Blade Runner Collector's Edition

Blade Runner Collector's Edition

Blade Runner Blu-ray

Blade Runner Koffer

Blade Runner Ultimate Collectors Edition

Blade Runner


Blade Runner - 30th Anniversary Collector's Edition (USA 1982 / 1992 / 2007)
Blade Runner Final Cut - Special Edition (USA 2007)
Blade Runner - Ultimate Collector's Edition im limitierten Koffer (USA 1982 / 1992 / 2007)
Blade Runner - Director's Cut (USA 1992)

30th Anniversary Collector's Edition: Blu-ray
Final Cut Special Edition: Blu-ray
Ultimate Collector's Edition und Director's Cut: DVD - Regionalcode 2
Alle Versionen: Warner Home Video
Altersfreigabe: FSK 16

Laufzeit US-Kinoversion: 1:52:34
Laufzeit Internationale Kinoversion: 1:52:49
Laufzeit Director's Cut: 1:51:49
Laufzeit Final Cut: 1:52:48
Laufzeit Arbeitsfassung: 1:45:27

Extras 30th Anniversary Collector's Edition
- "Dangerous Days" - Making of Blade Runner
- Bildergalerien

Extras Special Edition
- Mehrere Audiokommentare
- Einleitung von Ridley Scott
- "Dangerous Days" - Making of Blade Runner

Extras Ultimate Collector's Edition
- Mehrere Audiokommentare
- Einleitungen von Ridley Scott zu allen Versionen
- "Dangerous Days" - Making of Blade Runner
- "Der Anfang" (Der elektrische Träumer: Autor Philip K. Dick, Das Opferlamm: Der Roman gegen den Film, Philip K. Dick: Die Blade Runner - Interviews)
- "Die Erschaffung" (Zeichen der Zeit: Das Grafikdesign, Die Mode der Zukunft: Garderobe und Styling, Bildtests: Rachael und Pris, Ein Licht, das ewig scheint: Erinnerungen an Jordan Cronenweth, Nicht verwendete und alternative Szenen)
- "Die Zeitlosigkeit" (1982 Promotion-Specials: Am Set - Convention Reel - Hinter den Kulissen, Trailer und TV-Spots, Promotion für Dystopia: Die Huldigung der Poster-Kunst, Aufdecken eines Replikanten: Die wahre Natur von Rick Deckard, Verknüpfung der Generationen: Fans und Filmemacher)
- All unsere Zukunftsvarianten

Extras Director's Cut
Keine

Regie:
Ridley Scott

Hauptdarsteller:
Harrison Ford (Rick Deckard)
Rutger Hauer (Roy Batty)
Sean Young (Rachael)
Daryl Hannah (Pris)
Edward James Olmos (Gaff)
M. Emmett Walsh (Bryant)
William Sanderson (J.F. Sebastian)
Brion James (Leon Kowalski)
Joe Turkel (Dr. Eldon Tyrell)
Joanna Cassidy (Zhora)
Morgan Paull (Holden)




Inhalt:

Los Angeles 2019. Überbevölkerung, Umweltverschmutzung, Kriminalität und Dauerregen beherrschen das Leben der Menschen. Die gewaltigen Gebäudekomplexe riesiger Konzerne recken sich in den ewig dunklen Himmel, Flugautos der Polizei kurven durch die Häuserschluchten und auf den von Neonreklamen beleuchteten Straßen drängt sich ein Vielvölkergemisch. Da echte Tiere entweder überhaupt nicht mehr existieren oder für den Normalbürger unerschwinglich sind, erfreuen sich künstliche Lebewesen großer Beliebtheit. Doch nicht nur Tiere, sondern auch Menschen werden repliziert, denn es werden Sklaven für die unmenschlich harte Arbeit in den Kolonien auf anderen Planeten benötigt. Zu diesem Zweck wurden Androiden entwickelt, die solange perfektioniert worden sind, bis sie in der aktuellen Nexus 6 - Generation kaum noch von Menschen unterschieden werden können. Diese Androiden (man nennt sie Replikanten) sind den Menschen körperlich - teilweise auch geistig - weit überlegen. Dennoch werden sie als Maschinen betrachtet und haben keine Rechte. Da sie im Laufe der Zeit echte menschliche Gefühle entwickeln, hat man ihnen eine "Sicherung" eingebaut: Ihre Lebenserwartung beträgt nur vier Jahre. Allerdings wissen sie selbst davon nichts. Der größte Hersteller von Replikanten, die Tyrell-Corporation, arbeitet weiter an der Perfektionierung seiner Produkte. Das Motto lautet: "Menschlicher als menschlich". Den Replikanten werden künstliche Erinnerungen einprogrammiert, da man erkannt hat, dass ihr Geist dem des Menschen zu sehr gleicht - sie brauchen eine (wenn auch unechte) Vergangenheit, um nicht wahnsinnig zu werden.

