Byzantium


Byzantium (GB/USA/Irland, 2012)

Blu-ray, Universum Film
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 118 Minuten

Extras:
- Interviews (37:25 Min.)
- B-Roll (32:42 Min.)
- Trailer

Regie:
Neil Jordan

Hauptdarsteller:
Saoirse Ronan (Eleanor Webb)
Gemma Arterton (Clara Webb)
Caleb Landry Jones (Frank)
Sam Riley (Darvell)
Daniel Mays (Noel)
Jonny Lee Miller (Ruthven)
Uri Gavriel (Savella)
Thure Lindhardt (Werner)




Story

Eleanor Webb und ihre Mutter Clara sind unsterblich. Sie existieren auf Kosten anderer Menschen, deren Blut sie trinken. Es gibt noch andere Wesen ihrer Art. Diese Vampire bilden eine jahrhundertealte Bruderschaft und setzen alles daran, die beiden Frauen zu vernichten, da Clara gegen ihre Gesetze verstoßen hat. Clara und Eleanor können deshalb nie lange am selben Ort bleiben. Clara verdient Geld, indem sie sich prostituiert. Eleanor sehnt sich danach, jemandem ihre Geschichte zu erzählen, doch sie darf mit niemandem über das Geheimnis sprechen. Eines Tages wird Clara von dem Vampir Werner aufgespürt. Es gelingt ihr, ihn zu überrumpeln und zu töten. Doch nun müssen die Frauen wieder einmal umziehen. Sie gelangen in das Küstenstädtchen, in dem Eleanor geboren worden ist. Dort reißt Clara einen Mann namens Noel auf, dessen Vertrauen sie gewinnt. Sie und ihre Tochter dürfen bei ihm einziehen. Noel besitzt ein heruntergekommenes Hotel namens "Byzantium", in dem Clara bald ein Bordell einrichtet. Eleanor begegnet dem Schüler Frank. Die beiden verlieben sich ineinander. Eleanor besucht sogar Franks College, um ihm nahe sein zu können. Als Hausaufgabe sollen die Schüler einen Aufsatz über sich selbst schreiben. Eleanor beschließt, endlich die Wahrheit aufzuschreiben, doch der Text ist nur für Frank bestimmt.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begegnet Clara, Tochter eines einfachen Fischers, dem adligen Offizier Darvell. Er ist freundlich zu ihr, doch sein Vorgesetzter, der skrupellose Captain Ruthven, hat andere Absichten. Er verschachert sie an ein Bordell und vergewaltigt sie. Einige Zeit später kommt Eleanor zur Welt. Clara soll sie töten, doch sie verschont das Kind und legt es auf der Schwelle eines Waisenhauses ab, dem sie eine monatliche Geldsumme für den Unterhalt Eleanors zukommen lässt. Das Kind wird im Glauben gelassen, seine Mutter sei tot. Jahre später wird Clara von einer schweren Lungenkrankheit befallen. Dennoch vergnügen sich Ruthven und seinesgleichen nach Belieben mit ihr. Eines Tages erhält Ruthven Besuch von Darvell, den er für tot hält. Er erzählt Clara, dass Darvell im Krieg verwundet wurde und an einem tödlichen Fieber erkrankt ist. Er hat in alten Schriften nach einem Ausweg gesucht und auf diese Weise Kontakt zur Bruderschaft der Vampire erhalten. Diese haben ihn für würdig erachtet, in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden, und ihm eine Karte überlassen, auf der eine einsame Insel verzeichnet ist. In Begleitung Ruthvens ist Darwell dorthin gereist und hat in einem Tempel den "Namenlosen Heiligen" getroffen. Von diesem wurde er zum Vampir gemacht. Nun will Darwell diese Gunst Ruthven zuteil werden lassen, übergibt ihm die Karte und geht. Clara erkennt ihre Chance. Sie schießt Ruthven an, stiehlt die Karte und sucht die Insel allein auf. Sie akzeptiert den Tod, der im Tempel auf sie wartet, und erhebt sich danach als Vampir. Sie muss sich der Bruderschaft stellen. Da es dem Kodex der Bruderschaft widerspricht, einen anderen Vampir zu töten, darf sie weiterleben, solange sie sich selbst an den Kodex hält. Sie wird nie Teil der Bruderschaft sein und es ist ihr als Frau verboten, selbst Vampire zu erschaffen. Dieses Gebot übertritt Clara jedoch schon wenig später. Sie beobachtet, wie Ruthven Eleanor aus dem Waisenhaus holt. Sie kann nicht verhindern, dass er sie vergewaltigt und mit derselben tödlichen Krankheit infiziert, an der er selbst leidet. Clara tötet Ruthven und bringt Eleanor zu der einsamen Insel. Dort wird Eleanor im Alter von sechzehn Jahren zum Vampir.

Frank glaubt diese phantastische Geschichte zunächst nicht und gibt den Aufsatz seinen Lehrern. Die gehen davon aus, dass Eleanor mit dem Aufsatz auf reale Familienprobleme hinweisen will, und sprechen nicht nur sie darauf an, sondern auch Clara. Clara ist somit gezwungen, einen der Lehrer zu töten. Derweil gelingt es Eleanor, Frank davon zu überzeugen, dass jedes Wort ihrer Geschichte wahr ist. Sie möchte ihn zum Vampir machen, denn er leidet an Leukämie. Als sich Eleanor von ihrer Mutter trennen will, sperrt diese sie in einer Fahrstuhlkabine ein, wobei Noel unglücklicherweise im Schacht zu Tode stürzt. Dann sucht Clara Frank auf, um den Mitwisser zu beseitigen. Doch inzwischen haben Darvell und der noch ältere Vampir Savella die Spur von Mutter und Tochter bis zu dem Küstenstädtchen verfolgt. Sie greifen sich Eleanor, um Clara zu zwingen, sich zu zeigen. Tatsächlich lässt Clara von Frank ab und jagt den Vampiren hinterher, wird aber überwältigt. Darvell, der sie köpfen soll, tötet stattdessen Savella. Es ist ihm schon immer darum gegangen, Clara zu finden, um sie vor der Bruderschaft zu beschützen. Clara sieht ein, dass sie Eleanor nicht für immer an sich binden kann, und lässt sie mit Frank ziehen. Eleanor besitzt noch immer die Karte. Sie bringt Frank zu dem Tempel.


