Bullitt


Bullitt (USA, 1968)

Blu-ray, Warner Home Video
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 114 Minuten

Extras:
- Audiokommentar von Regisseur Peter Yates
- Bullitt: Steve McQueens Streben nach Authentizität (10:14 Min.)
- Steve McQueen: Die Coolness in Person (87:03 Min.)
- Auf Messers Schneide: Die Magie des Filmschnitts (99:23 Min.)
- USA-Kinotrailer

Regie:
Peter Yates

Hauptdarsteller:
Steve McQueen (Frank Bullitt)
Robert Vaughn (Walter Chalmers)
Felice Orlandi (Albert Edward Renick)
Pat Renella (John E. Ross)
Don Gordon (Delgetti)
Jacqueline Bisset (Cathy)




Story

John Ross, ein Gangster aus Chicago, hat sich bereit erklärt, als Kronzeuge für den Staatsanwalt Walter Chalmers zu fungieren und in San Francisco bei einer Anhörung zum organisierten Verbrechen vor einem Senatsausschuss gegen das Syndikat auszusagen. Chalmers erhofft sich hiervon einen gehörigen Karriereschub und maximale öffentliche Aufmerksamkeit. Ross reist am Freitag an, die Anhörung soll am Montag stattfinden. Das San Francisco Police Department erhält den Auftrag, Ross bis dahin zu beschützen. Lieutenant Frank Bullitt und zwei Kollegen übernehmen den Job. Ross wird in einer schäbigen Absteige untergebracht und rund um die Uhr bewacht. Als der Portier meldet, dass der Staatsanwalt mit einem Freund zu Besuch gekommen sei, schöpft der diensthabende Detective Stanton Verdacht und hält telefonische Rücksprache mit Bullitt. Der ordnet an, dass niemand eingelassen werden darf. Doch Ross entfernt eigenmächtig die Türkette, so dass die "Besucher" eintreten können. Es sind Killer des Syndikats, die sofort schießen und gleich wieder verschwinden. Stanton wird angeschossen, Ross wird lebensgefährlich verwundet. Beide werden ins Krankenhaus eingeliefert. Stanton hat nur einen Beinschuss abbekommen und kann Bullitt über die Sache mit der Türkette informieren. Einer der beiden Killer versucht Ross noch im Krankenhaus zu ermorden, wird aber von Bullitt vertrieben. Man hätte sich die Mühe sparen können: Trotz aufwändiger Notoperationen stirbt Ross noch am selben Tag. Bullitt geht zu Recht davon aus, dass er als Sündenbock wird herhalten müssen, und dass Chalmers weitere Ermittlungen unterbinden würde, sollte die Nachricht von Ross' Tod bekannt werden. Er will jedoch unbedingt herausfinden, wer hinter der Sache steckt. Um Zeit zu gewinnen, sorgt er mit Hilfe des zuständigen Arztes dafür, dass Ross als nicht identifiziertes Todesopfer in die Leichenhalle gebracht wird und dass seine Krankenakte verschwindet.

Chalmers versucht Druck auf Bullitts Vorgesetzten auszuüben, doch der stärkt seinem besten Mann den Rücken. Zusammen mit seinem Partner Sergeant Delgetti verfolgt Bullitt die Schritte des Überläufers zurück und findet heraus, dass Ross vor der Kontaktaufnahme mit Chalmers bei einem Hotelzimmer in San Mateo angerufen hat, in dem derzeit eine gewisse Dorothy Simmons wohnt. Außerdem wird bekannt, dass Ross dem Syndikat zwei Millionen Dollar gestohlen hat und schon in Chicago getötet werden sollte, jedoch knapp entkommen konnte. Bullitt bemerkt, dass er beschattet wird. Die beiden Killer folgen ihm per Auto. Bullitt dreht den Spieß um und macht Jagd auf die Gangster, doch dabei kommt es zu einem Unfall. Der Wagen der Killer rast in eine Tankstelle. Beide Männer verbrennen bis zur Unkenntlichkeit. Wieder einmal wird Bullitt von seinem Vorgesetzten und Chalmers zur Rede gestellt. Als er verkündet, dass Ross tot ist, verlangt Chalmers eine schriftliche Erklärung Bullitts. Er soll angeben, Ross sei nach der von ihm veranlassten "Verlegung" aus dem Krankenhaus gestorben. Darauf lässt sich Bullitt nicht ein. Sein Chef gibt ihm Zeit bis Montag zur Klärung des Falles. Da auch Bullitts Wagen beschädigt wurde und kein Dienstfahrzeug verfügbar ist, muss er sich von seiner Freundin Cathy nach San Mateo fahren lassen. Im Hotelzimmer findet Bullitt eine Tote vor. Die Frau wurde ermordet. Cathy kommt hinzu und ist nicht nur angesichts der Leiche entsetzt, sondern auch wegen der routinierten, emotionslosen Art, mit der Bullitt vorgeht. Cathy beginnt an ihrer Beziehung zu Bullitt zu zweifeln, weil sie beide offensichtlich in völlig verschiedenen Welten leben.

