Brimstone and Treacle


Brimstone and Treacle (GB, 1982)

DVD Regionalcode 2, Prism Leisure
Altersfreigabe: BBFC 18 (nicht FSK-geprüft)
Laufzeit: ca. 83 Minuten

Extras
Keine

Regie:
Richard Loncraine

Hauptdarsteller:
Matthew Gordon Sumner - "Sting" (Martin Taylor)
Joan Plowright (Norma Bates)
Denholm Elliott (Thomas Bates)
Suzanna Hamilton (Patricia Bates)




Inhalt:

Ein junger Mann, der sich Martin Taylor nennt, durchstreift die Stadt auf der Suche nach Menschen, deren Vertrauen er sich erschleichen kann. In Thomas und Norma Bates, einem alternden Ehepaar, findet er geeignete Opfer. Patricia, ihre Tochter, liegt seit einem Unfall vor vier Jahren im Wachkoma. Patricia spricht nicht und scheint nicht wahrzunehmen, was um sie herum vorgeht. Sie muss gefüttert, gewaschen und gepflegt werden. Norma übernimmt diese Aufgabe allein, da Tom nicht bereit ist, fremde Hilfe anzunehmen. Norma droht unter der extremen Dauerbelastung zusammenzubrechen. Die Situation wird dadurch verschärft, dass Tom im Gegensatz zu Norma jede Hoffnung auf Besserung längst aufgegeben und den Glauben an Gott verloren hat. Norma ahnt nicht, dass Tom zumindest indirekt für den Zustand seiner Tochter verantwortlich ist, denn zu dem Unfall ist es gekommen, weil Patricia ihn beim Ehebruch mit seiner Sekretärin erwischt hat, panisch davongelaufen und dann von einem LKW angefahren worden ist. Tom durchlebt dieses Ereignis immer wieder in quälenden Alpträumen. Martin gibt sich als ehemaliger Freund Patricias aus. Er behauptet, er habe das Mädchen einst geliebt und ihr einen Heiratsantrag gemacht, Patricia habe jedoch um Bedenkzeit gebeten. Deshalb habe er die letzten Jahre in den USA verbracht. Angeblich hat er nur den einen Wunsch, Patricia nahe zu sein. Geschickt schmeichelt er sich bei Norma ein und darf bleiben.

Schnell erkennt Martin die Spannungen zwischen den Eheleuten und nutzt sie aus, um einen Keil zwischen die beiden zu treiben und sich auf Normas Seite zu stellen. Als Tom am nächsten Tag zur Arbeit fährt, bietet er Norma an, Patricia zu beaufsichtigen, damit Norma endlich einmal das Haus verlassen und sich selbst etwas Zeit gönnen kann. Norma vertraut dem scheinbar so selbstlosen, wohlerzogenen, gottesfürchtigen jungen Mann und lässt ihn mit Patricia allein. Als sie nach etwas Shopping und einem Friseurbesuch zurückkommt, fühlt sie sich zum ersten Mal seit Jahren wie befreit. Außerdem sieht es so aus, als habe sich Patricias Zustand verbessert; das Mädchen wirkt bewusster als zuvor. Norma ahnt nicht, dass Martin ihre Abwesenheit genutzt hat, um sich an Patricia zu vergehen. Am Abend kommt es zwar zum Streit zwischen den Eheleuten, da Tom misstrauisch bleibt und den Eindringling am liebsten sofort vor die Tür setzen würde. Es gelingt Martin jedoch, auch Toms Gunst zu gewinnen, indem er ihn bekocht und ihm nach dem Mund redet. In der folgenden Nacht versucht Martin Patricia zu vergewaltigen. Das Mädchen beginnt zu schreien, so dass die alarmierten Eltern herbeieilen. Martin flieht. Durch den Schock kommt Patricia wieder zu Bewusstsein. Mit ihren ersten Worten wirft sie Tom den Ehebruch vor, den er seiner Frau in all den Jahren verschwiegen hat.

Martin begibt sich auf die Suche nach einer neuen Bekanntschaft. Als er wieder einmal "zufällig" mit jemandem zusammenstößt (seine übliche Masche), muss er feststellen, dass diesmal er das Opfer sein soll...