Kringels Meinung

Was ist nur aus den guten alten Vampiren geworden? Sofern sie nicht als vertierte Bestien dargestellt werden (Vampire Nation) sind sie mehr mit pubertären Beziehungskisten beschäftigt als mit der Jagd nach Blut ("Twilight", "Vampire Diaries"), wenn sie nicht gerade stilvolle Posen in Lederkorsagen einnehmen und mit großen Knarren herumballern (Underworld). Oder sie brauchen - wie in diesem Film - 200 Jahre, um ihr Familienleben auf die Reihe zu kriegen und eine problematische Mutter-Tochter-Beziehung aufzuarbeiten! Viel mehr als die Entfremdung von Mutter und Tochter, der Versuch der Tochter, sich von der überprotektiven Mutter zu lösen und eigene Wege zu gehen, steckt in der Story nämlich nicht drin.

Klar, da sind noch die sehr gut gemachten Rückblicke auf Claras und Eleanors Vergangenheit und die Jagd der Bruderschaft auf die beiden. Die Hintergrundgeschichte besteht jedoch zum Teil nur aus Andeutungen und Fragmenten, während die Bedrohung, unter der Clara noch in der Gegenwart angeblich leidet, nur einmal zu Beginn des Films und dann erst wieder beim Showdown ganz am Schluss greifbar wird. So muss man die Existenz der Bruderschaft und die Regeln ihres Kodex ebenso als gegeben hinnehmen, wie man sich nicht den Kopf darüber zerbrechen darf, was es mit dem "Namenlosen Heiligen" auf sich haben mag. Mit Licht und Spiegeln haben die Vampire in diesem Film kein Problem, aber sie können ein Haus nur betreten, wenn sie von dessen Bewohnern dazu aufgefordert werden. Der Grund dafür bleibt ebenso offen wie die Frage, warum Frauen dem Vampirkodex zufolge keine neuen Vampire erschaffen dürfen. Ist diese Vampirbruderschaft ein Club misogyner Aristokraten, der den Frauen die Fähigkeit neidet, Kinder zu bekommen? Man weiß es nicht.

Ich kann somit nicht behaupten, dass "Byzantium" spannend wäre, trotzdem war ich bis zur letzten Minute gefesselt. Das liegt unter anderem an den Hauptdarstellerinnen und den völlig gegensätzlichen Figuren. Clara lebt ganz im Hier und Jetzt, ist lebenslustig und hat kein Mitleid mit den Menschen, die sie tötet. Schon allein Gemma Artertons Körperlichkeit veranschaulicht das pralle Leben, das Clara in vollen Zügen ebenso genießt wie das Blut, das sie ihren Opfern mit spitzem Daumennagel abzapft. Eleanor dagegen kann die Erinnerung an die Vergangenheit nicht verdrängen. Sie ist introvertiert, oft schwermütig und möchte sich endlich mal mit jemandem aussprechen. Sie nimmt nur das Blut derjenigen, die sowieso sterben wollen. Da sie die Gründe für die Verhaltensregeln ihrer Mutter nicht kennt, nimmt Eleanor irgendwann an, Clara wolle sie einfach nur ganz für sich haben und gönne ihr kein eigenes Leben. Der Hauptgrund dafür, dass mir "Byzantium" so gut gefallen hat, ist die düstere Atmosphäre. Das Drama entwickelt sich in langen Einstellungen und ruhigen, aber wunderschönen Bildern. Action, Wackelkamera und sonstiger Schnichschnack des Blockbusterkinos bleiben außen vor - gut so!


Blu-ray-Features

Die Interviews mit Regisseur Neil Jordan sowie den Schauspielern Gemma Arterton, Saoirse Ronan, Sam Riley und Caleb Landry Jones enthalten hauptsächlich Allgemeinplätze und Statements, die viel zu knapp ausfallen, als dass sie irgendeinen Informationsgehalt haben könnten. Immerhin erfährt man, dass in Hastings (England) gedreht wurde und dass manche Namen nicht zufällig gewählt wurden, wie ich schon vermutet hatte. So heißt der Vampir in John Polidoris Roman "Der Vampyr" Ruthven. Dieser Roman wiederum basiert auf einer Novelle Lord Byrons, in dem ein Vampir namens Darvell vorkommt.

"B-Roll" ist eine Zusammenstellung unkommentierter Mitschnitte von den Dreharbeiten, die einen ganz guten Einblick in die Abläufe am Set vermitteln. Schauspieler und Filmteam warten auf ihren Einsatz, man übt ein bisschen, der Regisseur gibt Anweisungen, es wird letzte Hand ans Makeup gelegt. Wenn alle Vorbereitungen abgeschlossen sind, wird gedreht, Stunts werden absolviert und so weiter. Es ist schon interessant zu sehen, was sich so alles um die Kamera herum abspielt!


J. Kreis, 22.04.2015




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