Die Braut


Die Braut (GB/USA, 1985)
- The Bride -

DVD Regionalcode 2, Sony Pictures Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 114 Minuten

Extras:
- Audiokommentar des Regisseurs

Regie:
Franc Roddam

Hauptdarsteller:
Sting (Baron Charles Frankenstein)
Jennifer Beals (Eva)
Clancy Brown (Viktor)
David Rappaport (Rinaldo)
Alexei Sayle (Magar)
Phil Daniels (Bela)
Cary Elwes (Captain Josef Schoden)




Story

Baron Charles Frankenstein hat in seinem Schloss eine aus Leichenteilen zusammengestückelte und mittels elektrischer Energie zum Leben erweckte Kreatur erschaffen. Das etwas unbeholfene und mit einfachen Geistesgaben ausgestattete, übermenschlich starke männliche Wesen hat keinen Namen und keine Freunde. Mit der Hilfe seines Kollegen Dr. Zalhus und des Assistenten Paulus gelingt es Frankenstein, eine weitere Kreatur zum Leben zu erwecken. Die junge Frau ist im Gegensatz zu der männlichen Kreatur körperlich perfekt. Als die männliche Kreatur Besitzansprüche auf die Frau geltend macht, reagiert diese angsterfüllt. Die männliche Kreatur wird zornig und beschädigt eine der Apparaturen im Turmlabor. Feuer bricht aus, es kommt zu einer Explosion. Zalhus und Paulus werden durch Flammen und herabstürzende Trümmer getötet. Die männliche Kreatur flieht in den Wald, Frankenstein hält das Wesen für tot. Wenig später begegnet die Kreatur dem Zwerg Rinaldo, schließt sich ihm an und begleitet ihn nach Budapest. Dort will sich Rinaldo bei einem Zirkus verdingen und Geld verdienen, um seinen Traum verwirklichen und nach Venedig reisen zu können. Er gibt der Kreatur den Namen Viktor und bringt ihm bei, wie man mit Menschen zusammenlebt. Während der langen Reise werden die beiden zu guten Freunden.



Die Braut

(Der Baron starrt ausdruckslos - äh - voller Konzentration auf seine neue Schöpfung)


Frankenstein versiegelt den Turm. Er behält die weibliche Kreatur bei sich und gibt ihr den Namen Eva. Er verheimlicht ihr die Wahrheit und erfindet eine Geschichte, um ihre Anwesenheit im Schloss für die Öffentlichkeit plausibel zu machen. Angeblich wurde Eva vom Blitz getroffen und hat dabei ihr Gedächtnis verloren. Frankenstein behauptet, jemand habe sie im Wald gefunden und ins Schloss gebracht, damit Frankenstein ihr helfen könne. Fasziniert von der Schönheit seiner Schöpfung beschließt Frankenstein, Eva zur perfekten Frau zu formen. Ihre geistige Entwicklung soll frei von den für Frauen geltenden Zwängen der Männergesellschaft ihrer Zeit erfolgen, so dass sie zu einer gleichberechtigten und ebenbürtigen Partnerin werden kann. Eva lernt schnell. Sie eignet sich eine umfassende Bildung sowie die in besseren Kreisen benötigte Etikette an. Schließlich führt Frankenstein seinen Schützling in die Adelsgesellschaft ein, wo sie mit ihrem Esprit großen Eindruck macht. Doch Eva leidet darunter, keine Vergangenheit und kein echtes Zuhause zu haben. Frankenstein ist nicht glücklich über Evas Unabhängigkeit, obwohl er genau das erzielen wollte. Der Baron ist erbost, weil Eva ihm nicht gehorcht und noch weniger gefällt ihm, dass sie sich trotz der Reichtümer, mit denen er sie überschüttet, nicht für ihn interessiert, sondern für Captain Josef Schoden. Tatsächlich sieht Frankenstein in Eva inzwischen mehr als eine Seelenverwandte. Er will sie als Geliebte besitzen.