Der Film:

"Brimstone and Treacle" ist die Filmversion eines Fernsehspiels aus dem Jahre 1976, geschrieben von Dennis Potter. Beide Fassungen sind hierzulande weitgehend unbekannt, und ich hätte nie von ihrer Existenz erfahren, wenn ich nicht seit Jahrzehnten Fan von The Police wäre. Als solcher habe ich natürlich schon immer alles an Tonträgern gekauft, was irgendwie mit dieser Band zu tun hatte. Und bei der Suche nach neuem Material ist mir irgendwann Mitte der Achtziger der Soundtrack zu diesem Film in die Hände gefallen. Der größte Teil des Soundtracks wurde nämlich von Sting geschrieben und von ihm bzw. The Police eingespielt. Außerdem gehören noch die Titel "We got the Beat" von den Go-Gos und "Up the Junction" von Squeeze zum Soundtrack. Die LP wurde natürlich sofort gekauft. Ich fand die Musik gut und hätte mir gern auch den Film angesehen, denn Sting spielt darin eine Hauptrolle. Das war damals illusorisch, aber dann kam das Internet - und siehe da: Man erhält die DVD problemlos als Import aus Großbritannien.

Der Film ist zwar keine Offenbarung, für Fans von Sting und The Police ist er trotzdem ein Muss, schon wegen der Musik, die hier doch noch teilweise ein bisschen anders klingt als auf der LP. Selbst Nicht-Fans können mal einen Blick riskieren, denn die schauspielerischen Leistungen sind beeindruckend. Das gilt vor allem für Denholm Elliott und Joan Plowright, die die zwischen Hoffnung und Verzweiflung schwankenden Eltern bemerkenswert gut verkörpern - so gut, dass man den Unterschied zwischen Sting (der sich immerhin recht wacker schlägt) und einem echten Schauspieler doch recht deutlich erkennen kann. Fast wird Sting sogar von Suzanna Hamilton an die Wand gespielt, die ja während der meisten Zeit kaum mehr zu tun hat, als im Pflegebett zu liegen und unartikulierte Geräusche von sich zu geben. Die irgendwie "typisch britische" Atmosphäre und die kleinbürgerliche Enge bei Familie Bates, die Doppelmoral des Gatten und der naive Glaube der Ehefrau, die in einem handlungsunfähigen Körper eingesperrte, aber durchaus nicht bewusstlose Tochter, die kleinen Tricks und Intrigen des geheimnisvollen Fremden, mehrere surreale Traumszenen - das alles passt gut zusammen und macht den Film sehenswert.

Es bleibt unklar, wer der Fremde wirklich ist. Der Teufel, wie der Titel des Films ("Schwefel und Sirup") vermuten lässt und wie Sting irgendwann einmal angedeutet hat? Oder einfach nur ein Heimatloser, der sich wie ein Parasit wechselnde Wirte sucht und in Mrs. Bates ein nur zu bereitwilliges Opfer findet? Ich würde zu letzterem tendieren. Dass die Kranke ausgerechnet durch den Vergewaltigungsversuch geheilt wird, ist natürlich starker Tobak, ebenso die Szenen, in denen Martin die hilflose Patricia betatscht. Die Vorstellung, dass die junge Frau in Wahrheit alles mitbekommt, sich aber weder wehren noch wenigstens um Hilfe rufen kann, ist ziemlich bedrückend...

DVD-Features:

Eine deutsche Tonspur ist ebenso wenig vorhanden wie Bonusmaterial. Da es auch keine Untertitel gibt, muss man schon ein wenig Englisch verstehen, um den Film goutieren zu können, da er natürlich sehr dialoglastig ist. Leider hat man sich einmal nicht die Mühe eines Remasterings gemacht. Verschmutzungen, Sprünge und sonstige Störungen trüben den Filmgenuss an zahlreichen Stellen. Das ist bestenfalls VHS-Qualität. Schade, dass nicht mal das Musikvideo zu "Spread a little Happiness" (von Sting während des Abspanns gesungen) auf die DVD gepackt wurde.


J. Kreis, 12.06.2011




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