Im Gepäck der Toten finden Bullitt und Delgetti entscheidende Hinweise. Ihr richtiger Name lautet Dorothy Renick und sie war mit Albert Renick verheiratet. Bullitt beschafft ein Passfoto Albert Renicks, eines unbescholtenen Gebrauchtwagenhändlers aus Chicago. Das Bild und Fingerabdrücke belegen, dass Renick als John Ross aufgetreten ist. Nicht der echte Ross, sondern Renick (der ihm sehr ähnlich sieht) wurde in der Absteige erschossen. Offensichtlich wurde er von Ross benutzt, der seinen eigenen Tod vortäuschen und auf diese Weise dem Syndikat endgültig entkommen wollte. Aus diesem Grund musste auch Renicks Frau sterben, Ross hat sie erwürgt. Ross sitzt bereits in einem Flugzeug nach Übersee. In letzter Minute können Bullitt und Delgetti die Maschine aufhalten. Chalmers erscheint am Flughafen und fordert Bullitt auf, er solle ihm Ross überlassen, obwohl der Mann jetzt wegen Mordes gesucht wird. Dazu ist Bullitt nicht bereit. Er geht an Bord der Maschine, um Ross persönlich festzunehmen. Ross riecht den Braten und flieht über das Rollfeld ins Flughafengebäude. Es ist ihm gelungen, eine Pistole einzuschmuggeln, mit der er sich den Weg freischießt. In die Enge getrieben richtet er die Waffe auf Bullitt. Der Polizist schießt schneller. Ross wird tödlich getroffen. Als Bullitt nach Hause zurückkehrt, ist Cathy noch da. Anscheinend hat sie sich doch für ihn entschieden...


Kringels Meinung

...aber kann er mit sich selbst leben? Bullitts langer Blick in den Badezimmerspiegel, mit dem der Film endet, legt nahe, dass er sich diese Frage stellt. Ganz nach dem Nietzsche-Zitat "Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein." Das ist im Grunde aber Nebensache, ein Detail am Rande und für den Film ebenso wenig von Bedeutung wie Bullitts Beziehung mit Cathy. Auch sonst konnte mich die Story nicht wirklich überzeugen. Sie ist eigentlich gar nicht so verzwickt, wird aber recht stiefmütterlich behandelt. Zudem ist die Erzählweise etwas wirr und nicht immer logisch. Story und Figurenzeichnung bewegen sich meiner bescheidenen Meinung nach bestenfalls auf TV-Tatort-Niveau! Dass "Bullitt" als Klassiker des modernen Actionfilms bezeichnet wird, liegt auch nicht an den schon aus älteren Filmen bekannten Klischees: Ein ebenso wortkarger wie unbeugsamer Cop muss sich mit fiesen Gangstern und windigen Chefs herumschlagen, geht dabei unbeirrt seinen eigenen Weg und bewahrt bis zuletzt absolute Integrität. Auch was die Action angeht, erfindet "Bullitt" das Rad nicht neu. Filme mit spektakulären Schießereien un Verfolgungsjagden hat's früher schon gegeben.

Seinen Klassiker-Status verdient der Film zum großen Teil wegen des Hauptdarstellers. Steve McQueen hat einfach Charisma, ein besonderes Etwas, den Star-Faktor, das "Helden-Gen"... nennt es, wie ihr wollt: Der Mann ist in jeder Szene derart präsent, dass man alle anderen im Bild befindlichen Darsteller kaum wahrnimmt, und er verleiht selbst alltäglichen kleinen Handlungen die für ihn so typische coole Lässigkeit. Bullitt ist aber nicht nur der übliche stereotype Einzelgänger-Cop. Steve McQueen gewinnt ihm durchaus noch andere Facetten ab, etwa wenn er sich um seinen angeschossenen Partner sorgt oder wenn er zwischendurch einkaufen geht, wobei er die Fertiggerichte tarnt, indem er frisches Gemüse oben in die Einkaufstüte stopft - immerhin wartet zu Hause die Freundin. Wenn Steve McQueen mal nicht zu sehen ist, können die anderen Schauspieler aber auf jeden Fall punkten, allen voran Robert Vaughn als karrieregeiler Staatsanwalt. Jedenfalls sind alle Schauspieler in ihren Rollen jederzeit glaubwürdig.