Die Braut

(Die neu erschaffene Kreatur weiß nicht, wer oder was sie ist)


Inzwischen haben Rinaldo und Viktor ihr erstes Ziel erreicht. In Budapest wurden beide vom Zirkusdirektor Magar eingestellt. Viktor sollte eigenlich nur Arbeitsdienst leisten, doch es stellt sich heraus, dass Rinaldos Clownsnummer doppelt gut ankommt, wenn Viktor dabei mitspielt. Die beiden können es sich erlauben, mehr Lohn zu fordern, so dass sich ihr Goldbeutel schnell füllt. Doch Magar hat vom ersten Tage an einen regelrechten Hass auf Rinaldo entwickelt. Eines Tages schneidet Magars Gehilfe Bela das Seil an, mit dem sich Rinaldo am Trapez sichert. Bei der nächsten Vorstellung stürzt Rinaldo ab und erliegt wenig später seinen schweren Verletzungen. Als Viktor erfährt, wer dahintersteckt, tötet er Bela und flieht, wobei er das von Bela vergeblich gesuchte Geld mitnimmt. Er kehrt in die Gegend von Schloss Frankenstein zurück und begegnet dort Eva, die er aus ganzem Herzen liebt. Er sagt ihr zunächst nicht, wer er wirklich ist. Wenig später wird er in der Stadt zufällig von den Zirkusleuten gesehen. Diese mobilisieren den örtlichen Gendarmen und verfolgen Viktor. Er wird gefangen genommen und im Kerker angekettet.



Die Braut

(Die männliche Kreatur hätte jetzt gern eine Braut)


Nach einem Maskenball, bei dem sie von Schoden geküsst wurde, begibt sich Eva heimlich zu einem Stelldichein mit dem jungen Offizier. Frankenstein folgt ihr und trennt die beiden. Zu ihrem Entsetzen muss Eva erfahren, dass dem Captain gar nichts an ihr liegt. Zurück im Schloss kommt es zu einer hässlichen Szene. Als Eva sagt, sie gehöre nicht Frankenstein, da er sie nicht erschaffen habe, beweist er ihr das Gegenteil. Anschließend will er sie vergewaltigen. Evas Verzweiflung und Angst überträgt sich auf Viktor. Die beiden Kreaturen sind durch ein geistiges Band miteinander verbunden und können besonders starke Emotionen des anderen spüren. Viktor bricht aus dem Kerker aus, eilt zum Schloss und stellt sich dem Baron zum Kampf. Dabei stürzt Frankenstein vom Laborturm in den Tod. Viktor und Eva fühlen sich zueinander hingezogen. Nachdem Viktor erklärt hat, dass auch er von Frankenstein erschaffen wurde, möchte Eva ihm die Welt zeigen. Die beiden reisen nach Venedig.



Die Braut

(Rinaldo)


Kringels Meinung

Ich schätze Sting als Frontmann von "The Police", aber als Schauspieler ... Schwamm drüber. Ich möchte nicht so weit gehen zu behaupten, dass er "Die Braut" ruiniert, aber meiner Meinung nach eignet er sich definitiv nicht für eine Hauptrolle. Wenn er schon mitspielen musste, wäre er vielleicht in der Rolle des Captain Schoden besser besetzt gewesen. Für die Figur des Barons hätte man stattdessen einen Schauspieler wählen sollen, der fähig ist, mehr als nur oberflächliche Gefühle zum Ausdruck zu bringen - schon das gelingt dem guten Sting nur selten - und deutlich zu machen, was den Baron eigentlich umtreibt. Sting kann weder als Wissenschaftler, der Gott spielen will, noch als früher Vertreter des Feminismus überzeugen, und wenn es darum geht, die innere Wandlung eines Mannes zu zeigen, dessen wissenschaftliches Interesse an der eigenen Schöpfung allmählich durch weniger edle Begierden ersetzt wird, bis am Ende alle Hemmungen fallen, scheitert Sting grandios. Es reicht halt nicht, sich in elegante Posen zu werfen, ab und zu die Stirn zu runzeln, eine Augenbraue hochzuziehen oder rumzubrüllen.

