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Sting - Bring on the Night Sting - Bring on the Night (GB, 1985)

DVD - Regionalcode 0, Universal
FSK: Ohne Altersbeschränkung
Laufzeit: ca. 97 Minuten

Extras
Musikvideos ("Bring on the night", "If you love somebody", "Russians"), Trailer, Fotogalerie (wahlweise mit Radiowerbung zum Film unterlegt), Personal Playlist

Regie:
Michael Apted




Der Film:

Eine Warnung vorab: Dies ist nicht einfach nur der Mitschnitt eines Livekonzerts, es ist auch keine Zusammenstellung von Musikvideos. Es ist ein abendfüllender Spielfilm über die Entstehung der ersten Solo-Tour des Musikers Matthew Gordon Sumner, genannt Sting.

Im Jahre 1985, ein Jahr nach der offiziellen Auflösung seiner Band "The Police", startete Sting seine Solokarriere mit einem gewagten Experiment. Er knüpfte nämlich musikalisch nicht einfach nur an alte Police-Zeiten an, sondern schlug ganz neue Wege ein. Er gründete eine Band, die außer ihm praktisch nur aus bekannten Jazzmusikern wie Branford Marsalis, Kenny Kirkland, Darryl Jones und Omar Hakim bestand. Der Stil seiner Musik hatte deshalb beim ersten Hinhören überhaupt keine Ähnlichkeit mehr mit dem, was man von "The Police" kannte. Das Risiko bestand jetzt natürlich in der "Altlast" der Riesenerfolge, die "The Police" gefeiert hatte; Fans von "The Police" hätten durch den völlig neuen Stil abgeschreckt werden können. Außerdem war die Mixtur aus Jazz, Rock und Pop ohnehin ungewöhnlich und entsprach nicht den Hörgewohnheiten der damaligen Zeit. Das Ganze hätte also zu einem finanziellen Desaster und zum frühen Ende von Stings Karriere führen können - das Gegenteil ist eingetreten. Stings erstes Solo-Album, "The Dream of the Blue Turtles", wurde ein großer Erfolg, und auch seine erste Tournee mit der "Blue Turtles - Band" war sehr erfolgreich. Der Film dokumentiert die Vorbereitung dieser Tournee bis zum ersten Auftritt im Theatre Mogador in Paris.

Schon die Proben sind interessant. Die fanden nämlich im Chateau du Courson statt, einem im 17. Jahrhundert erbauten Schloß. Ich frage mich immer noch, wie Sting es geschafft hat, die Erlaubnis für Proben in diesem historischen Gebäude zu erhalten. Scheinbar haben die Bandmitglieder dort sogar gewohnt. Besonders lustig: Einmal wird eine Touristengruppe durch die Räume geführt, während die Band ein besonders lautes und schnelles Musikstück spielt. Die Reaktionen der meist älteren Leute sind einfach köstlich. Man sieht, wie Sting und seine Musiker zusammenarbeiten, um die Arrangements richtig hinzukriegen. Es werden immer wieder Interviews mit allen Musikern eingeflochten, so dass man mehr über ihren Hintergrund, ihre Vorstellungen zur Zusammenarbeit mit Sting und über ihre Gedanken zur bevorstehenden Tour erfährt. Die Bühne wird besichtigt und gleich gibt es Ärger: Sting meint, die Musiker seien zu weit weg, Manager Miles Copeland ist mehr als unzufrieden mit der Farbgebung der ganzen Show. Außerdem ist Trudy, Stings Frau, hochschwanger. Die Geburt des Kindes ist ebenfalls im Film zu sehen - ein sichtlich gerührter Sting durchtrennt die Nabelschnur. Dann ist es soweit: Der erste Auftritt steht an. Keiner kann sich so recht vorstellen, wie das Publikum reagieren wird. Die Musiker betreten die Bühne und legen los. Zunächst sitzt das Publikum wie festgleimt auf den Sesseln, aber schon nach wenigen Titeln hält es die Leute dort nicht mehr. Mir geht's genauso...

Vom Kauf kann ich nur jenen Leuten abraten, die mit Stings frühen Solo-Werken (die sich deutlich von seinen neueren CDs unterscheiden) rein gar nichts anfangen können. Für alle anderen ist dieser Film ein absolutes Muss. Es gibt übrigens auch eine CD, die einen Mitschnitt eines Konzerts aus dieser Tournee enthält.

Die DVD:

Dieser geniale Film ist auf DVD wegen der hervorragenden (remasterten) Bild- und Tonqualität ein besonderer Genuß. Die obige Auflistung der Extras spricht eigentlich für sich selbst. Die Musikvideos stammen aus der Steinzeit dieses Genres und sind daher (mit Ausnahme von "Russians") nicht wirklich sehenswert. Die "Personal Playlist" ermöglicht es, aus den Kapiteln der DVD, die mit einzelnen Musikstücken identisch sind, eine eigene Abspielreihenfolge zu erstellen.

J. Kreis, 26.07.2006
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