Seit einem Replikanten-Aufstand ist diesen Wesen der Aufenthalt auf der Erde verboten. Gelingt es einem von ihnen doch, illegal zur Erde zu gelangen, schreitet eine besondere Polizeieinheit ein: Die Blade Runner. Blade Runner haben die Aufgabe, Replikanten aufzuspüren und zu töten. Moralische Bedenken gibt es dabei nicht, und so wird das Töten eines Replikanten lediglich als "aus dem Verkehr ziehen" bezeichnet. Als es sechs Nexus 6 - Replikanten gelingt, von einer Kolonie zu entkommen und auf der Erde unterzutauchen, wobei sie Menschen töten, wird Rick Deckard hinzugezogen, der beste Blade Runner der Stadt und eigentlich schon außer Dienst. Gaff, ein Polizeioffizier mit einer Vorliebe für Origami-Figuren, führt Deckard zu Polizeichef Bryant, der dem Blade Runner die Situation erklärt. Angeblich haben die Replikanten versucht, in die Tyrell Corporation einzudringen, wobei zwei von ihnen getötet wurden. Eher widerwillig nimmt Deckard den Auftrag an. Sein erster Weg führt ihn in die Chefetage der Tyrell Corporation, wo er an Rachael, der Assistentin des Firmenchefs Dr. Eldon Tyrell, den Voight-Kampff-Test durchführt. Dr. Tyrell möchte sich von der Wirksamkeit dieses Tests überzeugen, mit dessen Hilfe man einen Menschen von einem Replikanten unterscheiden kann, weil Replikanten unter emotionalem Stress anders reagieren als echte Menschen. Der Test dauert zwar ungewöhnlich lang, aber das Ergebnis ist eindeutig: Auch Rachael ist ein Replikant, und zwar ein experimentelles Modell - die einzigartige Besonderheit besteht bei ihr darin, dass sie bis zu diesem Zeitpunkt geglaubt hatte, sie sei ein Mensch.

Nach diesem Test setzt Deckard sich auf die Spur des als Replikanten identifizierten Arbeiters Leon, der vom Blade Runner Holden aufgespürt worden war, diesen jedoch niedergeschossen hatte. In Leons Wohnung findet Deckard einige Fotos und seltsame Schuppen. Derweil machen auch die überlebenden Replikanten Fortschritte. Ihr Ziel besteht darin, Dr. Tyrell zu erreichen. Er soll ihnen sagen, wie viel Lebenszeit ihnen noch bleibt - und er soll diese Lebensspanne verlängern. Da es unmöglich ist, direkt zu Tyrell vorzudringen, machen Roy Batty, der Anführer der Gruppe, und Pris, ein "Vergnügungsmodell", sich an den Genetiker J.F. Sebastian heran. Dieser war maßgeblich an der Entwicklung der Nexus 6 - Replikanten beteiligt und hat guten Kontakt zu Tyrell; er dient ihm als Schachpartner. Die verzweifelte und verwirrte Rachael besucht Deckard, dem es inzwischen leid tut, ihre Erinnerungen als "Implantate" entlarvt zu haben, denn er beginnt sich in sie zu verlieben. Seine Ermittlungen führen ihn schließlich zu der Tänzerin Zhora - die Schuppen, die Deckard gefunden hat, stammen von der künstlichen Schlange, die Zhora für ihre Show benutzt. Deckard folgt Zhora unter einem Vorwand in die Garderobe, aber sie schöpft Verdacht und flieht. Deckard verfolgt sie durch das Verkehrschaos und schießt sie nieder. Allerdings lässt diese Tat ihn nicht so kalt, wie man es von einem professionellen Blade Runner erwarten sollte. Von Bryant erhält er nun den Zusatzauftrag, auch Rachael zu töten, da sie aus der Tyrell Corporation geflohen ist.

