Carmina Burana


Carmina Burana atque imaginibus magicis (D, 1975)

DVD Regionalcode 0, BMG Classics
Altersfreigabe: FSK 0
Laufzeit: ca. 62 Min.

Extras
- Interview mit Carl Orff (15:52 Min.)

Regie:
Jean Pierre Ponnelle




Inhalt / Kommentar

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde im Kloster Benediktbeuren eine Handschrift mit Liedtexten aus dem Mittelalter gefunden - die Carmina Burana. Mehr als hundert Jahre nach dem Fund hat der deutsche Komponist Carl Orff einige dieser Lieder "vertont" und eine Art Oper erschaffen, die 1937 uraufgeführt wurde. Orff hat alle Stücke völlig neu komponiert, d.h. es handelt sich nicht um Originalmelodien aus dem Mittelalter. Allgemein bekannt ist der wuchtige Chorgesang "O Fortuna", mit dem die Oper beginnt. Das Glücksrad dreht sich, mal lächelt die Schicksalsgöttin, mal ist sie schlecht gelaunt. In den folgenden Liedern geht es um Freude und Leid, Liebe und Tod, Trinkgelage, Wollust und Völlerei, sowie die Folgen derselben.

Für das ZDF wurde 1975 eine Fernsehversion mit Hermann Prey, Lucia Popp und vielen anderen Darstellern inszeniert, und zwar atque imaginibus magicis, also mit "magischen Bildern" und mit Untertiteln für die lateinischen und mittelhochdeutschen Texte. Zur musikalischen Qualität der dargebotenen Stücke kann ich nichts sagen (mir gefällt's), aber die teils recht derben Szenen mit den phantasievollen Bühnenbildern, Masken und Kostümen sind nicht schlecht gemacht, soweit man das nach all diesen Jahren noch sagen kann. Sie passen auf jeden Fall stets zu den Texten. Man tummelt sich ziemlich freizügig in einem Teich, in einer Taverne wird unter Anleitung von Teufeln und Narren feucht-fröhlich gezecht, ein Engel wird am Spieß gebraten, liebestolle Männer erstürmen einen von Jungfrauen bewohnten Turm... Leider ist sehr oft zu sehen, dass die Darsteller nicht wirklich singen. Die Mundbewegungen passen nicht immer zum Vollplayback. Die Bildqualität lässt zu wünschen übrig, wahrscheinlich wurde einfach die alte MAZ auf DVD gebrannt. So wirkt alles leicht unscharf und matschig. Wäre ja zu schön gewesen, wenn sich jemand die Mühe gemacht hätte, den Film ein wenig zu restaurieren.

DVD-Features

Das Interview ist eigentlich kein solches, sondern eine autobiografische Erzählung, untermalt mit zeitgenössischen Fotos, die zum jeweils Gesagten passen. Das Booklet enthält Einzelbildnachweise. Carl Orff berichtet über seine Jugend in München und den Einfluss, den die Stadt auf ihn hatte, über sein Studium und erste Theatererfahrungen. Natürlich geht er auch ausführlich auf die Carmina Burana ein. Er sagt, ihm sei es darum gegangen, den mittelalterlichen Text mit seinen musikalischen Mitteln zum Leben zu erwecken. Mit keinem Wort wird erwähnt, welchen Stellenwert Orff und sein Werk, insbesondere die Carmina Burana, während der NS-Diktatur hatten. Ist zwar irgendwie verständlich, aber zumindest im Booklet wäre ein entsprechender Hinweis vielleicht nicht fehl am Platz gewesen.


J. Kreis, 08.04.2013




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