Doch auch mit einem anderen Hauptdarsteller wäre "Die Braut" wahrscheinlich kein entscheidend besserer Film geworden. Er hat durchaus seine Momente, das will ich gar nicht leugnen. Zu Beginn werden gruselige Szenen in Frankensteins Labor geboten (nicht ganz tote Leichenteile in Glasbehältern inklusive), bis hin zur spektakulären Vernichtung desselben. Vielleicht etwas allzu klischeehaft, aber spaßig. Doch das war's dann auch schon mit Spezialeffekten und Horror-Atmosphäre! Anschließend zerfällt "Die Braut" in zwei isoliert nebeneinander stehende Handlungsebenen, die kein stimmiges Ganzes ergeben. Man könnte sogar sagen: Hier laufen zwei völlig verschiedene Filme gleichzeitig ab. Die Frankenstein-Eva-Story ist eine Art Kostümfilm mit einem sehr von sich selbst eingenommenen Adligen, der offenbar keine Lust auf die Damen seiner Epoche hat und sich lieber mit einer weiblichen Kopie seiner selbst vermählen würde, dabei aber nicht berücksichtigt, dass eine von jeglicher Unterdrückung befreite Frau auf die Idee kommen könnte, eigene Wünsche zu haben. Das ist im Grunde keine schlechte Grundidee. Vielleicht war "Die Braut" ja als Plädoyer für die Gleichberechtigung gedacht? Aber hier haben wir das oben genannte Problem. Mit Sting in der Hauptrolle geht das Beziehungsdrama total daneben. Und ehrlich gesagt liefert auch Jennifer Beals nicht gerade eine schauspielerische Glanzleistung ab. Als desorientierte, nach der eigenen Identität suchende "Neugeborene" mag sie noch überzeugen, aber nicht als rebellierende selbstständige Frau.

Die Viktor-Rinaldo-Ebene ist für sich genommen viel besser gelungen, aber die ganze hier erzählte Geschichte ist im Kontext des Films sinnlos. Das "Monster" sieht rein äußerlich überhaupt nicht Furcht einflößend aus. Hier und da ein paar Narben, das ist alles. Auch innerlich keine Spur von Monstrosität, die überwunden werden müsste. Viktor ist lediglich ein bisschen naiv und unerfahren im Umgang mit Menschen. Für die Frankenstein-Eva-Story hätte es völlig gereicht, wenn sich Viktor in der Nähe des Schlosses versteckt und ab und zu versucht hätte, Kontakt mit Eva aufzunehmen. Das Endergebnis wäre dasselbe gewesen, vielleicht sogar ein besseres. Denn das Ende kommt überhastet; Viktor und Eva haben überhaupt keine Gelegenheit, einander kennen zu lernen. Wozu also soll der Rinaldo-Subplot dienen? Der Film wird dadurch einfach nur zu lang. Dummerweise enthält diese Ebene die einzigen wirklich berührenden Szenen. Der starke Viktor und der gewitzte Rinaldo geben ein gutes Team ab, im Gegensatz zu Frankenstein und Eva funktioniert ihre Beziehung. Rinaldo hat das Herz am rechten Fleck, nur seine Zunge sitzt etwas lose. Die Vertragsverhandlungen mit dem stets mürrischen Zirkusdirektor sind witzig und Rinaldos Ende ist wahrhaft tragisch. Leider degeneriert Viktor zeitweise zur Slapstick-Knallcharge. Das tut dieser Figur nicht gut.

Sehenswert ist "Die Braut" durchaus: Großer Abwechslungsreichtum bei den interessanten Drehorten, prächtige Kostüme und so weiter erfreuen das Auge. Besonders gut haben mir die im Sacro Bosco (auch als "Park der Ungeheuer" bekannt), in Budapest (keine Ahnung ob wirklich in dieser Stadt gedreht wurde) und im bizarren Zirkus spielenden Szenen gefallen. Sonderlich unterhaltsam ist der Film aber nicht. Und wer ihn in der irrigen Annahme anschaut, einen Horrorfilm zu sehen, dürfte hinterher mehr als nur enttäuscht sein.


J. Kreis, 06.06.2016




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