Als Deckard Rachael zufällig sieht und ihr folgt, wird er von Leon angegriffen, der ihm die Waffe aus der Hand schlägt und ihn fast zu Tode prügelt. Rachael hebt die Waffe auf und erschießt Leon. Deckard nimmt Rachael mit nach Hause, wo die beiden die Nacht miteinander verbringen. Ungefähr zur gleichen Zeit führt J.F. Sebastian Batty gezwungenermaßen zu Tyrell. Batty tötet Tyrell, als dieser ihm erklärt, dass eine Lebensverlängerung für Replikanten unmöglich ist. Deckard dringt in Sebastians Appartement ein, wo er Pris erschießt, als diese ihn angreift. Kurz danach kehrt Batty zurück und jagt Deckard durch das fast komplett leer stehende, verfallende Gebäude. Batty, dessen Lebensuhr unerbittlich abläuft, liefert Deckard einen harten Kampf und treibt den Blade Runner bis auf das Dach des alten Hauses. Als der in die Enge getriebene Deckard abzustürzen droht, rettet Batty ihm das Leben. Dann stirbt er, und Deckard begreift, dass es eigentlich keinen Unterschied zwischen einem Menschen und einem Replikanten gibt. Deckard holt Rachael aus seinem Appartement, um sie in Sicherheit zu bringen. Ihm ist klar, dass sie bald von anderen Blade Runnern gejagt werden wird. Im Eingangsbereich seiner Wohnung findet Deckard eines der von Gaff gefalteten Origami-Tiere: Ein Einhorn. Woher konnte Gaff wissen, dass Deckard immer wieder von einem solchen Fabelwesen träumt?


Der Film:

Dieses Meisterwerk muss man gesehen haben, am besten in der Version des Final Cut. Es gibt so viel zu Blade Runner zu sagen, dass ich meinen Kommentar diesmal ausnahmsweise in mehrere Unter-Abschnitte einteile. Und glaubt's mir ruhig: Ich fasse mich dabei noch kurz...

Final Cut

Mit der Szene, in der sich die Türen des Fahrstuhls vor Deckard und Rachael schließen, enden sowohl der Director's Cut (DC) als auch der Final Cut (FC), und das ist auch schon einer der drei gravierendsten Unterschiede im Vergleich mit der ursprünglichen Kinoversion. In der Kinoversion sieht man nach dieser Szene noch, wie Deckard mit Rachel durch eine idyllisch-grüne Landschaft fährt, die im krassen Gegensatz zur bisherigen Szenerie steht. Der zweite große Unterschied ist die viel diskutierte "Einhorn-Szene": Im Gegensatz zur Kinoversion enthalten DC und FC eine Szene, in der Deckard von einem Einhorn träumt. Unterschied Nr. 3 ist der Voice-Over Kommentar Deckards, der nur in der Kinoversion enthalten ist. Zur Bedeutung dieser Unterschiede komme ich später noch, hier nur ein paar Anmerkungen zum FC: Er entspricht fast vollständig dem DC, und das ist auch gut so. Es wurden nur ganz behutsame Veränderungen vorgenommen. Ein paar blutige Szenen aus der internationalen Kinoversion (die in der US-Kinoversion nicht enthalten sind) wurden übernommen, kleinere Fehler wurden bereinigt. Vor allem aber wurden zwei Szenen entscheidend verbessert: 1.: Bei Zhoras Tod wurde der Kopf der Stuntfrau digital durch den von Joanna Cassidy ersetzt (man konnte früher allzu deutlich sehen, dass das nicht Cassidy ist, die da durch die Glasscheiben fällt). 2.: Wenn Batty stirbt und die Taube loslässt, dann fliegt der Vogel jetzt nicht mehr in einen klaren blauen Himmel, bei dem ich mich immer gefragt habe, wohin denn plötzlich die immerwährende Nacht und die Regenwolken verschwunden waren. Der Himmel passt jetzt zum ganzen Look des Films. Somit kann ich sagen, dass auch für mich der FC die bestmögliche Version dieses düsteren, melancholischen Films ist.