Eine weitere entscheidende Besonderheit ist die Authentizität des Films. Wenn Bullitt die mit einem Dodge Charger durch San Francisco kachelnden Gangster mit einem Ford Mustang verfolgt - eine der längsten und legendärsten Verfolgungsjagden der Filmgeschichte - dann rasen diese Autos wirklich durch die Stadt und nicht durchs Studio. Am Steuer sitzt in vielen Szenen tatsächlich Steve McQueen! Dasselbe bei der Hatz übers Flughafen-Rollfeld. Hier hat Steve McQueen persönlich auf dem Asphalt unter einem Düsenflugzeug gelegen. Zudem wurde der gesamte Film an Originalschauplätzen gedreht, so auch in einem echten Krankenhaus mit echten Krankenschwestern und Ärzten. Auf diese Weise wird ein ganz besonderer Realismus erreicht. Nur das Kunstblut sieht allzu deutlich nach roter Farbe aus... Im Vergleich mit modernen Actionfilmen mag "Bullitt" geradezu behäbig und harmlos daherkommen, denn wir haben uns an stakkatoartige Schnittfolgen, Zerstörungsorgien und exzessive Gewaltdarstellungen gewöhnt. Dennoch kann ich ihn immer wieder anschauen, ohne mich je zu langweilen!


Blu-ray-Features

Die Liste der Extras ist kurz, aber zwei Bestandteile des Bonusmaterials haben Spielfilmlänge! Diese beiden Dokumentationen haben zwar relativ wenig mit "Bullitt" zu tun, hochinteressant sind sie gleichwohl. Hinzu kommt eine kurze Featurette aus der Entstehungszeit des Films. Darin wird gezeigt, wie Steve McQueen und Bill Hickman (ein Stuntman, der einen der beiden Killer spielt) auf einer Rennstrecke üben. Es ist weiteres Hinter-den-Szenen-Material vorhanden, mit dem gezeigt wird, dass an Originalschauplätzen gedreht wurde.

In "Steve McQueen: Die Coolness in Person" aus dem Jahre 2005 wird Leben und Werk des Schauspielers ausführlich dokumentiert. Zahlreiche Regisseure, Schauspieler und andere Filmgrößen sowie McQueens Frauen (vor allem Neile Adams, seine erste Frau) kommen zu Wort. Ihren Erzählungen kann man entnehmen, dass McQueen kein einfacher Mensch gewesen ist, und zwar nicht erst seit ihm der Starruhm zu Kopf gestiegen war. Alle großen Filme McQueens werden eingehend behandelt, Ausschnitte werden gezeigt und es wird erläutert, welche Bedeutung diese Filme für McQueen hatten - und umgekehrt. Dazu gehört natürlich auch "Bullitt", aber diesem Film wird kein breiterer Raum gewidmet als allen anderen. Man erfährt sogar ein wenig über McQueens Kindheit und Jugend, Fotos aus der damaligen Zeit sind ebenfalls zu sehen. Ich wusste gar nicht, dass McQueen eine Affäre mit Ali MacGraw hatte, die damals mit dem Produzenten Robert Evans verheiratet war, und dass die beiden später geheiratet haben. Auch über McQueens Krankheit und seine Hinwendung zur Religion war mir bis dato nichts bekannt. All das konnte ich aus dieser umfassenden Doku lernen.

"Auf Messers Schneide: Die Magie des Filmschnitts" hat noch weniger mit "Bullitt" zu tun. Hier geht es um die Geschichte des Filmschnitts von den frühesten Anfängen bis zum Jahr 2004, in dem die Doku entstanden ist. Man erfährt, wann erstmals verschiedene Szenen so zusammengeschnitten wurden, dass eine spannende Geschichte entstehen konnte, und wie sich die Tätigkeit der Cutter in den folgenden Jahrzehnten weiterentwickelt hat. Cutter und Regisseure erklären, welche Konventionen es für den Filmschnitt gab, wie diese Regeln durchbrochen wurden und welche Wirkungen man mit den verschiedenen Techniken erzielen kann. Zahlreiche Ausschnitte aus den unterschiedlichsten Filmen (auch ein kurzer von der Verfolgungsjagd in "Bullitt") verdeutlichen das, es werden auch manchmal unterschiedliche Schnittvarianten derselben Szene gezeigt. Die Unterschiede sind teils erstaunlich.


J. Kreis, 04.06.2015




Gastkommentare


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Dr. Nick (08.06.2015):

Hey Joe,

neulich lief auf Arte eine äusserst sehenswerte Doku (engl. Titel "The Kid Stays in the Picture"), auf deutsch etwa 'Das seltsame Leben des Filmproduzenten Robert Evans'. Darin wird sehr ausführlich auf die Affäre zwischen McQueen und MacGraw eingegangen. Da auf Arte alles zigmal wiederholt wird, schau mal ins Programm, ist ein toller Film für Insider.



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