book of Blood


Book of Blood (GB, 2009)

Blu-ray, Sunfilm Entertainment
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 100 Min.

Extras
- Making of (19:02 Min.)
- Deutscher und englischer Trailer

Regie:
John Harrison

Hauptdarsteller:
Sophie Ward (Mary Florescu)
Jonas Armstrong (Simon McNeal)
Paul Blair (Reg Fuller)
Clive Russell (Leon Wyburd)




Inhalt

Leon Wyburd hat von einem Sammler einen ganz speziellen Auftrag erhalten. Wyburds Kunde interessiert sich für einen gewissen Simon McNeal - besser gesagt: Er möchte die Haut des jungen Mannes haben. Wyburd spürt Simon, dem es offensichtlich schlecht geht und der eine Mitfahrgelegenheit sucht, in einem Schnellimbiss auf. Wyburd nimmt Simon mit in eine einsame Hütte und bereitet die Häutung vor. Jetzt erkennt er, wodurch das Interesse des Kunden wirklich geweckt wurde: Simons Haut ist ein Buch des Blutes. Sie ist vollständig mit Narben und frischen Wunden in Form von Schriftzeichen verschiedener Sprachen bedeckt. Wyburd bietet Simon einen Handel an. Der junge Mann soll ihm sagen, was es mit den in seine Haut geritzten Texten auf sich hat. Dafür wird Wyburd ihm einen schnellen Tod gewähren. Simon beginnt zu erzählen...

Prof. Mary Florescu ist Professorin für Parapsychologie an der Universität Edinburgh. Sie und ihr Partner Reg Fuller recherchieren für Marys neues Buch und untersuchen ein verlassenes Haus, in dem sich grauenhafte Dinge ereignet haben. Zuletzt wurde dort ein junges Mädchen auf unerklärliche Weise getötet. Es ist Mary noch nie gelungen, greifbare Beweise für übernatürliche Phänomene zu sammeln. Jetzt sieht sie ihre Chance gekommen, denn ihr Student Simon McNeal scheint ein Medium zu sein. Er kann angeblich zukünftige Ereignisse vorhersagen. Mary fühlt sich auch emotional zu Simon hingezogen. Sie lädt ihn ein, einige Tage und Nächte mit ihr und Reg im Geisterhaus zu verbringen. Schon in der ersten Nacht scheinen sich Marys Hoffnungen zu erfüllen. Simon wird anscheinend von Geistern heimgesucht, aber Mary und Reg können sein Zimmer erst betreten, als alles vorbei ist. Die Wände sind mit Schriftzeichen übersät, die zum Teil in Flammen aufgehen. In der zweiten Nacht werden Simons Heimsuchungen schlimmer, er hat nun mehrere Schnittverletzungen. Auch Mary hat beängstigende Visionen. Sie glaubt vor dem Durchbruch zu stehen und bald einen neuen Bestseller veröffentlichen zu können. Sie beginnt ein Verhältnis mit Simon.

Bei näherer Untersuchung stellt sich heraus, dass Simon ein Betrüger ist. Er hat Mary und Reg mit verschiedenen Taschenspielertricks getäuscht. Simon gesteht alles, behauptet jedoch, die Erscheinungen in der zweiten Nacht seien echt gewesen. Als Mary ihm nicht glaubt, betritt er sein Zimmer im Geisterhaus zum dritten Mal. Diesmal zeigen sich verschiedene geisterhafte Erscheinungen im ganzen Haus, die auch von Mary und Reg wahrgenommen werden können. Reg weicht vor einem Geist zurück. Er stürzt über ein Treppengeländer in den Tod. In Simons Zimmer bietet sich Mary ein unglaublicher Anblick. Die Wände des Hauses sind verschwunden. Stattdessen ist die Welt der Toten zu sehen. Die Toten haben Straßen, die zu Kreuzungen führen. An diesen Kreuzungen können die Toten die Welt der Lebenden erreichen. Das verlassene Haus ist eine solche Kreuzung. Unzählige Tote drängen heran. Jeder einzelne ritzt Worte in Simons Haut ein. Mary erkennt, dass es den Geistern darum geht, ihre Geschichte zu erzählen. Als sie den Toten versichert, dass man ihnen künftig zuhören wird, ziehen sie sich zurück.

Wyburd erfährt weiterhin, dass die Toten nicht aufgehört haben, Simon als Medium zu benutzen. Mary hat ihn gefangen gehalten, um die Geschichten der Toten übersetzen und in ihren Büchern veröffentlichen zu können. Simon ist irgendwann geflohen, aber den Toten konnte er nicht entkommen. Wyburd bedankt sich für die interessante Erzählung, indem er Simon die Kehle durchschneidet. Nachdem er die Leiche gehäutet hat, ruft er den Sammler an. Plötzlich quillt Blut aus dem Koffer, in dem die Haut untergebracht ist. Die ganze Hütte wird geflutet. Wyburd kann nicht entkommen. Als Wyburds Auftraggeber am nächsten Tag erscheint, liegt der Mörder tot auf dem Boden der völlig trockenen Hütte. Der Sammler ist niemand anderer als Mary. Sie nimmt die Haut an sich, auf der immer noch neue Schriftzeichen erscheinen.