Kringel und der Blade Runner

Blade Runner ist nach meiner bescheidenen Meinung einer der besten Filme aller Zeiten und führt die Liste der besten Science Fiction - Filme auch heute (2008) definitiv noch an. Er war zwar anfänglich kein großer Kassenerfolg, hat aber im Laufe der Jahre einen unschätzbaren Einfluss auf viele Autoren, Regisseure usw. ausgeübt. Ich habe ihn immer als einen der großen Wendepunkte oder Marksteine im SF-Genre betrachtet, jedenfalls hat er mein Verständnis der SF grundlegend verändert. Damals (1983 habe ich ihn, glaube ich, zum ersten Mal gesehen) bedeutete SF für mich vor allem: Bunte Weltraumabenteuer wie z.B. in Krieg der Sterne, Wohlfühlkino wie in E.T., oder aber Horror wie in Alien. Eine so dunkle, gleichzeitig aber realistische Welt wie in Blade Runner kannte ich bis dahin nicht. Der Film hat mir erst gezeigt, dass es eine SF jenseits der Space Opera gibt. Ich kann inzwischen gar nicht mehr sagen, ob ich den Film deshalb so faszinierend finde, weil der Regisseur offenbar die gleichen Bilder im Kopf hatte wie ich, oder ob ich diese Bilder überhaupt nur wegen dieses Films im Kopf habe... Es gibt in diesem Film (ich meine jetzt den FC) praktisch keine Szene, die nicht perfekt ist. Damit meine ich vor allem die visuellen Aspekte. Großartig, atemberaubend, innovativ - das sind die Begriffe, die mir dazu einfallen. Nicht zu unterschätzen ist in diesem Zusammenhang die geniale Musik von Vangelis, die ihn auch zu einem akustischen Hochgenuss macht. Man nehme als Beispiel nur die Eröffnungssequenz mit dem Flug über die beinahe apokalyptisch anmutende Großstadt oder Deckards Fahrt im Schwebewagen zum Polizeihauptquartier - das sind unvergessliche Momente, die ich mir tausendmal mit voll aufgedrehtem Ton ansehen könnte. Das Design der Stadt Los Angeles mit ihrer Mischung aus westlichen und fernöstlichen Elementen, den Hochhaus-Megakomplexen und so weiter kann nur als visionär bezeichnet werden. Wenn man bedenkt, dass all das ohne die heutige Tricktechnik und ohne jegliche Computergrafiken erreicht wurde, dann fragt man sich, warum das heute nicht mehr möglich ist. Trotz des Alters des Films wirken diese Bilder - im Gegensatz zu unzähligen anderen SF-Filmen diesen Alters (oder auch späterer Jahre) - kein bisschen altbacken oder angestaubt.

Story

Worin genau unterscheidet sich ein Mensch von einem Replikanten? Sind nur die Echtheit seiner Erinnerungen oder graduelle Unterschiede bei Gefühlsäußerungen entscheidend, die man mit dem Voight-Kampff-Test auch nur sehr unsicher beurteilen kann? Mehr nicht? Verhalten sich die künstlichen Menschen am Ende nicht sogar menschlicher als die "echten" Menschen? Was ist das eigene Bewusstsein wert, wenn es nur aus künstlich implantierten Erinnerungen besteht und wie soll man selbst den Unterschied erkennen können, wenn man nicht weiß, welcher Gruppe man denn nun angehört? Das sind die Fragen, die in diesem Film gestellt werden, sie sind auch zentrale Elemente vieler Romane und Kurzgeschichten des Schriftstellers P.K. Dick, von dem die Romanvorlage zu diesem Film stammt. Insoweit ist Blade Runner eine werksgetreue Umsetzung des Romans "Träumen Androiden von elektrischen Schafen?", d.h. man merkt, dass Regisseur und Drehbuchautoren verstanden haben, um was es P.K. Dick geht. Ansonsten wurde sehr frei mit der Geschichte umgegangen, viele Elemente (z.B. der Mercerismus, Deckards Ehefrau) wurden weggelassen, andere wurden abgewandelt (die Dauerberieselung durch Buster Freundlichs Sendung findet sich im Film in Form der allgegenwärtigen Werbung wieder, die Androiden Polokov und Luba Luft werden zu Leon und Zhora usw.) oder unterschiedlich bewertet (die künstlichen Tiere, ein zentrales Element des Romans, werden im Film nur am Rande erwähnt). Das ist aber auch gut so, schließlich kann man eine Geschichte im Film nicht so erzählen, wie es in einem Roman möglich ist. Ein sklavisches Kleben an der Romanvorlage hätte dem Film mit Sicherheit nicht gut getan. Zwar ist der Grundton des Films ein anderer als der des Romans und natürlich wird auch mehr Gewicht auf Action und "Schauwerte" gelegt, insgesamt halte ich Blade Runner aber für die derzeit beste Verfilmung eines Dick-Textes.

