihn verlassen würde - und dass Victor wiederum bereit wäre, auf Ilsa zu verzichten, wenn Rick die Transitvisa nutzen würde, um sie in Sicherheit zu bringen. Das Untergrundtreffen fliegt auf. Victor wird verhaftet. Rick leitet ein riskantes Doppelspiel ein, um Victor und Ilsa zu retten. Er gibt vor, Victor in eine Falle locken zu wollen und es Renault auf diese Weise zu ermöglichen, den Widerständler wegen des Mordes an den deutschen Kurieren anzuklagen. Ilsa und Renault sollen glauben, Rick werde mit Victors Frau das letzte Flugzeug nach Lissabon besteigen. Deshalb verkauft Rick sogar seinen Club. Im entscheidenden Moment zwingt Rick Renault mit vorgehaltener Waffe, Victors und Ilsas Namen in die Transitvisa einzutragen und den beiden den Abflug zu ermöglichen. Kurz danach trifft der von Renault insgeheim alarmierte Strasser auf dem Flugplatz ein. Er zieht die Waffe, doch Rick schießt zuerst und tötet ihn. Renault verheimlicht den anrückenden Polizisten, dass Strasser von Rick erschossen wurde. Er fordert sie auf, die üblichen Verdächtigen zu verhaften. Rick soll vorübergehend in Brazzaville untertauchen. Rick meint, dies könne der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein...


Kringels Meinung

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich diesen Filmklassiker jetzt zum ersten Mal gesehen habe. Ich kannte bisher nur die in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangenen Zitate und die dazu gehörenden Szenen. Ihr erwartet jetzt hoffentlich keine ausführliche Review von mir. Was sollte ich den unzähligen Meinungen, die man im Internet finden kann, denn noch hinzufügen? Allenfalls könnte ich anmerken, dass mich angesichts der Ausgangssituation ein etwas mulmiges Gefühl beschlichen hat, denn das Schicksal der in Casablanca gestrandeten Flüchtlinge erinnert an aktuelle Geschehnisse. Für den Film ist diese Situation aber nur Kulisse, das heißt, die Flüchtlingsthematik steht nicht im Vordergrund.

Ich habe gelesen, "Casablanca" sei ein Propagandafilm. Das halte ich für übertrieben, wenn auch nicht für ganz unwahr. Man muss bedenken, dass der Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg nach dem Angriff auf Pearl Harbor zum Zeitpunkt der Entstehung des Films gerade erst stattgefunden hatte. Es sind durchaus Szenen vorhanden, die als Propaganda gedeutet werden könnten. Etwa wenn Rick darüber sinniert, dass in Amerika anscheinend alle schlafen. Er sagt es nicht ausdrücklich, aber damit sind vermutlich jene gemeint, die glauben, die USA könnten im Krieg neutral bleiben. Oder wenn es in Ricks Club zu einem "Sängerwettstreit" kommt. Strasser und seine Leute singen "Die Wacht am Rhein". Das kann Victor Laszlo nicht ertragen. Er fordert die Band auf, die Marseillaise zu spielen. Praktisch alle Gäste stimmen begeistert mit ein, so dass die Deutschen nicht mehr zu hören sind. Und natürlich ist es kein Zufall, dass Renault eine Flasche mit Vichy-Wasser in den Mülleimer wirft. Ricks letzter Satz (der mit der "wunderbaren Freundschaft") klingt geradezu prophetisch. Im Jahre 1943 haben sich der US-Präsident Franklin D. Roosevelt und der britische Premierminister Winston Churchill zu einer Konferenz in Casablanca getroffen, bei der es um die Planung des weiteren Kriegsverlaufs ging ...

Trotz allem würde ich "Casablanca" nicht als Propaganda bezeichnen, auch nicht als Liebesfilm, sondern als Charakterdrama. Bemerkenswert dabei finde ich die Ambivalenz aller Figuren. Rick denkt zumindest in der ersten Hälfte des Films wirklich nur an sich selbst, Ilsa ist zwischen zwei Männern hin- und hergerissen, Laszlo liebt seine Frau und ist nicht nur Ricks Rivale, sondern ein wirklich starker Charakter, bringt Ilsa aber auch wissentlich in Gefahr. Renault ist ebenso korrupt wie opportunistisch und dennoch sympathisch. Sie alle sind durch das Schicksal miteinander verbunden, machen teils unerwartete Entwicklungen durch, zwar etwas klischeebeladen, aber so gut gespielt, dass es nicht schwerfällt, das hinzunehmen. Nur Strasser ist und bleibt ein eher eindimensionaler Bösewicht. Toller Film mit unvergesslicher Musik, selbst nach über 70 Jahren immer noch sehenswert.


DVD-Features

Die Kurzdoku "Casablanca: You must remember this" stammt aus den Neunzigerjahren. Schauspielerin Lauren Bacall tritt als Erzählerin auf. Filmhistoriker, Drehbuchautoren und so weiter werden interviewt, auch die Filmkritikerin Pia Lindström, Tochter von Ingrid Bergman. Sie berichten von der Entstehung des auf einem unproduzierten Theaterstück basierenden Drehbuchs, der damaligen Filmindustrie und der Wirkung des Films. Man erfährt, dass Ronald Reagan eine mögliche Besetzung für die Hauptrolle war - wie gut, dass daraus nichts geworden ist! Die Dreharbweiten waren anscheinend nicht einfach, denn das Skript wurde ständig geändert. Neben Filmausschnitten ist ein ganz klein wenig Hinter-den-Szenen-Material zu sehen. Zu guter Letzt werden sogar noch Ausschnitte aus kurzlebigen Fernsehserien gezeigt, die anscheinend als Prequels gedacht waren, sowie aus den Parodien der Marx Brothers ("A Night in Casablanca") und der Looney Tunes ("Carrotblanca").


J. Kreis, 27.09.2016




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