Kommentar

Clive Barkers Bücher des Blutes sind sechs Sammlungen mit Horror-Kurzgeschichten. Einzelne wurden bereits verfilmt, zum Beispiel "Moloch Angst" (der Film hat den Titel Dread) und The Midnight Meat Train. "Das Buch des Blutes" und "Auf der Jerusalem Street", die allererste und die allerletzte Story in den Sammlungen, bilden eine Art Rahmenhandlung. Sie erzählen die Geschichte des jungen Mannes, auf dessen Haut die Toten ihre Erlebnisse niedergeschrieben haben - jene Erlebnisse, die in den Storys der Bücher des Blutes geschildert werden. Der Film beruht auf diesen beiden Storys. Die Handlung wurde aber ein wenig ausgeschmückt und erweitert, weil die Storys wohl nicht genug Stoff für einen Langfilm hergegeben hätten. In den Storys wird zum Beispiel nur kurz erwähnt, dass sich in dem Haus, das auf der Kreuzung der Toten steht, schreckliche Dinge ereignet haben. Barker geht nicht genauer auf diese Ereignisse ein. Im Film werden sie gezeigt: Vor längerer Zeit hat ein Spiritist dort Seancen abgehalten und wurde zur Strafe von den Geistern getötet. In jüngerer Vergangenheit ist der Tochter der neuen Bewohner aus ähnlichen Gründen dasselbe widerfahren. Die Vergangenheit der beiden Hauptfiguren Mary und Simon spielt im Film eine ziemlich große Rolle. Beide hatten schon als Kinder Geistervisionen. In den Storys kommt das alles überhaupt nicht vor. Ansonsten wurden nur unwichtige Details verändert, im Großen und Ganzen wird die Geschichte recht werksgetreu wiedergegeben.

Werktreue ist aber kein Garant für Spannung. Dabei fängt der Film mit der Entführung Simons und dem Tod des Mädchens im Geisterhaus richtig stark an. Man sieht, wie das Mädchen von einer unsichtbaren Macht angegriffen wird, die ihr schließlich die Haut vom Gesicht reißt. Das sind packende Momente, durch die klar gemacht wird, dass mit dem Haus wirklich etwas nicht stimmt, und dass die Toten nicht mit sich spaßen lassen. Danach wird aber einige Gänge runtergeschaltet. Prompt stellt sich zeitweise gepflegte Langeweile ein. Die Liebesgeschichte hat mich nicht hundertprozentig überzeugt und ich finde, ihr wird zu breiter Raum gewährt. Der kleine Plot-Twist (Simons Entlarvung) verfehlt zwar seine Wirkung nicht, aber der Weg dorthin ist zu lang. Leider sind die durchaus gut gelungenen Szenen am Schluss, in denen das Jenseits sichtbar wird und in denen sich die Toten auf Simons Haut verewigen, sehr schnell schon wieder vorbei. Vielleicht war nicht genug Geld für Spezialeffekte vorhanden, so dass der Film durch viele vermeintlich bedeutungsschwere Dialoge und in die Länge gezogene Szenen nach dem Motto "Jemand geht durch dunklen Korridor und erschreckt sich vor dem eigenen Schatten" gestreckt werden musste? Wohlgemerkt: Die Spezialeffekte sind sehr gut gelungen. Das gilt sowohl für die Masken als auch für die zum Glück meist sparsam eingesetzte CGI. Allein schon Simons Haut ist ein makabres Kunstwerk!

Insgesamt kann ich den Film als sehenswert bezeichnen, größtenteils allerdings aus dem einfachen Grund, weil ich ein Fan von Clive Barkers Büchern des Blutes bin und die bisherigen Verfilmungen als Gesamtwerk betrachte. Genau wie in den Kurzgeschichten wird in jedem Film eine andere Spielart des Horrors präsentiert. Exzessive, plakative Gewalt in "Midnight Meat Train", psychologischer Horror in "Dread", eine klassische Geisterhaus-Geschichte (allerdings mit einigen Erotik- und Gore-Elementen) in "Book of Blood". Die düstere Atmosphäre passt, die Schauspieler liefern solide Leistungen ab und die Schauwerte stimmen. Aber ich hätte mir denn doch mehr Spannung, mehr Horror und - zugegeben - mehr Blut gewünscht...

Blu-ray-Features

Das so genannte "Making of" enthält zwar größtenteils nur die für Werbe-Featurettes übliche Mischung aus Filmausschnitten, Interviewschnipseln und kurzen Blicken hinter die Kulissen, aber immerhin kommt der Meister selbst zu Wort. Clive Barker, der inzwischen kaum noch einen Ton herausbekommt (ähnliches ist mir schon beim Bonusmaterial von "Midnight Meat Train" aufgefallen), steuert den besten Satz bei: "Sex ist eine wunderbare Begründung dafür, dass jemand etwas dummes tut". Dieser Ansicht waren auch Regisseur und Drehbuchschreiber, und deshalb haben sie eine Liebesgeschichte eingebaut. In Clive Barkers Story wird nur kurz erwähnt, dass Mary heiß auf Simon ist. Im Film muss das als Begründung dafür herhalten, dass sich Mary nur zu gern von Simon täuschen lässt. Ansonsten wird im Making of im Grunde nur nochmal die Handlung umrissen. Immerhin wird wenigstens kurz gezeigt, wie die maskenbildnerischen Effekte entstanden sind.


J. Kreis, 12.11.2012




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