Deckard = Replikant?

Zu den für Geschichten P.K. Dicks typischen Elementen gehört auch die Frage, ob Deckard denn nun ein Replikant ist oder nicht, und damit sind wir bei einem der oben erwähnten Unterschiede zwischen DC/FC und Kinoversion. In der Kinoversion wird dieser Aspekt - wie im Roman - nur leicht angedeutet. DC/FC enthalten im Gegensatz dazu einige (nach Ansicht vieler Kritiker zu viele) eindeutige Hinweise darauf, dass Deckard ein Replikant sein könnte. Bekanntestes Beispiel: Deckard träumt von einem Einhorn, und Gaff kennt diese sehr persönliche Erinnerung (deswegen das Origami-Einhorn), d.h. bei diesem Traum handelt es sich offensichtlich um eine implantierte Erinnerung. Gaff hat vermutlich in Deckards Akte etwas darüber gelesen. Somit müsste Deckard, also der Held des Films, mit dem der Zuschauer sich identifiziert, ein Replikant sein.

Manche Kritiker meinen, es würde den Film abwerten, wenn Deckard ein Replikant wäre, weil dann seine veränderte Einstellung zu den anderen Replikanten nichts mehr wert sei (wäre er einer von ihnen, dann wäre es nichts Besonderes, dass er Sympathien für sie entwickelt). Sie interpretieren den Film so, dass Deckard dabei ist, wegen seines unmenschlichen Jobs die eigene Menschlichkeit zu verlieren, und dass er sie dann durch seine Beziehung zu Rachael zurückgewinnt. Man könnte aber auch sagen: Deckard ist - als Replikant - das Musterbeispiel dafür, dass es gar keinen echten Unterschied zwischen Replikanten und Menschen gibt. Gleichgültig, ob seine Erinnerungen echt oder implantiert sind - es sind seine Entscheidungen, Taten und Gefühle, die ihn menschlich machen.

Eine eindeutige Antwort auf die Replikantenfrage gibt es zwar nicht, aber meiner Meinung nach ist genau das etwas, das den DC/FC mehr in die Nähe des Werks von P.K. Dick rückt: Dass Deckards Wahrnehmung der Realität sich grundlegend wandelt und dass er sein Menschsein in Frage stellen muss, ohne zu wissen, was wahr und "real" ist und was nicht - das sind typische Themen in vielen Romanen und Geschichten des Autors.

Film Noir

Blade Runner erinnert in vielen Elementen an einen typischen Film noir. Deckard ist ein tougher, einsamer, desillusionierter und dennoch beharrlicher Detektiv wie Philip Marlowe. Als weiteres Element dieses Genres war in der ursprünglichen Kinoversion fast jede Szene mit einem erzählenden Kommentar des Helden unterlegt. Diese Voice-Over-Stimme wurde im DC/FC weggelassen, und meiner Meinung nach ist das ein enormer Gewinn für den Film, denn jetzt stört nichts mehr den Genuss der wundervollen Bilder und der dazu passenden atmosphärischen Musik. Seinerzeit hatte man gedacht, die Zuschauer würden den Film nicht verstehen, deshalb wurde er ihnen durch die Voice-Over-Kommentare erzählt. Die sind so überflüssig wie ein Kropf, denn der Film spricht für sich selbst. In manchen Szenen - vor allem bei Battys Tod - stört dieses Gelaber unglaublich, es zerstört die ganze Stimmung. Kein Wunder, dass Ridley Scott und Harrison Ford die Erzählstimme gehasst haben.

Zu einem Film Noir passt ein weiterer Unterschied zwischen DC/FC und Kinoversion: Es gibt kein Happy End, das Ende ist offen und ziemlich düster. Man weiß noch nicht einmal, ob es Deckard und Rachel gelingen wird, lebend aus dem Haus herauszukommen. Das "romantische" Ende mit der Fahrt durch die grüne, intakte Natur hat mich in der Kinoversion schon immer gestört, denn es passt absolut nicht zu der dystopischen Welt, die in diesem Film bis dahin gezeigt wurde.

Ich mag Harrison Ford zwar grundsätzlich, muss aber zugeben, dass seine schauspielerische Leistung in anderen Filmen nicht immer zu den Glanzlichtern des Kinos gehört. In diesem Film aber halte ich ihn für die perfekte Besetzung Deckards. Rutger Hauer, dessen spätere Rollen man fast durchweg in der Pfeife rauchen kann, ist als ebenso brutaler wie brillanter, verletzlicher wie ungemein bedrohlicher Replikant einfach unübertrefflich. Und sein "Tears in Rain" - Schlussmonolog ist einer jener legendären Momente, die einem immer wieder eine Gänsehaut verursachen.

Blu-rays und DVDs

Jahrzehntelang war dieser Film nur als VHS-Band oder als einfache DVD ohne jegliches Bonusmaterial zu haben. Eine Zeitlang war die DVD, wenn ich mich nicht irre, sogar vergriffen. Die DVD enthielt ohnehin "nur" den Director's Cut, Fans des Voice-Over-Kommentars und des Happy Ends kamen also nicht auf ihre Kosten. Dieser Film war übrigens meine allererste DVD.

Im Jahre 2007 war es dann soweit: Anlässlich der Veröffentlichung des Final Cut wurden auch neue DVDs auf den Markt gebracht. So ist der Final Cut in Form einer Doppel-DVD und als "Ultimate Collector's Edition" in einer Metallbox erhältlich. Dieses 5-DVD-Set gibt es auch noch in einem limitierten Koffer, der außerdem diverses Spielzeug enthält und im Jahre 2007 nur bei einem großen Internet-Versandhandel erhältlich war. Diesen Koffer habe ich mir mal gegönnt, er hat die Seriennummer 0081. Allen Fans, die sich vielleicht jetzt noch ärgern, dass sie den Koffer nicht mehr erwischt haben, sei zum Trost gesagt, dass das im Handel erhältliche 5-DVD-Set die identischen Filme sowie das identische Bonusmaterial enthält, und dass um den Koffer mehr Wirbel gemacht wurde, als er verdient. So sieht er zwar aus, als würde er aus Aluminium bestehen, tatsächlich besteht er aber aus Plastik. Die 5 DVDs stecken in einem Pappschuber. Das Spielzeug besteht aus einem Modell des Spinner-Flugautos und einem kleinen Origami-Einhorn. Beides ebenfalls nur aus Plastik. Dann wurde immer behauptet, es sei ein Original-Filmausschnitt in einer Acryllinse dabei - tatsächlich ist es was ganz anderes, nämlich eines dieser Wackelbilder, bei denen man je nach Blickwinkel ein anderes Motiv sieht. Schließlich befindet sich noch eine Mappe mit zahlreichen Konzeptzeichnungen im Koffer. Das ist alles. Ob ihr die horrenden Preise zahlen wollt, die Drittanbieter inzwischen dafür verlangen, müsst ihr selbst entscheiden. Ich finde nicht, dass der Koffer das wert ist.

Die DVD-Box enthält fünf verschiedene Versionen des Films (siehe oben), die 30th Anniversary Collector's Edition (Blu-ray) ebenfalls. Der Final Cut ist auch gesondert auf Blu-ray erhältlich. Das Filmmaterial wurde komplett remastered und digital restauriert, so dass vor allem der Final Cut zu einem ungetrübten audiovisuellen Fest wird. Das gilt natürlich in besonderem Maße für die Blu-ray-Version, die alles in den Schatten stellt, was man je zuvor gesehen hat. Aber auch die DVD-Version ist sehr gut geworden; Verschmutzungen oder Filmfehler sind jedenfalls nicht vorhanden. Abgesehen von den bekannten früheren Versionen des Films enthält die DVD-Box und die 30th Anniversary Collector's Edition noch die so genannte Arbeitsfassung, eine nicht ganz fertig gestellte Version, die für Testvorführungen verwendet wurde. Für das DVD-Release wurde auch sie restauriert. Lustig: Gegen Ende hat diese Fassung nicht mehr die Musik von Vangelis, sondern einen völlig unpassenden orchestralen Soundtrack, der sogar Battys Monolog zerstört. Der Weg, den Blade Runner von der ursprünglichen Kinoversion bis hin zum Final Cut genommen hat, wird in einem gesonderten Beitrag (ca. 28 Minuten lang) beim Bonusmaterial der DVD-Box ausführlich dokumentiert. Man sieht, welche Anstrengungen unternommen wurden, um die oben erwähnten Fehler zu beseitigen. Unter anderem wurden so etwas wie Nachdrehs gemacht: Um z.B. Joanna Cassidys Kopf in Zhoras Sterbezene einbauen zu können, musste die Schauspielerin sich noch einmal in das damalige Outfit zwängen. Damit man die Unterschiede genau erkennen kann, enthält dieser Beitrag eine Gegenüberstellung einzelner Szenen. Der Effekt ist verblüffend! Ich kann aber nur bestätigen, was die für die Überarbeitung Verantwortlichen sagen: Sie haben Wert auf eine sorgfältige Restaurierung gelegt, wollten aber "Revisionismus" vermeiden. Der ursprüngliche Charakter des Films sollte gewahrt bleiben, und das ist voll und ganz gelungen. Ihr müsst also nicht befürchten, auf Verschlimmbesserungen im Stil der Veränderungen zu stoßen, die George Lucas den alten Star Wars - Filmen hat angedeihen lassen. Manche bekannten Fehler wurden sogar absichtlich nicht bereinigt, weil die Fans sie, so verrückt es klingt, ins Herz geschlossen haben.

Das Bonusmaterial der DVD-Box ist im Gegensatz zu den Spielzeug-Gimmicks über jeden Zweifel erhaben. Mal abgesehen davon, dass man sich den Film jetzt wirklich in jeder erdenklichen Version zu Gemüte führen kann, gibt es endlich einen ganzen Berg an (auch qualitativ hochwertigem) Dokumentationsmaterial. Da wurden nicht einfach nur irgendwelche unzusammenhängenden Werbe-Featurettes auf die DVDs gepackt, nein: Das meiste Material wurde eigens für die DVD produziert. Zunächst mal leitet Ridley Scott jede Filmversion mit ein paar Bemerkungen zu den Unterschieden ein. Auf dem zweiten Silberling findet man dann ein Making Of ("Dangerous Days"), das den Namen wirklich verdient. Dieser Beitrag ist 3 Stunden und 34 Minuten lang (!!!) und geht ausführlich auf jede Phase des Entstehungsprozesses von den ersten Drehbuchentwürfen bis hin zu den Reaktionen der Kritiker und der "Wiedergeburt" in Form des Director's Cut ein. Er besteht zwar hauptsächlich aus Interviews, die im Jahre 2007 entstanden sind, aber es kommen so viele verschiedene Leute zu Wort, dass sich viele interessante Blickwinkel und auch ganz neue Aspekte ergeben. Außerdem sind zahlreiche Ausschnitte aus unveröffentlichten Szenen zu sehen; ich wusste gar nicht, dass es so viele davon gibt. Hinzu kommen immer wieder kurze Blicke hinter die Kulissen. Diese Dokumentation wird nie langweilig und ist sehr aufschlussreich, aber es gibt noch mehr!

DVD Nr. 4 bietet weitere Specials, die in mehrere Kapitel eingeteilt sind, aber auch zusammen abgespielt werden können. Die Laufzeit beträgt mehr als zwei Stunden. Es geht mit einem Beitrag über P.K. Dick los, bei dem der Meister selbst zu Wort kommt, dann werden die Unterschiede zwischen Roman und Film näher behandelt. Diverse bekannte Regisseure und andere Personen äußern sich dazu, welchen Einfluss der Film auf ihre Arbeit oder sogar ihr Leben hatte und wie sie ihn interpretieren. Dazu gehört dann auch die Frage, ob Deckard denn nun ein Replikant ist oder nicht. Einer der Interviewten sagt ganz richtig, dass die einzige korrekte Antwort nur "Vielleicht" lauten kann. Es wird genauer auf das Design kleinerer Requisiten und der Kostüme eingegangen, Kameramann Jordan Cronenweth wird ausführlich vorgestellt (er ist Ende der Neunziger gestorben) und selbst die Gestalter der Filmplakate dürfen über ihre Arbeit berichten. Schließlich sind noch Testaufnahmen zweier Schauspielerinnen zu sehen, die für die Rollen der Replikantinnen Rachel und Pris in Betracht gezogen worden waren - schon erstaunlich, wie anders der Film vermutlich geworden wäre, wenn man die beiden genommen hätte. Auch diese Extras sind hoch interessant, aber damit ist es noch immer nicht genug!

Hinzu kommen nämlich noch zahlreiche nicht verwendete bzw. alternative Szenen (Laufzeit insg. ca. 45 Minuten), die teilweise einen anderen Voice-Over-Kommentar enthalten. Die meisten Szenen sind lediglich verlängert, so sieht man z.B., dass Leon die ganze Zeit in dem Hotelzimmer versteckt war, in dem Deckard die Schlangenschuppe findet. Es gibt aber auch ganz neue Szenen, z.B. zwei, in denen Deckard Holden in dessen Krankenzimmer besucht. In der zweiten Szene werden die beiden von Bryant und Gaff beobachtet. Man muss sagen: Diese Szenen offenbaren zwar viele bisher unbekannt gewesene Aspekte, aber sie hätten dem Film nicht unbedingt gut getan. Außerdem gibt es einen Menüpunkt, über den man sich umfangreiches Tonband-Interviews anhören kann, die in den Jahren 1980 bis 1982 mit P.K. Dick geführt worden sind. Thema ist hauptsächlich Dicks Einstellung zum Film, die sich im Lauf der Zeit gewandelt hat. Weiteres zeitgenössisches Material findet man unter dem Menüpunkt "Promotion Specials": Hierbei handelt es sich um drei kürzere Featurettes (insg. sind sie ca. 36 Minuten lang), die 1982 quasi als Werbung für den Film entstanden sind. Sie enthalten auch Interviews aus der damaligen Zeit. Die dritte Featurette hat allerdings keinen Ton.

Zur Special Edition-Blu-ray des Final Cut gibt's nicht viel mehr zu sagen: Die geniale Dokumentation "Dangerous Days" ist das Herzstück des Bonusmaterials, hinzu kommen dieselben Audiokommentare wie bei der Ultimate Collector's DVD-Edition. Leider kann ich mich nach wie vor nicht mit dem Design der Blu-ray-Hüllen anfreunden; irgendwie sieht die Standardversion dieser blauen Plastikschalen billig aus. Da hätte man sich für diesen Film ruhig etwas anderes ausdenken können, d.h. die Blu-ray wirkt ziemlich lieblos. Egal: Die fantastische Bild- und Tonqualität macht diesen Nachteil allemal wett.

Im November 2012 wurde exclusiv beim bereits erwähnten Online-Versandhaus zum 30. "Geburtstag" des Films eine Blu-ray-Collector's Edition veröffentlicht, in der alle fünf Versionen des Films in HD-Qualität auf drei Blu-rays enthalten sind. Bonusmaterial sind die Dokumentation "Dangerous Days" und umfangreiche Bildergalerien. Die Collector's Edition ist recht schön gestaltet, denn die drei Blu-rays befinden sich in einem Mediabook mit einem Cover, auf dem das Origami-Einhorn in Prägedruck zu sehen ist, und neben einem hochwertigen Artbook mit Fotos, Konzeptzeichnungen und Storyboards wird ein Modell des Flugautos mitgeliefert. Es ist aufwändiger gestaltet als sein Pendant im DVD-Koffer, allerdings stimmt die Farbe nicht: Silber statt Blau.


J. Kreis, 15.03.2008
Update Blu-ray Final Cut: 17.09.2009
Update Blu-ray 30th Anniversary Collector's Edition: 25.11.2012




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